Revision granted; no entry on appeal for insufficient reasoning

6B_242/2010Federal Supreme Court / Criminal DivisionMar 18, 2010Partially Granted

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Omnilex summary

The Federal Supreme Court first accepted the appellant's request for revision of its own judgment in case 6B_135/2010, because the timely appeal had mistakenly been allocated to another file and was overlooked. It therefore set aside the non-entry judgment of 16 February 2010. On the merits of the present appeal against the cantonal decision refusing reopening, the Court held that the filing did not satisfy the federal reasoning requirements and did not identify any concrete revision grounds under cantonal law. The appeal was therefore not entered into under Art. 108 BGG. In view of the Court's own error, no court costs were imposed.

Omnilex headnote

Art. 95, 42 Abs. 2, 106 Abs. 2, 108 BGG; Revision of a Federal Supreme Court judgment due to mistaken allocation of a timely filing; reasoning requirements for appeals. A revision is warranted where the Court's own procedural error caused a timely submission to be overlooked in the file on which judgment was rendered. On appeal, the appellant must identify in a substantiated manner the challenged legal violations and the concrete reopening grounds; mere criticism of the investigation and general allegations do not satisfy the federal reasoning requirements. If these requirements are not met, the Court does not enter the appeal in summary procedure. Where the Court itself caused the additional filing, a waiver of costs may be justified.

Full text

{T 0/2}
6B_242/2010

Urteil vom 18. März 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Gerichtsschreiber Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau,
Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Revision des Urteils des Schweizerischen Bundesgerichts 6B_135/2010 vom 16. Februar 2010; Wiederaufnahmegesuch,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer,
vom 7. Dezember 2009.
Der Präsident zieht in Erwägung:

1.
Im Verfahren 6B_135/2010 trat das Bundesgericht mit Urteil vom 16. Februar 2010 auf eine Beschwerde des Beschwerdeführers nicht ein, weil dieser die Beschwerdefrist nicht eingehalten habe. Der Beschwerdeführer stellt mit Eingabe vom 15. März 2010 sinngemäss ein Revisionsgesuch und macht geltend, seine Eingabe sei rechtzeitig erfolgt. Die Rüge ist begründet. Das Bundesgericht hatte versehentlich neben dem Verfahren 6B_135/2010 in derselben Angelegenheit noch ein Verfahren mit der Nummer 1B_9/2010 eröffnet und die rechtzeitig eingereichte Beschwerde diesem zweiten Verfahren zugeordnet. Dies wurde bei der Fällung des Urteils im Verfahren 6B_135/2010 übersehen. Das Revisionsgesuch ist gutzuheissen, und das Urteil 6B_135/2010 vom 16. Februar 2010 ist aufzuheben.

2.
Im angefochtenen Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 7. Dezember 2009 wurde ein Wiederaufnahmegesuch des Beschwerdeführers abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte. Der Beschwerdeführer habe in sämtlichen von ihm eingereichten Schreiben keine konkreten Anträge gestellt. Auch aus seinem neuesten Wiederaufnahmegesuch gehe nicht eindeutig hervor, was seine Anliegen seien. Die Eingaben erschöpften sich in einer Kritik an der durchgeführten Untersuchung und am Gerichtsverfahren sowie an den beweismässigen Feststellungen des Strafurteils. Zwar mache er geltend, es seien nicht alle Beweise und Dokumente vor Gericht präsentiert worden. Es sei allerdings nicht ersichtlich, inwiefern neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel vorliegen sollen. Jedenfalls seien die wirren und teilweise verunglimpfenden Ausführungen nicht geeignet, Zweifel an der Richtigkeit des Strafurteils zu begründen, und sie stellten insbesondere keinen Wiederaufnahmegrund im Sinne von § 230 Ziff. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Aargau (StPO/AG) dar (angefochtener Entscheid S. 4 E. 2.2.).

Vor Bundesgericht müsste der Beschwerdeführer darlegen, dass und inwieweit die Feststellung der Vorinstanz, er habe keinen Wiederaufnahmegrund im Sinne von § 230 Ziff. 1 StPO/AG genannt, gegen das schweizerische Recht im Sinne von Art. 95 BGG verstossen könnte (Art. 42 Abs. 2 bzw. Art. 106 Abs. 2 BGG). Diese Begründungsanforderungen erfüllt die Beschwerde nicht. Soweit sie überhaupt verständlich ist, beschränkt sie sich unter Beilage einer "kompletten Dokumentation" darauf, die Angelegenheit aus der Sicht des Beschwerdeführers zu schildern und Vorwürfe gegen verschiedene Stellen zu erheben. Konkrete Wiederaufnahmegründe werden indessen nicht genannt. Auf die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

3.
Da dem Bundesgericht ein Fehler unterlief und der Beschwerdeführer deshalb am 15. März 2010 ein zusätzliches Mail senden musste, rechtfertigt es sich, auf eine Kostenauflage zu verzichten.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen, und das Urteil 6B_135/2010 vom 16. Februar 2010 wird aufgehoben.

2.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 18. März 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Monn

Keywords

revisionnon-entryreopeningreasoning requirementsprocedural errorcourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the Federal Supreme Court judgment 6B_135/2010 should be revised because the appellant's filing was timely assigned to the wrong file.

Extracted holding

Yes. The Court found it had mistakenly opened a second file and overlooked the timely filing in the present case, so revision was warranted and the prior judgment had to be set aside.

Extracted reasoning

The appellant's March 15, 2010 submission was timely; the procedural error lay with the Court's mistaken allocation of the filing to another file number.

Key legal question

Whether the appeal against the cantonal refusal of reopening was sufficiently reasoned to permit review.

Extracted holding

No. The appeal did not identify concrete reopening grounds or show how the cantonal court's findings violated federal law.

Extracted reasoning

The submissions were largely incomprehensible, raised general criticism and accusations, and failed to meet the reasoning requirements under the Federal Supreme Court Act; therefore no entry could be made under the summary procedure.

Key legal question

Whether court costs should be imposed despite the Court's procedural error.

Extracted holding

No costs were charged because the Federal Supreme Court itself caused the extra filing and resulting additional effort.

Extracted reasoning

Given the Court's own mistake, it was appropriate to waive costs entirely.

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