Unauthorized issuance of building permit by municipal president

BRKE IV Nr. 0067/2001Building Appeals CourtJul 5, 2001Granted

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The appellants argued that the building permit had been issued by the president of the municipal council instead of the council as a collegial body. The Baurekurskommission held that § 67 GG did not authorize the president to decide the matter because the case was not urgent and could have waited until the next council meeting without exceeding the statutory time limit. The defect was a competence violation leading to annulability, not nullity, and was not cured by the council's later agreement in its response. The appeal was therefore upheld and the permit annulled.

Omnilex headnote

§ 67 GG; competence of the municipal council president to decide building permits between meetings; strict requirement of urgency. The president may issue only formal decisions, minor substantive decisions, or urgent decisions in the interval between sessions. Urgency is denied where the matter can be deferred to the next meeting without exceeding statutory processing deadlines. A decision rendered by an incompetent authority is ordinarily voidable rather than null, save in exceptional cases. Subsequent approval by the competent authority in appeal proceedings does not cure the original competence defect; the unlawful permit must be annulled on appeal.

Full text

BRKE IV Nr. 67/2001 vom 5. Juli 2001in BEZ 2002 Nr. 14 In formellrechtlicher Hinsicht machen die Rekurrenten geltend, die angefochtene Baubewilligung sei unzuständigerweise von der Präsidentin des Gemeinderates X er- las sen worden. Die streitige Verfügung sei daher als nichtig zu erklären bzw. aufzuhe- ben, und das Sachgeschäft sei zur Neubeurteilung an den zuständigen Gemeinderat zu- rück zuweisen. 4. a) Zu beachten ist, dass (auch) in der Gemeinde X der Gemeinderat als Kollegi- albehörde und nicht, wie vorliegend geschehen, die Präsidentin des Gemeinderats über Baugesuche entscheidet (vgl. Art. 17 Ziff. 1 der Gemeindeordnung). § 67 des Gemein- degesetzes vom 6. Juni 1926 (GG) sieht zwar die Möglichkeit vor, dass formelle Verfü- gungen und Verfügungen, die zwar materieller Natur, aber von geringer Bedeutung oder dringlich sind, in der Zeit zwischen zwei Sitzungen vom Präsidenten oder auf dem Zirku- larweg getroffen werden können. An das Kriterium der Dringlichkeit werden von der Pra- xis indessen hohe Anforderungen gestellt. Wird in Betracht gezogen, dass Dringlichkeit imSinne besagter Vorschrift selbst dann nicht gegeben ist, wenn bei einem Zuwarten bis zum nächsten Sitzungstermin der zuständigen Behörde die gesetzlichen Behand- lungsfristen gemäss § 319 PBG überschritten würden (vgl. BRKE II Nr. 330/2000), muss dies imvorliegenden Fall umso eher gelten, da das Geschäft ohne weiteres auf die nächste Sitzung hätte vertagt werden können, ohne dass die für die erstmalige Beurtei- lung von Neubauvorhaben zur Verfügung stehende Frist von vier Monaten (26. Oktober 2000 bis 26. Februar 2001) überschritten worden wäre. Eine Zuständigkeit der Präsi- dentin des Gemeinderates X zum Erlass der streitigen Baubewilligung lässt sich somit nicht aus § 67 GG ableiten. b) Die angefochtene Verfügung vom 29. Januar 2001 ist unzuständigerweise von der Präsidentin des Gemeinderates erlassen worden und damit in Bezug auf ihr Zustan- dekommen offensichtlich fehlerhaft. Dass der Gemeinderat das strittige Bauvorhaben vorgängig an der Sitzung vom 22. Januar 2001 beraten und für bewilligungsfähig erach- tet hat, ändert daran selbstverständlich nichts. Der Mangel ist ferner auch nicht etwa dadurch geheilt worden, dass sich der Gemeinderat als zuständige Behörde in seiner Rekursvernehmlassung mit der Erteilung der Baubewilligung durch die Präsidentin des Gemeinderates ausdrücklich einverstanden erklärt hat. Liegen Verfahrensmängel vor, stellt sich dieFrage nach der rechtlichen Konsequenz für die angefochtene Verfügung. Verstösse gegen die Kompetenzordnung führen gewöhnlich zur Anfechtbarkeit (und nur in seltenen, hier nicht vorliegenden Fällen zur Nichtigkeit) eines Verwaltungsaktes und haben dessen Aufhebung im Rekursverfahren zur Folge (Mäder, Das Baubewilligungs- verfahren, Diss. Zürich 1991, N 132 und Fn 15, mit weiteren Hinweisen). Die Rekurren- ten haben die streitige Verfügung, wie erwähnt, binnen gesetzlicher Frist bei der Baure- kurskommission IV angefochten und deren Aufhebung aus formellen Gründen bean-

tragt. Die Verfügung der Präsidentin des Gemeinderates X ist daher in Gutheissung des Rekurses aufzuheben.

Keywords

building permitcompetencemunicipal councilurgencyannulmentvoidability

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the municipal council president was competent to issue the building permit under § 67 GG

Extracted holding

No. The case was not urgent and could have been deferred to the next council meeting; competence therefore remained with the collegial municipal council.

Extracted reasoning

§ 67 GG allows decisions by the president between meetings only for formal acts, minor matters, or urgent matters. The urgency requirement is interpreted strictly and was not met here.

Key legal question

Whether the competence defect rendered the building permit void or annulable and what procedural consequence followed

Extracted holding

The defect made the permit obviously flawed in its issuance but not void; it had to be annulled on appeal.

Extracted reasoning

Violations of the competence order normally lead to annulability, not nullity, except in rare cases not present here. The defect was not cured by the municipal council's later approval in the appeal response.

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