IV. SACHENRECHT
DROITS REELS
26. tTrteil der II. Zivila.bteillll1g vom 18. Februar' 1919
i. S. Spar-und Leihkasse :Sern gegen La. . loche.
Znlässigkeit eines Berufungsbegehrens, das keinen Antrag
III der Sache selbst enthält, sondern nur. auf Rückweisung
er Sache an ie Vorinstanz geht. -Auslegung und recht-
hche Natur elller am Fusse einer Hypothekarobligation
(Grundpfand verschreibung) angebrachten Erklärung wo-
du:ch der Titelgläubiger selbst und ein Dritter sich ver-
pflichten, für das darin verschriebene Kapital als Bürgen
und Selbstzahler einzustehen. Verpflichtung' nicht zu
?unsten des gegenwärtigen Titelgläubigers, sondern des-
Je?Igen, au.f den die Obligation von ihm übergehen wird.
Hlllgabe dIeser durch ihn als Faustpfand für ein Dar-
lehen. .Unerhe?lichneit aus der Bürgschaftserklärung
elbst mch erslcntllche: Beschränkungen des Verpfänden;
lU der Verfug?,-ng . uber dIeselbe gegenüber dem gutgläubigen
Faustnfandglaublger. Befugniss des letzteren, den Titel mit
der Burgscnaftserklärung verwerten zu lassen und dadurch
d:n rstnlgerer zum Bürgschaftsgläubiger zu machen.
ntnnt dieser Folge auch dann, wenn die Versteigerung
mcht lllfolge einer vom Fau:;;tpfandgläubiger selbst ange-
honenen Betreibung auf Pfandverwertung, sondern infolge
Pfandnng des Titels durch laufende Gläubiger erfolgt.
.4. -' PauI Ruf-Martin in Basel war Gläubiger einer
om l. Januar 1903 datierten Hypothekarobligation
uber 275,0?0 .Fr., haftend im zweiten Range auf dem
( Bohrerhof ) 1Il Neu-Al1sch"il. Am 23. November 1903
unterschneben Ruf selbst und der Beklagte Dr. La Roche,
unbeschrankt haftender Teilhaber des Bankhauses La
Roche Sohn eie in Basel, am Fusse dieses Titels nach-
stehende
Erklärung: Wir Paul Ruf-lVIartin in Allschwil
und Basel und Dr. Alfred La Roche-Iselin, "on und in
Basel, leisten hiemit für das verschriebene Kapital nebst
Zinsen und Kosten Bürgschaft als solidarische Bürgen
und Selbstzahler, solidarisch unter uns und mit dem
Hauptschuldner, und versprechen als solche alles zu tun
und zu leisten, was nach den Bestimmungen des schweize-
rischen Obligationenrechts
von uns verlangt werden
kann.
Auf das Gesuch Rufs, ihm den so verbürgten
Titel zu belehnen, gewährte ihm die heutige Klägerin
Spar-und Leihkasse in Rern im Dezember 1903 gegen
Ausstellung eines
an die Ordre der Firma La Roche
Sohn
Oe lautenden und von dieser an die Klägerin
indossierten Eigenwechsels ein Darlehen
von 250,000 Fr.,
zu dessen Sicheq.lng die Hypothekarobligation "on
275,000 Fr. verpfändet wurde. Die Darlehenssumme
von 250,000 Fr. wurde zum grossen Teile zur Bezahlung
von Wechseln Rufs, die La Roche Sohn Oe diskontiert
hatten und für die sie daher hafteten, sowie. zur Tilgung
einiger weiterer Schulden
Rufs yerwendet; den Rest
zahlten La Roche Sohn eie, die sie für Ruf in Empfang
genommen hatten, an ihn aus. 'Während die Verpfändung
der Hypothekarobligatioll ursprünglich
in dem über das
Darlehen ausgestellten Eigenwechsel selbst vorgemerkt
war, wurde sie später anlässlich einer Prolongation des
letzteren. daraus ausgeschieden und in einen besonderen
Akt verwiesen. In dem Schreiben vom 6. Dezember 1904
an La Rnche Sohn Cie, worin die Klägerin dieses Be-
gehren stellte, begr.,iindete sie es anfänglich damit, dass so
die
jedesmalige Notifikation an den Hypothekarschuld-
ner bei der Wechselprolongation vermieden werden könne.
Als
La Roche Sohn Oe darauf nicht eingehen wollten,
gab sie am 8. Dezember 1904 als Grund weiter die Mög-
lichkeit an,
(I das Faustpfand auch auf ihre sonstigen
Forderungen 'an Ruf ausdehnen zu köunen. Nachdem
sie gleichzeitig zugesichert
hatte, dass es auch in dieser
neuen
Fornl in erster Linie für den von La Roche Sohn
eie indossierten Wechsel und erst nachher für weitere
Hi4 Sacru-nreeht. Ne 26.
Verbindlichkeiten Rufs haften solle, liessen La Roche
Sohn Oe ihren Einspruch fallen und stellten den den
Verpfändungsvermerk nicht mehr enthaltenden Prolonga-
tionswechsel mit ihrem Indossament versehen an die
Klägerin zurück.
In dem danach zwischen Ruf und der
Klägerin abgeschlossenen, auf den 5. Dezember
datierten besonderen Verpfändungsvertrage, wovon der
Firma La Roche Sohn Oe mit dem Briefe vom 8. De-
zember
1904 ein Doppel zur Einsicht übermittelt worden
war, wird ausdrücklich bestimmt, dass die
verpfändete
Hypothekarobligation ausser für den Eigenwechsel von
250,000 Fr. auch für andere Forderungen haften solle,
welche die
Spar-und Leihkasse in Bem schon jetzt oder
in
Zukunft an den Verpfänder zu stellen haben möchte .
Auf den von La Roche Sohn Oe geäusserten Wunsch,
es möchte
zur Liquidation des aus dem Eigenwechsel
hervorgehenden Schuldverhältnisses gegen
Ruf vorge-
gangen werden,
erklärte die Klägerin sich am 2. Oktober
1907 bereit, Betreibung auf Faustpfandverwertung einzu-
leiten,
machte aber darauf aufmerksam, dass sie, nachdem
ihr der verpfändete Titel für alle ihre Forderungen an Ruf
verfangen sei, ein Interesse an einem möglichst hohen,
den Nominalwert nebst Zins'ausstand erreichenden
Steigerungserlös
habe und auch Ikeinen Anstand neh-
men werde, selbst soviel zu bieten, zumal
ja Dr. La
Roche dafür Bürge sei: sie. schlage daher La Roche
Sohn Oe vor, die sämtlichen Forderungen an Ruf
gegen Abtretung der dafür haftenden Sicherheiten zu
übernehmen. Der von Ruf über den Eigenwechsel von
250,000 Fr. hinaus aus Kontokorrentkredit geschuldete
Saldo wurde dabei auf 34,000 Fr. angegeben. In ihrer
Antwort vom 5. Oktober 1907 nahmen La Roche Sohn
Oe von dem Angebote gegen Ruf Faustpfandbetreibung
anzuheben
V0l111erk, lehnten dagegen den weiteren Vor-
schlag ab, indem sie erklärten, es werde
Sache des Dr.La
Roche sein, sich über den der Klägerin ausser dem Wechsel
von 2.50,000 Fr. zukommenden Betrag mit ihr und Ruf
Sachenrecht. ;' . 26.
persönlich auseinanderzusetzen, zweifellos ' .... erde sich da-
raus noch ein gerichtliches Nachspiel ergeben, da Ruf
nicht berechtigt gewesen sei, Dr. La Roche über jene
Summe
hinaus für seine persönlichen Schulden haftbar
zu machen. Sowohl sie als Dr. La Rocht:: hörten auch heute
zum ersten Mal, dass Ruf tatsächlich solche weitere
Schulden bei der Klägerin kontrahiert habe. Die Klägerin
erwiderte am 7. Oktober 1907, dass die ( privaten Ab-
machungen des Dr.
La Roche mit Ruf I sie nicbt berührten
und sie sich an das bestehende Rechtsverhältnis, wonach
der Hypothekartitel ihr für alle Forderungen an Ruf hafte,
halte : sollten La Roche Sohn Oe etwas anderes be-
haupten ,vollen, so müsse sie dies ablehnen. Eine Rück-
äusserung der Finna La Roche Sohn Oe darauf findet
sich nicht bei den
Akten und es ist auch nicht behauptet
worden, dass sie erfolgt sei.
In einer im Jahr 1908 von den Hypothekargläubigern
ersten Ranges gegen die
Eigentümer des Unterpfandes
der Hypothekarobligation von 275,000 Fr. (des Bohrer-
hofes) durchgeführten Betreibung auf Grundpfandver-
wertung kam diese ganz zu Verlust
und es erhielt die
Klägerin als Vertreterin des
Ruf am 25. September 1908
für den Kapitalbetrag nebst mitversicherten rückständi-
gen Zinsen, zusammen 306,682 Fr. 95 ets.eine n Pfand-
ausfallschein. Da sie infolgedessen den Wechsel von
250,000 Fr. nicht' mehr verlängern wollte, musste ihn die
Firma La Roche Sohn eie als Indossantin einlösen,
womit
das Faustptandrecht ersten Ranges dafür an der
Obligation auf sie überging.
Am 20. April 1910 stellte Ruf der Klägerin eine Erklä-
rung aus, worin er bekannte, ihr ausser dem von der Firma
La Roche Sohn Oe bezahlten Wechselbetrag aus dem
früher erwähnten KontokOlTentkreditverhältnis noch
34,825 Fr. nebst Zinsen seit 31. Dezember 1909 schuldig
zu sein, und ihr an Zahlungstatt dafür von der Hypothe-
karobligation über 275,000 Fr. einen Kapitalbetrag von
25,000 Fr. samt Zins und Nebenrechten, insbesondere
der darin vorgemerkten Bürgschaft des Dr. La Roche,
abtrat. Gestützt hierauf belangte die Klägerin im No-
vember 1910 den Dr. La Roche auf Zahlung dieser
25,000 Fr. nebst verfallenen Semesterzinsen davon seit
16.
Februar 1903. Durch Urteil vom 30. März 1910
(AS 38 II S.127 ff.) hiess das Bundesgericht die Klage in
dem Umfange, in dem sie letztinstanzlich noch aufrecht-
erhalten worden war, nämlich
25,000 Fr. mit Zinsen zu
412% seit 16. August 1905 (die vorher verfallenen Zinsen
waren
von den Vorinstanzen als verjährt erklärt worden)
gut und wies die Einrede des Beklagten, dass die Klägerin
als Rechtsnachfolgerin des
Ruf mit Rücksicht auf die
von diesem geleistete ( Mitbürgschaft und das daraus
hervorgehende Regressrecht
von ihm nur Zahlung der
Hälfte des geltend gemachten Betrages verlangen könne,
als rechtlich nicht
haltbar ab.
Inzwischen
war im Dezember 1911 die Hypothekar-
obligation von 275,000 Fr. vom Betreibungsamt Binningen
zu Gunsten zweier Betreibungsgläubiger des Ruf, des
Dr. Adam
für eine Forderung von 55,000 Fr. und der
Erben Seebach für eine solche von 25,701 Fr. 40 Cts.
gepfändet worden.
In der Pfändnngsurkunde wurden als
darauf haftende
Faustpfandforderungnn vorgemerkt:
313,496 Fr. im ersten Range zu Gunsten von La Roche
Sohn Cie und 10,754 Fr. im zweiten Range zu Gunsten
der heutigen Klägerin
Spar-und Leihkasse in Bern.
Nachdem darauf das Betreibungsamt Binningen durch
Akt vom 20. Mai 1914 dieAnsprnche aus der gepfändeten
Obligation une
l
rler dafür bestehenden Bürgschaft den
Pfändungsgläubigern Dr.
Adam und Erben Seebach und
den Faustpfandgläubigern
La Roche Sohn Oe und
Spar-und Leihkasse in Bern ( im Sinne von Art. 131
SchKG angewiesen hatte, erhoben die Spar-und Leih-
kasse
in Bern und die Pfändungsgläubiger Klage gegen
Dr.
La Roche mit dem Begehren, er sei zu verurteilen,
an die Erstklägerin den Betrag ihrer Faustpfandforderung
zu bezahlen und den nach Abzug des zur Deckung von
Sachenrecht. Ne :!(i.
La Roche Sohn Oe nötigen Betrages verbleibenden
Rest seiner Bürgschaftsschuld von 10;),052 Fr. 83 Cis.
im Sinne des Aktes vom 20. Mai 1914 den Klägern 2 u. 3
auszuweisen, eyentuell sie auf Rechnung desselben
Hir
ihre in Betreibung gesetzten Forderungen abzufinden.
Durch Urteil
vom 9. November 1916 wies das Bundes-
gericht die Klage mit der B(".gründung ab: aus dem
Anweisungsakte des Betreibungsamts Binningen lasse sich
nicht entnellmell, ob es sich um eine Anweisung nach
Art.
131 Abs. 1 (an Zahlungsstatt) oder nac11 Art. 131, Abs. 2
(zur Eintreibung)
handle; der Bel lagte habe aber ein
Recht darauf
zu wissen, in welcher Rechtsstellung ihn
die Kläger belangten
und welche Wirkungen im Falle
der Verurteilung die Zahlung auf den
Bestand seiner
Schulden ausübe. Eventuell, wenn man eine Auslegung
. der Urkunde im einen oder anderen Sinne trotz ihreswider-
spruchvollen
Inhalts für zulässig erachten wollte, müsste
eine Anweisung nach Art.
131 Abs.2 angenommen werden.
Dann sei
aber die Klage schon deshalb zu verwerfen, weil
Dr.
La Roche nach dem früheren Urteile vom 30. März
1912 sich nicht zu Gunsten des Ruf, sondern eines all-
fälligen Dritterwerbers der Hypothekarobligation
ver-
bürgt habe, als welche die Kläger bei einer biossen Ueber-
weisung zur Einb'eibung nicht erschienen.
Nach Empfang dieses Urteils ordnete das Betreibungs-
amt Binnillgen die Versteigerung der gepfändeten Hypo-
thekarobligation an und schlug sie an der zweiten Gant
vom 19. Oktober 1917 der heutIgen Klägerin Spar-und
Leihkasse in
Bern um ihr Angebot von 325,000 Fr. zu.
Aus dem Erlöse wurden getilgt die Forderungen der
Firma La Roche Sohn Oe mit 313,496 Fr. 10 Cts. und
der Klägerin
mit 10,754 Fr. 25 Cts.; der nach Abzug der
Kosten verbleibende
Rest ,"on 345 Fr. 25 Cts. fiel den
Pfändungsgläubigern Dr. Adam
und Erben Seebach zu.
Am 26.
Okt. 1917 bezahlte darauf Dr. La Roche an die
Klägerin
305,191 Fr. (250,000 Fr. Kapital und 55,191 Fr.
ausstehende Zinsen seit 16. August 1912). Wie er im
168 Sachenrecht. N° 26.
Prozesse behauptet, weil er ohne den Erwerb des Titels
an der Gant durch die Klägerin der Firma La Roche
Sohn Oe ws Faustpfandgläubigerin für diesen Betrag
hätte aufkommen müssen und, wenn er ihn behalten, sich
ungerechtfertigt bereichert gefühlt hütte. Der Brief vom
26.
Oktober 1917 selbst, womit er die Zahlung begleitete,
geht dahin : als Bürge des von der Klägerin ersteigerten
Hypothekarartikels sei er bereit,
mit ihr über die Be-
zahlung seiner Bürgschaftsschuld in Verhandlungen zu
treten ) und übermittle ihr den nach seiner Berechnung
derselben entsprechenden
Betrag von 305,191 Fr. Dabei
sei verstanden, dass
es der Klägerin unbenommen bleibe,
eine vermeintliche Mehrforderung gegen ihn geltend zu
machen, wie
er sich andererseits für einen solchen Prozess
alle Einreden vorbehalte, auch dahin, dass er überhaupt
nichts schulde.
Mit der vorliegenden Klage verlangt die Klägerin von
ihm Zahlung weiterer 144,253 Fr. 89
Cts. nebst Verzugs-
zinsen seit dem 26. Oktober 1917. Sie beruft sich auf das
Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 1912, wonach die
Bürgschaft des Beklagten erfolgt sei zu Handen des
künftigen Erwerbers der verbürgten Forderung
für den
Fall,
ws es Ruf gelingen sollte, den Titel zu veräussern.
Dieser Fall liege vor, indem
ihr die Hypothekarobligation
von
Ruf nicht nur für den Eigenwechsel von 250,000 Fr.
sondern auch für alle weitere.n Forderungen
an ihn ver-
pfändet worden sei
und sie damit das Recht erworben
habe, dieselbe
zur Deckung dieser Fordenmgen mit der
dafür bestehenden Sicherheit, der Bürgschaft des Be-
klagten verwerten zu lassen. Nachdem der Titel
für
laufende Gläubiger gepfändet worden sei, habe ie ihn
deshalb zur Wahrung ihrer Faustpfandanspruche erstei-
gert und sei kraft dessen befugt, vom Beklagten als
Bürgen Zahlung aller noch ausstehenden
üicht durch
Zalllung getilgten Ansprüche daraus zu verlangen. Die
Forderung von 144,253
Fr. berechnet sie so, dass sie in
Rechnung stellt das Titelkapital von 275,000 Fr. nebst
Sachenrecllt. N° 2u.
1 UnI
aufgelaufenen Zinsen seit 16. Februar 1903 und davon
abzieht die vom Beklagten auf das
Urteil :von 1912 hin
und am 26. Oktober 1917 gemachten Zahlungen sowie die
aus dem zweiten Prozesse von 1916 geschuldeten, von ihr
übernommenen Prozesskosten.
Der Beklagte
beantragt Abweisung der Klage. Er
bestreitet, dass die Klägerin sich heute noch auf ihre
Stellung als Faustpfandberechtigte am Hypothekar.t
itel
berufen
könne; ihre dahingehenden Anspruche seien
durch Bezahlung aus dem Ganterlös erloschen. Sei sie
nur noch Gantkäuferin, so 'müsse aber die Klage nach den
Ausführungen des bundesgerichtlichen Urteils von 1912
über den
Sinn der Bürgschaft abge,,,iesen werden, weil dem
Ersteigerer durch die, Steigerung nicht mehr Rechte hätten
übertragen werden können, als der BetreibulJ.gsschuldner
Ruf selbst besessen habe. Und zwar, da es sich um eine
Forderung aus einem gewöhnlichen Schuldschein, nicht
aus einem Wertpapier handle, auch dann nicht, wenn die
Klägerin bei der Ersteigerung gutgläubig auf
den Bestand
des ersteigerten Anspruchs
vertraut habe, was übrigens
nach den vorangegangenen Korrespondenzen und dem Aus-
gang der früheren Prozesse ausgeschlossen sei. Eventuell
erhebt der Beklagte auch die Einrede der Verjährung der
Hauptschuld
und beanstandet die Art der Berechnung
der Forderung.
B. -Mit Urteil vom 29. Oktober 1918 hat das Appel-
lationsgericht des
Kantons Basel-Stadt in Uebereinstim-
mung mit der ersten Instanz die Klage abgewiesen. Es
pflichtet dem Standpunkt des Beklagten bei, dass heute
nur noch die Rechte der Klägerin als Gantkäuferin des
Titels
in Frage kommen könnten, und führt zur Begrün-
dung dafür, dass
ihr in dieser Eigenschaft keine Anspruche
gegen den Beklagten zustehen,
aus: unter dem zukünf-
tigen Gläubiger
I), zu dessen Gunsten nach dem bundes-
gerichtlichen
Urteil von 1912 der Beklagte sich vnrbüngt
habe, sei nicht schlechthin jeder Erwerber der ObligatIon
zu verstehen, sondern nur derjenige, für den die Bürg-
AS 45 II -1919
170 Sachenrecht. N° 26.
schaft nach dem Willen des Beklagten bestimmt gewesen
sei.
Das sei aber nur ein solcher, ( der dem Ruf auf den
Titel Geld geben würde ) : denn die Bürgschaft sei bloss
zu dem Zwecke eingegangen vorden, um Ruf eine der-
artige Geldbeschaffung zu ermöglichen. Hätte dieser um
sich Geld zu verschaffen, den Titel verkauft statt nur
versetzt, so würde der Beklagte dem Käufer ebenfalls
haften, da auch ein solcher Verkauf noch im Rahmen des
Bürgschaftszweckes liegen 'würde, wie
er äusserlich in
Erscheinung getreten sei. Einem anderen Erwerber, der
nicht dem Sinne der Bürgschaft nach unmittelbare
Rechte aus ihr erlangt habe, sondern alle seine Rechte
nur von Ruf ableiten könne, schulde der Beklagte nichts.
In dieser Lage befinde sich aber die Klägerin als Gant-
käufer. Zu Gunsten eines'solchen, zu besserer Befriedigung
der Gläubiger des Ruf, sei die Bürgschaft zweifellos nicht
gemeint gewesen. Das einzige Recht, das Ruf selbst er-
worben, die
ihm vom Beklagten eingeräumte Befugnis,
sich
der Bürgschaftserklärung zur Geldbeschaffung zu
bedienen, sei ihrem ganzen Inhalte nach nicht übertrag-
bar und habe also auch nicht im Stelle Rufs vom Betrei-
bungsbeamten ausgeübt werden können. Tatsächlich sei
dies auch
nicht geschehen, indem dIe Versteigerung mit
dem ausdrücklichen Beifügen erfolgt sei, dass der Beklagte
jede Haftung bestreite. Auch könne die Klägerin sich nicht
auf den Grundsatz berufen, dass Willenserklärungen so
auszulegen seien, wie sie
der Empfänger verstehen müsse;
den.n aus den früheren Prozessen mit dem Beklagten habe
sie den wahren Sinn der Bürgschaftsurkunde schon lange
vor der Steigerung gekannt.
C. -Gegen dieses Urteil hat die Klägerin, Spar-und
Leihkasse in Beru, die Berufung an das Bundesgericht
ergriffen mit dem Begehren, es sei aufzuheben und die
Sache
zur Aktenvervollständigung und neuen Entschei-
dung an die kantonale Instanz zurückzuweisen.
Der Beklagte hat Abweisung der Berufung und Bentä
tigung des angefochtenen Urteils beantragt.
Sachenrecht. K 0 :'W.
17l
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
- -Nach der neueren Praxis des Bundesgerichts
(vergl. AS 42 II Nr.11 und 36 und das frühere Urteil in
Sachen des heutigen Parteien vom 9. November 1916)
ist eine Berufungserklärung, die keiNen Antrag in der
Sache selbst, sondern nur das prozessuale Begehren auf
Rückweisung an die Vorinstanz enthält, dann als ge-
nügend anzusehen, wenn einerseits das Ergebnis, das der
Berufungskläger mit der Rückweisung erreichen v"ill,
feststeht, andererseits eine sofortige endgiltige Erledigung
des Streites
zu seinen Gunsten auf Grund der vorliegenden
Akten ohne vorangegangene Ergänzung nach den Um-
ständen ausgeschlossen ist. Beides ist hier der Fall. Einmal
muss, solange Anhaltspunkte für das Gegenteil fehlen,
davon ausgegangen werden, dass die Klägerin die in der
Klage geltend gemachten Fordemngsansprüche nach
wie vor voll aufrechterhält und mit der verlangten Rück-
weisung deren Gutheissung durch die Vorinstanz be-
zweckt. Sodann haben die beiden kantonalen Instanzen
sich auf die Prüfung der grundsätzlichen Haftung des
Beklagten gegenüber der Klägerin als Ersteigererin der
verbürcrten Hypothekarobligation beschränkt. Ueber die
b
weiteren der Klage entgegengehaltenen Einreden haben SIe
sich nicht nur nicht ausgesprochen, sondern sie zur Ver-
einfachung des Verfahrens einstweilen
überhaupt von der
Verhandlung ausgeschlossen, sodass für deren Beurteilung
die notwendigen t'atsächlichen und prozessualen Grund-
lagen mangeln würden. Sollte das Bundesgericht in jener
ersten Frage zu einer anderen Auffassung kommen, so
könnte daher die Folge keinesfalls im Erlasse eines die
Klage gutheissenden Sachurteils, sondern nur in der
Rückweisung der Akten an die kantonalen Instanzen zur
Behandlung der anderen Einwendungen des Beklagten
bestehen. Auf die Berufung ist somit einzutreten.
- -Die Bedeutung der vom Beklagten am 23. Novem-
ber 1903 abgegebenen Bürgschaftserk1ärung ist vom
Bundesgericht schon in dem Urteile vom 30. März 1912
erörtert worden. Aus der Tatsache, dass neben dem
Beklagten auch der damalige Gläubiger der verbürgten
Hypothekarobligation,
Ruf die Erklärung unterzeichnet
hat, in Verbindung mit der unbestrittenen Behauptung,
dass
er die Unterschrift des Beklagten nachgesucht und
erhalten habe, um sich auf die Obligation Geld verschaffen
zu können, hat es geschlossen, dass damit nicht Ruf selbst
gesichert, sondern lediglich
ilml die Verwertung des Titels
habe ermöglicht werden sollen. Als Gläubiger, für den die
Bürgschaft bestimmt gewesen, sei mithin derjenige an-
zusehen,
an den Ruf den Titel zum Zwecke der Geld-
beschaffung veräussern werde. Eine solche Bürgschaft
gegenüber einem persönlich noch nicht bestimmten
Gläubiger erscheine als -zulässig.
Daran ist auch heute
festzuhalten.
Als Vertrag zwischen dem Bürgen
und dem Gläubiger
kann die Bürgschaft allerdings nicht durch das einseitige
Versprechen des ersteren,
für eine Schuld einstehen zu
wollen, zustandekommen ; es bedarf hiezu noch dessen
Annahme durch den Gläubiger. Wie andere Verträge
kann
sie indessen auf dem Wege der Stellvertretung geschlossen
werden, dadurch
dass ein vom BÜrgen Ermächtigter (der
Hauptschuldner oder sonst ein Dritter) dessen Erklärung
d?m Gläubiger übermittelt und die Annahmeerklärung
dIeses für den Bürgen entgegellnimmt. Dabei braucht der
Gläubiger nicht von vorneherein in der Bürgschaftsur-
kunde benannt zu sein. Aus der Zulassung der Verbürgung
künftiger Forderungen folgt, dass nicht
nur die Ueber-
mittlung der Erklärung des Bürgen, sondern auch die
Auswahl der Person, der sie übermittelt werden soll (des
Gläubigers) dem Stellvertreter übertragen werden kann.
Ein solches Stellvertretungsverhältnis ist dann anzu
nehmen, wenn der Bürge die auf einen noch zu bestim-
menden Gläubiger lautende Bürgschaftsurkunde einem
anderen
zur Benützung übergibt. Durch diese Ent-
äusserungermächtigt er zugleich den Empfänger, den
Bürgschaftsvertrag
mit dem VOll ihm aufgesuchten
Gläubiger abzuschliessen
und durch die in der Entgegen-
nahme der Urkunde liegende Annahmeerklärung seitens
des Gläubigers wird der Vertrag perfekt.
Von dieser
rechtlichen Auffassung des Hergangs
hat sich denn auch
das Bundesgericht, wie die Verweisllng auf die entspre-
chende deutsche Gerichtspraxis (RG
in Zivilsachen
11 Nr. 52; 31 Nr. 58, vergl. ferner aus neuerer Zeit
ebenda
57 Nr. 15; SEUFFERT N. F. 21 Nr. 177) zeigt,
leiten lassen, als es die Giltigkeit der Bürgschaftserklä-
rung des Beklagten in dem Urteile
vom 30. März 1912 be-
jahte. .
Die Rechtslage ist demnach eine analoge wie in dem
Falle, wo die Bürgnchaft nicht wie hier zu Gunsten des
künftigen Inhabers einer schon bestehenden Forderung,
sondern für ein
überhaupt erst noch zu schaffendes
Schuldverhältnis eingegangen wird
und zur Perfektion
der Bürgschaftsurkunde deshalb,
weil ihr sonst ein
wesentliches Element, die Bestimmbarkeit des
daraus
Berechtigten fehlen würde, erst noch die Einsetzung des
Namens desselben in den dafür leer gelassenen
Raum
nötig ist. Gleichwie in einem solchen Falle der Träger
des Blankobürgscheins gegenüber Dritten als ermächtigt
angesehen werden muss, denselben
in der aus der Urkunde
'selbst hervorgehenden Art zu verwenden,
und der Bürge
sich bei einer dementspl'echenden Ausfüllung gegenüher
dem darin eingesetzten Gläubiger nicht auf aus dem Schein
nicht ersichtliche,und dem Gläubiger
nicht bekannte, die
Vertretungsbefugnis auf bestimmte Fälle beschränkende
interne Abreden
mit demjenigen, dem er den Schein
übergeben
hat, berufen kann (AS 35 11 S. 402 ff.), so muss
auch hier der Beklagte die
in der Ausstellung der Bürg-
schaftserklärung in Verbindung
mit deren Uebergabe an
Ruf Jiegende Ernlächtigung so gegen sich gelten lassen,
wie sie
lautet, und kann gegenüber dem Dritten, der im
Vertrauen darauf Rechte an der Hypothekarobligation
erworben
hat, nicht geltend machen, dass sie in Wirklich-
S:::ehcnrecht. N° 26.
keit nur einen beschränkteren Sinn gehabt habe. Es ist
deshalb nicht zutreffend, wenn die Vorinstallz ausführt,
der Beklagte hafte nicht jedem Erwerber der
verbürgten
Hypothekarforderung, sondern nur demjenigen, für
den nach seinem Willen die Bürgschaftserklärung be-
stimmt gewesen sei. Kraft des zwischen dem Beklagten
und Ruf bestehenden, für die Ausstellung der Erklärung
kausalen Rechtsverhältnisses
war letzterer allerdings
dem Beklagten
dafür verantwortlich, dass er sich ihrer
nicht in abredewidriger Weise bediene. Im Verhältnis zu
Dritten dagegen bemass sich seine Vertretungsbefugnis
wie bei jeder
vom Vollmachtgeber nach aussen kundge-
gebenen Vollmacht ausschliesslich nach dem
Inhalt dieser
Kundgebung d. h. der Bürgschaftserklärung selbst.
Als
(j Erwerber ) , dem die Bürgschaft Sicherheit ver-
schaffen sollte,
ist dabei nicht nur der Zessionar, sondern
auch der Faustpfandgläubiger,
d. h. derjenige zu be-
trachten, der dem Ruf den verbürgten Titel gegen Hin-
gabe zu Pfand belieh. Wollte der Beklagte die Hypothe-
karobligation durch seine Unterschrift verkehrsfähig
machen, so musste
er dabei vor allem diesen Fall ins Auge
fassen. Banken, die
für die Verwertung einer Forderung
in solcher
Höhe wenn nicht ausschliesslich, so doch in
erster Linie in Frage kommen, pflegen derartige Titel
nicht zu erwerben, sondren nur zu belehnen. Es hat denn
auch
der Beklagte den Standpunkt, dass er sich nur zu
Gunsten eines allfälligen Titelkäufers verpflichtet habe,
nicht eingenommen, sondern selbst ausgeführt, dass die
Bürgschaft vorab im Hinblick auf die Beleihung des Titels
eingegangen worden sei.
Der Einwand, dass man dabei
nur an das infolge der Verwendung der Valuta indirekt
auch der Firma La Roche Sohn eie zu gute kommende
Darlehen
von 250,000 Fr. gedacht habe, und Ruf nicht
befugt gewesen sei, die Verpfändung auch auf andere von
ihm künftig kontrahierte Schulden auszudehnen, kann
nach dem Gesagten nicht gehört werden. 'Wenn der Be-'
klagte die Vertretungsmacht Rufs in der erwähnten
Weise einschränken wollte, hätte er dies in der Bürg-
schaftsurkunde selbst zum Ausdruck bringen oder
dafür
sorgen sollen, dass es dem Dritten, an den sich Ruf als
Träger der Urkunde wandte, sonst
bekannt werde. Tat
er dies nicht, sondern erklärte er einfach und ohne Vorbe-
halt, sich für das in der Hypothekarobligation verschrie-
bene
Kapital samt Zinsen und Kosten zu verbürgen, so
durfte derjenige, dem Ruf diese Erklärung vorwies, an-
nehmen, dass demselben die freie Verfügung darüber
zustehe, d. h. dass die Verpflichtung des Beklagten
zu
Gunsten eines jeden gelte, der dem Ruf auf den Titel
Geld geben werde.
Es könnte deshalb der Beklagte jene
interne Abrede
mit Ruf, sofern sie wirklich sta.,ttgefunden
haben sollte, der Klägerin nur entgegenhalten, wenn
diese in
dem Zeitpunkte, als Ruf ihr die Obligation auch
für ihre weiteren Forderungen
an ihn verpfändete, darum
gewusst hätte oder nach den Umständen hätte wissen
sollen. Hiefür liegt aber nichts vor. Insbesondere
bietet
die oben wiedergegebene Korrespondenz zwischen der
Klägerin und La Roche Sohn Oe von 1904 und 1907,
auf welche sich der Beklagte beruft, dafür keine Anhalts-
punkte. Aus dem Schreiben der Klägerin vom 8. Dezember
904 erhellt, dass sie La Roche Sohn Oe, als diese auf
die vorgeschlagene Ausmerzung der Verpfändungser-
klärung aus dem Eigenwechsel
von 250,000 Fr. nicht
eingehen wollten, als Grund dafür schon damals den
Wunsch angab, 'das Pfandrecht
am Titel auch auf die
übrigen Verbindlichkeiten Rufs auszudehnen.
Es kann
daher aus der Tatsache, dass sie anfänglich dafür ein an-
deres
Motiv -die Ersparung der jedesmaligen Notifika-
tion
an den Hypothekarschuldner -genannt hatte, un-
möglich ein Schluss auf die Absicht, jene weitere Ver-
pfändung .zu verheimlichen, und damit indirekt auf ihren
bösen Glauben
lünnichtlich deren Zulässigkeit gezogen
werden.
Ebensowm ig lässt das spätere Schreiben vom
7. Oktober 1907 eine solche Folgerung zu. WenIi die
Klägerin hier auf die Erkläl'l l1,g der Finna La Roche,
Sachenrecht. :t 0 Z6.
Ruf sei l1icht berechtigt gewesen. über die Unter-
schrift des Beklagten zu einem anderen Zwecke als für
das Darlehen
von 250.000 Fr. zu ,, erfügen. erwiderte, dass
die
(i privaten Abmachungen ) des Beklagten mit Ruf sie
njeht berühren, sondern sie sieh an die auf Grund der
Bürgschaftsurkunde zusfandegekommene Verpfändung
halte. so wollte
damit doch offenbar nicht anderes geltend
gemacht werden als was oben bereits ausgeführt worden
ist, nämlich dass der Beklagte sich auf aus dem Bürg-
schein nicht hervorgehende Einschränkungen der
Ver-;
tretungsbefugnis Rufs ihr gegenüber nicht berufen könne ..
Wieso darin das Zugeständnis gefunden werden soll, jene
Abmachungen
gekannt zu haben. ist nicht verständlich.
Es bleibt somit lediglich noch festzustellen, in welche
Rechtsstellung die Klägerin durch die nach dem Gesagten
für den Beklagten verbindliche Verpfändung der
Hypo-
thekarobligation mit der in seiner Bürgschaftserklärung
liegenden Deckung
an sie kam. Als Akzessorium der
Forderung gegen den Hauptschuldner können die Forde-
rungsrechte gegen den Bürgen
nur dem Gläubiger jener
Forderung zustehen. Gleichwie durch die Verpfändung
einer
Sache aber der Pfandgläubiger nicht in die Rechte
des Verpfänders an
ihr eintritt. sondern nur die Befugnis
erwirbt, sie
zur Deckung seiner Pfandforderung verwerten
zu lassen, so bevvirkt auch die Verpfändung .,-on Forde-
rungen nicht den Uebergan:g der Gläubigen'echte aus
ihnen auf den
Pfandgläubigm:. sondern gibt ihm nur ein
Recht auf vorzugsweise Befriedigung aus deren Erlös.
Es ist deshalb ausgeschlossen. dass die Klägerin, wie der
Beklagte behauptet, auf Grund des ihr
von Ruf an der
Hypothekarobligation bestellten Faustpfandrechtes di-
rekt ;gegen den Beklagten auf Zahlung ihrer Faustpfand-
forderung
hätte klagen können. Denn die Bürgschafts:-
erklärung des Beklagten bezog sich ja nicht auf diese, die
P
fan d f 0 r der u n g, sondern auf die dafür als
Sicherheit gegebene, die v e
t p f ä n d e t e Forderung
aus der Hypothekarobligation.
Sie stand' aber, solange
I
I
Sachenr'e.cht. :t 0 26.
eine Uebertragung im Vollstreckungsverfahren nicht
stattgefunden
hatte, nicht der Klägerin als Faustpfand-
gläubigerin, sondern nach
wie vor dem Verpfänder Ruf zu.
Da andererseits der Beklagte seine Bürgschaft nicht zu
Gunsten Rufs, sondern eines künftigen Titelerwerbers
eingegangen
hatte, war somit bis zu einem solchen durch
Verwertung des Pfandes herbeigeführten
Uebergang ein
Bürgschaftsgläubiger, der .den Beklagten hätte .belangen
können,
überhaupt nicht vorhanden. Wenn letzterer sich
für das Gegenteil auf das erste bundesgerichtliche Urteil
von
1912 beruft, so übersieht er; dass die Klägerin damals
ihre Ansprüche nicht auf ihre
Stellung als Faustpfand-
gläubigerin, sondern auf die
ihr von Ruf für einen Teil
der Forderung aus der Hypothekarobligation ausgestellte
Abtretung stützte.
Nur im Hinblick auf diese Abtretung
hat denn auch, wie aus dem Schlusse der Uiteilserwä-
gungen hervorgeht. das Bundesgericht in jenem Prozesse
die Klage gutgeheissen. Die blosse Verpfändung
hätte der
Klägerin ein solches unmittelbares Klagerecht gegen den
Beklauten nicht verschaffen können. Soll die Sicherheit,
welchndessen Bürgschaftserklärung einem allfälligen
Beleiher der
Obligation bieten sollte, eine praktische
Bedeutung
habe , so int dies somit nur unter der Voraus-
setzung möglich, dass unter dem künftigen Titelgläubiger,
dem der Beklagte haften zu wollen
erklärte,auch der-
jenige verstanden wird, der die Obligation
in einer vom
Beleiher angehobenen Betreibung auf Faustpfandver-
wertung erwarb, d. h. dass in der Ausstellung der Bürg-
schaftsurkunde durch den Beklagten auch die
Ennächti-
gung an den Beleiher als eingeschlossen angesehen : ird,
die Obligation mit der Bürgschaft auf die Gant zu bongen
und dadurch den Ersteigerer derselben zum Bürgschafts-
gläubiger zu machen. Sonst wäre das Versprechen des
Beklagten
überhaupt wertlos gewesen, weil eine andere
Möglichkeit für den Faustpfandgläubiger es zu realisieren,
und den darin steckenden Vermögenswert seiner Befrie-
digungdienstbar zu machen, überhaupt nicht bestand.
17:)
Auch der Beklagte selbst hat denn einen anderen Weg
hiezu ausser dem oben als unmöglich bezeichneten nicht
weisen können.
'Hätte die Klägerin für ihre Faustpfandforderung an
Ruf selbst Betreibung auf Pfandverwertung angehoben
und in ihr den verpfändeten Hypothekarartikel ersteigert,
so
könnte demnach über ihre Befugnis, den Beklagten ale;
Bürgen für die aus dem Titel hervorgehenden Ansprüche
zu belangen, kein Zweifel bestehen. Dann muss das näm-
liche aber auch für den Fall gelten, dass die Liquidation
ihrer Faustpfandrechte nicht in einem' solchen von ihr
veranlassten Verfahren, sondern infolge einer von lau-
fenden Gläubigern des
Verpfändm's erwirkten Pfändung
geschah. Nach Art. 106 bis 109 in Verbindung mit Art. 126,
und 146 SchKG unterliegen der Pfändung grundsätz-
lich auch solche Sachen und Forderungen, an denen
Pfandrechte haften. Die Tatsache der Verpfändung hat
also nicht zur Folge, dass der Pfandgläubiger sich dem
Zugriffe der laufenden Gläubiger auf das Objekt wider-
s.etzen
und dessen Aussonderung aus der, yon ihnen
eingeleiteten Vollstreckung begehren könnte,sondern nur
dass der Erlös yorab zur Befriedigung seiner Ansprüche
zu verwenden ist. Dementsprechend besteht denn auch
die Schranke, welche das Gesetz den VoiIstreckungs-
rechten der Pfändungsgläubiger zieht, einzig darin, dass
der Zuschlag nur erfolgen darf, wenn das Angebot den
Betrag der dem betreibenden Gläubiger vorgehenden -
im Verfahren nach Art. 106 ff. angemeldeten und fest-
gestellten -pfandversichertell Forderungen übersteigt,
und dass mangels eines solches Angebotes auch an der
zweiten Gant der Gegenstand aus der Betreibung fällt ..
Der Pfandgläubiger braucht sich also, was zur Wider-
legung
der Behauptung der Beklagten, sie habe zur
Wahrung ihrer Interessen als Ersteigererin auftreten
müssen, bemerkt sein mag, um den Ausfall des Ver-
wertungsverfahrens nicht zu bekümmern, weil es ihm
unter keinen Umständen einen Verlust bringen kann.
Das ändert indessen daran nichts, dass die Verwertung
grundSätzlich -für den Fall eines genügenden Angebots
-auch
für ihn erfolgt, d. h. auch seine Rechte an dem
Gegenstand erfasst.
Kann er sich einer solchen Liquida-
tion des
Pfandes infolge der von aufenden Gläubigern
angehobenen Vollstreckung nicht wiöersetzen, obwohl
er
sie selbst nicht verlangt hat, so hat er aber auch Anspruch
darauf,
dass"das Pfand,sowie es ihm zusteht, d. h. mit den
daran akzessorisch geknüpften, es sichernden Rechten'
ausgeboten werde. Und zwar gleichgiltig, ob diese Rechte
auch dem Zugriff der Pfändungsgläubiger unterliegen,
d. h. auch
für sie verwertet werden können, oder ob sie
ausschliesslich dem Pfandgläubiger als solchem zustehen,
bezw.
verhaftet sind. Es genügt, dass sie sich in ihrem
Bestande an das Pfand knüpfen und daher nur in Ver-
bindung mit dessen Uebertragung realisiert bezw. in der
Person eines Dritten zur Entstehung gebracht werden
können.
Bringt die Verwertung des Gegenstandes zu
Gunsten der Pfändungsgläubiger auch eine Liquidation
der Rechte des Pfandgläubigers mit sich, so muss sie sich
folgerichtig auf die Gesamtheit dieser
Rechte erstrecken
und darf durch die Tatsache, dass es nicht der Pfand-
gläubiger ist, welcher sie veranlasst hat, seine Rechts-
steIlung gegenüber einem
von ihm selbst betriebenen Ver-
wertungsverfahren nicht verschlechtert werden.
Es braucht daher nicht untersucht zu werden, ob nicht
schon die Pfändungsgläubiger befugt gewesen wären,
die Ausbietung
der Obligation mit der Bürgschaft des
Beklagten
zu verlangen, eine Frage, die angesichts der
in der Doktrin und Gerichtspraxis anderer Länder an-
erkannten Pfändbarkeit des Rechtes des Schuldners auf
Ausfüllung eines ihm übergebenen Blanketts und
Ausübbarkeit desselben durch den Vollstreckungsbe-
amten an Stelle des Schuldners, nicht so einfach zu be-
antworten ist, wie es die Vorinstanz anniInnt, sondern
noch näherer
Prüfung bedürfte. Entscheidend ist, dass
als die Versteigerung erfoJgte,
der Klägerin an dem Titel
la Sachenrecht. N° 26.
infolge der Verpfändung durch Ruf noch ein Faustpfand-.
recht für 10,754 Fr. zustand, und dass deshalb jedenfalls
sie ein Recht darauf hatte, dass die Ausbietung in der
erwähnten Weise geschehe. Da sie ihre Stellung als Bürg-
schaftsgläubigerin
in . heutigen Prozesse auf den Erwerb
auf Grund eines solchen Ausgebots, nämlich den
ihr vom
Betreibungsamte im Verwertungsvedahren gegen
Ruf
erteilten Zuschlag der Obligation mit den Bürgschafts-
rechten gegenüber dem Beklagten
stützt, muss deshalb
dessen Haftung entgegen der Vorinstanz grundsätzlich
bejaht,
d. h. der Fall, für den er als Bürge der Forderungen
aus der Obligation einzustehen erklärte, als eingetreten
betrachtet werden, gleichwie dies gegenüber einem
anderen Ersteigerer
an jener Gant der Fall gewesen wäre.
Ob 'die Klägerin d am als von der Behauptung des
Beklagten, dass
Ruf die Verpfändung nicht über das
Darlehen
von 250,000 Fr. hätte ausdehnen dürfen, Kennt-
nis
hatte, ist unerheblich, weil eine solche nachträgliche
Kenntnis die Befugnisse, die sie einmal
gestützt auf die
tatsächlich vorgenommene Verpfändung erworben
hatte,
nicht berühren konnte. Irgendwelche ungerechtfertigte
Beeinträchtigung des Beklagten
entsteht daraus nieht.
Wollte er vermeiden, dass die Verwertung sich auch auf
die Rechte gegen
ihn aus der Bürgschaftsurkunde er-
strecke, so
hätte er vor der Versteigerung für' die Befl'ie-
digung der Faustpfaridansprüche der KJägerin sorgen
sollen, womit auch ihre Beteiligung am Vollstreckungs-
verfahren dahingefallen wäre
nnd sich nur noch die Frage
gestellt
hätte, ob und welche Ansprüche die Pfändungs-
gläubiger aus jener Urkunde
und deren Uebergabe an
Ruf herleiten können. Konnteersich hiezu nichtverstehen,
so muss
er auch die Folgen auf sich nehmen, die sich
daraus infolge der durch seine Erklärung dem Beleiher
des Hypothekartitels eingeräumten Rechte ergeben. Sie
wären
für ihn in gleicher Weise auch eingetreten, wenn der
Beleiher selbst im
'Wege der Betreibnng auf Faustpfalld-
verwertung die Versteigerung herbeigeführt hätte.
Die Berufung ist deshalb dahin gutzuheissen, dass das
angefochtene Urteil aufgehoben und unter Bejahung der
grundsätzlichen Schuldpflicht des Beklagten die Sache
zur Behandlung der weiteren Einreden desselben an die
Vorinstnnz zurückgewiesen wird.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird gutgeheissen, das
Urteil des Ap-
pellationsgerichts des
Kantons Basel-Stadt vom 29. Ok-
tober 1918 aufgehoben und die Sache zu neuer Entschei-
dung
im Sinne der Erwägungen an die kantonalen In-
stanzen zurückgewiesen.
27. Urteil der II. Zivilabteilung vom a6. Februar 1919
i. S: Eich gegen Xonkursmasse Jud.
Voraussetz lngen der Zugehöreigenschaft einer Sache nach Art.
644, 645 ZGB. Begründung derselben durch die Erklärung
im Vertrage über die Hypothezierung einer Fabrikliegen-
schaft, dass die in diese vom Verpfänder einzubringenden
Maschinen den Hypothekargläubigern mitverhaftet sein
sollen. Unzulässigkeit des einseitigen Widerrufs einer
solchen Erklärung, auch wenn sie im Grundbuch nicht vor-
gemerkt worden ist. Bedeutung des Umstandes, dass das
im Fabrikgebäude betriebene Unternehmen seiner Natur
(Munitionsfabrikntion) nach nur auf Zeit -zur Ausnützung
einer besonderen Konjunktur (Krieg) -bestimmt ist.
A. -Durch Vertrag vom 14. Mai 1917 'verkaufte der
Kläger Eich dem Gottlieb
Jud, Maschinentechniker von
Stäfa die Liegenschaft zur Walke an der Seonerstrasse
in Lenzburg, bestehend aus
282.19 Aren GebäudepJatz
mit Fabrikgebäude, Hofraum, Kanal, Wiese und Wass'er-
werk am Aabach für
58;000 Fr. Auf Rechnung des' Kauf-
preises .hatte der Käufer die bestehende; erste Hypo-
thek von 23,705 Fr. zu übernehmen. Für den Rest von
34,295
Fr. wurde ein Grundpfandrecht zweiten Ranges