Non-entry for insufficient substantiation in criminal complaint

1B_546/2011Federal Supreme Court / Public Law Division IOct 12, 2011Inadmissible

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Omnilex summary

X. filed a criminal complaint against Y. for aiding fraud and dishonest management. The Solothurn public prosecutor discontinued the case, and the cantonal appeal court upheld that decision. X. then appealed to the Federal Supreme Court, but her submissions did not sufficiently address the reasoning of the cantonal judgment and were limited to appellatory criticism. The Court therefore declined to enter into the complaint under the simplified procedure. It also waived court costs.

Omnilex headnote

Art. 42 Abs. 2, Art. 106 Abs. 2 and Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; requirement of substantiated federal reasoning in criminal complaints. A complaint must, in concise form, engage with the decisive considerations of the challenged judgment and specify which legal norms were violated; mere appellatory criticism is inadmissible. If the pleading does not meet these requirements, the Federal Supreme Court does not enter into the matter. Allegations of fundamental-rights violation, including arbitrariness in fact-finding, are subject to increased substantiation and are not examined ex officio (consid. 3). Cost relief may be granted under Art. 66 Abs. 1 BGG depending on the circumstances (consid. 4).

Full text

{T 0/2}
1B_546/2011

Urteil vom 12. Oktober 2011
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________, Beschwerdegegner,

Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, Barfüssergasse 28, Postfach 157, 4502 Solothurn.

Gegenstand
Strafverfahren; Einstellungsverfügung,

Beschwerde gegen das Urteil vom 16. August 2011
des Obergerichts des Kantons Solothurn, Beschwerdekammer.

Erwägungen:

1.
Am 7. September 2009 erstattete X.________ gegen Rechtsanwalt Y.________ Strafanzeige wegen mehrfacher Beihilfe zu Prozessbetrug und ungetreuer Geschäftsbesorgung.
Am 18. November 2009 wurde gegen Y.________ eine Strafuntersuchung eröffnet. Mit Verfügung vom 23. März 2011 stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn die Untersuchung ein.
Gegen die Einstellungsverfügung erhob X.________ Beschwerde ans Obergericht des Kantons Solothurn. Mit Urteil vom 16. August 2011 hat dessen Beschwerdekammer die Beschwerde abgewiesen.

2.
Gegen das obergerichtliche Urteil vom 16. August 2011 führt X.________ mit Eingabe vom 30. September 2011 Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht.
Das Bundesgericht hat davon abgesehen, Vernehmlassungen einzuholen.

3.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Beschwerdebegründung - unabhängig von der Art des nach BGG offen stehenden Rechtsmittels - in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 49 E. 1.4.1 S. 53, 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254 mit Hinweisen). Die Bestimmungen von Art. 95 ff. BGG nennen die vor Bundesgericht zulässigen Beschwerdegründe.
Dies setzt voraus, dass sich der Beschwerdeführer bzw. die Beschwerdeführerin wenigstens kurz mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids auseinandersetzt. Strengere Anforderungen gelten, wenn die Verletzung von Grundrechten geltend gemacht wird, einschliesslich der willkürlichen Anwendung von kantonalem Recht und - wie namentlich auch im vorliegenden Fall - jedenfalls sinngemäss Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung. Das Bundesgericht prüft Solches nicht von Amtes wegen, sondern nur insoweit, als eine derartige Rüge in der Beschwerde vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).
Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergibt sich nicht, inwiefern die Beschwerdekammer Recht im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG verletzt haben soll, als sie die von ihr gegen die staatsanwaltschaftliche Einstellungsverfügung erhobene Beschwerde abgewiesen hat. Die Beschwerdeführerin trägt ihre Sicht der Dinge vor, übt appellatorische Kritik am angefochtenen, ausführlich begründeten Urteil, ohne sich aber dabei rechtsgenüglich mit den diesem zugrunde liegenden Erwägungen im Einzelnen auseinanderzusetzen. Auf derart appellatorische Kritik tritt das Bundesgericht indes gemäss ständiger Rechtsprechung nicht ein (s. die vorstehend bereits zitierten Urteile).
Da die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Ausführungen somit keine den aufgezeigten gesetzlichen Erfordernissen entsprechende Auseinandersetzung mit den Entscheidgründen des angefochtenen Urteils darstellen, ist bereits mangels einer genügenden Begründung im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG auf die vorliegende Beschwerde nicht einzutreten. Entsprechend brauchen die weiteren Eintretensvoraussetzungen nicht weiter erörtert zu werden.
Der Begründungsmangel ist offensichtlich, weshalb über die Beschwerde im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG entschieden werden kann.

4.
Bei den gegebenen Verhältnissen kann von einer Kostenauflage abgesehen werden (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien sowie der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 12. Oktober 2011
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Bopp

Keywords

admissibilitysubstantiationappellatory criticismcriminal procedurecost waiver

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the criminal appeal met the substantiation requirements under Art. 42(2) BGG so that the Federal Supreme Court could examine the complaint.

Extracted holding

No. The complaint did not engage sufficiently with the reasoning of the cantonal decision and amounted only to appellatory criticism, so the Court could not enter into the merits.

Extracted reasoning

A federal complaint must briefly explain how the challenged decision violates law, and heightened pleading applies to alleged fundamental-rights or arbitrariness claims. The appellant failed to address the operative reasons of the cantonal judgment.

Key legal question

Whether court costs should be charged for the federal proceedings.

Extracted holding

No costs were charged in view of the circumstances.

Extracted reasoning

The Court considered that the circumstances justified waiving costs under Art. 66(1) BGG.

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