Cassation complaint inadmissible for insufficient reasoning

6S.560/2006Federal Supreme Court / Criminal DivisionJan 3, 2007Inadmissible

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Omnilex summary

X.________ filed repeated criminal complaints against municipal officials of Au and challenged the St. Gallen Anklagekammer's refusal to open proceedings. The Federal Supreme Court did not decide the standing issue, because the cassation complaint failed to meet the minimum substantiation requirements: it did not show how the challenged conduct could constitute a criminal offence. The court therefore did not enter into the complaint. It rejected the request for free legal aid as hopeless and because indigence was not proven, and it imposed court costs of CHF 500 on the appellant.

Omnilex headnote

Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP; inadmissibility of a federal cassation complaint for lack of reasoning. The complaint must, with reference to the challenged decision, set out in a substantiated manner in what respect and for what reasons the decision infringes federal law; mere criticism of the factual or legal assessment, or an abstract assertion of unlawfulness, is insufficient. Where the filing does not explain how the alleged facts could amount to a criminal offence, the court need not examine standing and may refuse entry. Free legal aid under Art. 152 OG is denied if the proceedings are hopeless; failure to substantiate indigence provides an additional independent ground for refusal (consid. 2-3).

Full text

{T 0/2}
6S.560/2006 /rom

Urteil vom 3. Januar 2007
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Zünd,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Spisergasse 15, 9001 St. Gallen.

Gegenstand
Eröffnung eines Strafverfahrens,

Nichtigkeitsbeschwerde gegen den Entscheid der Anklagekammer des Kantons St. Gallen vom 24. Oktober 2006.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
X.________ reichte am 25. November 2004 gegen den Leiter der Sozialen Dienste der Gemeinde Au eine Strafklage wegen Tätlichkeit, Amtsmissbrauchs und Amtsgeheimnisverletzung ein. Die Anklagekammer des Kantons St. Gallen entschied am 27. Januar 2005, es werde kein Strafverfahren eröffnet. Mit Eingabe vom 2. August 2005 reichte X.________ eine weitere Strafanzeige ein gegen den oben erwähnten Leiter der Sozialen Dienste sowie gegen den Gemeinderat Au und gegen dessen Präsidenten. Mit Entscheid vom 25. August 2005 eröffnete die Anklagekammer kein Strafverfahren. Mit Schreiben vom 12. August 2006 reichte X.________ eine dritte Strafanzeige ein, worin er "um die Eröffnung von verschiedenen Strafklagen gegen alle Behördenmitglieder und MitarbeiterInnen der politischen Gemeinde Au-Heerbrugg, Au, im Zusammenhang mit der Anmeldung zum Bezug einer Invalidenrente durch die Vormundschaftsbehörde, Au, bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen" ersuchte. Die Anklagekammer entschied am 24. Oktober 2006, es werde kein Strafverfahren eröffnet.

X.________ wendet sich mit Nichtigkeitsbeschwerde ans Bundesgericht und beantragt, der Entscheid der Anklagekammer vom 24. Oktober 2006 sei aufzuheben bzw. nichtig zu erklären. Die entsprechenden Strafverfahren seien zu eröffnen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
2.
Die Nichtigkeitsbeschwerde steht nicht jedem Geschädigten zu, sondern nur dem Opfer im Sinne des Opferhilfegesetzes (OHG), dem Strafantragsteller, wenn es um das Strafantragsrecht im Sinne von Art. 28 ff. StGB als solches geht, sowie dem Privatstrafkläger, wenn er die Anklage allein und ohne Beteiligung des öffentlichen Anklägers des Kantons geführt hat (Art. 270 lit. e, f und g BStP). In Bezug auf die Legitimation stellt sich nur die Frage, ob im vorliegenden Fall die dritte Variante erfüllt sein könnte, obwohl der angefochtene Entscheid der Staatsanwaltschaft als öffentlicher Anklägerin des Kantons St. Gallen immerhin zugestellt worden ist (angefochtener Entscheid S. 3 unten). Die Frage kann jedoch offen bleiben. Die Vorinstanz stellt unter anderem fest, "dass insbesondere die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde Au zur Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen für den Anzeiger gestützt auf Art. 66 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung berechtigt war" (angefochtener Entscheid S. 3). Nach Auffassung des Beschwerdeführers verletzt diese Feststellung das IV- und das Vormundschaftsrecht. Mit diesem Vorbringen ist indessen nicht dargelegt, dass und inwieweit sich jemand strafbar gemacht haben könnte. Die Eingabe genügt den minimalen Begründungsanforderungen von Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP nicht, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann.
3.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 278 Abs. 1 BStP). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege muss in Anwendung von Art. 152 OG abgewiesen werden, weil die Rechtsbegehren von vornherein aussichtslos waren. Im Übrigen unterlässt es der Beschwerdeführer, seine Bedürftigkeit nachzuweisen.

Demnach erkennt das Bundesgericht im Verfahren nach Art. 36a OG:
1.
Auf die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.
3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen und der Anklagekammer des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 3. Januar 2007
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Keywords

inadmissibilitycassation complaintreasoned appealcriminal complaintlegal aidcourt costsstandingnon-opening of proceedings

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Key legal question

Whether the federal cassation complaint was admissible despite the appellant's lack of standing as an injured party or private accuser.

Extracted holding

The standing question could be left open because the complaint failed to meet the minimum reasoning requirements.

Extracted reasoning

The appellant did not show, even minimally, how the cited facts could amount to criminal conduct; therefore the complaint was not sufficiently substantiated.

Key legal question

Whether the complaint satisfied the federal criminal cassation pleading requirements.

Extracted holding

No. The filing did not comply with the minimal requirements of Art. 273(1)(b) BStP.

Extracted reasoning

A mere attack on the legality of the municipal social welfare and guardianship actions did not explain the alleged criminality of any person.

Key legal question

Whether legal aid should be granted for the cassation proceeding.

Extracted holding

No, because the claims were hopeless and indigence was not demonstrated.

Extracted reasoning

The requested relief was manifestly without prospects of success; additionally, the appellant failed to prove financial need.

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