Set-off of court cost advance after legal aid withdrawal

22 98 31Other CourtSep 21, 1998Modified

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The plaintiff in divorce proceedings had paid a CHF 1,500 court-cost advance after her legal aid was withdrawn. The court held that the costs became due only when the main judgment was rendered, so legal aid no longer protected her from payment. The Amtsgericht was therefore entitled to set off the advance against the court costs. It further held that no federal or cantonal rule guarantees definitive state assumption of costs for the needy. The plaintiff must bear her entire court-cost share of CHF 1,014.50.

Omnilex headnote

§§ 17, 18 KoG; § 118 ZPO; Art. 4 BV: Court-cost advance and legal aid after withdrawal; set-off of advance against costs. Legal aid merely suspends the obligation to make interim payment of costs that are not yet due. If legal aid is withdrawn before the costs become due, no exemption from payment arises for those costs. An advance paid by a party remains available for set-off against the cost claim; the advancing party may then seek reimbursement from the cost-bearing party to the extent of the set-off. Neither cantonal procedural law nor the constitutional minimum guarantee of legal aid confers a right to definitive state assumption of litigation costs.

Full text

Die Klägerin hatte im Scheidungsprozess, nachdem ihr die unentgeltliche Rechtspflege mit Entscheid vom 15. April 1997 entzogen worden war, auf Aufforderung des Amtsgerichts hin am 30. Mai 1997 einen Gerichtskostenvorschuss von Fr. 1500.- geleistet. Vorliegend ist streitig, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang dieser Vorschuss mit den entstandenen Prozesskosten verrechnet werden kann. Dazu ist Folgendes festzuhalten:

Grundsätzlich haftet dem Staat für Gerichts- und Beweiskosten nur die kostenpflichtige Partei (§ 17 KoG). Eine Prozesspartei, die für die Gerichts- und Beweiskosten Vorschuss geleistet hat, haftet grundsätzlich dem Staat mit ihrem Vorschuss neben der kostenpflichtigen Partei. Soweit der Vorschuss vom Gericht verrechnet wird, hat diejenige Partei, welche den Vorschuss geleistet hat, gegen die kostenpflichtige Partei Anspruch auf Ersatz (§ 18 Abs. 1 und 2 KoG). Die Gerichtskosten (auch diejenigen für ein Massnahmeverfahren) werden praxisgemäss erst im Urteil in der Hauptsache verlegt und dementsprechend frühestens in diesem Zeitpunkt fällig (§ 118 ZPO).

Die unentgeltliche Rechtspflege befreit von der einstweiligen Bezahlung der Gerichtskosten, soweit diese im Moment der Bewilligung eines Gesuches noch nicht fällig geworden sind (ZR 96 [1997] Nr. 50, vgl. BlSchK 1988 S. 11). Bei einem späteren Entzug der unentgeltlichen Rechtspflege tritt eine Befreiung von der Bezahlung der Gerichtskosten nur dann ein, wenn diese im Zeitpunkt des Entzugs bereits fällig waren. Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Beim Erlass des angefochtenen Kostenentscheids war die Klägerin nicht mehr im Genuss der unentgeltlichen Rechtspflege. Für die im angefochtenen Urteil verlegten Gerichtskosten von Fr. 2029.- haftet sie dementsprechend mit ihrem ganzen Gerichtskostenvorschuss von Fr. 1500.-. Ohnehin sind bereits geleistete Vorschüsse an Gericht und Anwalt von der unentgeltlichen Rechtspflege ausgenommen (LGVE 1994 I Nr. 22). Die verfassungsmässige Minimalgarantie der unentgeltlichen Rechtspflege beinhaltet nur den unbehinderten Zugang zum Gericht (BGE 122 I 207), welcher vorliegend jedenfalls gewährleistet war. Das Amtsgericht durfte somit die Gerichtskostenforderung mit dem von der Klägerin geleisteten Vorschuss verrechnen (vgl. BGE 122 I 5 ff.; ZR 96 [1997] Nr. 50). Ein Anspruch auf endgültige Kostenübernahme durch den Staat besteht nicht (BGE 122 I 6).

Demzufolge ist die Kostenverlegung des Amtsgerichts insofern unrichtig, als es die Klägerin bloss zur Zahlung der Hälfte des auf sie entfallenden Gerichtskostenanteils von Fr. 1014.50, d.h. Fr. 507.25 verpflichtete und die verbleibenden Fr. 507.25 als durch die ihr seinerzeit gewährte unentgeltliche Rechtspflege gedeckt betrachtete. Als vorliegend die Gerichtskosten inklusive die Kosten des Massnahmeverfahrens fällig wurden (vgl. BlSchK 1988 S. 11), war der Klägerin die unentgeltliche Rechtspflege bereits wieder entzogen.

Weder nach kantonalem Prozessrecht (§§ 130 ff. ZPO) noch von Bundesrechts wegen (Art. 4 BV) wird dem Bedürftigen eine definitive Übernahme der Kosten durch den Staat garantiert (BGE 122 I 6 mit Verweisen). Auch § 18 Abs. 3 KoG steht dem nicht entgegen. Diese Bestimmung schliesst die Haftung der vorschussleistenden Partei für die Gerichtskosten der kostenpflichtigen Gegenpartei nur dann aus, wenn dieser Gegenpartei - und nicht etwa der vorschussleistenden Partei - die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist. Somit hat die Klägerin im vorliegenden Fall ihren ganzen Gerichtskostenanteil von Fr. 1014.50 selber zu tragen. Mit dem restanzlichen Gerichtskostenvorschuss haftet sie zudem für die dem Beklagten überbundenen Gerichtskosten.

Keywords

legal aidcourt costscost advanceset-offwithdrawaldivorcecost allocation

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the court may offset the plaintiff's paid cost advance against the court costs after legal aid was withdrawn.

Extracted holding

Yes. Because the court costs became due only when the main judgment on costs was issued, the plaintiff no longer enjoyed legal aid at that time, so the Amtsgericht could set off the advance against the cost claim.

Extracted reasoning

Under § 17 and § 18 KoG, the State is primarily secured by the liable party, but a party that has advanced costs remains liable with its advance. Legal aid only exempts from payment of costs not yet due; after withdrawal, exemption applies only if the costs were already due, which was not the case here.

Key legal question

Whether the plaintiff must bear her full share of the court costs despite prior legal aid.

Extracted holding

Yes. The prior legal aid did not create a permanent state assumption of costs, and neither cantonal procedure nor federal law guarantees definitive state coverage. The plaintiff therefore has to bear her full court-cost share of CHF 1,014.50.

Extracted reasoning

Already paid advances are excluded from legal aid protection. Section 18(3) KoG only excludes the advance-paying party's liability if legal aid was granted to the opposing party, not to the advance-paying party.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.