Non-entry for insufficiently reasoned criminal complaint

1B_209/2010Federal Supreme Court / Public Law Division IJul 1, 2010Inadmissible

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Omnilex summary

X. challenged a cantonal decision that had upheld his detention and remitted the issue of early measure execution for reconsideration. Before the Federal Supreme Court, he acted without his cantonal lawyer and filed a criminal complaint. The court held that his submissions did not address the cantonal reasoning and did not identify any admissible ground of complaint. As the defect in reasoning was obvious, the court refused to enter into the case in simplified procedure and ordered no costs.

Omnilex headnote

Art. 42 Abs. 2 BGG, Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; requirements for the reasoning of a federal complaint and non-entry in simplified procedure. A complaint must set out, in a concise but specific manner, how the challenged decision infringes federal law or constitutional rights; mere repetition of factual assertions or a failure to engage with the grounds of the cantonal decision is insufficient. If the absence of a legally relevant reasoning is manifest, the Federal Supreme Court may decline to enter in simplified procedure without examining further admissibility issues (consid. 3). Cost exemption under Art. 66 Abs. 1 BGG remains possible where circumstances justify it.

Full text

{T 0/2}
1B_209/2010

Urteil vom 1. Juli 2010
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Féraud, Präsident,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer,

gegen

Untersuchungsrichteramt Oberwallis,
Kantonsstrasse 6, 3930 Visp,
Regionale Staatsanwaltschaft für das Oberwallis, Ferdinand Schaller, Staatsanwalt, Gebreitenweg 2, Postfach, 3930 Visp.

Gegenstand
Haftbeschwerde; vorzeitiger Massnahmevollzug,

Beschwerde gegen das Urteil vom 8. Juni 2010 des Kantonsgerichts des Kantons Wallis, Strafkammer.
Erwägungen:

1.
Das Untersuchungsrichteramt Oberwallis wies mit Verfügung vom 12. Mai 2010 ein Haftentlassungsgesuch von X.________ ab und verneinte die Möglichkeit eines vorzeitigen Massnahmevollzuges. Dagegen erhob X.________ am 20. Mai 2010 Beschwerde an die Strafkammer des Kantonsgerichts Wallis. Das Kantonsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom 8. Juni 2010 teilweise gut und hob die Verfügung des Untersuchungsrichteramtes Oberwallis vom 12. Mai 2010 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte das Kantonsgericht zusammenfassend aus, dass sowohl der dringende Tatverdacht als auch Wiederholungsgefahr gegeben seien. Die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft seien somit erfüllt, weshalb die Haftbeschwerde in diesem Punkt abzuweisen sei. Die Untersuchungsrichterin habe jedoch unverzüglich - ungeachtet allfälliger Kostentragungsdifferenzen mit den kantonalen Behörden - allfällige zusätzliche Abklärungen über den Nutzen und Erfolg der vorzeitigen Massnahme vorzunehmen und anschliessend nochmals über einen vorzeitigen Massnahmevollzug zu entscheiden. In diesem Punkt sei die Beschwerde gutzuheissen.

2.
X.________ führt, ohne seinen Rechtsvertreter im kantonalen Verfahren, mit Eingabe vom 15. Juni 2010 (Postaufgabe 24. Juni 2010) Beschwerde in Strafsachen gegen das Urteil des Kantonsgerichts vom 8. Juni 2010. Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung einer Beschwerde in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Art. 95 ff. BGG nennen die vor Bundesgericht zulässigen Beschwerdegründe.
Der Beschwerdeführer, der keinen zulässigen Beschwerdegrund nennt, setzt sich mit den Ausführungen des Kantonsgerichts nicht auseinander und legt nicht dar, inwiefern das angefochtene Urteil verfassungswidrig sein soll. Da die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Ausführungen keine hinreichende Auseinandersetzung mit den Entscheidgründen des angefochtenen Urteils darstellen, ist mangels einer genügenden Begründung im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG auf die Beschwerde nicht einzutreten. Der Begründungsmangel ist offensichtlich, weshalb über die Beschwerde im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG entschieden werden kann. Damit erübrigt es sich, weitere Eintretensfragen zu erörtern.

4.
Auf eine Kostenauflage kann verzichtet werden (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Untersuchungsrichteramt Oberwallis, der Regionalen Staatsanwaltschaft für das Oberwallis sowie dem Kantonsgerichts des Kantons Wallis, Strafkammer, und dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Jörg Roth, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. Juli 2010

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Féraud Pfäffli

Keywords

detentioninadmissibilityreasoning requirementsimplified procedurenon-entrycost waiver

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the criminal complaint against the cantonal judgment was sufficiently reasoned under Art. 42(2) BGG

Extracted holding

The complaint did not engage with the cantonal court's reasoning and failed to show which federal rights were violated.

Extracted reasoning

A federal complaint must, in concise form, explain how the challenged decision violates the law. The appellant raised no admissible ground and provided no substantive critique of the cantonal reasons.

Key legal question

Whether the complaint could be decided under the simplified procedure of Art. 108(1)(b) BGG

Extracted holding

Yes, because the defect in reasoning was manifest.

Extracted reasoning

Where the lack of proper reasoning is obvious, the court may refuse entry in simplified procedure without examining further admissibility questions.

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