Non-entry for insufficient reasoning in recusal complaint

1B_263/2011Federal Supreme Court / Public Law Division IJun 22, 2011Inadmissible

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Omnilex summary

The accused challenged a cantonal decision rejecting or not entering on recusal requests against three judges after his adjournment request had been denied. The Federal Supreme Court held that the appeal did not satisfy the duty to reason under Art. 42(2) BGG because it did not meaningfully address the cantonal court's grounds. The complaint was therefore not entered into under the simplified procedure. The Court also ordered no costs.

Omnilex headnote

Art. 42 Abs. 2 BGG; Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; insufficiency of reasoning leads to non-entry on appeal. A federal complaint must, in a concise but concrete manner, engage with the decisive considerations of the challenged decision and show, by reference to those reasons, which federal law provisions were allegedly violated. Mere repetition of earlier arguments or general criticism is insufficient. Where the reasoning defect is manifest, the court may decide in simplified procedure under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. Under Art. 66 Abs. 1 BGG, costs may be waived when the circumstances so justify.

Full text

{T 0/2}
1B_263/2011

Urteil vom 22. Juni 2011
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer,

gegen

  1. Marcel Cavin, Oberrichter, Obergericht des
    Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475,
    3001 Bern,
  2. Franziska Bratschi Rindlisbacher, Oberrichterin,
    Obergericht des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17,
    Postfach 7475, 3001 Bern,
  3. Annemarie Hubschmid Volz, Oberrichterin,
    Obergericht des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17,
    Postfach 7475, 3001 Bern,
    Beschwerdegegner.

Gegenstand
Strafverfahren; Ablehnung,

Beschwerde gegen den Entscheid vom 12. Mai 2011
des Obergerichts des Kantons Bern.
Erwägungen:

1.
X.________, Angeschuldigter in einem Strafverfahren, ersuchte am 29. März 2011 um Verschiebung des Gerichtstermins vom 5. April 2011 vor der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern. Die 2. Strafkammer wies das Gesuch am 30. März 2011 in der Zusammensetzung mit Oberrichter Cavin, Oberrichterin Bratschi und Oberrichterin Hubschmid ab. Daraufhin stellte X.________ am 31. März 2011 ein Ablehnungsgesuch gegen die drei Gerichtspersonen. Mit Verfügung vom 5. April 2011 ordnete der Präsident des Obergerichts, vertreten durch Obergerichtsvizepräsident Stucki, die Fortführung des Strafverfahrens an. Das Obergericht trat mit Entscheid vom 12. Mai 2011 auf das Ablehnungsgesuch gegen Oberrichterin Hubschmid nicht ein und wies das Ablehnungsgesuch gegen Oberrichter Cavin und Oberrichterin Bratschi ab. Zur Begründung führte es zusammenfassend aus, der Angeschuldigte vermöge nicht darzulegen, inwiefern die Mitwirkenden am Beschluss vom 30. März 2011 Verfahrens- oder Rechtsfehler begangen hätten, die einer Amtspflichtverletzung gleichkämen und damit den Anschein der Befangenheit zu begründen vermöchten. Das Ablehnungsgesuch sei daher abzuweisen. Oberrichterin Hubschmid sei nicht Mitglied des Spruchkörpers in der Hauptsache, weshalb insoweit mangels Rechtschutzinteresses auf das Ablehnungsgesuch nicht einzutreten sei.

2.
X.________ führt gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern mit Eingabe vom 23. Mai 2011 Beschwerde in Strafsachen. Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung einer Beschwerde in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Bestimmungen von Art. 95 ff. BGG nennen die vor Bundesgericht zulässigen Beschwerdegründe.
Der Beschwerdeführer setzt sich mit den Ausführungen des Obergerichts nicht rechtsgenüglich auseinander und vermag nicht darzulegen, inwiefern das Obergericht bei der Beurteilung der Ablehnungsgesuche gegen Oberrichter Cavin, Oberrichterin Bratschi und Oberrichterin Hubschmid Recht im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG verletzt haben sollte. Da die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Ausführungen keine hinreichende Auseinandersetzung mit den Entscheidgründen des angefochtenen Entscheids darstellen, ist mangels einer genügenden Begründung im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG auf die Beschwerde nicht einzutreten. Der Begründungsmangel ist offensichtlich, weshalb über die Beschwerde im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG entschieden werden kann.

4.
Auf eine Kostenauflage kann verzichtet werden (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Juni 2011
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Fonjallaz Pfäffli

Keywords

recusaladmissibilityreasoning requirementcriminal procedurenon-entrysimplified procedurecourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the appeal against the cantonal recusal decision was sufficiently reasoned under Art. 42(2) BGG

Extracted holding

The appellant did not engage with the cantonal court's reasoning in a legally sufficient manner.

Extracted reasoning

The submission failed to show, with reference to the decision's grounds, why the cantonal court had violated federal law when deciding the recusal requests; the deficiency was obvious.

Key legal question

Whether the recusal complaint against Oberrichterin Hubschmid was admissible despite her not sitting in the main panel

Extracted holding

No protected legal interest existed for that recusal request in the circumstances.

Extracted reasoning

Since she was not a member of the panel deciding the merits, the cantonal court properly declined to enter on that request.

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