Superprovisional measures must continue as provisional proceedings

PQ140056Supreme CourtOct 1, 2014Dismissed

Summary

KESB A had issued a superprovisional child-protection measure without hearing the affected person and asked KESB B to complete the hearing, while assuming that KESB B was generally competent. The complainant challenged the procedure. The Obergericht did not enter into the appeal, but it held ex officio that superprovisional measures cannot be isolated from the provisional-measures procedure. The counterparty must be heard and the matter concluded by a new provisional decision of the same authority that ordered the urgent measure. The court also observed that the procedural defect could justify a denial-of-justice complaint.

Regest

Art. 445 Abs. 2 ZGB, Art. 265 ZPO; superprovisional measures are not an autonomous procedure but only an urgent preliminary step within proceedings for provisional measures. They must be followed without delay by the hearing of the opposing party and by a new decision on ordinary provisional relief. The authority that ordered the superprovisional measure remains responsible for continuing and concluding the proceedings; it cannot transfer the hearing or the subsequent decision to another authority. A procedural omission in this respect may, depending on the circumstances, give rise to a denial-of-justice complaint (consid. 5).

Full text

Art. 445 Abs. 2 ZGB und Art. 265 ZPO, superprovisorische Massnahmen. Superprovisorische Massnahmen können nie für sich allein stehen, sondern sind immer Teil eines Verfahrens betreffend vorsorgliche Massnahmen. Die nachge- holte Anhörung der Gegenpartei und der folgende Entscheid obliegen zwingend der anordnenden Instanz.

Die KESB A. (im Kanton Zürich) ging davon aus, sie sei grundsätzlich für Kindesschutzmassnahmen im zu beurteilenden Fall nicht zuständig, das sei vielmehr die KESB B. (im Kanton Tessin). Da sie eine konkrete Massnahme als besonders dringlich betrachtete, traf sie gleichwohl eine eigene Anord- nung. Diese erliess sie, ohne den Betroffenen anzuhören; gleichzeitig er- suchte sie die KESB B., die Anhörung nachzuholen. - Der Betroffene führt Beschwerde. Auf diese tritt das Obergericht nicht ein, fügt aber folgende Er- wägungen zum Verfahren an:

  1. Anstatt dem Beschwerdeführer mit ihrem Entscheid vom 12. August 2014 eine Frist zur Stellungnahme anzusetzen, unterrichtete die KESB A. die KESB B. über ihre Anordnung und bat diese, die notwendigen Schritte anhand zu nehmen (act. 12/1/2 S. 6 Ziff. 12). Auch wenn die KESB A. zum damaligen Zeit- punkt gestützt auf einen Entscheid des Bezirksrats vom 19. Mai 2014 (act. 13/37) davon ausgehen durfte, dass die KESB B. grundsätzlich zur Behandlung dieser Angelegenheit zuständig sei, war dieses Vorgehen falsch, da das Kindes- und Erwachsenenschutzrecht kein auf superprovisorische Massnahmen beschränktes Verfahren kennt und daher ein entsprechendes Verfahren zwingend mit der Ein- holung einer Stellungnahme fortzusetzen und mit einem neuen Entscheid über den Erlass einer ordentlichen vorsorglichen Massnahme abzuschliessen ist, ge- gen den die ordentlichen gesetzlichen Rechtsmittel gegeben sind (vgl. BGer 5A_579/2014 vom 18. August 2014 E. 2.2). Der Beschwerdeführer, der diesen Mangel rügt (act. 2 S. 4 f. Ziff. 1.1), könn- te deswegen grundsätzlich jederzeit eine Rechtsverweigerungsbeschwerde erhe- ben (Art. 450b Abs. 3 ZGB; BGer 5A_772/2013 vom 16. Mai 2014, E. 4.3.4). Un- ter den gegebenen Umständen erscheint es im Einklang mit der zitierten bundes- gerichtlichen Erwägung jedoch angezeigt, dies von Amtes wegen festzustellen und der KESB A. die Anweisung zu erteilen, dem Beschwerdeführer das rechtli- che Gehör einzuräumen und die Angelegenheit beförderlich zu behandeln (wie

bereits im Entscheid der Kammer vom 2. September 2014 zur Zuständigkeit ge- schehen; act. 13/48 S. 9 E. 2.5 und S. 11 Dispositiv-Ziffer 1 Satz 2).

Obergericht, II. Zivilkammer Beschluss vom 1. Oktober 2014 Geschäfts- Nr.: PQ140056-O/U

Keywords

superprovisional measuresright to be heardchild protectioncompetencedenial of justiceprovisional measures