Time limit for criminal cassation runs from oral pronouncement

BGE 86 IV 70Federal Supreme Court Official Reports (BGE) / Band IVJan 15, 1960Inadmissible

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The defendant filed a federal nullity complaint after the Zürich Obergericht had orally announced its judgment on 1959-11-20 and sent the written dispositive on 1959-11-28. The Kassationshof held that, under Art. 272(1) BStP and Zürich procedural law, the ten-day deadline began with the oral pronouncement in the defendant’s presence. The complaint declaration of 1959-12-07 was therefore late, and the court did not enter into the complaint.

Omnilex headnote

Art. 272 Abs. 1 BStP; Beginn der Anmeldefrist für die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde bei kantonalem Strafurteil; massgebend ist die nach kantonalem Recht wirksame Eröffnung des angefochtenen Entscheids. Wird das Urteil dem anwesenden Angeklagten in der Gerichtssitzung mündlich eröffnet, so beginnt die Frist mit dieser Verkündung zu laufen; die spätere schriftliche Mitteilung des Dispositivs ist unbeachtlich. Die schriftliche Mitteilung gilt nur dann als Eröffnung, wenn das Urteil nicht in Anwesenheit des Angeklagten oder seines Vertreters verkündet wird (vgl. die zürcherischen Verfahrensnormen).

Full text

Urteilskopf

86 IV 70

  1. Urteil des Kassationshofes vom 15. Januar 1960 i.S. Glaus gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.

Erwägungen

ab Seite 71

Erwägungen:

Das Urteil des Zürcher Obergerichtes wurde dem Angeklagten am 20. November 1959 in der Gerichtssitzung mündlich eröffnet und am 28. November 1959 im Dispositiv schriftlich mitgeteilt. Die am 7. Dezember 1959 abgegebene Beschwerdeerklärung ist verspätet, da die zehntägige Frist des Art. 272 Abs. 1 BStP zur Anmeldung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde am 30. November 1959 abgelaufen ist. Der Beschwerdeführer irrt, wenn er glaubt, die Frist laufe erst von der schriftlichen Mitteilung des Dispositives an.

Bestimmend für den Beginn der Anmeldefrist ist gemäss Art. 272 Abs. 1 BStP die nach kantonalem Recht massgebende Eröffnung des angefochtenen Entscheides. Das zürcherische Recht erklärt als massgebende Eröffnung für den in der Gerichtssitzung anwesenden Angeklagten die mündliche Verkündung des Urteilsspruches, nicht die schriftliche Mitteilung des Dispositives, die nach der mündlichen Eröffnung noch stattzufinden hat. Die schriftliche Mitteilung ist nur dann massgebende Eröffnung, wenn das Urteil nicht in Anwesenheit des Angeklagten oder seines Vertreters verkündet wird (§§ 198 und 203 des Gerichtsverfassungsgesetzes, §§ 431 und 432 der Strafprozessordnung). Diese Regelung gilt in Strafsachen allgemein, im Verfahren vor Obergericht wie vor Schwurgericht und dem Einzelrichter der Bezirksgerichte und ebenso in Ehrverletzungssachen (ZR 50 S. 270).

Dispositiv

Demnach erkennt der Kassationshof:

Auf die Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.

Keywords

timelinessoral pronouncementwritten noticenullity complaintcriminal procedure

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the declaration of nullity complaint was filed within the statutory ten-day time limit.

Extracted holding

The complaint was late because the time limit began with the oral pronouncement in court, not with the later written notice of the dispositive.

Extracted reasoning

Under Art. 272(1) BStP, the start of the filing period follows the opening of the challenged decision under cantonal law. Zürich law treats the oral pronouncement in the presence of the accused as the relevant service of judgment; written notice matters only when no oral pronouncement occurs in the accused's presence.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.