Extradition denied? No, extradition granted despite prescription objection

BGE 26 I 478Federal Supreme Court Official Reports (BGE) / Band IJan 22, 1892Granted

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Omnilex summary

Germany requested the extradition of Hans Dreger from Ticino to serve a prison sentence for fraud and embezzlement. Dreger opposed extradition, arguing that the sentence was time-barred, that he had been wrongly convicted, and that his mental condition prevented execution. The Federal Court held that it would not review guilt or execution capacity in extradition proceedings. It further held that Article 5 of the Swiss-German extradition treaty makes only the law of the requested state relevant for prescription, here Ticino law, under which the sentence was not time-barred. The extradition was therefore granted.

Omnilex headnote

Art. 5 of the Swiss-German extradition treaty; prescription in extradition proceedings: the Federal Court reviews neither the requested person's guilt nor objections relating to the executability of the foreign sentence on account of bodily or mental condition, as these questions belong to the enforcement authorities. For prescription, only the law of the requested state is decisive; the relevant law is that of the place of stay, not the ordinary domicile. Treaty wording cannot be reinterpreted in light of the extradition act so as to require cumulative prescription under both states' laws. If no treaty impediment exists, extradition must be granted (consid. 1-4).

Full text

  1. Urteil vom 15. November 1900 in Sachen Dreger. Stellung des Bundesgerichtes bei Auslieferungsbegehren fremder Staaten. Art. 5 des schweizerisch-deutschen Auslieferungsver trages. Verjährung. A. Mit Note vom 30. August 1900 hat die kaiserlich deutsche Gesandtschaft in Bern beim schweizerischen Bundesrat das Gesuch um Auslieferung des in Muralto bei Locarno, Kanton Tessin, sich befindenden Hans Dreger, Premierlieutenant a. D., aus Potsdam, gestellt, gestützt auf ein Urteil des kgl. Landgerichtes II zu Berlin, vom 22. Dezember 1894, durch welches Dreger wegen Betruges in ideellem Zusammentreffen mit Unterschlagung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden ist. B. Der Requirierte der verhaftet, dann aber wegen in zwischen eingetretener Geistesstörung provisorisch wieder freigelassen worden war widersetzt sich der Auslieferung, indem er geltend macht: Die Strafe sei sowohl nach den Gesetzen des requirieren den, wie nach denjenigen des requirierten Staates verjährt; so dann, er sei unschuldig verurteilt worden; endlich, die Strafe dürfe wegen Geisteskrankheit des Requirierten nicht vollstreckt werden. C. Die schweizerische Bundesanwaltschaft gelangt in ihrem Gutachten zu dem Schlusse, die nachgesuchte Auslieferung sei zu bewilligen. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
  2. Vorerst ist zu bemerken, daß sich das Bundesgericht, nach seiner feststehenden Praxis in Auslieferungssachen, mit der Frage der Schuld des Requirierten in keiner Weise zu befassen hat; die darauf bezüglichen Ausführungen des Requirierten sind daher nicht zu berücksichtigen.
  3. Sodann unterliegt auch die weitere Frage, ob die Strafe wegen des körperlichen und geistigen Zustandes des Requirierten nicht vollstreckt werden dürfte, nicht der Überprüfung des Bundes gerichtes; dieses hat vielmehr die Auslieferung ohne Rücksicht hierauf zu bewilligen, sofern ihr nicht im Auslieferungsvertrage festgesetzte Hindernisse entgegenstehen, und Sache der Vollstreckungs behörden ist es alsdann, zu entscheiden, ob die Strafe wegen der erwähnten Gründe nicht zu vollziehen sei.
  4. Zu prüfen ist daher nur noch die weitere Einwendung des Requirierten, die Strafe sei verjährt. In dieser Beziehung kann der Ansicht der Bundesanwaltschaft, die Verjährung dürfe weder nach dem Gesetz des requirierten, noch nach demjenigen des requirierenden Staates eingetreten sein, nicht beigestimmt wer werden. Das Gegenteil, nämlich, daß es nur darauf ankommt, ob die Verjährung nach dem Gesetze des ersuchten Staates ein getreten sei, geht aus Art. 5 des schweizerisch deutschen Aus lieferungsvertrages klar hervor, und es geht gewiß nicht an, diese unzweideutige Vertragsbestimmung mit Rücksicht auf das Aus lieferungsgesetz vom 22. Januar 1892 nun anders auszulegen. (Vgl. übrigens auch Entsch. des Bundesgerichtes vom 8. Sep tember 1892 in Sachen Grüter, Amtl. Samml., Bd. XVIII, S. 497 f. Erw. 2.) Dagegen ist richtig, daß nach dem erwähn ten Vertrage das Gesetz des Aufenthaltsortes, nicht dasjenige des ordentlichen Wohnortes des Requirierten, für jene Frage maß gebend ist. Aufenthaltsort ist nun vorliegend Muralto bei Locarno,

480 A. Staatsrechtl. Entscheidungen. IV. Abschnitt. 2. Internat. Konventionen. und die Frage der Verjährung ist daher nach tessinischem Gesetz zu prüfen. Hienach ergibt sich aber, daß die erkannte Strafe nicht verjährt ist, da die Verjährungsfrist zehn Jahre beträgt. 4. Da die vom Requirierten geltend gemachten Einsprachs gründe nicht stichhaltig sind und auch sonstige Gründe der Aus lieferung nicht entgegenstehen, ist diese zu bewilligen. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Die nachgesuchte Auslieferung des H. Dreger aus Potsdam wird bewilligt.

Keywords

extraditionprescriptiontreaty interpretationmental incapacityforeign judgmentplace of stay

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Key legal question

Whether the Federal Court may examine the requested person's guilt in extradition proceedings

Extracted holding

No. The Court does not examine guilt in extradition matters.

Extracted reasoning

Under settled practice, guilt is outside the scope of judicial review in extradition proceedings.

Key legal question

Whether the requested person's mental or physical condition bars extradition because the sentence may not be executed

Extracted holding

No. Such objections do not prevent extradition; execution authorities must decide later whether the sentence can be served.

Extracted reasoning

The Federal Court only verifies treaty-based extradition impediments and leaves questions of executability to the enforcement authorities.

Key legal question

Whether the sentence is time-barred under Article 5 of the Swiss-German extradition treaty

Extracted holding

Only prescription under the law of the requested state matters; applying Ticino law, the sentence was not time-barred because the limitation period is ten years.

Extracted reasoning

Article 5 clearly makes the law of the requested state decisive, specifically the law of the place of stay rather than the domicile; here Muralto/Ticino law governs and the sentence remains enforceable.

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