Further extension of removal detention after long document delays

WPR.2014.156Administrative Court / Chamber 2Sep 29, 2014

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Omnilex summary

The decision concerns the detention regime for an Algerian or Tunisian foreign national whose replacement travel documents had been delayed for a long time. The court held that, in such cases, once roughly five to six months have passed since the first identification inquiry, further extension of removal detention is no longer permissible because enforcement prospects are missing. The authorities must then examine enforcement detention, possibly as an alternative. The court also stated that extending enforcement detention may still be proportionate even if the likelihood of voluntary departure is very low.

Omnilex headnote

Removal detention under the Foreign Nationals Act; enforcement prospects and document procurement delays for Algerian/Tunisian nationals. If replacement travel documents cannot be obtained within the maximum detention period and the identification process has already lasted for roughly five to six months without the detainee's cooperation, the requisite prospect of removal is generally lacking and further extension of removal detention is impermissible (consid. 6). In such a constellation, the competent authority must examine enforcement detention, which may be ordered alternatively or subsidiarily. By contrast, extension of enforcement detention may remain proportionate even where the probability of inducing voluntary departure is minimal (consid. 5).

Full text

122 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2014

18 Ausschaffungshaft; Haftverlängerung; Vollzugsperspektiven; Anordnung einer Durchsetzungshaft Dauert die Beschaffung von Ersatzreisepapieren für algerische und tunesische Staatsangehörige länger als sechs Monate, ist grundsätzlich nicht mehr davon auszugehen, dass ohne Mitwirkung des Betroffenen die Reisepapiere innert der maximal zulässigen Haftdauer erhältlich gemacht werden können. In derart gelagerten Fällen ist eine weitere Verlängerung der Ausschaffungshaft unzulässig, weshalb die Anordnung einer Durchsetzungshaft zu prüfen ist (Erw. 6.). Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 29. September 2014 in Sachen Amt für Migration und Integration gegen A. (WPR.2014.156). Aus den Erwägungen

6.

Mit Blick auf die Frage, ob Anzeichen vorhanden sind, die an der Ausschaffungsmöglichkeit in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen würden, ist Folgendes anzumerken. Bislang führte das Verwaltungsgericht aus, der Umstand, dass ein Betroffener nach über sechs Monaten noch immer über keine Reisepapiere verfüge, bedeute nicht, dass von einer fehlenden Vollzugsperspektive ausgegangen werden müsse. Solange die algerischen Behörden nicht mitteilen würden, die algerische Staatsangehörigkeit könne nicht bestätigt werden bzw. solange nicht aus anderen Gründen auf eine fehlende Vollzugsperspektive geschlossen werden müsse, sei weiterhin davon auszugehen, dass der Betroffene in absehbarer Zeit, d. h. innert der maximal zulässigen Haftdauer, nach Algerien ausgeschafft werden könne. Mit Blick auf die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. Urteil vom 29. September 2014 [2C_787/2014]) ist bezüglich Algerien und Tunesien an dieser Auffassung nicht länger festzuhalten. Im zitierten Entscheid hielt das Bundesgericht fest, es liege mit Bezug auf die Haftdauer und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgrei-

2014 Migrationsrecht 123

chen Papierbeschaffung hinsichtlich der Haftdauer ein Verstoss gegen das Übermassverbot vor. Mit anderen Worten erachtet das Bundesgericht in Fällen, in denen sich die Papierbeschaffung lange hinzieht, eine längere Inhaftierung für unverhältnismässig. Für die Anordnung und Verlängerung von Ausschaffungshaft von tunesischen und algerischen Staatsangehörigen bedeutet dies Folgendes: Wurde eine Identifizierungsanfrage wie im vorliegenden Fall bereits mehr als zwei Monate vor der Inhaftierung übermittelt und wurde die Heimatvertretung nach der Inhaftierung über die Ausschaffungshaft und das ausstehende Laissez-passer orientiert, ist nach Ablauf von weiteren rund drei Monaten davon auszugehen, dass die Identifizierung mit den bestehenden Angaben des Betroffenen nicht erfolgen kann und deshalb keine Vollzugsperspektive mehr besteht. Eine weitere Verlängerung der Ausschaffungshaft ist in derart gelagerten Fällen unzulässig. Gleiches gilt, wenn die Identifizierungsanfrage nach Inhaftierung eines Betroffenen übermittelt und das ausstehende Laissez-passer nach drei Monaten moniert wird. In diesen Fällen ist fünf bis sechs Monate nach der ersten Anfrage davon auszugehen, dass mit den bestehenden Angaben des Betroffenen keine Identifizierungsmöglichkeit besteht. Den zuständigen Behörden bleibt es diesfalls überlassen, die Anordnung einer Durchsetzungshaft zu prüfen, bzw. im Zweifelsfall neben der Verlängerung der Ausschaffungshaft eventualiter eine Durchsetzungshaft anzuordnen. (...)

19 Durchsetzungshaft; Haftverlängerung; Verhältnismässigkeit Die Verlängerung einer Durchsetzungshaft ist auch dann verhältnismässig, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Inhaftierter zu einer freiwilligen Ausreise bewegt werden kann, als minimal bezeichnet werden muss (Erw. 5.).

Keywords

removal detentionenforcement prospectstravel documentsproportionalityAlgeriaTunisiaenforcement detention

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether removal detention may still be extended when replacement travel documents for an Algerian or Tunisian national have not been obtained for more than six months.

Extracted holding

As a rule, once document procurement has lasted more than about six months without the detainee's cooperation, it can no longer be assumed that travel documents will be obtained within the maximum detention period; further extension of removal detention is then impermissible.

Extracted reasoning

In light of recent Federal Supreme Court case law, prolonged paper procurement for Algerian and Tunisian nationals usually indicates that identification with the existing information will not succeed within the lawful detention period, so the enforcement prospectiveness required for removal detention is lacking.

Key legal question

Whether, in such cases, the authorities must consider ordering enforcement detention instead of extending removal detention.

Extracted holding

Where removal detention can no longer be extended for lack of enforcement prospects, the authorities must examine enforcement detention; in case of doubt they may order it alternatively.

Extracted reasoning

The court stated that once the probable lack of identification becomes apparent after several months, the proper procedural response is to review enforcement detention rather than prolong removal detention.

Key legal question

Whether extending enforcement detention remains proportionate even if voluntary departure appears highly unlikely.

Extracted holding

Yes. Extension of enforcement detention can remain proportionate even where the likelihood of inducing voluntary departure is minimal.

Extracted reasoning

The court expressly held that the low probability of voluntary departure does not by itself make the extension of enforcement detention disproportionate.

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