No entry on appeal against prosecutorial dismissal

BES.2015.119Supreme Court / Single JudgeOct 21, 2015Inadmissible

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Omnilex summary

The Appellate Court of Basel-Stadt held that the accused's filing, although labelled as a complaint against the prosecutor's dismissal order, in substance attacked the announced summary penalty order for fraud for 1 to 15 April 2012. Because the proper remedy against a summary penalty order is objection to the prosecutor under Art. 354 Abs. 1 StPO, and such an objection had already been filed, the complaint to the appellate court had become moot. The court therefore did not enter into the matter. It also waived ordinary court costs, considering the appellant's status as a layperson and the unclear remedy instructions.

Omnilex headnote

Art. 393 Abs. 1 lit. a, Art. 354 Abs. 1 and Art. 428 Abs. 1 StPO; qualification of a remedy and consequences of a misdirected filing. The legal nature of a submission is determined by its objective content, not its label. A filing directed in substance against a summary penalty order must be treated as an objection under Art. 354 Abs. 1 StPO; a complaint to the appellate court is then without object and inadmissible. In such a situation, the appellate court may refrain from charging ordinary costs where the procedural instructions were unclear for a lay litigant (consid. 1-3).

Full text

Appellationsgericht

des Kantons Basel-Stadt

Einzelgericht

BES.2015.119

ENTSCHEID

vom 21. Oktober 2015

Mitwirkende

Dr. Marie-Louise Stamm

und Gerichtsschreiberin lic. iur. Mirjam Kündig

Beteiligte

A____ Beschwerdeführer

[...] Beschuldigter

gegen

Staatsanwaltschaft Basel-Stadt Beschwerdegegnerin

Binningerstrasse 21, 4001 Basel

Gegenstand

Beschwerde gegen eine Verfügung der Staatsanwaltschaft

vom 5. August 2015

betreffend Einstellung des Strafverfahrens

Sachverhalt

Die Staatsanwaltschaft führte ein Strafverfahren gegen A____ wegen Verdachts auf Betrug. Mit Verfügung vom 5. August 2015 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Fehlens eines Straftatbestands für die Zeit ab 16. April 2012 ein (Ziff. 1). Für die Zeit vom 1. bis 15. April 2012 wurde der Erlass eines Strafbefehls wegen Betrugs angekündigt (Ziff. 2). Die Zivilklage wurde auf den Zivilweg verwiesen (Ziff. 3) und die Verfahrenskosten wurden zulasten des Staates verlegt (Ziff. 4).

Gegen diese Einstellungsverfügung hat A____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 27. August 2015 Beschwerde erhoben. Mit Beschwerdebegründung vom gleichen Tag beantragt er sinngemäss die Aufhebung des in Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung in Aussicht gestellten Strafbefehls und die Verfahrenseinstellung in allen Punkten.

Erwägungen

Gegen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft kann innert zehn Tagen schriftlich und begründet Beschwerde erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a und Art. 219 ff. der Schweizerischen Strafprozessordnung; StPO).

Aus der mit „Einsprache gegen den Strafbefehl vom 5. August 2015“ bezeichneten Eingabe vom 27. August 2015 geht zweifelsfrei hervor, dass der Beschwerdeführer nicht die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 5. August 2015 überprüfen lassen will, sondern dass er sich gegen den Strafbefehl wegen Betrugs für die Zeit zwischen dem 1. und dem 15. April 2012 zur Wehr setzt. So richtet sich die „Beschwerde“ ausdrücklich nur gegen Ziff. 2 der genannten Verfügung (Beschwerdebegründung p. 1) und damit eindeutig gegen den Strafbefehl vom 5. August 2015.

Gegen einen Strafbefehl kann die beschuldigte Person bei der Staatsanwaltschaft innert zehn Tagen nach seiner Zustellung schriftlich Einsprache erheben (Art. 354 Abs. 1 StPO). Dies hat der Beschwerdeführer getan (vgl. Mail der Staatsanwaltschaft vom 1. September 2015). Seine Beschwerde ans Appellationsgericht ist damit gegenstandslos.

Nach dem Gesagten kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO hat der Beschwerdeführer bei diesem Ausgang des Verfahrens grundsätzlich dessen ordentliche Kosten zu tragen. Der Beschwerdeführer ist juristischer Laie und nicht anwaltlich vertreten. Die Rechtsmittelbelehrung in der Einstellungsverfügung ist für Rechtsunkundige unklar und konnte den Beschwerdeführer dazu veranlassen, neben der Einsprache gegen den Strafbefehl zusätzlich Beschwerde gegen den Einstellungsbeschluss zu erheben, um sicher zu stellen, dass der Strafbefehl nicht rechtskräftig würde. Es wird somit auf die Erhebung von ordentlichen Kosten für das Beschwerdeverfahren verzichtet.

Demgemäss erkennt das Einzelgericht:

://: Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Für das Beschwerdeverfahren werden keine ordentlichen Kosten erhoben.

APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT

Die Präsidentin Die Gerichtsschreiberin

Dr. Marie-Louise Stamm lic. iur. Mirjam Kündig

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde in Strafsachen erhoben werden. Die Beschwerdeschrift muss spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht (1000 Lausanne 14) eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer diplomatischen oder konsularischen Vertretung der Schweiz im Ausland übergeben werden (Art. 48 Abs. 1 BGG). Für die Anforderungen an den Inhalt der Beschwerdeschrift wird auf Art. 42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das Bundesgericht.

Keywords

fraudsummary penalty orderobjectioninadmissibilityno entrycourt costsremedy classification

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Key legal question

Whether the filing could be treated as a complaint against the prosecutorial dismissal order.

Extracted holding

No entry was made because the filing, despite its wording, clearly challenged the announced summary penalty order rather than the dismissal order.

Extracted reasoning

Under Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO, a complaint lies against dismissal orders; however, the text of the submission showed that the appellant sought to contest the threatened summary penalty order. The remedy was therefore misdirected.

Key legal question

Whether the appeal became moot because the proper remedy against the summary penalty order had already been filed as an objection.

Extracted holding

Yes. The appellant had already lodged a timely objection to the summary penalty order with the prosecutor, so the appeal before the appellate court had no subject matter.

Extracted reasoning

A summary penalty order must be challenged by objection under Art. 354 Abs. 1 StPO. Since that remedy had been used, the appellate complaint was without object.

Key legal question

Costs of the appellate proceedings.

Extracted holding

No ordinary costs were charged, given the appellant's lay status and the unclear remedy instructions in the dismissal order.

Extracted reasoning

Although Art. 428 Abs. 1 StPO would normally place costs on the unsuccessful appellant, the court exercised discretion to waive costs because the instructions were confusing for a non-lawyer and may have prompted the redundant filing.

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