Complaint inadmissible for lack of victim standing

BB.2010.61Federal Criminal Court / Appeals ChamberJul 26, 2010Dismissed

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Omnilex summary

A. Sàrl complained to the Federal Criminal Court's complaint chamber after the Federal Prosecutor refused to act on its criminal complaint concerning alleged theft of bank customer data. The chamber found that only a victim under the Victim Assistance Act may challenge such a non-follow-up decision. As A. Sàrl, and also its manager as a natural person, were not victims, the complaint was inadmissible. The court did not examine the disputed timeliness and charged the appellant CHF 200 in court fees.

Omnilex headnote

Art. 100 Abs. 5 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements für das Bundesstrafgericht; standing to appeal a prosecutor's refusal to give follow-up to a criminal complaint is confined to a victim within the meaning of Art. 1 Abs. 1 OHG. If the complainant is not a victim, the complaint is manifestly inadmissible; the court may leave any question of timeliness unresolved. Costs are borne by the unsuccessful complainant under Art. 245 Abs. 1 and 2 BStP in conjunction with Art. 66 Abs. 1 BGG.

Full text

Entscheid vom 26. Juli 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A. SÀRL,

Beschwerdeführerin

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Säumnis (Art. 105 bis Abs. 2 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2010.61

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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Beschwerdeführerin am 8. Februar 2010 im Zusammenhang mit dem in den Medien dargestellten Diebstahl von Kundendaten der Bank B. und dem anschliessenden Verkauf an das Finanzministerium des deutschen Bun- deslandes Nordrhein-Westfalen Strafanzeige erhob gegen C., D., E. und gegen unbekannte Täterschaft wegen des Verdachts des Diebstahls ge- mäss Art. 139 StGB sowie einer Reihe weiterer Delikte (act. 1.2);

  • die Beschwerdeführerin diesbezüglich allfällig erforderliche Strafanträge in eigenem Namen stellte und ein Eigeninteresse an der Strafverfolgung gel- tend machte, da sie Aktionärin und Kunde der betroffenen Bank sei (act. 1.2, S. 3);

  • die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin am 11. März 2010 mitteil- te, dass die Anzeige in das im gleichen Sachzusammenhang laufende Ver- fahren gegen unbekannte Täterschaft integriert werde und ihre Ausführun- gen, soweit diese inhaltlich etwas Neues beinhalteten, im Rahmen des be- stehenden Verfahrens berücksichtigt würden, weshalb ihrer Anzeige keine Folge gegeben werde (vgl. den entsprechenden Nachweis in act. 1.5, S. 1 unten);

  • die Beschwerdegegnerin auf eine erneute Eingabe der Beschwerdeführerin hin dieser mitteilte, dass sie im hängigen Strafverfahren keine Auskunfts- und Akteneinsichtsrechte habe, nachdem ihr als blosse Anzeigestellerin keine Parteieigenschaft zukomme (act. 1.3);

  • die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin auf erneute Eingabe hin mitteilte, dass sie als Aktionärin und Kundin der Bank B. keine Geschädigte im Sinne von Art. 34 BStP sei, und erneut wiederholte, dass ihrer Anzeige vom 8. Februar 2010 keine Folge gegeben werde (act. 1.5);

  • die Beschwerdegegnerin am 30. Juni 2010 eine weitere Eingabe der Be- schwerdeführerin beantwortete, auf alle vorangehenden Schreiben verwies und sie darauf aufmerksam machte, dass ihr gegen die Nichtfolgegebung kein Rechtsmittel zustehe (act. 1.1);

  • die Beschwerdeführerin hierauf mit Beschwerde „wegen Säumnis“ vom

  1. Juli 2010 an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ge- langte und beantragt, die Bundesanwaltschaft anzuweisen, in der von ihr
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zur Anzeige gebrachten Sache ein Ermittlungsverfahren einzuleiten (act. 1);

  • nur das Opfer gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5) befugt ist, die Verfügung der Bundesanwaltschaft, mit welcher diese einer Anzeige keine Folge gibt, innert zehn Tagen mit Beschwerde bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts anzufechten (Art. 100 Abs. 5 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht; SR 173.710);

  • die Beschwerdeführerin zwar formell eine Säumnis rügt, materiell jedoch das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 30. Juni 2010 und somit eine Amtshandlung anficht;

  • in diesem Schreiben die Beschwerdegegnerin lediglich auf ihre früheren Schreiben verweist, mit welchen sie bereits mitteilte, dass sie der Anzeige der Beschwerdeführerin keine Folge gebe;

  • es sich offensichtlich weder bei der Beschwerdeführerin noch bei deren Geschäftsführer als natürlicher Person um ein Opfer gemäss Art. 1 Abs. 1 OHG handelt, weshalb diese nicht zur Beschwerde legitimiert sind, womit die Frage nach der vorliegend zweifelhaften Fristwahrung ohne Weiteres offen gelassen werden kann;

  • sich die Beschwerde nach dem Gesagten als sofort unzulässig erweist, weshalb auf einen weiteren Schriftenwechsel zu verzichten ist (Art. 219 Abs. 1 BStP e contrario);

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin die Gerichts- kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wo- bei die Gerichtsgebühr auf Fr. 200.-- festgesetzt wird (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebüh- ren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32);

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und erkennt:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- wird der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt.

Bellinzona, 27. Juli 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • A. Sàrl
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

standingvictim statuscriminal complaintinadmissibilitycosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint against the Federal Prosecutor's refusal to give follow-up to the criminal complaint was admissible.

Extracted holding

The complaint was inadmissible because the appellant was not entitled to challenge the non-follow-up decision.

Extracted reasoning

Only a victim within the meaning of the Victim Assistance Act may appeal such a refusal. A Sàrl, and its manager as a natural person, were not victims within that meaning; therefore standing was lacking. The court left the timeliness issue open.

Key legal question

Whether court costs should be imposed on the appellant.

Extracted holding

Costs were imposed on the appellant because it failed in the proceedings.

Extracted reasoning

As the complaint was not admitted, the appellant had to bear the court fee, fixed at CHF 200.

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