Non-entry for insufficiently reasoned appeal

9C_204/2011Federal Supreme Court / Public Law Division IIIApr 6, 2011Inadmissible

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Omnilex summary

The Federal Supreme Court held that the insured person's appeal against a cantonal non-entry decision in a health-insurance matter was inadmissible because it did not explain why the cantonal court's non-entry was unlawful, as required by Art. 42 BGG. Her complaint about not receiving the lower-court file did not remedy the missing reasoning. The court therefore issued a simplified non-entry decision and, exceptionally, waived court costs.

Omnilex headnote

Art. 42 Abs. 1 and 2 BGG; appeal against a cantonal non-entry decision must specifically address the reasons for the non-entry and show why it is unlawful. A submission that merely criticizes ancillary procedural matters, such as file transmission, without confronting the dispositive procedural ruling, does not satisfy the reasoning requirement. Where the appeal is manifestly insufficiently reasoned, the court may decline to enter in simplified proceedings under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. Exceptionally, costs may be waived under Art. 66 Abs. 1 second sentence BGG (consid. 1-3).

Full text

{T 0/2}
9C_204/2011

Urteil vom 6. April 2011
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Gerichtsschreiberin Keel Baumann.

Verfahrensbeteiligte
S.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

EGK-Gesundheitskasse, Bahnhofstrasse 41, Postfach, 5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Krankenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 15. Februar 2011.

Nach Einsicht
in den Entscheid vom 15. Februar 2011, mit welchem das Versicherungsgericht des Kantons Aargau auf das von S.________ erhobene Rechtsmittel nicht eintrat, weil die Versicherte den angefochtenen Einspracheentscheid der EGK-Gesundheitskasse unbekannten Datums trotz entsprechender Aufforderung (mit Hinweis auf die Säumnisfolgen) nicht eingereicht hatte,
in das Schreiben vom 4. März 2011, in welchem S.________ das Versicherungsgericht darum ersuchte, ihr die im kantonalen Verfahren eingereichten Akten zu senden, weil sie diese benötige, um beim Bundesgericht Beschwerde zu führen,
in das Schreiben vom 9. März 2011, mit welchem das Versicherungsgericht S.________ darüber informierte, dass es die Akten dem Bundesgericht auf entsprechende Aufforderung hin selber weiterleite,
in die Beschwerde der S.________ vom 13. März 2011 (Poststempel),
in das Schreiben vom 27. März 2011, in welchem S.________ sich beim Bundesgericht über die fehlende Aushändigung der Akten durch das kantonale Versicherungsgericht beschwerte (unter Beilage eines weiteren dem Versicherungsgericht gesandten Schreibens vom 13. März 2011),

in Erwägung,
dass ein Rechtsmittel gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG unter anderem die Begehren und deren Begründung zu enthalten hat, wobei in der Begründung in gedrängter Form darzulegen ist, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt,
dass dem Erfordernis einer sachbezogenen und damit rechtsgenüglichen Begründung bei gegen Nichteintretensentscheide gerichteten Beschwerden nur Genüge getan ist, wenn sich die Beschwerdeschrift mit der Frage auseinandersetzt, weshalb das vorinstanzliche Nichteintreten unrechtmässig ist (vgl. BGE 123 V 335; 118 Ib 134; ARV 2002 Nr. 7 S. 59, C 60/01 E. 2),
dass die Eingabe vom 13. März 2011 diesem Erfordernis offensichtlich nicht gerecht wird, weil die Versicherte sich mit der prozessualen Erledigung durch die Vorinstanz nicht auseinandersetzt und insbesondere nicht darlegt, weshalb das kantonale Versicherungsgericht auf das Rechtsmittel hätte eintreten müssen und demzufolge sein Entscheid zu Unrecht ergangen sein sollte,
dass die Beschwerdeführerin dem Schreiben des kantonalen Versicherungsgerichts vom 9. März 2011 entnehmen konnte, dass sie sich im Rahmen des letztinstanzlichen Verfahrens nicht um die Einreichung der vorinstanzlichen Akten zu kümmern brauchte,
dass der Erhalt der Akten keine Voraussetzung für das Verfassen einer rechtsgenüglichen Beschwerde ist, bildet doch einziges zulässiges Thema des Prozesses vor Bundesgericht das Nichteintreten des kantonalen Gerichts auf die vorinstanzliche Beschwerde, womit die materielle Seite der Angelegenheit nichts zu tun hat,
dass bei dieser Sachlage im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG auf die Beschwerde nicht einzutreten ist,
dass in Anwendung von Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG - umständehalber - auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet wird,
erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 6. April 2011

Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Meyer Keel Baumann

Keywords

non-entry decisionreasoning requirementfederal appealfile transmissioncourt costssocial insurance

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the federal appeal met the reasoning requirements under Art. 42 BGG against a non-entry decision.

Extracted holding

No. The appeal did not address why the cantonal non-entry decision was unlawful and therefore lacked a sufficient legal reasoning.

Extracted reasoning

A complaint against a non-entry decision must explain specifically why the lower court should have entered the case. The appellant's submission failed to engage with that procedural question and instead focused on file transmission. Access to the file was not a prerequisite for a legally sufficient appeal.

Key legal question

Whether court costs should be charged in the federal proceedings.

Extracted holding

No court costs were imposed due to the circumstances.

Extracted reasoning

The court relied on Art. 66(1) second sentence BGG and dispensed with court costs exceptionally.

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