Non-entry on inadequately reasoned constitutional complaint

5D_84/2010Federal Supreme Court / Civil Division IIJun 15, 2010Inadmissible

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Omnilex summary

The Swiss Federal Supreme Court did not enter into a constitutional complaint against a cantonal decision confirming definitive debt enforcement for CHF 345 in court costs. It held that the appellant failed to meet the strict substantiation requirements for a subsidiary constitutional complaint and did not meaningfully address the cantonal court’s multiple independent reasons. The court also considered the filing abusive because it served only to delay enforcement. Legal aid was refused due to the appeal’s lack of prospects, and CHF 200 in court costs were imposed on the appellant.

Omnilex headnote

Art. 113 ff., 116, 117 in conjunction with Art. 106(2) and Art. 108(1)(b)(c) BGG; admissibility of the subsidiary constitutional complaint. A constitutional complaint must, by reference to the reasoning of the cantonal decision, set out clearly and specifically which constitutional rights were violated and in what respect; mere appellatory objections are insufficient. If the challenged decision rests on multiple independent grounds, each ground must be attacked in a constitutionally adequate manner; otherwise the complaint is inadmissible. Abusive filings aimed solely at delaying enforcement do not merit judicial protection (Art. 42(7) BGG). Legal aid under Art. 64(1) BGG is excluded where the complaint is hopeless. The losing party bears the court costs under Art. 66(1) BGG.

Full text

{T 0/2}
5D_84/2010

Urteil vom 15. Juni 2010
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Füllemann.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Kanton Aargau, vertreten durch Gerichtskasse B.________
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Definitive Rechtsöffnung.

Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 3. Mai 2010 des Obergerichts des Kantons Aargau (Zivilgericht, 4. Kammer).

Nach Einsicht
in die Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 3. Mai 2010 des Obergerichts des Kantons Aargau, das eine Beschwerde des Beschwerdeführers gegen die erstinstanzliche Erteilung der definitiven Rechtsöffnung an den Beschwerdegegner für Fr. 345.-- (nebst Zins und Kosten) abgewiesen hat,

in Erwägung,
dass gegen den in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit ergangenen Entscheid des Obergerichts mangels Erreichens der Streitwertgrenze (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG) und mangels Vorliegens einer Ausnahme gemäss Art. 74 Abs. 2 BGG allein die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113ff. BGG offen steht, weshalb die Eingabe des Beschwerdeführers als solche entgegengenommen worden ist,
dass in einer subsidiären Verfassungsbeschwerde die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte vorzubringen und zu begründen (Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG sowie Art. 116 BGG), d.h. anhand der Erwägungen des kantonalen Entscheids klar und detailliert darzulegen ist, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch diesen Entscheid verletzt sein sollen (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399), ansonst auf die Beschwerde nicht eingetreten wird (Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG),
dass sodann in einem Fall wie dem vorliegenden, wo der vorinstanzliche Entscheid zum Teil auf mehrfachen Erwägungen beruht, jede dieser Erwägungen nach den erwähnten Anforderungen anzufechten ist (BGE 133 IV 119 E. 6),
dass das Obergericht im Urteil vom 3. Mai 2010 im Wesentlichen erwog, mangels Geltung der Gerichtsferien im Rechtsöffnungsverfahren (AGVE 1993 Nr. 11 S. 46) sei die Antwort des Beschwerdeführers auf das Rechtsöffnungsgesuch verspätet gewesen und dieser damit im erstinstanzlichen Verfahren säumig geblieben, sein erst vor Obergericht gestellter Ablehnungsantrag gegen den erstinstanzlichen Richter erweise sich daher ebenfalls als verspätet, im Übrigen wäre dieser auch unbegründet, falsch sei sodann der Einwand der nicht rechtmässigen Wahl des erstinstanzlichen Richters, weil (von der Kantonsverfassung nicht ausgeschlossene) stille Wahlen gemäss § 30a des Gesetzes über die politischen Rechte vom 10. März 1992 zulässig seien, wenn gleichviel wählbare Kandidaten oder Kandidatinnen vorgeschlagen würden als zu wählen seien und innert der Nachmeldefrist von 5 Tagen keine weiteren Wahlvorschläge eingereicht würden, sodann verstosse die stille Wahl auch nicht gegen Art. 34 BV, der die freie Willensbildung und die unverfälschte Stimmabgabe schütze,
dass das Obergericht weiter erwog, die Rechtsöffnungsforderung beruhe auf einem rechtskräftigen Urteil des Gerichtspräsidiums B.________ vom 20. Juli 2009 (Gerichtskosten), dessen materielle Richtigkeit der Rechtsöffnungsrichter nicht überprüfen dürfe, der (vor erster Instanz säumige) Beschwerdeführer habe keine Einwendungen nach Art. 81 Abs. 1 SchKG erhoben, weshalb die definitive Rechtsöffnung zu erteilen sei,
dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe an das Bundesgericht zwar Verfassungsrechte anruft und die Erwägungen des Obergerichts bestreitet,
dass er sich jedoch nicht in nachvollziehbarer Weise mit den einlässlichen, zum Teil mehrfachen Erwägungen des Obergerichts auseinandersetzt,
dass er erst recht nicht nach den gesetzlichen Anforderungen, d.h. klar und detailliert anhand dieser Erwägungen aufzeigt, inwiefern der Entscheid des Obergerichts vom 3. Mai 2010 verfassungswidrig sein soll,
dass der Beschwerdeführer ausserdem allein zum Zweck der Verzögerung der Zwangsvollstreckung und damit missbräuchlich prozessiert (Art. 42 Abs. 7 BGG),
dass somit auf die - offensichtlich keine hinreichende Begründung enthaltende und überdies missbräuchliche - Verfassungsbeschwerde in Anwendung von Art. 117 i.V.m. Art 108 Abs. 1 lit. b und c BGG nicht einzutreten ist,
dass dem Beschwerdeführer in Anbetracht der Aussichtslosigkeit der Verfassungsbeschwerde die unentgeltliche Rechtspflege nicht gewährt werden kann (Art. 64 Abs. 1 BGG),
dass der unterliegende Beschwerdeführer kostenpflichtig wird (Art. 66 Abs. 1 BGG),
dass in den Fällen des Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und die Abteilungspräsidentin zuständig ist,

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 200.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. Juni 2010
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Füllemann

Keywords

constitutional complaintadmissibilityreasoned pleadingabuse of processlegal aidcourt costsdebt enforcementnon-entry

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the subsidiary constitutional complaint was sufficiently reasoned to be admissible.

Extracted holding

No. The appellant did not engage with the High Court’s multiple grounds in a clear and detailed manner as required for constitutional complaints.

Extracted reasoning

A constitutional complaint must identify and substantiate, with reference to the cantonal reasoning, which constitutional rights were violated and how; otherwise the Federal Supreme Court must not enter into the matter.

Key legal question

Whether the complaint was abusive and filed merely to delay enforcement.

Extracted holding

Yes. The filing was deemed abusive because it served only to postpone enforcement.

Extracted reasoning

The court found the complaint manifestly aimed at delaying compulsory enforcement, which constitutes abusive litigation conduct.

Key legal question

Whether the appellant was entitled to free legal aid.

Extracted holding

No. Legal aid was refused because the constitutional complaint had no prospects of success.

Extracted reasoning

Under the Federal Supreme Court Act, indigent parties receive legal aid only if the proceeding is not hopeless; that condition was not met here.

Key legal question

Allocation of court costs.

Extracted holding

The appellant had to bear the federal court costs.

Extracted reasoning

As the losing party, the appellant was charged with costs under the general rule.

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