Suspensive effect denied in criminal complaint proceedings

BP.2009.44,BB.2009.75Federal Criminal Court / Appeals ChamberSep 7, 2009Dismissed

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Omnilex summary

A. sought suspensive effect in complaint proceedings against an investigative order that granted file access subject to redactions for business secrets and set deadlines for evidence requests and expert nominations. The President of the I. Complaint Chamber held that suspensive effect would jeopardize the investigation, while the applicant would not lose procedural rights because he could still request evidence measures until the end of the evidentiary stage. The request was denied, and costs were reserved for the merits case.

Omnilex headnote

Art. 218 BStP; suspensive effect in criminal complaint proceedings may be refused where the immediate execution of the challenged investigative measure is necessary to preserve the purpose of the investigation. The court balances the conflicting interests and denies suspension if no irreparable procedural prejudice is shown, in particular where the party retains the possibility to seek evidentiary measures until the close of the evidence phase (consid. 1-5). Costs of such a provisional ruling may be reserved for the main proceedings (consid. 6).

Full text

Verfügung vom 7. September 2009 Präsident der I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Gerichtsschreiberin Tanja Inniger

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Martin Suender- hauf,

Gesuchsteller

gegen

  1. BUNDESANWALTSCHAFT,
  2. B. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Walter Hag- ger,

Gesuchsgegnerinnen

Vorinstanz EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH- TERAMT,

Gegenstand Aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BP.2009.44 (Hauptverfahren: BB.2009.75)

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Sachverhalt:

A. Mit Eingabe vom 31. August 2009 (act. 1) reicht A. gegen die Verfügung des Eidgenössischen Untersuchungsrichteramtes vom 18. August 2009 Beschwerde in dem Sinne ein, als er Einsicht auch in denjenigen Teil der Akten beantragt, welcher gemäss der angefochtenen Verfügung abgedeckt bzw. den Beschuldigten nicht geöffnet wird.

B. A. beantragt in seiner Eingabe die Erteilung der aufschiebenden Wirkung in dem Sinne, als die in der angefochtenen Verfügung angesetzte Frist bis zum 31. Oktober 2009 zum Stellen von Beweisanträgen und zur Nennung möglicher Experten bis zum Vorliegen eines Beschwerdeentscheides aus- zusetzen und dannzumal neu Frist anzusetzen sei.

Der Präsident der I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

  1. Die Gewährung des Suspensiveffektes hängt in der Regel von den konkre- ten Umständen und einer Abwägung der widerstreitenden Interessen ab (vgl. BGE 107 Ia 269 E. 1 S. 270). Der Vollzug der angefochtenen Verfü- gung darf nicht aufgeschoben werden, wenn damit der Zweck der Untersu- chung bzw. der mit der Massnahme angestrebte Zweck gefährdet oder vereitelt würde (vgl. GUIDON/WÜTHRICH, Zur Praxis bei Beschwerden gegen das Bundesstrafgericht, plädoyer 4/2005, S. 34 ff., 39 f.; BÖSCH, Die Ankla- gekammer des Schweizerischen Bundesgerichts [Aufgaben und Verfah- ren], Diss. Zürich 1978, S. 87).

  2. Der angefochtenen Verfügung ist zu entnehmen, dass den Beschuldigten sämtliche Akten geöffnet werden, soweit diese nicht Geschäftsgeheimnisse der Privatklägerin enthalten. Für diesen – wohl überwiegenden – Teil der Akten ist die Fristansetzung gemäss der angefochtenen Verfügung unprob- lematisch.

  3. Die Beweisführung betreffend die Verletzung von Fabrikations- oder Ge- schäftsgeheimnissen ist naturgemäss schwierig, steht doch dabei das Ge- heimhaltungsinteresse des Geschädigten dem Akteneinsichtsrecht des Be- schuldigten und dem Prinzip der Öffentlichkeit des Strafverfahrens diamet- ral entgegen. Eine Möglichkeit, diesen Interessen bei der Beweisführung angemessen Rechnung zu tragen, ist die Zuhilfenahme eines Experten als

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Gerichtssachverständigen, der zur Geheimhaltung verpflichtet ist, soweit er nicht mündliche oder schriftliche Aussagen zuhanden des Gerichts abgibt.

  1. Es ist davon auszugehen, dass der wissenschaftlich-technische Bereich, in welchem sich die von der Privatklägerin behauptete Geheimnisverletzung abspielte, in den Akten, welche gemäss der angefochtenen Verfügung sämtlichen Parteien zur Einsicht offen stehen, genügend spezifiziert ist, damit aufgrund dieser Akten allein ein entsprechender Sachverständiger benannt werden kann. Sollte dies nicht möglich sein, wie es der Ge- suchsteller implizit behauptet, so wird das Beweisverfahren zu modifizieren bzw. zu erweitern sein.

  2. Festzuhalten ist, dass der Beschuldigte bis zum Schluss des Beweisverfah- rens Beweismassnahmen beantragen kann (Art. 157 Abs. 2 BStP), dieser also keinen Rechtsverlust erleidet, wenn er der Aufforderung zur Beweis- eingabe etc. des Untersuchungsrichters gemäss der angefochtenen Verfü- gung keine Folge leistet.

  3. Die Kosten der vorliegenden Verfügung bleiben bei der Hauptsache.

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Demnach erkennt der Präsident der I. Beschwerdekammer:

  1. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird abgewiesen.

  2. Die Kosten der vorliegenden Verfügung werden mit der Hauptsache verlegt.

Bellinzona, 7. September 2009

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Martin Suenderhauf
  • Bundesanwaltschaft
  • Rechtsanwalt Walter Hagger
  • Eidgenössisches Untersuchungsrichteramt

Rechtsmittelbelehrung Gegen diese Verfügung ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

suspensive effectcriminal procedurefile accessbusiness secretsinvestigationexpert evidenceprocedural deadlinescosts

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Key legal question

Whether the complaint should be granted suspensive effect pending the merits decision.

Extracted holding

Suspensive effect was refused because delaying execution would risk impairing the investigation, and the applicant would suffer no irreversible procedural loss.

Extracted reasoning

The court balanced interests and held that the challenged order mainly allowed access to the file, except for confidential business secrets. The applicant could still request evidence measures until the end of the evidence phase under Art. 157(2) BStP, and if needed the procedure could be adapted or expanded.

Key legal question

How to treat the costs of the suspensive-effect decision.

Extracted holding

Costs were left to be decided together with the main case.

Extracted reasoning

Because the ruling concerned only an interim procedural request, the costs were reserved for the merits proceedings.

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