Detention pending removal upheld despite prior exclusion violation

2A.167/2003Federal Supreme Court / Public Law Division IIApr 28, 2003Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court decided under the simplified procedure that the appellant's challenge to three months' removal detention had no merit. It held that repeated breach of an exclusion order justified detention under Art. 13b ANAG and that the same facts also showed a risk of absconding. The court rejected the argument that a prior criminal conviction for violating the exclusion order made detention impossible, because there was no indication that removal itself was actually or legally impossible. It also found the detention period proportionate. The appeal was dismissed, and no court fee was charged.

Omnilex headnote

Art. 13b ANAG; removal detention and risk of absconding; violation of an exclusion order. Repeated non-compliance with an exclusion or exclusion order may constitute a detention ground under Art. 13b(1)(b) in conjunction with Art. 13a lit. b ANAG. On the facts also, such conduct together with uncertain identity may establish a concrete risk of absconding under Art. 13b(1)(c) ANAG. A prior criminal conviction under Art. 23a ANAG for violating the exclusion order does not preclude removal detention where no legal or factual impossibility of removal is shown. Proportionality is preserved if the detainee can shorten detention by cooperating in travel-document procurement (consid. 2).

Full text

{T 0/2}
2A.167/2003 /kil

Urteil vom 28. April 2003
II. Öffentlichrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Wurzburger, Präsident,
Bundesrichter Hungerbühler, Merkli,
Gerichtsschreiber Klopfenstein.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Ausländeramt des Kantons Thurgau, Schlossmühlestrasse 7, 8510 Frauenfeld,
Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, Frauenfelderstrasse 16, 8570 Weinfelden.

Gegenstand
Ausschaffungshaft gemäss Art. 13b ANAG,

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom
14. März 2003

Das Bundesgericht stellt fest und zieht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau bestätigte am 14. März 2003 die vom kantonalen Ausländeramt mit Verfügung vom 10. März 2003 gegen X.________ angeordnete Ausschaffungshaft für die Dauer von drei Monaten. X.________ beantragt mit Eingabe an das Bundesgericht vom 16. April 2003 sinngemäss, diesen Entscheid aufzuheben. Sodann verlangt er, aus der Haft entlassen zu werden.
2.
Die Eingabe ist offensichtlich unbegründet und kann ohne Weiterungen im vereinfachten Verfahren nach Art. 36a OG erledigt werden (Verzicht auf Schriftenwechsel, summarische Begründung): Der Beschwerdeführer ist am 7. Oktober 2002 vom Bundesamt für Flüchtlinge aus der Schweiz weggewiesen worden. Eine hiergegen gerichtete Beschwerde wies die Schweizerische Asylrekurskommission am 6. Januar 2003 ab. Weil sich X.________ in der Drogenszene von St. Gallen aufgehalten hatte, drohte ihm das Ausländeramt des Kantons St. Gallen bereits am 24. September 2002 die Ausgrenzung an. Am 12. November 2002 verfügte dieses Amt eine derartige Massnahme und verbot dem Beschwerdeführer, das Gebiet des Kantons St. Gallen zu betreten. Der Beschwerdeführer missachtete diese Ausgrenzung zumindest drei Mal. Am 10. Februar 2003 wurde er vom Untersuchungsamt des Kantons St. Gallen wegen des Besitzes und Beförderns von Betäubungsmitteln sowie wegen mehrfacher Missachtung einer Ausgrenzungsverfügung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von drei Monaten und zu einer Busse verurteilt. Wegen Verdachts der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz läuft gegen den Beschwerdeführer im Kanton Thurgau zudem erneut ein Strafverfahren.

Nach dem Gesagten ist vorliegend der Haftgrund von Art. 13b Abs. 1 lit. b ANAG in Verbindung mit Art. 13a lit. b ANAG (Missachtung einer Ein- bzw. Ausgrenzung) gegeben. Der Beschwerdeführer wendet zu Unrecht ein, das Nichtbefolgen einer Ausgrenzungsverfügung rechtfertige die Ausschaffungshaft nicht. Das Verwaltungsgericht hat die Haft sodann zu Recht auch gestützt auf Art. 13b Abs. 1 lit. c ANAG ("Untertauchensgefahr") genehmigt. Unter den dargelegten Umständen bietet der Beschwerdeführer (dessen Identität nicht feststeht) keine Gewähr dafür, dass er sich ohne Haft zu gegebener Zeit, d.h. bei Vorliegen der Reisepapiere, für den Ausschaffungsvollzug zur Verfügung halten wird (vgl. BGE 122 II 49 E. 2a S. 50f.).

Was die Verhältnismässigkeit der Haft(dauer) betrifft, so ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass die Ausreise umso schneller organisiert werden kann und entsprechend die Haft umso rascher beendet wird, je mehr er sich aktiv an den Ausreisevorbereitungen beteiligt und bei der Papierbeschaffung im Rahmen des Möglichen mithilft. Dass ihm dies "in Freiheit" (...) "viel besser möglich" wäre, ändert nichts. Zwar wurde der Beschwerdeführer am 10. Februar 2003 unter anderem wegen Missachtung einer Ausgrenzungsverfügung strafrechtlich verurteilt, was an sich voraussetzt, dass der Vollzug der Wegweisung undurchführbar ist (Art. 23a ANAG; BGE 126 IV 30). Für eine rechtliche oder tatsächliche Undurchführbarkeit der Wegweisung bestehen vorliegend, soweit ersichtlich, indessen keinerlei Anhaltspunkte; die Frage wurde bei Erlass des Strafbescheides offenbar gar nicht geprüft. Die erfolgte Verurteilung nach Art. 23a ANAG steht daher der Anordnung der Ausschaffungshaft nicht entgegen (unveröffentlichte Urteile 2A.128/1999 vom 6. April 1999, E. 3a, und 2A.207/2000 vom 25. Mai 2000, E. 4b).
3.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend würde der unterliegende Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG). Es rechtfertigt sich indessen, praxisgemäss von der Erhebung einer Gerichtsgebühr abzusehen (vgl. Art. 154 und 153a Abs. 1 OG). Das Ausländeramt wird ersucht, dafür besorgt zu sein, dass der vorliegende Entscheid dem Beschwerdeführer korrekt eröffnet und nötigenfalls verständlich gemacht wird.

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:
1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Kosten erhoben.
3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Ausländeramt und dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau sowie dem Bundesamt für Flüchtlinge schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 28. April 2003
Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Keywords

removal detentionrisk of abscondingexclusion orderproportionalitytravel documentsimmigration enforcementcourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether removal detention under Art. 13b ANAG was justified because the appellant had violated an exclusion order and there was a risk of absconding.

Extracted holding

Yes. The repeated disregard of the exclusion order and the uncertain identity supported detention on both grounds.

Extracted reasoning

Violation of an exclusion order falls within Art. 13b(1)(b) in conjunction with Art. 13a(b) ANAG, and the circumstances also established a risk of absconding under Art. 13b(1)(c) ANAG.

Key legal question

Whether the prior criminal conviction for violating the exclusion order barred removal detention because removal would allegedly be impossible.

Extracted holding

No. The conviction did not preclude detention, since there were no indications that removal was legally or factually impossible.

Extracted reasoning

A conviction under Art. 23a ANAG presupposes impracticability of removal only in the criminal context; here the court found no evidence of such impossibility and therefore no obstacle to detention.

Key legal question

Whether the detention duration was disproportionate.

Extracted holding

No. The appellant could shorten detention by cooperating with travel document procurement; no basis existed to find the detention excessive.

Extracted reasoning

The court stressed the appellant's duty to assist in removal preparations and found the argument that cooperation would be easier in freedom unconvincing.

Key legal question

Whether court costs should be imposed on the losing appellant.

Extracted holding

Costs would normally follow the outcome, but the court waived the fee as a matter of practice.

Extracted reasoning

Although Art. 156(1) OG would place costs on the losing party, the court declined to levy a court fee under Arts. 154 and 153a(1) OG.

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