Criminal appeal withdrawn and not entered

SB130052Supreme CourtMar 6, 2013Other

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Omnilex summary

The Zurich High Court dealt with two private complainants' criminal appeals against a judgment of the District Court of Bülach concerning simple bodily harm and revocation. One appellant withdrew her appeal within the statutory period for the written appeal declaration, so the court noted the withdrawal and treated the proceedings as discontinued for her. The second appellant failed to submit any written appeal declaration within the 20-day time limit, which led the court to refuse to enter into the appeal. The first appellant bore no costs, while the second appellant was ordered to pay the appeal costs fixed at CHF 600. The district court judgment became final.

Omnilex headnote

Art. 399 Abs. 3 and Art. 428 Abs. 1 StPO; withdrawal of appeal and failure to file written appeal declaration. A timely withdrawal of an appeal before expiry of the period for the written appeal declaration results in discontinuance of the appellate proceedings and, as a rule, costs being borne by the court treasury. By contrast, the written appeal declaration is a validity requirement; if it is not filed within the statutory period, the appellate court may refrain from inviting observations and must not enter into the appeal. Costs of the failed appeal are imposed on the appellant.

Full text

Obergericht des Kantons Zürich I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB130052-O/U/eh

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und Oberrichterin lic. iur. L. Chitvanni sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Semadeni Beschluss vom 6. März 2013 in Sachen

  1. A., 2. B., Privatklägerinnen und Berufungsklägerinnen 1 vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____ 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____

sowie

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Anklägerin

gegen

C., Beschuldigter und Berufungsbeklagter amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y.

betreffend einfache Körperverletzung und Widerruf Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 15. Februar 2012 (DG110097)

Erwägungen: 1. 1.1. Am 24. Februar 2012 meldete A._____ (Privatklägerin 1) gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 15. Februar 2012 Berufung an (Urk. 83). 1.2. Mit Eingabe vom 21. März 2012, eingegangen bei der Vorinstanz am 23. März 2012, hat die Privatklägerin 1 die gegen das vorinstanzliche Urteil an- gemeldete Berufung zurückgezogen (Urk. 71). Der Rückzug der Privatklägerin 1 ging innerhalb der gesetzlichen Frist zur Einreichung einer schriftlichen Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein, weshalb im vor- liegenden Verfahren die mit dem Rückzug verbundenen Kosten auf die Gerichts- kasse zu nehmen sind (ZR 110 Nr. 37). 2. 2.1. Mit Eingabe vom 6. September 2012 (eingegangen bei der Vorinstanz am 7. September 2012) liess die Privatklägerin 2 Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil anmelden, wobei aus dem Schreiben ihres Vertreters hervorgeht, dass ihm das Urteil in unbegründeter Form erst am 4. September 2012 und mithin verspätet zugestellt wurde (Urk. 71A S. 7; Urk. 77). Ein entsprechender Empfangsschein befindet sich nicht bei den Akten. Das begründete Urteil wurde dem Vertreter sodann am 20. Dezember 2012 zugestellt (Urk. 81). 2.2. Innerhalb der in Art. 399 Abs. 3 StPO festgelegten gesetzlichen Frist von 20 Tagen ab Zustellung des begründeten Urteils - mithin bis zum 9. Januar 2013 - reichte die Vertretung der Privatklägerin 2 keine schriftliche Berufungserklärung ein. Die Einreichung einer Berufungserklärung stellt indes praxisgemäss eine Gültigkeitsvoraussetzung dar, bei deren Nichteinreichung auf die Einholung von Stellungnahmen im Sinne von Art. 403 Abs. 2 StPO verzichtet werden kann (ZR 110/2011 Nr. 69). Auf die Berufung der Privatklägerin 2 ist entsprechend nicht einzutreten. Im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO sind der Privatklägerin 2 die mit dem Nichteintretensentscheid verbundenen Kosten aufzuerlegen.

  1. 3.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 600.– festzusetzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 3 der Gebührenverordnung des Obergerichts). 3.2. Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sind im Berufungsverfahren keine Kosten angefallen (Urk. 86). Es wird beschlossen:

  2. Vom Rückzug der Berufung der Privatklägerin 1 wird Vormerk genommen. 2. Auf die Berufung der Privatklägerin 2 vom 6. September 2012 wird nicht ein- getreten. 3. Entsprechend wird das Verfahren als durch Rückzug resp. Nichteintreten erledigt abgeschrieben. Demzufolge ist das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 15. Februar 2012 rechtskräftig. 4. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 600.– festgesetzt. 5. Der Privatklägerin 1 werden keine Kosten auferlegt. 6. Der Privatklägerin 2 werden die Kosten des Berufungsverfahren auferlegt. 7. Es wird vorgemerkt, dass der amtlichen Verteidigung keine Kosten ange- fallen sind. 8. Schriftliche Mitteilung an − die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten − die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl − die Vertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin 1 − die Vertretung der Privatklägerin 2 im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin 2

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfälliger Rechtsmittel an die Vorinstanz (unter Rücksendung der Akten). 9. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf- sachen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes- gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts- gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich I. Strafkammer

Zürich, 6. März 2013

Der Präsident:

lic. iur. P. Marti

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. C. Semadeni

Keywords

criminal appealwithdrawalinadmissibilitywritten appeal declarationcostsfinality

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the first private complainant's appeal withdrawal should be noted and the appeal proceedings ended accordingly.

Extracted holding

The withdrawal was noted; the proceedings were discontinued as to that appeal.

Extracted reasoning

The withdrawal was filed within the statutory period for submitting the written appeal declaration, so the related costs were borne by the court treasury.

Key legal question

Whether the second private complainant's appeal was admissible despite no written appeal declaration being filed within the statutory 20-day period.

Extracted holding

The appeal could not be entered into.

Extracted reasoning

Filing a written appeal declaration is treated in practice as a validity requirement; since none was filed, the court could dispense with further submissions and decline to enter the appeal.

Key legal question

How the costs of the appeal proceedings should be allocated.

Extracted holding

No costs were imposed on the first private complainant; the second private complainant had to bear the appeal costs; the appointed defence incurred no costs.

Extracted reasoning

Costs follow the procedural outcome: withdrawal within time leads to court-treasury costs, while non-entry entails costs for the unsuccessful appellant.

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