Sohuldbetreib1c1llgB-und Konkurarecht. No 11.
11. Entseheid vom 24. April 1946 i. S. Stobler.
Für Forderungen des Vermieters auf Ersatz von Instandstellungs
kosten ist ein Retentionsverzeichnis nicht aufzunehmen
(Art. 272 OR, Art. 283 SchKG).
L'office doit refuser de dresser l'inventaire des meubles en garantie
de la BOIDme recIamee par. le bailleur A titre de frais de remise
en etat des loca.ux. (art. 272 CO, 283 LP).
L'ufficio deve rifiutare di a.l1estire l'inventario dei mobili a ga.ra.n-
zia. della somm8o cbiesta dal loc8otore a copertura delle spese
per rimettere in buono stato i loca.li (m. 272 CO, 283 LEF).
Am 11. März 1946 nahm das Betreibungsamt Basel-Stadt
beim Rekurrenten für den Betrag von Fr. 34.55, den die
Rosentaleok A.-G. als Vermieterin unter dem Titel Rest
Instandstellungskosten von ihm forderte, ein Retentions-
verzeiohnis auf.
Mit reohtzeitiger Beschwerde beantragte
der Rekurrent die Aufhebung dieser Massnahme, da das
Retentionsreoht naoh der klaren Bestimmung des Art. 2 2
OR nur für Mietzins, nicht dagegen für Instandstellungs-
kosten
beansprucht werden könne. Die kantonale Auf-
siohtsbehörde
hat die Besohwerde am 4. April 1946 abge-
wiesen
mit der Begründung, im Ansohluss an BGE 63 11 380
gewähre die baslerisohe Zivilreohtspreohung das Reten:-
tionsrecht lI.uch für die Instandstellungskosten, sodass das
Betreibungsamt nioht befugt sei, die Aufnahme ine8
Retentionsverzeiohnisses für solohe Kosten abzulehne:h
Diesen Entscheid hat der Rekurrent an das Bundesgerioht
weitergezogen.
Die 8clvuldbetre,ibrungs-'U/luj Konhurslcammer
zieht
in Erwägung:
Naoh ständiger Reohtspreohung des Bundesgeriohtes
hat das Betreibungsamt die Aufnahme eines Retentions-
verzeiohnisses zu verweigern, wenn sich auf Grund der
Akten unzweifelhaft ergibt, dass da.s beanspruchte Reten-
tionsreoht nioht besteht (BGE
38 I 689 8ep.ausg. 15
S. 270, BGE 59 111 10 E. 2 und 69, 61 III 77 E. 2).
SohuldbetreibUDg8-.und t N0 11.
Art. 272 OR gewährt dem Vermieter einer unbewegli-
chen Sache das Retentionsrechtfür einen verfallenen Jah-
reszins und den laufenden Halbjahreszins. In BGE 63,11
368 ff. hat das Bundesgericht als Zivilberufungsinstanz
diese Vorschrift dahin ausgelegt, dass das Retentionsrecht
ausser
für Mietzins im engem Sinn auch für bloss miet.
znsä.hnliohe Fordnrungen, d. h .. für solohe Forderungen zu
gewähren sei, die einem Mietzins näher verwandt sind als
einem 8chadenersatzanspruch, und die der Gesetzgeber,
wenn
er. daran gedacht hätte, aller Voraussicht naoh wie
Mietzinsforderungen
behandelt hätte. Demgemäss wurde
entsohieden, der Anspruoh des Vermieters auf Bezahlung
des vereinbarten Mietzinses für die Zeit, da der Mieter die
Mieträume trotz Beendigung der Miete mit Duldung des
Vermieters' oder eigenmäohtig weiterbenutzt, sei reten-
tionsgesichert ; ebenso die
Forderung des Vermieters auf
Ersatz der Auslagen für die Heizung, die Wasserversor-
gung, die Treppenhausbeleuohtung und den Betrieb elek-
trisoher Aufzüge, gleiohgültig,. ob der Vermieter diese
Auslagen in Form eines entspreohend erhöhten Mietzinses
oder eines besondern
Zusohlages auf den Mieter abwälze.
Dagegen
hat das Bunde gericht im erwähnten Entscheide
in Übereinstimmung mit seiner bisherigen Reohtspreohung
(BGE
61 II 265). und rojt der Literatur (BECKEB N. 12,
OSER-8cHÖNENBERGER N. 20 zu Art. 272 OR) erklärt, dass
für Sohadenersatzanspruohe aus dem Mietverhältnis ein
Retentionsrecht nicht bestehe.
Die Forderungen, die das Bundesgerioht
als mietzins-
ähnlich und damit als retentionsgesichert anerkannt hat,
betreffen entweder die Entsohädigung für die Benutzung
der Mieträume oder das Entgelt für NebenIeistungen, die
der VermieteT nach dem Vertrage erbringen muss,. um
dem Mieter den Gebrauoh der Mieträume zu ermögliohen
oder
zu erleiohtern. Die Forderung auf Ersatz der Instand-
stellungskosten, die die Vermieterin im vorliegenden Falle
gegen den Mieter stellt, hatoffensiohtlich nicht dienn
Charakter. Derartige Forderungen stehen ihrer Natur
18 Sohuldbetreibungs. und Konkurareoht. N0 lt.
nach den Schadenersatzansprnchen näher als den Miet-
zinsforderungen,
ob sie nun darauf beruhen, dass der
Jieter die Instandstellungsarbeiten, die ihm bei Beendi-
gung der Miete nach Gesetz (Art. 271 OR) oder Vertrag
obliegen, nicht oder nicht richtig besorgt, oder ob sie
sich auf eine Bestimmung des Mietvertrages stützen,
wonach bei Beendigung
der Miete der Vermieter die In-
standstellung der Mietsache übernimmt und der Mieter
ihm dafür einen bestimmten Geldbetrag zu zahlen hat.
Dass die Gewährung des Retentionsrechts für solohe Pau-
Bohalabfindungen, wie sie in Basel üblioh zu sein soheinen,
dem mutmasslichen Willen des
Gesetzgebers entspreche,
darf umso weniger angen01Ill . n werden, als die (freilioh
dispositive) Vorschrift von Art.
271 OR die Inst ndstel-
lungspßicht
des Mieters nach dem Zustande bemisst, in
dem er die Mietsache erhalten hat, und ihn für die aus der
vertragsgemässen Benutzung sich ergebende Abnützung
oder
Veränderung nioht haften lässt.
Die
Basler Zivilrechtsprechung, auf die das Betreibungs-
amt und. die Vorlnstanz sich berufen, wird also durch den
Entsoheid BGE
63 II 368 ff. keineswegs gedeckt, sondem
sie ist zweüellos gesetzwidrig. Das Betreibungsamt hätte
es daher ablehnen sollen, für die streitige Forderung ein
Retentions'Verzeichnis aufzunehmen.
DemMCk erkennt die 8chuldbetr. u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird gutgeheissen und die Retentionsur-
kunde vom 11. März 1946 aufgehoben.
12. Emait de l'udt du 2 mai 1948 clans Ja cause Graf.
- Recevabilit8 du r6CO'U'1'8 ma.1gre l'absence de motifs a l'appui
des conclusions (art. 79 al. 1 OJ), si la d6cision attaquee
implique viola.tion d'une regle imperative du droit de pour-
suite.
- lJ'or de potWsuite (m. 46 sv. LP). Lorsqu'un debiteur n'a plus
ni domicile ni lieu da sejour, sans cependant qu'il ait quitte Ja.
Suisse et alors qu'il peut y tre atteint par des notificatioos,
Sohuldbetreibungs. und Konkurareoht. N° IS. 39
l'ancien for de poursuite subsiste au lieu du dernier domicile
ou du dernier sejour aussi longtemps que le debiteur ne se
constitue pas au moins un nouveau lieu de sejour (art. 48 LP).
- Zulä88igkeit des Rekur8e8 (Art. 19 SchKG) trotz fehlender
Begründung (Art. 79 Abs. 1 OG), wenn die angefochtene Ent-
scheidung zwingende Normen des Betreibungsrechtes verletzt.
- Betreillung80rt (Art. 46 ff. SchKG). Hat der Schuldner weder
Wohnsitz noch Aufenthaltsort mehr, befindet er sich aber
noch in der Schweiz und können ihn Zustellungen erreichen,
so
bleibt der frühere Betreibungsort am letzten Wohnsitz oder
Aufenthaltsort bestehen, so1a.nge der Schuldner nicht wenig-
stens einen neuen Aufenthaltsort begründet (Art. 48 SchKG).
I. Ricevibilitd del ncor80 (m. 19 LEF) non08tante la. mancanza.
di motivi asostegno delle conclusioni (art. 79 cp. 1 OGF), se
la. decisione impugnata implicasse la viola.zione d'une. norma
imperativa dei diritto d'esecuzione.
- lJ'oro dell'eaecuzione (art. 146 e seg. LEF). Se un debitore non
ha pitJ. domicilio na luogo di soggiorno, ma non ha tuttavia.
lasciato la Svizzera. ove gli possono essere fatte notificazioni,
iI vecehio foro d'esecuzione sussiste nelluogo delI 'ultimo domi-
eilio 0 dell'ultimo soggiomo fino a. tanto che iI debitore non
costituisca almeno un nuovo luogo di soggiomo (art. 48 LEF).
A. -Rudolf Graf 0. habite Leysin en 1943 et 1944. En
automne 1945, 10. Commune de Leysin lui 0. fait notitier
a
Davos une poursuite en paiement des impöts dus pour
- Las derniers jours de novembre 1945, Graf est
revenu a Leysin ou il 0. travaille quelques jours dans une
clinique.
La place ne lui oonvenant pas, il 0. quitte 10. 1000.-
Ute,le 6 deoombre 1945, pour chercher du travail ailleurs,
laissant ses bagages a 10. gare de Leysin-village et se faisant
envoyer son courrier a Zurich. Le 8 janvier 1946, il 0.
retire ses papiers a Leysin.
Par avis du 10 decembre 1945, l'Office des poursuites
d'Aigle
- informe Graf qu'a 10. requ8te de 10. Commune de
Leysin, une saisie sermt operee a son prejudice le 14 decem-
bre 1945: Le d6biteur a r 9u cet avis, mais ila fait defaut
lors de 10. saisie qui a porte sur un appareil de radio d6pose
a
la gare. Le pro ces-verbal de saisie 0. e1;6 notifie aux
parties le 20 decembre 1945.
B. -Par acte du 4 janvier 1946, Graf 0. porte plainte
contre
la saisie. TI invoquait notammen le fait qu'il
avait quitte Leysin au moment ou l'avis de saisie lui 0. eM