Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N° 11.
fraglichen Gegenstände für seinen Lebensunterhalt nicht
mehr aus eigenen Kräften aufzukommen vermöchte,
sondern die öffentliche Fürsorge
in Anspruch nehmen
müsste. Dies Frage ist vielmehr von Amtes wegen zu
prüfen, sobald die
Vorbringen des Sohuldners oder der
übrige Akteninhalt ernst zu nehmende Anhaltspunkte
dafür bieten, dass es sich so verhalten könnte.
Im vorliegenden Falle hat der Rekurrent, der ver-
heiratet ist und für drei Kinder im Alter von 9 bezw. 7
bezw. 6
Jahren zu sorgen hat, sohon in der Beschwerde
behauptet, er benötige die arrestierten Berufsgeräte
( dringend , und es sei ihm wegen Teilinvalidität nicht
möglioh, einer andern Besohäftigung naohzugehen. Naoh
der Arresturkunde hat es sodann den Ansohein, dass das
Betreibungsamt, obwohl der Arrestbefehl sogar nooh
ausdrücklioh
nur die pfändbaren Masohinen und Mobiliar-
stücke als Arrestgegenstände bezeiohnet hatte, in fla-
granter Verletzung von Art. 92 Ziff. 3 SohKG kurzweg
sämtliche Maschinen
und das gesamte übrige Mobiliar
in der Werkstätte des Rekurrenten mit Arrest belegte.
Unter diesen Umständen verdient die Frage, ob diese
Geräte (oder ein Teil davon) zum Vermeidung einer
unhaltbaren Lage freizugeben seien, näher abgeklärt zu
werden.
Zu diesem Zwecke ist die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
11. Entscheid vom 16. Oktober 1950 i. S. Hauert.
UnpfändbaJrkeit.
- Ein Zuchttier ist kein Werkzeug, das Halten eines einzigen
Zuchthundes kein Beruf im Sinne von Art. 92 Ziff. 3 SchKG.
- Hunde gehören nicht zu den nach Art. 92 Ziff. 4 SchKG un-
plandbaren Haustieren.
InsaiBissabilite.
- Un animal destine a la reproduction n'est pas insaisissable
en qualite d'instrument de travail, et Ja detention d'un seul
chien reproducteur ne constitue pas une profession dans le
sens de l'art. 92 eh. 3 LP.
- Les chiens ne rentrent pas dans Ja caMgorie des animaux
domestiques insaisissables en vertu de l'art. 92 eh. 4 LP.
Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N0 11
lmpignorabilita.
- Un animale destinato alla, riproduzione non e strumento di
lavoro, e il tenere solamente un cane da razza non costituisce
professione a norma dell'art. 92 cifra 3 LEF.
- I cani non rientrano nella categoria degli animali domestici
impignorabili in virtu dell'art. 92 cifra 4 LEF.
Auf Besohwerde der Sohuldnerin hat die kantonale
Aufsichtsbehörde die vom Betreibungsamt Bern am 10.
Juli 1950 vollzogene Pfändung des deutsohen Schäfer-
Rüden Fero von Feurig-Blut im Schätzungswerte von
Fr. 500.-aufgehoben mit der Begründung, die Schuld-
nerin halte diesen Hund, um ihn andern Hundebesitzern
zum Decken ihrer Hündinnen zur Verfügung zu stellen
und damit einen kleinen Nebenverdienst zu erzielen, der
ihr einziges Einkommen darstelle; bei dieser Tätigkeit
handle es sich nicht um eine Unternehmung, sondern
um die Ausübung eines Berufes im Sinne von Art. 92
Ziff. 3 SchKG ; unter den hier verwendeten Begriff der
Werkzeuge usw. falle nach BGE 52 III Nr. 9 nicht bloss
totes Material; der für die Ausübung des erwähnten
Berufs unentbehrliche Hund sei daher nach Art. 92 Ziff. 3
SchKG unpfändbar. Das Bundesgerioht hebt diesen -
von der Gläubigerin angefochtenen -Entsoheid auf
und weist die Beschwerde der Schuldnerin ab.
Erwägungen:
In Abweiohung von seiner früheren Praxis, die die
Anwendung
von Art. 92 Ziff. 3 SchKG auf Tiere schlecht-
hin abgelehnt hatte, hat das Bundesgericht in BGE 52
III 32 angenommen, bei einem Last-oder Zugtier könne
in einem weitern Sinne auch von einem Werkzeug ge-
sprochen werden.
Auf Grund dieser Annahme und der
Feststellung, dass die. im Betrieb einer kleinen Gärtnerei
und dem Verkauf des darin gepflanzten Gemüses bestehen-
de Erwerbstätigkeit der damaligen Rekurrentin nicht den
Charakter einer Unternehmung, sondern eines Berufes
trage, hat es den Zughund, mit dessen Hilfe die Rekurrentin
ihr Gemüse an den Markttagen zur Stadt brachte, als
unpfändbar erklärt.
38 Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 12.
Die Einreihung von Zug-und Lasttieren unter die
Werkzeuge
im Sinne von Art. 92 Ziff. 3 lässt sich damit
rechtfertigen, dass solche Tiere dem Schuldner bei der
Ausübung seines Berufs in ähnlicher Weise dienen können
wie Werkzeuge im engem Sinne. Sie erleichtern wie diese
die menschliche Arbeit.
Von Tieren, die nur zu Zucht-
zwecken verwendet werden,
lässt sich Entsprechendes
nicht sagen. Sie können auch bei weitester Auslegung
nicht unter den Begriff der Werkzeuge gezogen werden.
Solche Tiere sind nur insoweit unpfändbar, als sich dies
aus Ziff. 4 (oder aus der hier nicht in Betracht kommenden
Ziff.
10) von Art. 92 ergibt. Hunde gehören auch seit der
Revision des SchKG vom 28. September 1949, bei der
Ziff. 4 eine erheblich weitere Fassung erhielt, nicht zu
den nach dieser Bestimmung unpfändbaren Haustieren.
Auf Art. 92 Ziff. 3 kann sich die Schuldnerin übrigens
auch deshalb nicht berufen, weil beim Halten eines einzi-
gen
Zuchtrüden zum Zwecke, ihn gegen Entgelt auszu-
leihen, die Arbeit des
Halters eine so untergeordnete
Rolle spielt, dass die
Tätigkeit eines solchen Hunde-
halters nioht als Ausübung eines Berufes, sondern nur
als Nutzung eines Vermögensstüoks bezeichnet zu werden
verdient.
12. Arrnt du 21 septembre 1956 dans Ia causa CueDomL
Saiaie. Tierce opposition. Art. 106 et suiv. LP. Saisie d'une auto-
mobile utilisoo par le debiteur et revendiquee par le titulaire
du permis de circulation. Ce dernier doit etre mis au benMice
de l'art. 109 LP non seulement quand il se sert egalement da
l'automobile mais aussi lorsqu'il exerce en fait un certain
pouvoir BUr elle.
Pfändung. Wider8p1"UChsverfakren. Art. 106 ff. SchKG. Pf'ändung
eines vom Schuldner benutzten, vom Titular des Fahrzeug-
ausweises zu Eigentum angesprochenen Automobils. Diesem
kommt die BeklagtenrolIe nach Art. 109 SchKG nicht nur
dann zu, wenn auch er das Automobil benutzt; es genügt.
dass er über das Fahrzeug eine gewisse tatsächliche Gewalt
ausübt.
Pignoramento. Procedura di rivendicazione. Art. 106 sgg. LEF.
Pignoramento di un'automobile utilizzata dal debitore e
I
I
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N0 12.
rivendicata dal titolare dalla licenza di circolazione. Quest'ul.
timo dev'esser posto al beneficio delI'art. 109 LEF non solo
se si serve anche lui den'automobile, ma anche se esercita di
fatto un certo potere sulla medesima.
Le 20 mars 1950, l'Office des poursuites de Lausanne a
saisi
au prejudice d'Henri Muller une automobile qui a eta
revendiquee par dame Muller, femme du debiteur. Cette
revendioation ayant ete contestee par Maurice Cuenoud,
l'un des creanciers participant a. Ia saisie, 1'Office, par
Iettre du 15 avril 1950, a imparti a. dame Muller le delai
prevu par l'art. 107 LP. Dame Muller, qui s'etait absent6e
de Suisse du 15 au 30 avril et avait demande a. 1'Adminis-
tration des postes de conserver son courrier jusqu'a. son
retour, s'est adressee a. l'Autorite de surveillance le 9 mai
1950 en concluant a. ce que l'Office des poursuites ffit invite
a. proceder selon l'art. 109 LP. Elle alleguait que l'auto-
mobile, garee dans Ia cour de la maison ou se trouvait
l'appartement occupe par elle et son mari et dont le bau
etait d'ailleurs en son nom, etait en sa possession et qu'elle
etait titulaire du permis da circulation. Elle produisait une
declaration de l'Administration des postes selon laquelle
l'avis
de l'Office avait ete retire le 4 mai 1950.
L'Office des poursuites a oonclu a. l'admission da la
plainte, en confirmant les explications fournies par 1a
plaignante et en relevant en outre que les epoux Muller
travaillaient ensemble,
s'occupant de representations com-
merciales.
Par decision du 17 mai 1950, l'Autorite inferieure de
surveillance a admis la plainte et invite l'Office a. appliquer
l'art. 109 LP.
Sur recours de Cuenoud, l'Autorite superieure de sur-
veillance a confirme la d60ision de l' Autorite inferieure.
Cuenoud
a reoouru contre la decision de 1'Autorite supe-
rieure en concluant a. ce que l'Office fllt inviM a. impartir Ie
delai d'ouverture d'action a. Ja revendiquante.
La Chambre des poursuites et des faillites a rejate le
recoUrB.