Judgment supplementation, compensation in release proceedings, remand

ZZ.1996.8Other CourtJun 16, 1996Partially Granted

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Omnilex summary

The Obergericht held that the first-instance judge had omitted to decide a requested party-compensation claim in a release proceeding. This was not a case of correction or revision, but of supplementation of the judgment. The court found that Art. 68 aGebV SchKG gives the prevailing party a principle entitlement to compensation if requested, including necessary counsel costs. However, because the lower court had made no decision at all, the case was remanded so the first instance could determine the amount. Court costs were exceptionally borne by the state, while the respondent had to pay party costs in the appeal.

Omnilex headnote

Art. 68 aGebV SchKG; §§ 93, 101, 304 Abs. 1 ZPO; omission to decide on a requested item, compensation in release proceedings, remand and costs: Where the first-instance court fails altogether to decide on an expressly requested party-compensation claim, the matter is not one of revision or mere correction but of supplementation of the judgment. Art. 68 aGebV SchKG constitutes a competence norm and provides the prevailing party, upon request, with a principle entitlement to an appropriate compensation; its amount is to be assessed according to the concrete effort, responsibility, dispute value and difficulty, and necessary attorney’s fees may be included. If the lower court has rendered no decision at all, the appellate court should ordinarily remit the case so that the parties retain one complete level of review. Judicial oversight may justify charging court costs to the state, while unsuccessful opposition in the appeal can still trigger party-cost liability.

Full text

Geschäftsnummer:** ZZ.1996.8**
Instanz:Zivilkammer
Entscheiddatum:17.06.1996
FindInfo-Nummer:O_ZK.2015.8
Titel:** Urteilsergänzung, Rückweisung, Absehen von Gerichtskosten**
Resümee:** Art. 68 aGebV SchKG, §§ 93, 101, 304 Ans. 1 ZPO. Urteilsergänzung (Erw. 3). Parteientschädigung im Rechtsöffnungsverfahren (Erw. 4). Rückweisung an die Vorinstanz im Rekursverfahren (Erw. 5). Absehen von Gerichtskosten (Erw. 6).**
SOG 1996 Nr. 8 ** Art. 68 aGebV SchKG, §§ 93, 101, 304 Ans. 1 ZPO.*Urteilsergänzung (Erw. 3). Parteientschädigung im Rechtsöffnungsverfahren (Erw. 4). Rückweisung an die Vorinstanz im Rekursverfahren (Erw. 5). Absehen von Gerichtskosten (Erw. 6). In einem Rechtsöffnungsverfahren wurde über die Parteikosten gar nicht entschieden, obwohl die obsiegende Partei ausdrücklich eine Entschädigung verlangt hatte. Der Gerichtspräsident verwies den nachfragenden Anwalt auf das Rechtsmittel des Rekurses. 3. Der Gerichtspräsident hätte, da er über die Parteikosten noch gar nicht entschieden hatte und es sich nach seiner Meinung um ein Versehen handelte, auch nach der Urteilseröffnung noch verfügen können. Zwar handelt es sich nicht um eine Revision oder eine Erläuterung, und eine "Berichtigung" - im Sinne einer nachträglichen Urteilskorrektur - ist unzulässig. Vielmehr steht eine Urteilsergänzung zu Debatte, da über einen Antrag einer Partei gar nicht entschieden wurde. Weil der Vorderrichter die Sache aber nicht mehr an die Hand nahm, materiell also eine Parteientschädigung verweigerte und auf den Rekurs verwies, ist darauf einzutreten, ist das Rechtsmittel doch form- und fristgerecht eingereicht worden. 4. Die Parteientschädigung ist für das Rechtsöffnungsverfahren in Art. 68 GebV SchKG geregelt. Demnach "kann" der obsiegenden Partei eine angemessene Entschädigung zugesprochen werden. Damit wird aber nicht ausgedrückt, der Richter sei diesbezüglich völlig frei, nicht einmal, er habe einfach nach pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden. Vielmehr handelt es sich um eine Kompetenznorm. Es wird - im ausdrücklichen Gegensatz zum Beschwerdeverfahren, Art. 68 Abs. 2 SchKG - eine gesetzliche Grundlage für das Zusprechen von Parteientschädigungen geschaffen. Die obsiegende Partei hat also grundsätzlich Anspruch auf eine Umtriebsentschädigung (ebenso Hans Fritzsche/Hans Ulrich Walder: Schuldbetreibung und Konkurs, Bd. I, 3. A., Zürich 1984, S. 228 Anm. 17, und die absolut vorherrschende kantonale Praxis, vgl. André Panchaud/Marcel Caprez: Die Rechtsöffnung, S. 416 ff). Voraussetzung ist einzig, dass ein entsprechender Antrag gestellt wurde (Hans Fritzsche/Hans Ulrich Walder, a.a.O.). Ist also der obsiegenden Partei eine Entschädigung auszurichten, so ist damit über deren Höhe noch nichts ausgesagt. Minimal ist Spesenersatz zu leisten und allfälliger Verdienstausfall zu vergüten. Aber auch die Kosten eines beigezogenen Anwalts gehören dazu, sofern "bei objektiver Würdigung" die "Inanspruchnahme eines Anwaltes [...] notwendig" war (BGE 119 III 69; SOG 1990 Nr. 33). Weil im vorliegenden Fall die Voraussetzungen - vollständiges Obsiegen der Rekurrentin vor dem Rechtsöffnungsrichter, ausdrücklicher Antrag - gegeben sind, war prinzipiell eine Parteientschädigung zuzusprechen, was implizit auch der Vorderrichter einräumt. Der Rekurs ist also im Grundsatz gutzuheissen. 5. Das Obergericht entscheidet bei Gutheissung "in der Regel ohne Rückweisung an die Vorinstanz" (§ 304 Abs. 1 ZPO). Vorliegend ist eine Ausnahme geboten: Der Vorderrichter hat nicht einen unrichtigen sondern gar keinen Entscheid gefällt. Durch ein obergerichtliches Urteil über die Höhe der Parteientschädigung würde beiden Parteien die vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit genommen, den Kostenentscheid mit einem ordentlichen und vollkommenen Rechtsmittel überprüfen zu lassen (§§ 105, 300 Abs. 2, 303 ZPO). Hinzu kommt, dass der Gerichtspräsident, der ja die Hauptsache entschieden hat, zufolge Vertrautheit mit der Materie besser in der Lage ist, die angemessene Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren zu bestimmen. Namentlich wird er vorerst zu erwägen haben, ob der Beizug eines Anwalts nötig war. Wenn ja, ist die konkrete Höhe dieser Entschädigung zu bestimmen. Auch dieser Entscheid ist in Anwendung von Bundesrecht (Art. 68 GebV SchKG) zu treffen (BGE 119 III 69, E. b). Dabei sind folgende Kriterien massgeblich: der Zeitaufwand und die anwaltliche Verantwortung im konkreten Fall, die sich auch in der Höhe des Streitwertes und in der Schwierigkeit der sich im Rechtsöffnungsverfahren stellenden Rechtsfragen zeigt (BGE 119 III 69, E. c). Nichts hindert, § 181 des kantonalen Gebührentarifs (GT, BGS 615.11) als ergänzendes Recht heranzuziehen (SOG 1990, Nr. 33), sofern und soweit dies im Rahmen des Bundesrechts (Art. 68 GebV SchKG und erwähnte bundesgerichtliche Praxis) geschieht. Die Streitsache ist also in Gutheissung des Rekurses an den Vorderrichter zurückzuweisen, damit er die Höhe der Entschädigung bestimme. 6. Da ein Versehen des Vorderrichters vorliegt, rechtfertigt es sich, die Rekurskosten nach § 93 ZPO ausnahmsweise dem Staat aufzuerlegen. Für die Parteikosten kann das allerdings nicht in Frage kommen, hat doch der Rekursgegner in Kenntnis der Sachlage explizit Rekursabweisung beantragt. Er unterliegt also wiederum, weshalb er für das obergerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung zu bezahlen hat (§ 101 ZPO). * Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 17. Juni 1996

Keywords

debt enforcementrelease proceedingsparty compensationjudgment supplementationremandcourt costs

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Key legal question

Whether the omitted ruling on party compensation could be supplemented after judgment

Extracted holding

Yes. Because no decision had been taken on an expressly requested item, the matter concerned supplementation of the judgment rather than revision or correction.

Extracted reasoning

The first-instance judge had not decided the costs request at all; this omission could still be remedied after pronouncement. The appeal was admissible because it was filed in due form and time after the judge declined to act further.

Key legal question

Whether the prevailing party in a release proceeding is entitled to compensation under Art. 68 aGebV SchKG

Extracted holding

Yes, in principle. The prevailing party has a statutory claim to an appropriate compensation if a request was made.

Extracted reasoning

Art. 68 aGebV SchKG is a competence norm creating a legal basis for compensation, unlike the complaint procedure. The amount depends on concrete factors such as effort, responsibility, value in dispute, and complexity; lawyer's fees may be included if objectively necessary.

Key legal question

Whether the appellate court should itself determine the amount of compensation or remit the case

Extracted holding

The case had to be remitted to the first instance to determine the amount of compensation.

Extracted reasoning

Because the lower court had not merely decided wrongly but had made no decision at all, direct appellate determination would deprive the parties of one full level of review. The first-instance judge was also better placed to assess the need for counsel and the appropriate amount.

Key legal question

Allocation of appellate costs and party costs

Extracted holding

The appellate costs were exceptionally charged to the state, while the respondent had to pay party compensation for the appellate proceedings.

Extracted reasoning

A judicial oversight justified departing from the usual cost allocation for court costs. However, the respondent had nevertheless sought dismissal with knowledge of the facts and therefore remained unsuccessful in the appellate proceedings.

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