Obligationenrecht. XQ 10.
10. Auszug aus dem UrteU der 1. ZivUabteilung
vom 9. Februar 1918 i. S. Etim gegen Kuniinger 8G Cie.
Genuskauf. -Einrede, dass der Käufer zur Vermeidung bezw.
Verminderung des Schadens einen Deckungskauf hätte
vornehmen sollen. -Substanzierung dieser Einrede. -Er-
mittlung des Schadens auf Grund des Veiterverkaufspreises.
Der Beklagte Michael Keim in Zürich schloss im Januar
1916 mit der Klägerin Firma Munzinger Oe in Zürich,
zwei Kaufsgeschäfte ab : Das erste, vom 11. Januar 1916,
betrifft ca. 15,000 kg prima Kokosfett zu 2 Fr. 35 Cts.
per Kg., das zweite 10,000 Kg. Schokolade verschiedener.
Marken zu 2
Fr. 60 Cts. per Kg. Der Beklagte lieferte
weder die eine noch die andere Ware, worauf die Klägerin
.
ihn vor Bezirksgericht Zürich um Zahlung eines Schadens
von 6000 Fr. belangte, indern sie ausführte, sie hätte
inzwischen die Schokolade zu 2 Fr. a Cts. per Kg. und
das Kokosfett zu 2 Fr. 66 Cts. per Kg. weiterverkauft.
Der Beklagte
bestritt weder diese Veiterve.rkäufe noch
die von der Klägerin angegebenen tPreise, wandte aber
u. A. ein, dass
die Klägerin sich anderweitig hätte
(f eindecken können und zum Beweise hiefür verlangte
er die Einholung eines Gutachtens.
Alle Instanzen wiesen die' Einrede ab, das Bundes-
gericht aus folgender
Erwägung:-
Der Beklagte behauptet nicht, dass die verkauften
Waren zur Erfüllungszeit einen Markt-oder Börsenpreis
gehabt hätten und dass die Klägerin nur berechtigt wäre,
auf diesen Preis abzustellen (Art. 191 Abs. 3 OR). Er
wendet bloss ein, dass sie sich anderweitig hätte ein-
decken können
). Welchen Schluss er aus dieser Behaup-
tung ableiten will, ist nicht ganz klar. Meint er damit,
tlass die Klägerin, zur Wahrung ihrer Rechte, einen
Deckungskauf deswegen
hätte vornehmen müssen, weil
sie es
in ihren Schreiben vom 17. und 31. Januar androhte,
so befindet er sich im Irrtum; denn diese Anzeige kann
nicht als ein Verzicht darauf aufgefasst werden, die Ware
weiterzuverkaufen und den Schaden auf die Differenz
zwischen dem Ankaufs-
und dem Verkaufspreis einzu-
fordern. Will der Beklagte aber sagen, dass ein Deckungs-
kauf, wenn
er möglich ist, eine wesentliche Voraussetzung
des Schadenersatzanspruches wegen Nichterfüllung sei,
so befindet er sich mit der Rechtssprechung des Bundes-
gerichtes
in Widerspruch, die auch in neueren Entschei-
den eine allgemeine
Pflicht des Käufers, sich unter allen
Umständen einzudecken w,iederholt abgelehnt hat (AS:26
II S. 131, 139; 43 11 S. 180 u. S. 221 ff. Urteil vom
7. Dezember 1917 in Sachen Krayer gegen Zivy, Erw. 6 ).
Das Bundesgericht steht auf dem Standpunkt, dass der
Käufer, wenn er nicht gemäss Art. 191 Abs. 3 bei Markt-
oder Börsenpreis die
abstrakte Differenz einklagen will
oder kann, entweder die Differenz geltend machen kann,
zwischen dem Kaufpreis und einem eventuellen Deckungs-
preis (Art.
191 Abs. 2 OR), oder die Differenz zwischen
dem Kaufpreis und dem Preise, um welchen er die Ware
weiterverkauft hat (unbeschadet übrigens anderweitiger
Schadensbereclmung nach Art.
191 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 97). Stellt dCl' Käufer auf letztere Schadenersatz-
berechnung ab,
so steht allerdings dem auf Bezahlung des
Schadens belangten Verkäufer einrede weise der Einwand
zu, dass
durch einen Deckungskauf der Schaden hätte
yennieden oder vermindert werden können: der Gläu-
biger (Käufer) habe daher den seiner
Untätigkeit zuzu-
schreibenden Schaden ganz oder zum Teile an sich zu
tragen (siehe insbesondere das vorgenanllte
Urteil in
Sachen Krayer gagen ZivyErw. 6). Es leuchtet aber ein,
dass
zur Substanziierung dieser Einrede, deren Beweis
dem Verkäufer obliegt, nicht genügt, dem Käufer allge-
mein entgegenzuhalten, es sei ihm möglich gewesen einen
Deckungskauf vorzunehmen. Das
Argument ist erst dann
schlüssig und der Verkäufer ist nur dann seiner Behaup-
AS 43 II S. 784 n.
tungspflicht nachgekommen, wenn er geltend macht, dass
der Ersatzkauf um einen Preis und unter solchen Um-
ständen hätte erfolgen können, die den Schaden vermin-
dert oder abgewendet hätten, m. a. W., dass der Käufer
die Ware
um einen billigeren Preis hätte erwerben können
als
er sie weiterverkauft hat und so rechtzeitig, dass ihm
möglich gewesen wäre, den Weiterverkauf zu halten.
Im vorliegenden Falle hat sich der Beklagte mit der
allgemeinen Behauptung begnügt, dass die Klägerin sich
hätte eindecken können : ob und unter welchen Um-
ständen ein solcher Deckungskauf hätte erfolgen können
und zur Vermeidung oder Verminderung des Schadens
geeignet gewesen wäre,
hat der Beklagte nicht behauptet.
Die Einrede ist daher nicht genügend substanziiert; mit
Recht ist sie von der Vorinstanz abgewiesen worden.
Damit fällt auch der eventuelle Antrag des Beklagten auf
Rückweisung der Akten als gegenstandslos dahin.
11.
Arr6t de la Ire BeeUon eivUe du 1 er !Urs 1918
dans la cause ldarziano contre Kapital cantonal de Gebe.
Le contrat en vertu duquel un malade estre !u dans un etablisse-
ment officiel d'hospitalisation releve du droit ppbIic cantonal.
Francis Marziano est entre a l'Höpital cantonal de
Geneve le 14
aout 1913, atteint d'une affection pul-
monaire et presentant des signes d'infection generale-.
Son etat s'aggravant, on decida de lui faire un abces
de fIxation. Il a quitte l'höpitalle 5 mars 1915. Actuel-
lement la jambe gauche
est de 8 centimetres plus courte
que
la jambe droite et le genou est presque complete-
ment ankylose.
Pretendant que cet etat est une consequence du fait
qu'on a trop tarde ä ouvrir l'abces de fixation, Mar-
ziano a ouvertaction ä rHöpital cantonal de Geneve
en concluantau paiementd'uneindemnitede 35000 francs.
Obligationenrecht, Nc tt.
L'Höpital cantonal a conclu a liberation en contes-
tant sa legitimation passive ; il expose que sa respon-
sabilite ne saucait etre engagee du fait des pretendues
negligences commises
par le service medical, car l'höpital,
soit la Commission administrative qui en est l'organe,
n'a que des fonctions administratives et n'exercepas
de surveillance sur les medecins.
La Cour de Justice civile a, par arret du 28 septembre
1917, admis l'exception soulevee par la defenderesse
et deboute le demandeur de ses conclu ions. Cet arret
est motive comme suit:
D'apres l'article 55 CCS la personne morale est obligee
par les actes de ses organes. Les organes de l'Höpital
sont le directeur et la commission de surveillance ill-
stituee
par la loi du 21 llovembre 1900. Les medecins
ne sont pas l'un des organes de l'etablissement. Celui-ci
rec;oit les malades, assure leur entretien, mais n'a pas a
intervenir dans le traitement medical qui est dirige par
. des professeurs llommes par i'Etat. Si une faute est com-
mise
par les medecins traitants, ce sont euxseuls ou
l'Etat qui peuvent en etre rendus responsables. Les mede-
cins ne rentrent d'ailleurs pas dans la categorie des com-
. mis, employes et ouvriers mentionnes a rart. 55 CO;
ils ne sont pas les auxiliaires prevus a l'art. 101. Quant
a rart. 97 CO il n'est pas applicable, car s'i! y'a contrat
tacite entre l'Höpital et le malade, c'est seulement en
ce qui concerne l'entretien general, mais non les soins
medicaux.
Marziano a recouru en reforme au Tribunal federal
contre cet arret. n conc1ut a radjudication de ses con-
clusions
ou. au renvoi de la cause a l'instance cantonale
pour
statuer sur le fond.
Considerant en droit:
L'action intentee
a l'Höpital cantonal de Geneve a
un double fondement, le demandeur pretendallt, d'une
part, que l'Höpital a contrevenu a ses obligations con-