Construction objection moot after withdrawal of permit application

1C_294/2013Federal Supreme Court / Public Law Division IAug 8, 2013Dismissed

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Omnilex summary

Helvetia Nostra appealed a cantonal judgment concerning an objection to a building permit in Savognin. During the federal proceedings, the developer withdrew the permit application, making the dispute moot. The Federal Supreme Court struck the appeal off the list, ordered the respondent to pay reduced federal costs of CHF 300 and the cantonal appellate costs of CHF 1,033, denied party compensation to all sides, and remitted the matter to the municipality only for the municipal cost consequences of the now-terminated local proceeding.

Omnilex headnote

Art. 32 Abs. 2 BGG; mootness after withdrawal of the disputed building application; costs under Art. 66 Abs. 2 and 3 BGG, party compensation under Art. 68 Abs. 4 BGG. If the object of the dispute lapses during federal proceedings, the appeal is to be removed from the roll. Costs are allocated according to causation: the party that created the unnecessary proceedings by withdrawing the application bears the costs, irrespective of the prospects of success. In such a constellation, a reduced fee may be set where the withdrawal occurs at an early stage. No party compensation is due where neither the prevailing party’s legal representation nor the statutory conditions for compensation are present; public authorities acting in their official capacity are likewise not entitled to compensation. If later federal case law changes the legal basis of earlier cantonal and municipal decisions, the Federal Supreme Court may itself adjust the cost allocation for the cantonal instance, while remitting only the residual municipal cost question to the commune (consid. 2–3).

Full text

{T 0/2}

1C_294/2013

Urteil vom 8. August 2013

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Aemisegger, Merkli,
Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte
Helvetia Nostra, Postfach, 1820 Montreux,
Beschwerdeführerin,

gegen

Baugesellschaft X.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Schmid,

Gemeinde Savognin, 7460 Savognin.

Gegenstand
Baueinsprache,

Beschwerde gegen das Urteil vom 19. Februar 2013 des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden, 5. Kammer.

Erwägungen:

1.

Die Helvetia Nostra erhob gegen ein von der Baugesellschaft X.________ am 9. November 2012 eingereichtes Baugesuch Einsprache. Die Gemeinde Savognin bewilligte das Bauvorhaben am 27. Dezember 2012 und wies gleichzeitig die Einsprache ab. Dagegen wandte sich die Helvetia Nostra mit einer Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dieses trat mit Urteil vom 19. Februar 2013 auf die Beschwerde nicht ein und auferlegte die auf Fr. 1'033.-- bestimmten Gerichtskosten der Beschwerdeführerin. Gegen das verwaltungsgerichtliche Urteil gelangte die Helvetia Nostra mit Beschwerde vom 18. März 2013 ans Bundesgericht.

Mit Schreiben vom 23. Mai 2013 zog die Beschwerdegegnerin ihr Baugesuch zurück.

2.

2.1. Durch den Rückzug des Baugesuchs ist die vorliegende Beschwerde gegenstandslos geworden. Sie ist daher als erledigt abzuschreiben (Art. 32 Abs. 2 BGG), wobei mit summarischer Begründung über die Prozesskosten zu entscheiden ist (Art. 72 BZP in Verbindung mit Art. 71 BGG).

Die Beschwerdegegnerin beantragt im Hinblick darauf, es sei von einer Kostenauflage bzw. Entschädigungspflicht zu ihren Lasten abzusehen, zumal sie ihr Baugesuch in guten Treuen eingereicht und überdies keinerlei Anlass zum bundesgerichtlichen Verfahren gegeben habe.

2.2. Unnötige Kosten werden derjenigen Partei auferlegt, die sie verursacht hat (Art. 66 Abs. 3 BGG). Nach diesem Grundsatz rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die Kosten der durch den Baugesuchsrückzug gegenstandslos gewordenen Rechtsmittelverfahren aufzuerlegen, unabhängig von den Erfolgsaussichten der Beschwerde. Aufgrund des Rückzugs des Baugesuchs in einem frühen Stadium des bundesgerichtlichen Verfahrens sind die diesbezüglichen Kosten auf eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- festzusetzen (Art. 66 Abs. 2 BGG analog).

Mit Blick auf das soeben Gesagte, den Baugesuchsrückzug und das Verursacherprinzip, steht der Beschwerdegegnerin, auch wenn anwaltlich vertreten, keine Parteientschädigung zu.

Die Beschwerdeführerin ihrerseits ist nicht anwaltlich vertreten und hat daher praxisgemäss keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Ebenso steht der in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätigen Gemeinde keine Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 4 BGG; s. dazu BGE 134 II 117).

3.
Wie ausgeführt, ist das vorliegende Verfahren mit dem Baugesuchs-rückzug gegenstandslos geworden.

Durch die am 22. Mai 2013 ergangenen Urteile des Bundesgerichts betreffend Beschwerdebefugnis der Helvetia Nostra und unmittelbare Anwendbarkeit der Art. 75b und 197 Ziff. 9 BV (Verfahren 1C_614/2012, 1C_646/2012 und 1C_649+650/2012; s. Webseite www.bger.ch / "Rechtsprechung (gratis) " / "Weitere Urteile ab 2000", mit Eingabe der entsprechenden Verfahrensnummer ins Suchfeld) ist die Basis des dem bundesgerichtlichen Verfahren zugrunde liegenden verwaltungsgerichtlichen Urteils vom 19. Februar 2013 und des ursprünglichen kommunalen Entscheids vom 27. Dezember 2012 massgebend verändert worden, was selbstredend Auswirkungen auf deren Kostenregelungen zur Folge hat.

Insoweit ist es angezeigt, dass das Bundesgericht diese Regelung sogleich selber neu trifft (wie bereits im Verfahren 1C_207/2013 gemäss Urteil vom 16. Juli 2013). Nachdem die Beschwerdegegnerin ihr Baugesuch zurückgezogen hat, rechtfertigt es sich, ihr die verwaltungsgerichtlichen Kosten, gemäss Urteil vom 15. Januar 2013 ausmachend Fr. 1'033.--, aus denselben Gründen wie die bundesgerichtlichen Kosten aufzuerlegen. Ebenso steht der Beschwerdeführerin auch für das kantonale Verfahren keine Parteientschädigung zu, da sie auch damals nicht anwaltlich vertreten war.

Auf welche Weise die Gemeinde Savognin den nunmehrigen Abschluss des kommunalen Bauverfahrens im Kostenpunkt gemäss ihren Verfahrenstarifen zu regeln haben wird, lässt sich hier nicht abschätzen. Die Sache geht daher insoweit zurück an die Gemeinde.

Demnach wird erkannt:

1.

Die Beschwerde im Verfahren 1C_294/2013 wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

Es wird festgestellt, dass der am 27. Dezember 2012 ergangene kommunale Baubewilligungs- und Einspracheentscheid und das verwaltungsgerichtliche Urteil vom 19. Februar 2013 gegenstandslos geworden sind. Die Sache geht zurück an die Gemeinde Savognin zur Prüfung der Kostenfrage hinsichtlich des nunmehrigen Abschlusses des kommunalen Verfahrens.

2.

Der Beschwerdegegnerin (Baugesellschaft X.________) werden die auf Fr. 1'033.-- festgesetzten verwaltungsgerichtlichen Kosten und die bundesgerichtlichen Kosten von Fr. 300.-- auferlegt.

3.

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4.

Dieses Urteil wird den Parteien, der Gemeinde Savognin und dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. August 2013
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Bopp

Keywords

mootnessbuilding permitcost allocationparty compensationwithdrawalcausation principle

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the federal appeal had become moot after withdrawal of the building application

Extracted holding

The appeal was struck off as moot because the construction application had been withdrawn.

Extracted reasoning

Withdrawal of the permit application removed the subject matter of the dispute, so the case had to be discontinued under Art. 32(2) BGG, with costs decided summarily.

Key legal question

Who bears the costs of the federal proceedings after mootness

Extracted holding

The respondent had to bear the federal costs because it caused the unnecessary expenses by withdrawing the application.

Extracted reasoning

Under the causation principle, unnecessary costs are imposed on the party that caused them; the respondent withdrew the application at an early stage, justifying a reduced federal fee of CHF 300 and no party compensation.

Key legal question

How to allocate the cantonal appellate costs and party compensation

Extracted holding

The respondent was also charged with the cantonal appellate costs of CHF 1,033, and no party compensation was awarded.

Extracted reasoning

Because the legal basis of the earlier cantonal decision had changed after later federal case law, the Federal Supreme Court adjusted the cost order itself; the respondent’s withdrawal also justified assigning the cantonal costs to it.

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