Pretrial detention proportionality despite possible monetary sentence

350 13 561Criminal Court / Criminal ChamberJun 5, 2013Granted

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Omnilex summary

The Basel-Landschaft coercive measures court ordered two months of pretrial detention against the accused, who was suspected of repeated, partly attempted theft and possibly gang- and commercially committed theft. The court held that detention remained proportionate even though a monetary sentence or community service could not be excluded, because under the concrete circumstances a custodial sentence was still possible. It also relied on the need to complete remaining investigative steps and indicated that any extension of detention might become disproportionate if no further offences were alleged.

Omnilex headnote

Art. 212 StPO in conjunction with Art. 41 and Art. 42 StGB; proportionality of pretrial detention where the eventual sentence is uncertain. In assessing proportionality, the decisive factor is whether, in light of the concrete circumstances, a custodial sentence may realistically be expected; the mere possibility of a monetary penalty or community service does not preclude detention. If, however, special circumstances leave open that the convicted person could be sentenced to imprisonment rather than a monetary penalty, pretrial detention may be ordered despite the absence of certainty as to the eventual type of punishment. The prospect of conditional or partially conditional execution is irrelevant to the detention analysis (consid. 2).

Full text

Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 5. Juni 2013 (350 13 561)

Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft www.bl.ch/zmg

5. Juni 2013

Anordnung Untersuchungshaft

Verhältnismässigkeit

Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit ist zu berücksichtigen, ob eine Strafe in Form einer Geldstrafe, einer Freiheitsstrafe oder gemeinnütziger Arbeit vollzogen wird. Wenn aufgrund besonderer Umstände nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden kann, dass eine Verurteilung zu einer Geldstrafe erfolgen wird, kann Untersuchungshaft angeordnet werden.

Erwägungen

(…)

Im Falle einer allfälligen Verurteilung durch das zuständige Sachgericht hat die Beschuldigte aufgrund des ihr vorgeworfenen Delikts (mehrfacher, teilweise versuchter, ev. banden- und gewerbsmässiger Diebstahl) mit einer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe zu rechnen, wobei im Falle von Bandenmässigkeit die Mindeststrafe Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen beträgt. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit ist allerdings zu berücksichtigen, ob eine Strafe in Form einer Geldstrafe, einer Freiheitsstrafe oder gemeinnütziger Arbeit vollzogen wird (UlrichWeder, in: Andreas Donatsch / Thomas Hansjakob / Viktor Lieber [Herausgeber], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 212 N 22; Beschluss des Kantonsgerichts vom 4. September 2012, 470 12 169). In Bezug auf die Verhältnismässigkeit der Untersuchungshaft spielt es hingegen keine Rolle, ob für die in Aussicht stehende Freiheitsstrafe allenfalls der bedingte oder teilbedingte Vollzug gewährt wird (UlrichWeder, in: Andreas Donatsch / Thomas Hansjakob / Viktor Lieber [Herausgeber], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 212 N 15 ff.; GianfrancoAlbertini/ ThomasArmbruster, in: Marcel Alexander Niggli / Marianne Heer / Hans Wiprächtiger [Herausgeber], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 212 N 12 ff.). Das Gericht kann auf eine vollziehbare Freiheitsstrafe von weniger als 6 Monaten erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe nicht gegeben sind und zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 StGB). Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB muss eine ungünstige Prognose vorliegen, wenn der bedingte Vollzug einer Strafe verweigert werden soll (BG. E  134 IV 53 E. 3.3.1  ). Im vorliegenden Fall erachtet es das Zwangsmassnahmengericht aufgrund der konkreten Umstände (Kriminaltouristin) als möglich, dass die Beschuldigte selbst im Falle einer Strafe von weniger als 6 Monaten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden könnte, da die entsprechenden Voraussetzungen gemäss Art. 41 StGB gegeben sein könnten.

Im Hinblick auf die ausstehenden Untersuchungshandlungen (Abklärungen in Zusammenhang mit dem Diebstahl in X. und allenfalls weiteren Delikten in Y. , Abschluss des Verfahrens) sowie die im Falle einer Verurteilung drohende Strafe erscheint -aufgrund der derzeitigen Beweislage - die Anordnung der Untersuchungshaft für die Dauer von 2 Monaten verhältnismässig. Diesbezüglich hat die Staatsanwaltschaft allerdings zu beachten, dass es fraglich ist, ob eine Verlängerung der Untersuchungshaft verhältnismässig ist, wenn der Beschuldigten nicht weitere Delikte vorgeworfen werden können. Sollte es beim Vorwurf des (ev. versuchten) Diebstahls vom 1. Juni 2013 bleiben, so wäre innerhalb der nun verfügten Haftdauer das Verfahren abzuschliessen bzw. Anklage zu erheben.

Keywords

pretrial detentionproportionalitycustodial sentencetheftinvestigationprovisional measures

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether pretrial detention was proportionate despite the possibility of a monetary sentence or community service.

Extracted holding

Yes. Given the circumstances, it could not be assumed without qualification that any conviction would necessarily lead to a monetary sentence; a prison sentence was possible, so detention was proportionate.

Extracted reasoning

For proportionality, the court must consider whether the sentence would actually be served as a monetary penalty, prison term, or community service. In this case, because of the alleged repeated thefts and the accused's situation as a 'crime tourist', a custodial sentence remained possible under Art. 41 StGB. The pending investigative steps also justified detention for two months.

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