Complaint inadmissible after indictment transferred jurisdiction

BB.2010.8,BP.2010.7Federal Criminal Court / Appeals ChamberApr 1, 2010Dismissed

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Omnilex summary

A. challenged the investigating magistrate's refusal to order additional evidence in a federal criminal investigation. Before the Complaint Chamber could decide, the Federal Prosecutor's Office filed the indictment with the Trial Chamber. The Complaint Chamber held that the filing of the indictment transferred procedural competence to the Trial Chamber and deprived it of jurisdiction over the complaint. It therefore declined to enter into the appeal and transmitted the file to the Trial Chamber. No court costs were charged for the present decision; the appellant bore the CHF 200 fee for the suspensive-effect subproceeding, with CHF 1,300 to be refunded.

Omnilex headnote

Art. 127 ff. BStP; jurisdiction of the Complaint Chamber after filing of the indictment. Once the indictment is filed and main proceedings commence before the Trial Chamber, procedural control passes to that chamber; the Complaint Chamber loses competence to decide pending complaints concerning the pre-trial phase (consid. 1). A complaint filed before indictment becomes moot in the sense of lack of jurisdiction, and the file is to be transmitted to the competent trial court. Cost allocation follows the outcome; no costs may be levied for the non-entry decision itself where the court so orders, while ancillary interim proceedings may be charged to the unsuccessful party under the applicable cost rules (consid. 2).

Full text

Entscheid vom 1. April 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Roy Garré und Stephan Blättler, Gerichtsschreiberin Tanja Inniger

Parteien

A., vertreten durch Advokat Stefan Suter,

Beschwerdeführer

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Vorinstanz EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH- TERAMT,

Gegenstand Ergänzung der Akten; Parteianträge (Art. 119 Abs. 1 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2010.8 (Nebenverfahren: BP.2010.7)

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass

  • im Rahmen der Voruntersuchung gegen A. und einen Mitbeschuldigten wegen des Verdachts auf Störung des öffentlichen Verkehrs (Art. 237 StGB) sowie Vergehen gegen das Bundesgesetz vom 21. Dezember 1948 über die Luftfahrt (Luftfahrtgesetz, LFG; SR 748.0) das Eidgenössische Un- tersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersuchungsrichteramt“) mit Verfü- gung vom 23. Dezember 2009 den Parteien gestützt auf Art. 119 BStP Frist bis zum 31. Januar 2010 ansetzte, um eine Ergänzung der Akten zu bean- tragen;

  • A. am 29. Januar 2010 zwei ergänzende Beweismassnahmen beantragte (act. 1.5), welche das Untersuchungsrichteramt mit Verfügung vom 1. Feb- ruar 2010 abwies (act. 1.1);

    1. gegen diese Verfügung am 5. Februar 2010 Beschwerde bei der
    2. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts erhob und beantragte, der

    angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuwei-

    sen, einerseits eine Einvernahme durchzuführen, an welcher der Ange-

    schuldigte zusammen mit seinem Verteidiger teilnehmen könne, sowie an-

    dererseits eine Oberexpertise zum Gutachten von Herrn B. anzuordnen,

    unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1);

  • die I. Beschwerdekammer der Bundesanwaltschaft und dem Untersu- chungsrichteramt – wie bei dieser Art von Beschwerdeverfahren üblich – erst nach Eingang des vom Beschwerdeführer zu leistenden Kostenvor- schusses (act. 3) und der im vorliegenden Fall zusätzlich von ihm einver- langten, schriftlichen Vollmacht (Eingabe vom 17. Februar 2010 [Poststem- pel], Eingang bei der I. Beschwerdekammer am 18. Februar 2010, act. 4 und 4.1) bzw. mit Schreiben vom 18. Februar 2010 je eine Kopie der Be- schwerde zustellte und beide zu einer Beschwerdeantwort einlud (act. 5);

  • das Untersuchungsrichteramt jedoch zwischenzeitlich – ohne Kenntnis von der Beschwerde – mit Schlussverfügung vom 17. Februar 2010 die Vorun- tersuchung im Sinne von Art. 119 Abs. 3 BStP abgeschlossen und die Ak- ten zusammen mit dem Schlussbericht der Bundesanwaltschaft zugestellt hatte (BP.2010.7, act. 1.1);

  • A. daraufhin mit Eingabe vom 23. Februar 2010 die I. Beschwerdekammer ersuchte, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuzusprechen bzw. im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme die Vorinstanz anzuweisen, die Schlussverfügung zurückzunehmen (BP.2010.7, act. 1);

  • 3 -

  • der Präsident der I. Beschwerdekammer das Gesuch um aufschiebende Wirkung mit Verfügung vom 26. Februar 2010 abwies (BP.2010.7, act. 2);

  • das Untersuchungsrichteramt mit Eingabe vom 22. Februar 2010 auf eine Beschwerdeantwort verzichtete (act. 6);

  • die Bundesanwaltschaft in der Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2010 auf die Abweisung der Anträge des Beschwerdeführers schloss (act. 7);

  • die Bundesanwaltschaft am 29. März 2010 gegen A. und den Mitbeschul- digten Anklage wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs (Art. 237 Ziff. 2 StGB i.V.m. Art. 98 Abs. 1 LFG) bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts erhob.

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • mit Einreichung der Anklageschrift am 29. März 2010 bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts das Hauptverfahren eingeleitet wurde;

  • die Prozessherrschaft damit an die Strafkammer überging und diese für den weiteren Verfahrensablauf zuständig ist (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 407 N. 17);

  • mit der Anklageerhebung die verfahrensrechtliche Zuständigkeit der I. Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts entfiel (Art. 127 ff. BStP; Ent- scheide des Bundesstrafgerichts BB.2008.76 vom 24. November 2008; SN.2008.40 vom 6. März 2009, E. 1);

  • demzufolge auf die Beschwerde nicht einzutreten ist;

  • die Beschwerde mitsamt den dazu eingereichten Akten zuständigkeitshal- ber an die Strafkammer des Bundesstrafgerichts weiterzuleiten ist;

  • für den vorliegenden Entscheid keine Gerichtskosten zu erheben sind (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG);

  • die Gerichtsgebühr für das Nebenverfahren betreffend aufschiebende Wir- kung (BP.2010.7) der Beschwerdeführer als unterliegende Partei zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG) und diese auf Fr. 200.-- festzusetzen ist (Art. 245 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 3 des Regle-

  • 4 -

ments vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundes- strafgericht, SR 173.711.32), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvor- schusses in der Höhe von Fr. 1'500.--;

  • die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, dem Beschwerdeführer Fr. 1'300.-- zurückzuerstatten;

  • 5 -

und erkennt:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Beschwerde sowie die eingereichten Akten werden zuständigkeitshalber an die Strafkammer des Bundesstrafgerichts weitergeleitet.

  3. Für den vorliegenden Entscheid werden keine Gerichtskosten erhoben. Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- für das Nebenverfahren betreffend aufschie- bende Wirkung (BP.2010.7) wird dem Beschwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- verrechnet. Die Bundes- strafgerichtskasse wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Fr. 1'300.-- zu- rückzuerstatten.

Bellinzona, 1. April 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Vorsitzende: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Advokat Stefan Suter
  • Bundesanwaltschaft
  • Eidgenössisches Untersuchungsrichteramt

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

jurisdictionindictmentpre-trial proceedingssupplementary evidencecostsnon-entrytransfer of file

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Key legal question

Whether the complaint against the refusal to supplement the file remained within the Chamber's jurisdiction after indictment was filed.

Extracted holding

No. Filing the indictment transferred procedural control to the Trial Chamber, so the Complaint Chamber lost jurisdiction.

Extracted reasoning

Once the indictment was filed in the Trial Chamber, the main proceedings had begun and competence over further proceedings passed to that chamber; the Complaint Chamber could no longer decide the complaint.

Key legal question

Allocation of costs for the present decision and the related interlocutory proceeding on suspensive effect.

Extracted holding

No court costs were charged for the present decision; the appellant had to bear the CHF 200 fee for the suspensive-effect subproceeding, offset against the advance, with CHF 1,300 to be refunded.

Extracted reasoning

Costs followed the appellant's loss in the ancillary proceeding, while no fees were levied for the present non-entry decision.

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