Procedure in child and adult protection liability cases under Art. 454 ZGB

XBE.2020.6Civil Court / Child and Adult Protection ChamberMar 4, 2020Modified

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The Obergericht held that, in a liability case under Art. 454 ZGB, the first-instance Family Court must hear the allegedly responsible person and follow the prescribed administrative reporting steps. If the alleged wrongdoer is a professional guardian, the municipality as employer must also be informed. The appellate court considered the matter insufficiently clarified in essential respects and upheld the appeal, remitting the case to the Family Court for a complete procedure with the required participation and a new decision.

Omnilex headnote

Art. 454 ZGB; procedure in liability cases under child and adult protection law with simplified conciliation: where an irreversible, liquid financial damage is sufficiently established, the allegedly damaging person must be granted the right to be heard. A period for direct settlement may be set, but this does not belong in the operative part of the decision. If the allegedly responsible person is a professional guardian, the competent court must immediately inform both that person and the employer municipality of the damage and any possible recourse. Where the damage is clearly proven and unpaid, the matter must be reported to the judicial administration together with the prescribed documentation; otherwise the damages issue remains to be examined in later recourse proceedings.

Full text

2020 Familienrecht 475 Klagefrist nach Art. 260c Abs. 3 ZGB vorliegt, nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Damit ist die Abweisung einer (nicht vom Kind erhobenen) Klage auf Anfechtung der Anerkennung der Vaterschaft ohne jedweden Einbezug des Kindes auf beklagtischer Seite, wie sie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid vorgenommen hat, nicht angängig. Zu ergänzen bleibt, dass die Wahrung der Interessen des minderjährigen Kindes, solange es – wie die Beklagte 2 im Alter von fünf Jahren – noch nicht urteilsfähig (vgl. 16 ZGB) ist, nicht dem gesetzlichen Vertreter überlassen werden kann. Vielmehr ist ihm wegen möglicher Interessenkollision des gesetzlichen Vertreters ein Beistand zu bestellen (SCHWENZER/ COTTIER, Basler Kommentar, 6. Aufl., 2018, N. 9 zu Art. 260a ZGB und N. 11 zu Art. 256 ZGB; HEGNAUER, a.a.O., N. 91 zu Art. 256 ZGB und N. 112 zu Art. 260a ZGB). Darauf weist die Klägerin in ihrer Berufung (S. 6 unten) zu Recht hin. Im Lichte der vorstehenden Darlegungen erweist sich die vorliegende Streitsache als in wesentlichen Teilen nicht abgeklärt, weshalb die Berufung im Sinne des Eventualantrags gutzuheissen und die Sache zur Durchführung eines vollständigen Verfahrens unter Einbezug der beklagten Parteien (die Beklagte 2 unter Bestellung eines Beistands) und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.

54 Art. 454 ZGB; Vorgehen bei Haftungsfällen im Kindes- und Erwachsenenschutz mit vereinfachtem Ablauf im Schlichtungsverfahren Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz, vom 4. März 2020, i.S. Gemeinde X (XBE.2020.6)

476 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2020 Aus den Erwägungen 2.3 Gemäss dem den Familiengerichten vorliegenden Kreisschreiben für Haftungsfälle im Kindes- und Erwachsenenschutz mit vereinfachtem Ablauf im Schlichtungsverfahren (Stand: 22. Februar 2019) hat das Familiengericht für den Fall, dass im Rahmen einer Berichtsprüfung ein irreversibler, liquider finanzieller Schaden im Sinne von Art. 454 ZGB eingetreten ist, der mutmasslich schadenverursachenden Person das rechtliche Gehör zu gewähren. Das Familiengericht kann der mutmasslich schadenverursachenden Person Frist zur direkten Schadenerledigung ansetzen, dies hat jedoch nicht im Dispositiv des Prüfungsentscheides zu erfolgen. Ist die mutmasslich schadensverursachende Person eine Berufsbeiständin, hat das Familiengericht nicht nur sie, sondern auch das betroffene Gemeinwesen (Arbeitgeberin) sofort über den Schaden sowie einen allfälligen Regress zu informieren. Ist der Schaden eindeutig, klar und bestimmbar ausgewiesen, und wurde der Schaden nicht bereits beglichen, ist dieser mit folgenden Dokumenten der Justizleitung zu melden:

  • Schreiben an das Generalsekretariat der Gerichte Kanton Aargau unter Angabe der notwendigen Daten und einer kurzen Zusammenfassung der Schadensursache
  • Prüfungsentscheid mit Rechtskraftvermerk
  • Revisionsbericht
  • Im Rahmen des rechtlichen Gehörs eingegangene Stellungnahmen Soweit nicht bereits erfolgt, wird das Familiengericht Y. auf diese Weise vorzugehen haben. Die Gemeinde X. wird sich sodann in einem allfälligen Regressverfahren dagegen wehren können, für den mutmasslichen Schaden in Anspruch genommen zu werden.

55 Art. 411 Abs. 1 ZGB; Abs. 415 Abs. 2 ZGB; Art. 313 Abs. 1 ZGB

Keywords

liabilitychild and adult protectionright to be heardguardianremanddamage reporting

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether, in a liability case under Art. 454 ZGB, the first-instance court had to hear the allegedly damaging person and follow the prescribed reporting steps.

Extracted holding

The first-instance court had to grant the allegedly damaging person a hearing and, if the damage is clear and unpaid, forward the file to the judicial administration in the prescribed form; the measure should not be set out in the operative part.

Extracted reasoning

Under the internal circular on simplified conciliation in child and adult protection liability cases, the court must ensure the right to be heard, may set a period for direct settlement outside the operative part, and must immediately inform the employer municipality if the responsible person is a professional guardian. Once damage is clearly established and remains unpaid, the matter must be reported to the court administration with the specified documents.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.