Attorney breached duties by forwarding private letters via privileged mail

AVV.2016.25Other Court / Bar ChamberFeb 13, 2017

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Omnilex summary

The Anwaltskommission held that an attorney seriously breached his professional duties by repeatedly forwarding private letters through attorney mail to an in-custody client, thereby preventing prior control by the proceedings authority. The fact that the letters were harmless and had been checked by the lawyer himself did not justify the method used; rather, the misuse of the special protections attached to attorney correspondence was decisive. The commission stressed the serious damage to the profession's reputation and public trust.

Omnilex headnote

Art. 12 lit. a BGFA; use of attorney correspondence for private letters to or from a detainee; grave breach of professional duty. An attorney may not exploit the privileged status of attorney mail to circumvent the control of the proceedings authority, even where the correspondence appears harmless and has been checked by the lawyer himself. The decisive point is that the assessment whether correspondence may pass without official review is reserved to the competent authority, not the defender. Repeated misuse of this privilege constitutes at least gross negligence, possibly eventual intent, and is to be qualified as a serious violation of the duty to act carefully and conscientiously (consid. 3.3, 4.3).

Full text

2017 Anwaltsrecht 343 I. Anwaltsrecht

72 Art. 12 lit. a BGFA Gravierende Verletzung der Berufspflichten, wenn ein Anwalt über die Anwaltspost private Briefe von seinem inhaftierten Klienten oder an seinen inhaftierten Klienten weiterleitet Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 13. Februar 2017 i.S. Aufsichtsanzeige (AVV.2016.25). Aus den Erwägungen

3.

3.1. - 3.2. (...) 3.3. Indem der beanzeigte Anwalt seinem Klienten, der sich in Untersuchungshaft befand, über die Anwaltspost mehrfach private Briefe von Dritten weiterleitete und diesem auch solche zukommen liess, ohne dass die Verfahrensleitung die entsprechenden Schreiben vorgängig hätte kontrollieren können, verletzte er seine Berufspflichten gemäss Art. 12 lit. a BGFA. Dem Umstand, dass es sich bei den entsprechenden Schreiben um solche mit harmlosen Inhalt handelte und diese "vor der Postkontrolle standgehalten" hätten (Stellungnahme vom ...), gilt es bei der konkreten Sanktionierung zu berücksichtigen (vgl. nachfolgend, Ziff. 4.3). (...)

4.

4.1. - 4.2. (...) 4.3. In Anbetracht des Umstandes, dass der beanzeigte Anwalt gemäss eigenen Angaben die Briefe selber kontrolliert hat, ist davon auszugehen, dass er diese bewusst über die Anwaltspost weitergeleitet hat. Damit verletzte er zumindest grobfahrlässig – wenn nicht sogar eventualvorsätzlich – die Pflicht der Anwältinnen und Anwälte

344 Anwaltskommission 2017 nach Art. 12 lit. a BGFA, ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben. Der beanzeigte Anwalt hat in gravierender Weise gegen die Berufsregeln gemäss Art. 12 lit. a BGFA verstossen. Wie der beanzeigte Anwalt in seiner Stellungnahme gerade selber ausführt, darf Anwaltspost grundsätzlich nicht durch die Staatsanwaltschaft kontrolliert werden. Indem der beanzeigte Rechtsanwalt diese besonderen Privilegien eines Verteidigers missbraucht hat, hat er dem Ansehen des Anwaltsstandes und dem Vertrauen, welches diesem entgegengebracht wird, massiv geschadet. (...) Der Umstand, dass es sich bei den fraglichen Briefen offenbar allesamt um harmlose Schreiben handelte und der beanzeigte Rechtsanwalt sich dessen auch versicherte, kann leicht zugunsten des beanzeigten Anwalts berücksichtigt werden. Festzuhalten gilt aber, dass es niemals am Verteidiger liegen kann, die entsprechende Einschätzung vorzunehmen: dies verkennt der beanzeigte, an sich berufserfahrende Anwalt noch heute (...), was zu seinen Lasten zu berücksichtigen ist. (...)

73 Art. 12 lit. d BGFA Gemäss Art. 12 lit. d BGFA können Anwältinnen und Anwälte Werbung machen, solange diese objektiv bleibt und solange sie dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 24. April 2017 i.S. Aufsichtsanzeige (AVV.2016.42). Aus den Erwägungen

Keywords

disciplinary lawprofessional ethicsattorney-client mailpre-trial detentionconfidential correspondencecareful practice

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Key legal question

Whether forwarding private letters via attorney mail to a pre-trial detainee violates Art. 12 lit. a BGFA

Extracted holding

Yes. Repeatedly using attorney mail to transmit private correspondence to and from a detainee, without prior control by the proceedings authority, breaches the duty to act carefully and conscientiously under Art. 12 lit. a BGFA.

Extracted reasoning

The court considered the conduct a serious breach because the attorney deliberately used the special protection of attorney correspondence. Even if the letters were harmless and had been checked by the attorney himself, it was not for the lawyer to decide whether such correspondence could bypass official control; this seriously damaged the profession's reputation and public trust.

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