Complaint time-barred despite local incompetence of debt collection office

BGE 22 I 646Federal Supreme Court Official Reports (BGE) / Band IOct 29, 1895Dismissed

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Omnilex summary

Lukas Joos challenged several acts of the Schams debt collection office in an enforcement initiated by the municipality of Avers. The cantonal supervisory authority dismissed the complaint as late. The Federal Debt and Bankruptcy Chamber held that the ten-day complaint period for the sale and accounting began when Joos was duly enabled to learn of the result, even though he refused to accept the registered mail. It further held that actions of a locally incompetent officer are not void but merely challengeable within the ordinary complaint period, and that the alleged failures were not denials of justice but substantive enforcement errors requiring timely separate complaints. The appeal was dismissed.

Omnilex headnote

Local incompetence of a debt collection office does not render its acts absolutely void; such acts are merely voidable by complaint within the ordinary time limit, for reasons of legal certainty. Art. 17 SchKG-based complaints must be filed within ten days from the moment the debtor is duly placed in a position to take notice of the challenged measure or its result; refusal to accept registered mail does not prevent the period from running. A denial of justice is not constituted where the office has acted by positive, albeit allegedly unlawful, enforcement measures; in such cases the grievance concerns substantive illegality and must be raised against each individual act within the complaint period.

Full text

  1. Entscheid vom 14. April 1896 in Sachen Joos. Lukas Joos führte am 29. Oktober 1895 bei der kantonalen Aufsichtsbehörde gegen das Betreibungsamt Schams Beschwerde wegen verschiedener Gesetzwidrigkeiten, deren sich das genannte Betreibungsamt in einer auf Begehren der Gemeinde Avers gegen ihn durchgeführten Betreibung soll schuldig gemacht haben. Nun war letztere bereits im Februar 1895 eingeleitet worden, im Juni und Juli hatten Pfändungen und am 13. Oktober hatte die Ver wertung stattgefunden; am 16. Oktober endlich war dem Rekur renten das Verwertungsprotokoll mit chargiertem Brief zugestellt worden; desgleichen ein zu seinen Gunsten sich ergebender Saldo. Freilich hatte der Adressat diese Sendungen nicht angenommen. Nichtsdestoweniger hat die kantonale Aufsichtsbehörde die erst am
  2. Oktober eingereichte Beschwerde des Joos wegen Verspätung abgewiesen. Bezüglich der vor die Verwertung fallenden Verhand lungen des Betreibungsamtes Schams leuchtet die Richtigkeit dieses Entscheides ohne weiteres ein, und was die Verwertung und die daran sich schließende Abrechnung betrifft, so hat die Vorinstanz ebenfalls mit Recht angenommen, daß die zehntägige Beschwerde frist mit dem Zeitpunkt zu laufen begonnen habe, da Joos durch das Betreibungsamt Schams ordnungsmäßig in die Lage versetzt war, von dem Resultat der Verwertung und Abrechnung Kenntnis zu nehmen. Der Rekurrent wendet nun aber ein, von einer Fristversäum nis könne hier deshalb keine Rede sein, weil das Betreibungsamt Schams in Sachen überhaupt nicht zuständig gewesen sei. Allein dem ist entgegenzuhalten, daß die von einem örtlich unzuständigen Beamten vorgenommenen Handlungen aus Gründen der Rechts sicherheit nicht als absolut nichtig betrachtet werden können, son dern bloß innerhalb der gewöhnlichen Beschwerdefrist anfechtbar sind (vrgl. Entscheid des Bundesrates i. S. Moser, Archiv. Band II, Nr. 70), so daß dieser Einwand dahinfällt. Ferner macht der Rekurrent geltend, das Betreibungsamt Schams habe sich verschiedener Rechtsverweigerungen schuldig ge macht; es habe verschiedenen Begehren, die er gestellt, nicht entsprochen, so betreffend Pfändung eines Depositums beim Kreis amte, betreffend Nichtpfändung von Gegenständen, die als den Söhnen des Schuldners gehörend bezeichnet worden seien, bezw. betreffend Unterlassung der Anmerkung dieser Drittansprache in der Pfändungsurkunde. Hiegegen aber könne jederzeit Beschwerde geführt werden. In Wahrheit bildete nun aber nicht die Nicht beachtung von Begehren des Rekurrenten den Grund zur Be schwerde, sondern vielmehr die Vornahme von Betreibungsvor kehren, die das Betreibungsamt, allerdings gegen den Wunsch

des Schuldners, ausgeführt hatte. Die Nichtberücksichtigung der Begehren des Schuldners hatte überall einen positiven Ausdruck in einer denselben nicht entsprechenden Verfügung des Betreibungs beamten gefunden. In solchen Fällen aber kann von einer Rechts verweigerung, d. h. einer formellen Verweigerung der Rechts hülfe, die der Betreibungsbeamte zu gewähren verpflichtet ist, nicht die Rede sein, sondern höchstens von einer Rechtsverletzung durch materiell unrichtiges Vorgehen, wogegen aber innert zehn Tagen von jeder einzelnen Verfügung an hätte Beschwerde geführt werden sollen. Auch dieser zweite Einwand erweist sich somit als unstichhaltig. Aus diesen Gründen hat die Schuldbetreibungs und Konkurs kammer erkannt: Der Rekurs ist abgewiesen.

Keywords

debt enforcementcomplaint periodlegal certaintynullitylocal competencedenial of justicesale proceedsservice by registered mail

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint against the enforcement measures was filed within the ten-day time limit

Extracted holding

The complaint was late because the time limit began when Joos was duly placed in a position to learn of the sale result and accounting, regardless of his refusal to accept the registered mail.

Extracted reasoning

For the sale and subsequent accounting, the supervisory authority correctly held that the complaint period started once the debtor had been properly enabled to take notice of the result. The complaint filed on 29 October 1895 was therefore out of time.

Key legal question

Whether the alleged local incompetence of the debt collection office made its acts void and thus exempt from the complaint period

Extracted holding

No; acts performed by a locally incompetent officer are not absolutely void for reasons of legal certainty, but only challengeable within the ordinary complaint period.

Extracted reasoning

The court relied on prior case law and held that lack of local competence does not render the acts null. The objection therefore failed.

Key legal question

Whether the office's refusal to grant the debtor's requests amounted to a denial of justice

Extracted holding

No; the complaint concerned not a formal refusal of justice, but allegedly incorrect substantive enforcement steps, each of which had to be challenged separately within ten days.

Extracted reasoning

A denial of justice exists only where the officer formally refuses legal assistance. Here, the debtor's requests were negatively reflected in concrete enforcement measures, which constituted substantive violations rather than denial of justice.

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