Invalidity pension revision and timing of abolition

9C_873/2011Federal Supreme Court / Public Law Division IIIDec 23, 2011Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Supreme Court dismissed the IV office's appeal against the cantonal judgment that had already limited the revocation of the insured person's full invalidity pension to 1 October 2011. The office's attempt to rely for the first time on procedural revision and on new facts from an observation and expert report was inadmissible under Art. 99 BGG because those grounds could have been raised earlier. It also failed to show that the cantonal court violated federal law by setting the pension termination date.

Omnilex headnote

Art. 99 Abs. 1 und 2 BGG; new facts and requests for procedural revision in federal appeal proceedings. New factual allegations and evidence are inadmissible if the appellant already had occasion to raise them in the cantonal proceedings and does not show that the contested judgment itself created the need to do so. A request not presented before the lower court cannot be introduced for the first time before the Federal Supreme Court. If the appellant fails to substantiate a violation of federal law under Art. 95 lit. a BGG, the lower court's assessment of the date of pension abolition stands (consid. 2 ff.).

Full text

{T 0/2}
9C_873/2011

Urteil vom 23. Dezember 2011
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichterinnen Pfiffner Rauber, Glanzmann,
Gerichtsschreiber R. Widmer.

Verfahrensbeteiligte
IV-Stelle des Kantons Thurgau,
St. Gallerstrasse 13, 8500 Frauenfeld,
Beschwerdeführerin,

gegen

B.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau
vom 5. Oktober 2011.

In Erwägung,
dass die IV-Stelle des Kantons Thurgau mit Verfügung vom 26. Januar 2011 die dem 1960 geborenen B.________ seit 1. April 1993 ausgerichtete ganze Invalidenrente rückwirkend auf Ende Januar 2006 revisionsweise aufhob,
dass das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau die von B.________ hiegegen eingereichte Beschwerde mit Entscheid vom 5. Oktober 2011 in dem Sinne teilweise guthiess, dass es die Invalidenrente erst mit Wirkung ab 1. Oktober 2011 aufhob, während es das Rechtsmittel im Übrigen abwies,
dass die IV-Stelle Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten führt mit den Anträgen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides sei die Mitteilung vom 7. Oktober 2002, womit der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestätigt wurde, in prozessuale Revision zu ziehen, eventuell sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mit Einstellung der Rente ab November 2009 anzuerkennen, subeventuell sei die Invalidenrente per Juni 2010 aufzuheben,
dass gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG neue Tatsachen und Beweismittel nur so weit vorgebracht werden dürfen, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt,
dass die IV-Stelle weder in ihrer Verfügung vom 26. Januar 2011 noch in der Vernehmlassung an die Vorinstanz (vom 22. März 2011) oder in der Duplik vom 25. Juli 2011 das Vorliegen prozessual revisionsbegründender Tatsachen (Art. 53 Abs. 1 ATSG) behauptet hat,
dass nicht erst der angefochtene Entscheid der Beschwerdeführerin Anlass gegeben hat, das Thema der prozessualen Revision aufzugreifen und entsprechende neue Tatsachen oder Beweismittel geltend zu machen,
dass sie vielmehr bereits in der Verfügung vom 26. Januar 2011 unter Hinweis auf die bei der Observation des Versicherten im November 2009 und der fachärztlichen Untersuchung (Expertise der ärztlichen Begutachtungsstelle X.________ vom 10. August 2010) gewonnenen neuen Erkenntnisse auf die fragliche Mitteilung vom 7. Oktober 2002 hätte revisionsweise zurückkommen müssen, wenn sie diesen Rechtstitel als Grund für den Eingriff ins laufende rechtskräftige Rentenverhältnis heranziehen wollte,
dass die IV-Stelle andernfalls Gelegenheit gehabt hätte, die neuen Tatsachen spätestens im Verlaufe des kantonalen Gerichtsverfahrens als Revisionsgründe vorzubringen,
dass die erst letztinstanzlich vorgebrachten neuen Tatsachen daher unzulässig sind, ebenso das Begehren, es sei die Mitteilung vom 7. Oktober 2002 prozessual in Revision zu ziehen, welcher Antrag vor Vorinstanz nicht gestellt wurde (Art. 99 Abs. 2 BGG),
dass das Verwaltungsgericht des Weiteren zutreffend, im Übrigen sinngemäss auch unter prozessual revisionsrechtlichem Blickwinkel (Entscheid S. 17), dargelegt hat, weshalb die Invalidenrente auf Ende September 2010 aufzuheben ist, worauf verwiesen wird,
dass die IV-Stelle mit ihren Eventualbegehren um Festsetzung der Rentenaufhebung auf einen früheren Zeitpunkt (November 2009 oder Juni 2010) nicht zu begründen vermag, inwiefern der vorinstanzliche Entscheid in diesem Punkt Bundesrecht verletzen soll (Art. 95 lit. a BGG),
dass die Gerichtskosten dem Verfahrensausgang entsprechend der IV-Stelle aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG),
dass die Beschwerde offensichtlich unbegründet ist, weshalb sie im Verfahren nach Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG erledigt wird,

erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 23. Dezember 2011
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Meyer

Der Gerichtsschreiber: Widmer

Keywords

invalidity pensionprocedural revisionnew factsadmissibilitysocial insuranceappealcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether new facts and evidence supporting procedural revision could be introduced for the first time before the Federal Supreme Court.

Extracted holding

They could not be introduced because the office had already had the opportunity to raise them earlier and did not do so.

Extracted reasoning

Under Art. 99(1) BGG, new facts are admissible only if the cantonal judgment gives rise to them. Here the office knew of the observations and expert report already when issuing its decision and could have invoked procedural revision earlier.

Key legal question

Whether the request to revise the 7 October 2002 notice procedurally could be granted.

Extracted holding

The request was inadmissible because it had not been made before the lower court and was based on inadmissible new allegations.

Extracted reasoning

The Federal Supreme Court held that the procedural revision argument was raised only at the last instance and therefore could not be considered.

Key legal question

Whether the pension should be abolished earlier than 1 October 2011, namely as of November 2009 or June 2010.

Extracted holding

No earlier abolition was shown to violate federal law; the cantonal court's timing stood.

Extracted reasoning

The appellant failed to demonstrate any violation of federal law in the cantonal court's reasoning on the end date of the pension.

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