Prozessreeht. N0 10.
Da es sich somit nicht um eine ZiviIrechtsstreitigkeit
handelt, ist di Berufung an das Bundesgericht nicht
gegeben. .
Demnach e:rkennt das Bundesgericht :
Auf die Berufung wird nicht eingetreten.
10. A 1IZug aus dem Urteil dir I. Zivil bteilung
vom !2. Februar I937 i. S. Fromer und Greber
gegen Spar-und Leihkasse des Amtsbezirks Laufen.
B e ruf u n gun d s t a a t s r e c h t I ich e B e s c h wer d e.
Werden Berufung (oder zivilrechtliehe Beschwerde) und staats-
rechtliche Beschwerde in derselben Sache ergriffen, so sind
für jedes der beiden Rechtsmittel die gesetzlich vorgesehe-
nen Formen zu wahren, insbesondere sind getrenute Eingaben
zu machen.
... Ausserdem sind Berufung und staatsrechtliche Be-
schwerde in einer einzigen Eingabe vereinigt, was nicht
zulässig ist. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene,
selbständige
Rechtsmittel, die deshalb auch getrennt in
den vom Gesetze vorgesehenen Formen eingereicht werden
müssen.
In einem Falle wie dem vorliegenden, wo die
staatsrechtliche Beschwerde
neben der Berufung ergriffen
ist und sich gegen Verstösse im Beweisverfahren richtet,
wird nach einem vom Bundesgerichte im Jahre 1934 be-
schlossenen Zusatze zum Gerichtsreglement allerdings
auch die staatsrechtliche Beschwerde von der Zivilabteilung
beurteilt, die sich
mit der Berufung befasst (und das
Gleiche gilt, wenn neben der staatsrechtlichen Beschwerde
noch eine ziviIrechtliche vorliegt). Diese, übrigens nur
versuchsweise getroffene Regelung betrifft aber ausschliess-
lich die interne Geschäftsverteilung am Gerichte, durch
die an der Selbständigkeit der beiden Rechtsmittel und am
Erfordernis getrennter Eingaben nichts geändert wird.
Das Bundesgericht hat das auch in seinem Geschäfts-
bericht an die Bundesversammlung für das Jahr 1934
ausdrücklich festgestellt
(S. 2): Die Meinung ist dabei,
Prozessreeht. No 11.
dass wie bisher die staatsrechtliche Beschwerde selbständig
in den hiefür vorgesehenen Formen erhoben und begründet
werden muss, also nicht mit der Berufung verbunden
werden darf 1I.
11. Das Schweizerische Bundesgericht
an die kantonalen Justizdirektionen
zuhanden der praktizierenden Rechtsanwälte ihres
Kantons.
Die Bestimmung in Art. 81 des Bundesgesetzes über die
Organisation der Bundasrechtspflege (OG), wonach das
Bundesgericht ausnahmsweise nicht an die tatsächlichen
Feststellungen
der kantonalen Instanz gebunden ist, wenn
sie
mit dem Inhalt der Akten in Widerspruch stehen, wird
vielfach missbräuchlich benützt, um irgendwie unbequeme
Tatsachenfeststellungen des
kantonalen Urteils vor Bun-
desgericht als aktenwidrig anzugreifen. Dreissig und mehr
Aktenwidrigkeitsrügen im nämlichen Prozess sind keine
Seltenhnit. Die Anfechtungen sind fast ausnahmslos
völlig unbegründet, müssen aber vom Bundesgericht im
einzelnen untersucht werden, das dadurch in weitem Um-
fange zu einer ihm nicht zustehenden Nachprüfung der
kantonalen Tatbestandsfeststellungen und angesichts der
Unbegründetheit der Rügen zu gänzlich unfruchtbarer
Arbeit gezwungen ist.
Das Bundesgericht stellt fest, dass eine Aktenwidrigkeit
im Sinne des Art. 81 OG nur vorliegt, wenn eine für die
rechtliche
Entscheidung des Falles bedeutsame tatsäch-
liche Annahme der kantonalen Instanz mit einem ganz
bestimmten Aktenstücke in unverträglichem Widerspruch
steht. Feststellungen des kantonalen Urteils, die auf einer,
wenn auch vorweggenommenen (antizipierten) Würdigung
der Beweismittel oder Indizien beruhen, können nicht als
aktenwidrig angefochten werden.
Künftiger Missbrauch des Vorbehaltes aus Art. 81 OG
durch Erhebung offensichtlich unbegründeter Aktenwid-
40 Prozessrecht. No 11.
rigkeitsrngen :, wird durch disziplinarische Massnahmen
gegen die schmdige Partei oder gegen ihren Vertreter, der
dem Gerichte gegenüber für eine ordnungsgemässe Prozess-
führung verantwortlich ist, geahndet werden.
Lausanne, den 27.
Februar 1937.
Le Tribunal federal smsse
aux Departements de justice cantonaux
pour etre communique aux avocats pratiquants du Oanton.
L'atticle 81 de l'organisation judiciaire permet excep-
tionnellement au Tribunal federal de revoir les constata-
tions
de fait du juge cantonallorsqu'elles sont contraires
aux pieces du dossier. Les recourants abusent frequem-
ment de ce moyen pour attaquer des constatations qui
leur sont simplement desavantageuses. Il n'est pas rare
de voir artieuler jusqu'a trente pretendues eontrarietes
dans le meme proces. Or, ces griefs sont presqua toujOlm!
depourvus
de fondement. Le Juge est neanmoins oblige de
les examiner
un a un, et il doit de la sorte s'astreindre a un
travail sterile, puisqu'il est amene a exercer un eontrole qui,
an reaIite, a raison du mal-fonde du grief, ne lui appattient
pas.
Le Tribunal federal rappelle qu'il n'y a de contraneM
avec les pieces du dossier dans le sens de l'art. 81 que lors-
qu'une constatation du jugement attaque, importante
pour l'appreciation juridique du litige, est inconeiliable
avec telle piece determinee du dossier. Des constatations
qui reposent
Bur une appreciation, meme anticipee, des
preuves ou des indices ne sauraient etre contraires aux
pieces du dossier.
.. Le Tribunal prendra donc a l'avenir des mesures disci-
plinaires contre
la partie ou son representant, responsable
de la conduite du proces, qui abuseraient du moyen
reserve a l'att. 81.
Lausanne, le
27 ferner 1937.
Prozessrecht. No H.
n 'l'ribunale federale s'rizzero
ai Dipartimenti cantonali di giustizia.
perehe si trasmetta agli avvocati esercenti nel Cantone.
L'art. 81 della legge federale sull'organizzazione giu-
diziaria
federale permette eecezionalmente al Tribunale
federale
di sindacare gli accertamenti di fatto dell'istanza
cantonale, quand'essi siano
in eontraddizione eol con-
tenuto degli atti. Gli appellanti abusano frequentemente
di questa disposizione par impugnare accertamenti di fatto
ehe non tornano loro comodi. Di trenta 0 pih eostatazioni
di fatto si pretende, talora e non di rado, nella medesima
causa, ehe sarebbero inconciliabili con gli atti. Siffatti
appunti mancano quasi sempre d'ogni fondamento. Essi
devono
tuttavia essere vagliati a uno a uno dal Tribunale
federale,
il quale e cosl costretto ad un riesame approfon-
dito, che
non gli compete, dei fatti quali accertati dall'ul-
tima istanza cantonale : lavoro ehe il difetto di fonda-
mento delle critiche rende completamente sterile.
n Tribunale federale ritiene ehe vi e contraddizione con
gli atti a' sensi dell'art. 81 OGF solo quando una costata-
zione di fatto dell'istanza eantonale, rilevante per la
soluzione giuridica deI litigio, e manifestamente ed asso-
lutamente incompatibile eon un atto ben determinato
dell'inserto. Non puo essern contraddizione con gli atti
quando una costatazione sia basata sul libero apprez-
zamento, anehe se anticipato, delle prove
0 degli indizi.
n Tribunale federale prendera in avvenire dei provvedi-
menti disciplinari contro la parte 0 contro il patrocinatore
(responsabile verso il giudice dellacorretta condotta della
causa) ehe si serviranno abusivamente della
facolta con-
cessa dall'art. 81 OGF.
LOsanna,
27 febbraio 1937.