Complaint struck out as moot after interviews were cancelled

BB.2011.122Federal Criminal Court / Appeals ChamberNov 14, 2011Dismissed

Summary

A. filed a complaint seeking to have the Federal Prosecutor ordered to cancel interrogations scheduled for November and December 2011. Before any substantive ruling, the prosecution informed the parties that the interrogations would not take place, and the appellant's counsel waived any further submissions because the request had been satisfied. The Federal Criminal Court therefore struck the proceedings from the docket as moot. It imposed no court costs, denied any compensation due to the minimal work required, and ordered the return of the CHF 1,500 advance.

Regest

Art. 92 StPO, Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO; mootness of a criminal complaint proceedings after the requested measure has been executed: where the respondent grants the relief sought, the complaint becomes without object and is to be removed from the docket. As to costs in moot proceedings, the court primarily relies on the probable outcome; if this cannot be determined, costs and compensation follow the party that caused the proceedings to become moot (consid. 3). Court costs may be waived and the advance reimbursed; compensation may be denied where the procedural effort was minimal.

Full text

Beschluss vom 14. November 2011 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, Gerichtsschreiberin Sarah Wirz

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Peter-René Wyder,

Beschwerdeführer

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Verschiebung von Terminen (Art. 92 StPO); Rechts- verweigerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2011.122

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • Rechtsanwalt B. für A. am 26. Oktober 2011 bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts eine Beschwerde einreichte, in welcher er bean- tragte, die Bundesanwaltschaft sei anzuweisen, die angekündigten Einver- nahmen im November und Dezember 2011 abzusagen (act. 1);

  • Rechtsanwalt B. zur Vertretung von A. nicht befugt ist, weswegen die I. Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts dem notwendigen Verteidiger, Rechtsanwalt Wyder, am 2. November 2011 die Beschwerde zur Stellung- nahme zustellte (act. 2);

  • die Bundesanwaltschaft die Parteien mit Schreiben vom 7. November 2011 darüber informierte, dass die für die Kalenderwochen 48 bis 50 in Aussicht gestellten Einvernahmen nicht durchgeführt werden könnten (act. 7);

  • Rechtsanwalt Wyder als Verteidiger von A. mit Schreiben vom

  1. November 2011 mitteilte, er verzichte auf eine Stellungnahme, da die Bundesanwaltschaft die für November und Dezember 2011 angesetzten Einvernahmen abgesetzt und somit den gestellten Anträgen entsprochen habe (act. 8);
  • somit unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin den Anliegen des Be- schwerdeführers entsprochen hat, weswegen das vorliegende Verfahren zufolge Gegenstandslosigkeit von der Geschäftskontrolle abzuschreiben ist;

  • wenn ein Rechtsstreit gegenstandslos wird, betreffend Kostenauflage in erster Linie auf den mutmasslichen Prozessausgang abzustellen ist (vgl. DOMEISEN, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 482 StPO N. 14) und wenn sich dieser nicht feststellen lässt, diejenige Partei kosten- und entschädi- gungspflichtig wird, welche das gegenstandslos gewordene Verfahren ver- anlasst hat oder bei welcher die Gründe eingetreten sind, die dazu geführt haben, dass der Prozess gegenstandslos geworden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_68/2009 vom 8. Mai 2009, E. 4 sowie DOMEISEN, a.a.O, Art. 428 StPO N. 14);

  • vorliegend die Beschwerdegegnerin die Gegenstandslosigkeit zu vertreten hat und damit gemäss vorstehenden Ausführungen kosten- und entschädi- gungspflichtig wird;

  • 3 -

  • auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet wird (Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG);

  • aufgrund der minimalen Aufwendungen, welche das vorliegende Verfahren vom notwendigen Verteidiger Rechtsanwalt Wyder erforderte, keine Ent- schädigung auszurichten ist;

  • die Bundesstrafgerichtskasse den vom Beschwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1'500.-- zurückzuerstatten hat.

  • 4 -

Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer:

  1. Das Beschwerdeverfahren wird zufolge Gegenstandslosigkeit von der Ge- schäftskontrolle abgeschrieben.

  2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

  3. Die Bundesstrafgerichtskasse hat dem Beschwerdeführer Fr. 1'500.-- zu- rückzuerstatten.

Bellinzona, 14. November 2011

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Peter-René Wyder,
  • Bundesanwaltschaft,

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

mootnesscost allocationcriminal procedurecomplaint proceedingsrefunddenial of justice