Postulate on report about relations with former GDR rejected

20020735Federal Administrative Practice (VPB)Dec 13, 1991Dismissed

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Omnilex summary

A parliamentary postulate requested a comprehensive report on Switzerland’s relations with the former GDR, including recognition, political and economic ties, and espionage activities. The Federal Council opposed the request, arguing that the historical situation was not comparable to the Nazi period, that the factual basis was unclear, and that such matters should be left to independent historical research. The National Council rejected the postulate on 1991-12-13.

Omnilex headnote

Postulate concerning a report on relations with the former GDR; rejection of an official historical report where the source situation is unclear and the matter is better left to independent historical research. The Federal Council may refuse to commission an official historiographical work, in particular where intelligence-related material cannot be publicly disclosed and no compelling need for a governmental report is shown.

Full text

N

13 décembre 1991

2494

Postulat (Eisenring-)Oehler

Punkt 3 - Point 3 Abgelehnt - Rejeté

91.3110

Postulat (Eisenring-) Oehler Bericht über Verhältnis zur ehemaligen DDR Rapport sur les relations de la Suisse avec l'ex-RDA

Wortlaut des Postulates vom 22. März 1991

Der Bundesrat wird eingeladen, zuhanden von Parlament und Volk die Ausarbeitung eines umfassenden Berichtes über das Verhältnis der Schweiz zur ehemaligen Deutschen Demokrati- schen Republik DDR, die sich heute in allen Facetten als Un- rechtsstaat erweist, zu veranlassen. Insbesondere ist Auf- schluss über den Weg zur völkerrechtlichen Anerkennung der DDR, über die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen und in diesem Zusammenhang über die Nachrichten- und Spionagetätigkeit der DDR in der Schweiz sowie über die da- mit befassten Personen und Organisationen in der Schweiz . und in der DDR zu geben.

Texte du postulat du 22 mars 1991

Le Conseil fédéral est invité à demander l'élaboration, à l'inten- tion du parlement et du peuple, d'un rapport comprenant tous les aspects des relations de la suisse avec l'ancienne Républi- que démocratique allemande (RDA) qui, à l'heure actuelle, se révèle être en tous points un Etat non fondé sur le droit. Ce rap- port portera notamment sur la voie qui a mené à la reconnais- sance de la RDA sur le plan du droit international, les relations politiques et économiques et, dans ce contexte, les activités de renseignement et d'espionnage de la RDA dans notre pays ainsi que les personnes et organisations concernées en Suisse et en RDA.

Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun

Schriftliche Begründung - Développement par écrit Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und des Na- tionalsozialismus verlangte 1945 das Parlament einen umfas- senden Bericht über die nationalsozialistischen Umtriebe und Kontakte in der Schweiz. Dieser inzwischen zu historischem Wert gelangte Bericht vermittelte in der Folge Einsicht in die Unzahl von Tätigkeiten von Personen, die die Schweiz ernst- haft bedrohten und die das Land selbst existentiellen Gefah- ren ausgesetzt hätten.

Was in den letzten zwölf Monaten hinsichtlich der Entwicklung und der Vorgänge in der DDR über die bisherige Kenntnis hin- aus zu erfahren ist, bestätigt auf der ganzen Linie, dass es sich bei der DDR wie beim Nazi-Deutschland um einen eigentli- chen Unrechtsstaat gehandelt hat. Auch die DDR verletzte alle und damit auch die bescheidensten Menschenrechte auf ge- meinste und zum grossen Teil auf nicht wiedergutzuma- chende Weise. Achtung der Souveränität der freien Staaten hat niemals bestanden.

Insbesondere hat sich in der letzten Zeit auch erhärtet, dass die DDR nicht allein in der benachbarten Bundesrepublik, son- dern auch in anderen Staaten nachrichtendienstlich ausseror- dentlich intensiv tätig war. Bisher bereits bekannte Akten wi- derspiegeln die umfassende wissenschaftlich, wirtschaftlich und vor allem auch persönlich ausgerichtete DDR-Nachfor- schung und -Spionagetätigkeit im Ausland. Es besteht Grund zur Annahme, dass in den Stasi-Akten auch Dossiers über die Schweiz sowie über Personen in der Schweiz liegen, deren In- halt sich auf Angaben von in der Schweiz domizilierten Perso- nen abstützt Hier sind u.a. Klärungen über die Aktivitäten der DDR-Vertretungen in unserem Land unerlässlich.

Zwar haben verschiedene Spionageprozesse der letzten Jahr- zehnte fallweise einiges über unerlaubte Tätigkeiten von DDR-Agenten in der Schweiz erkennen lassen. Auch sind wie- derholt mit Diplomatenpass ausgestattete DDR-Funktionäre zu personae non gratae erklärt und abgeschoben worden. Die Informationen über die Hintergründe blieben aber immer parti- kulär. Was bekannt wurde, stellt insgesamt nur die Spitze des Eisberges dar. Es drängt sich heute daher zwingend das Postulat auf - und Rücksichten sind jetzt keine mehr zu neh- men -, dass über diesen Teil unserer staatlichen Existenz in bezug auf die persönlichen und sachlichen Beziehungen zwi- schen der Schweiz und der DDR Klarheit geschaffen wird.

Als Vorbild und Geltungsbereich dieser Auslegeordnung mag der aufschlussreiche Bericht über die nationalsozialistischen Umtriebe in der Schweiz dienen. Die Jahrzehnte dauernden, il- legalen, aber um so intensiveren Umtriebe der DDR in der Schweiz, allenfalls auch stellvertretend für andere Länder des damaligen Ostblocks lanciert, liegen nämlich auf gleichem Ni- veau wie die früheren Nazi-Aktivitäten. Es mögen zwar ge- wisse Unterschiede bestehen, zersetzend und schädigend waren sie aber allesamt. Und Helfer und Helfershelfer sind auch bezüglich der DDR auszumachen.

Die umfassende Offenlegung und Bearbeitung des Themas Schweiz/DDR liegt insbesondere auch in der Richtung der Wahrung der Menschenrechtskonvention und der KSZE- Schlussakte, denn nur konkrete Sach- und Personenvorga- ben lassen nämlich abschliessende Beurteilungen zu. Die ge- forderte Berichterstattung ordnet sich daher in den grösseren Rahmen unserer staatlichen Ordnung ein und dient ferner der künftigen Aufarbeitung der jüngeren Schweizer Geschichte bezüglich der Gestaltung ihres Verhältnisses zu den europäi- schen Staaten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 29. Mai 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 29 mai 1991

Es ist bekannt, dass die ehemalige Deutsche Demokratische Republik in der Auslandspionage aktiv gewesen ist und die Menschenrechte im Inland in zum Teil massiver Weise nicht beachtet hat. Insofern ist der Vergleich mit den Umtrieben Nazi-Deutschlands nicht von der Hand zu weisen. Vom Um- fang und von der Bedrohung als solcher her können die bei- den Fälle jedoch nicht miteinander verglichen werden. Da- mals handelte es sich um Versuche einer grossen europäi- schen Macht, unser Land in ein von ihr kontrolliertes Europa politisch und wirtschaftlich einzuordnen. Im Falle der DDR gin- gen die illegalen Umtriebe sowohl quantitativ als auch qualita- tiv nie so weit. Dieser Staat war auch kein europäischer Macht- faktor, und er hat auch keinen Krieg vom Zaune gerissen. Die Notwendigkeit, analog zum damaligen Bericht des Bundesra- tes über die Aktivitäten des Dritten Reiches nun einen Bericht über diejenigen der DDR zu publizieren, sieht der Bundesrat nicht als gegeben an.

Im übrigen ist die Quellenlage noch sehr unübersichtlich, und die meisten Informationen stammen aus nachrichtendienstli- chen Quellen, die nicht in öffentlichen Berichten aufgedeckt werden können. Der Bundesrat verweist hier auch auf seine Antwort auf die Einfache Anfrage Frey Walter vom 23. Januar 1991 (Nr. 91.1008) über ehemalige Stasi-Mitarbeiter in der Schweiz.

Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die Beziehungen der Schweiz zur ehemaligen DDR interessanten Stoff für Historiker darstellen. Die entsprechenden Arbeiten, die sich vor allem auch auf ausländische Archivquellen stützen müssten, müs- sen sowohl vom Zeitpunkt als auch von der Einzelthematik her den Geschichtswissenschaftlern völlig unabhängig überlas- sen werden. Der Bundesrat möchte hier keine offizielle Ge- schichtsschreibung in Auftrag geben.

Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.

Abgelehnt - Rejeté

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Postulat (Eisenring-) Oehler Bericht über Verhältnis zur ehemaligen DDR Postulat (Eisenring-) Rapport sur les relations de la Suisse avec l'ex-RDA

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Dans

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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale

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1991

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Anno

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V

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Wintersession

Session

Session d'hiver

Sessione

Sessione invernale

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Nationalrat

Conseil

Conseil national

Consiglio

Consiglio nazionale

Sitzung

15

Séance

Seduta

Geschäftsnummer 91.3110

Numéro d'objet

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Datum 13.12.1991 - 08:00

Date

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Seite

2494-2494

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20 020 735

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Keywords

parliamentary postulatehistorical reportformer GDRespionageofficial historiographypublic disclosure

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the Federal Council should be instructed to prepare a comprehensive report on Switzerland's relations with the former GDR.

Extracted holding

The request was rejected; the National Council did not require the Federal Council to commission the report.

Extracted reasoning

The Federal Council considered the comparison with the Nazi era not decisive, noted the unclear source situation and the sensitivity of intelligence material, and held that such historical research should be left to independent historians rather than commissioned as official historiography.

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