Direct federal appeal for domicile jurisdiction violations

BGE 29 I 32Federal Supreme Court Official Reports (BGE) / Band IFeb 5, 1903

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Omnilex summary

Schmidlin challenged an act of the Regierungsstatthalteramt Laufen in a guardianship-related matter, invoking the federal domicile forum. The Federal Court held that, just as under Art. 59 BV, an alleged violation of the federal rules governing domicile and guardianship jurisdiction may be raised directly by constitutional complaint without first exhausting the cantonal instance chain. The court reasoned that those federal provisions confer an individual right to be judged by the competent domicile authority and impose an ex officio duty to examine jurisdiction, so they warrant the same procedural treatment as Art. 59 BV.

Omnilex headnote

Art. 59 BV; Art. 46 Abs. 1 BV; direct constitutional complaint for alleged forum violation in guardianship matters; the exhaustion of cantonal remedies is not a prerequisite where the complaint asserts lack of domicile jurisdiction. The federal rules on the civil status of residents and sojourners, enacted in execution of Art. 46 Abs. 1 BV, determine for interstate guardianship the law and forum of the ward's domicile and confer an individual right to be heard by the competent authority. Like Art. 59 BV for personal actions, they delimit competence and oblige the authority to examine its jurisdiction ex officio. Alleged breaches may therefore be invoked directly before the Federal Court at any procedural stage (consid. 1).

Full text

  1. Auszug aus dem Urteil vom 5. Februar 1903 in Sachen Schmidlin gegen Regierungsstatt halteramt Laufen. Der Grundsatz, dass bei Verletzung des Art. 59 B.-V. eine Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges vor Ergreifung des staatsrecht lichen Rekurses nicht stattzufinden hat, ist auch anzuwenden, wenn Verletzung der Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend civil rechtliche Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter über den Wohnsitz, die Kompetenzen der Wohnsitzbehörden, u. s. w., behauptet wird. Die Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend die civilrecht lichen Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter statu ieren, in Ausführung des allgemeinen Grundsatzes in Art. 46 Al. 1 der B. V., daß für das Institut der Vormundschaft bei interkantonalen Verhältnissen Recht und Gerichtsstand des Wohn sitzes der zu bevormundenden Person zur Anwendung kommen. Sie verleihen dem einzelnen Bürger ein Individualrecht darauf, gegebenenfalls nach jenem Rechte und vor der dort zuständigen Behörde beurteilt zu werden, und entsprechen somit der Be stimmung des Art. 59 der B. V., welcher für Forderungsstreit sachen, sogenannte persönliche Ansprachen, ebenfalls den Gerichts stand des Wohnortes garantiert. Tatsächlich stellt das citierte Bundesgesetz in seinem Geltungsbereich für die Vormundschafts behörden genau dieselbe Kompetenzabgrenzung auf, wie Art. 59 der B. V. für die ordentlichen Civilgerichte, und macht jenen die Prüfung ihrer Zuständigkeit in gleicher Weise zur amtlichen Pflicht. In beiden Fällen bietet sich, als Voraussetzung des staatsrechtlichen Rekurses, die Einrede des mangelnden Domizils deren Entscheidung zu identischen Untersuchungen Anlaß gibt. Aus diesen Gründen aber erscheint eine analoge Behandlung der in Rede stehenden zwei Fälle des staatsrechtlichen Rekurses durch aus geboten. Da nun das Bundesgericht die in Art. 59 der B. V ausgesprochene Garantie stets dahin interpretiert hat, daß danach Beschwerden wegen jeder behaupteten Verletzung des fraglichen Gerichtsstandes, sogar wegen bloßer Vorladung vor das angeblich unzuständige Gericht, und zwar wegen Verletzung durch irgend welche kantonalen Gerichtsinstanzen direkt, ohne daß der kanto nale Instanzenzug zuerst erschöpft werden müßte, vor das Bun desgericht gebracht werden können (vergl. besonders Entscheide. des Bundesgerichtes, Amtl. Samml., Bd. XIV, Nr. 80; Bd. XVII, Nr. 58), so rechtfertigt es sich, diese weitgehende Aus legung auch auf die citierten Gesetzesbestimmungen anzuwenden und demnach auf Rekurse vorliegender Art in jedem Stadium des betreffenden Prozeßverfahrens materiell einzutreten.

Keywords

constitutional complaintdomicile jurisdictionguardianshipexhaustion of remediesforumcompetence

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Key legal question

Whether a claim that domicile-jurisdiction rules were violated requires exhaustion of cantonal remedies before filing a federal constitutional complaint.

Extracted holding

No. The complaint may be brought directly to the Federal Court without first exhausting the cantonal instance chain.

Extracted reasoning

The protection of Art. 59 BV has consistently been treated as allowing direct recourse for any alleged breach of the protected forum, including an allegedly incompetent summons. The federal rules on domicile and guardianship jurisdiction create the same kind of individual forum guarantee and impose an official duty on the authority to examine jurisdiction, so they must be treated analogously.

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