LVwG T LVwG-2014/37/0037-4

LVwG-2014/37/0037-4State Administrative CourtMar 26, 2014

Regest

Feststellung von Gemeindegut; (atypisches) Gemeindegut, Abänderung des Regulierungsplans, Verwaltungssatzung, Satzung, Neuerlassung

Full text

Landesverwaltungsgericht Tirol LVwG-2014/37/0037-4

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 26.03.2014
  • ECLI: ECLI:AT:LVWGTI:2014:LVwG.2014.37.0037.4

Begründung

IM NAMEN DER REPUBLIK

Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat durch seinen Richter Dr. Wolfgang Hirn über die Beschwerden der/des 1. Agrargemeinschaft X, vertreten durch Obmann D N, 2. DI D N, 3. F A, 4. D A (Rechtsnachfolgerin der M A), 5. J A (Rechtsnachfolger der M A), 6. E B, 7. C C, 8. N D, 9. E E, 10. F F, 11. R F, 12. A G, 13. I G, 14. A H, 15. J J, 16. R J, 17. R K, 18. M K, 19. M K, 20. E L, 21. N L, 22. T L, 23. E M, 24. E M, 25. B M (Rechtsnachfolger des O M), 26. S M, 27. H N, 28. A N, 29. B N, 30. F N, 31. J N, 32. A P, 33. A P, 34. W P, 35. M P, 36. A P, 37. E P, 38. I P, 39. B P, 40. J P, 41. R P, 42. M R, 43. F R, 44. G R, 45. J S, 46. R S, 47. H S, 48. H S (Rechtsnachfolger des H S), 49. J S, 50. F S, 51. F S, 52. H S, 53. J S, 54. M S, 55. M S, 56. W S, 57. M S, 58. A S, 59. S S, 60. W S, 61. F S, 62. M S, 63. R T, 64. D W, 65. E W, 66. M W, 67. G W, 68. S W, 69. E W, alle in X, 70. M K in M (S), 71. M B in G (S), 72. C G in W (Rechtsnachfolgerin des H G), 73. M G in W (Rechtsnachfolger des H G), 74. N P in B, 75. A V in S, 76. A W in F, 77. M W in F, 78. N W in Z, und 79. XY Bau GesmbH in L, alle vertreten durch Univ. Doz. Dr. B O, Rechtsanwalt in 6020 Innsbruck, gegen den Bescheid des Amtes der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz vom 17.12.2012, Zl AGM-*/-2012, nach Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung

zu Recht erkannt:

1. Gemäß § 28 Abs 1 VwGVG werden die Beschwerden mit der Maßgabe als unbegründet abgewiesen, als

1.1. Spruchpunkt I. ersatzlos behoben wird und

1.2. Spruchpunkt II. dahingehend abgeändert wird, als lit c des Punktes II. („Nutzungen und Ertrag“) der Haupturkunde wie folgt zu lauten hat:

„c.die Substanznutzung im Sinne des § 33 Abs 5 TFLG 1996 an den Grundstücken des Gemeindegutes, das sind die Grundstücke Nr 225/1, 1391/1, 1391/2, 1391/3, 1391/4, 1391/5, 1391/6, 1391/7, 1392/1, 1392/2, 1393, 1395, 1396, 1397 und 1398 in EZ *** GB ***** X, 363, 935/1, 948/1, 948/2, 948/6, 948/7, 948/8, 948/11, 948/12, 948/15, 1399/1, 1399/2, 1402, 1403/1, 1403/2, 1404, 1405/2, 1405/3, 1891/1, 1891/2 und 1891/5 in EZ *** GB ***** X, 1408 in EZ *** GB ***** X, 1788, 1789, 1792 und 1794 in EZ *** GB ***** X, 6866/1, 6866/3, 6882/1, 6882/2, 6882/5, 6907, 6908, 6909, 6910/1, 6910/2, 7721/1, 7721/2, 7721/3, 7722, 7723/1, 7723/2, 7724/1, 7724/2, 7724/3, 7724/4, 7729 und .1237 in EZ *** GB ***** L, 2563/1, 2563/2 und 2563/14 in EZ *** GB ***** S, 716/8, 716/9, 716/10, 716/11, 716/12, 716/13, 725/2, 726/1, 727/2, 728/1, 729, 746, 747, 749/1, 749/2, 750/1, .174 und .209 in EZ ** GB ***** K, 887, 889, 894, 899, 933, 935, 938, 939 und .210 in EZ ** GB ***** K. Die Substanznutzungen stehen der Gemeinde X zu. Sie hat in diesem Ausmaß auch die Lasten des Regulierungsgebietes zu tragen.

2. Gegen dieses Erkenntnis ist gemäß § 25a Abs 1 VwGG eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art 133 Abs 4 B-VG unzulässig

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Gegen diese Entscheidung kann binnen sechs Wochen ab der Zustellung Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, Freyung 8, 1010 Wien, oder eine außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof, Judenplatz 11, 1010 Wien, erhoben werden. Die Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof ist direkt bei diesem, die außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist beim Landesverwaltungsgericht einzubringen.

Die Beschwerde bzw die Revision ist durch einen bevollmächtigten Rechtsanwalt bzw eine bevollmächtigte Rechtsanwältin einzubringen und es ist eine Eingabegebühr von Euro 240,00 zu entrichten.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

I.Verfahrensablauf:

1. Historisches Regulierungsverfahren:

Mit Bescheid vom 25.11.1974, Zl IIIb1-****/98, erließ das Amt der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz den Regulierungsplan für die Agrargemeinschaft X, bestehend aus der Haupturkunde, dem Wirtschaftsplan und den Verwaltungssatzungen.

Auf der Grundlage des Regulierungsplanes haben das Bezirksgericht R mit Beschluss vom 06.07.1975, Zl **** in den Einlagezahlen ** II und ** II, GB ***** K, und das Bezirksgericht Y mit Beschluss vom 20.07.1975, Zl ***/75, in den EZ *** II, *** II, *** II, *** II, *** II, alle GB ***** X, in der EZ *** II, GB ***** S, und der EZ *** II, GB ***** L, das Eigentum der Agrargemeinschaft X einverleibt.

Mit Bescheid vom 10.09.1975, Zl IIIb1-*** R/*, hat das Amt der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz den Regulierungsplan für das Gemeindegut X vom 25.11.1974, Zl IIIb1-**/98, dahingehend ergänzt, dass für die Weideausübung im Regulierungsgebiet bestimmte Weide- (Alp-)Anteile festgestellt wurden. Mit Beschluss vom 03.10.1978, Zl ****/78, hat das Bezirksgericht Y im B-Blatt der EZl *** II GB ***** X, bei den einzelnen, an der Agrargemeinschaft X anteilsberechtigten Liegenschaften näher definierte Weideanteile ersichtlich gemacht.

Mit den Bescheiden vom 02.12.1982, Zl IIIb1 – *** R/, vom 30.05.1983, Zl IIIb1 R/, vom 14.10.1987, Zl IIIb1-R/, vom 10.05.1988, Zl IIIb1-/ R/**, vom 7.11.1988, Z IIIb1–R/, vom 24.07.1989, Zl IIIb1-R/, vom 29.11.1989, Zl IIIb1-R/, vom 30.11.1990, Zl IIIb1-R/, ***und ***, vom 17.06.1993, Zl IIIb1-R/, vom 19.11.1993, Zl IIIb1-R/, vom 20.03.1995, Zl IIIb1-R/, vom 30.09.1996, Zl IIIb1-R/, vom 29.11.2000, Zl IIIb1R /-2000, vom 21.10.2003, Zl IIIb1-R/-2003, und vom 28.04.2008, Zl IIIb1-R/-2008, hat das Amt der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz Feststellungen zu Anteilsrechten getroffen (Absonderung , Löschung etc) und (teilweise) den Anhang I zum Regulierungsplan für die Agrargemeinschaft X idF vom 10.09.1975, Zl IIIb1-R/, abgeändert. Die entsprechenden Eintragungen verfügte das jeweils zuständige Bezirksgericht.

2. Feststellungsverfahren nach § 73 lit d TFLG 1996:

Auf der Grundlage des Antrages der Gemeinde X vom 02.10.2009 hat das Amt der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz mit Bescheid vom 15.09.2010, Zl AgrBR /-2010, festgestellt, dass das ursprüngliche Regulierungsgebiet der Agrargemeinschaft X unter Anführung genau bezeichneter Grundstücke in der EZ *** und der EZ ***, GB ***** X, der EZ ***, GB ***** L, der EZ **, GB ***** S, und der EZ ** und , beide GB ***** K, Gemeindegut ist. Die gegen den Bescheid der Agrarbehörde erhobene Berufung der Agrargemeinschaft X hat der Landesagrarsenat mit Erkenntnis vom 07.07.2011, Zl LAS-/4-10, als unbegründet abgewiesen.

Entscheidend für die Qualifikation des Regulierungsgebietes als Gemeindegut im Sinne des § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 waren der im Zuge der Grundbuchsanlegung angenommenen Eigentumstitel für das Eigentumsrecht der (politischen) Gemeinde X sowie der Umstand, dass im Zuge des historischen Regulierungsverfahrens die Qualifikation des Gebietes als agrargemeinschaftliches Grundstück nach § 36 Abs 2 lit d TFLG 1952 festgestellt worden war und dass keine Hauptteilung zwischen der Gemeinde und der Agrargemeinschaft stattgefunden hatte.

Mit Beschluss vom 25.10.2012, Zl 2011/**/-6, hat der Verwaltungsgerichtshof die Behandlung der Beschwerde der Agrargemeinschaft X gegen den Bescheid des Landesagrarsenates vom 07.07.2011, Zl LAS-/*-10, betreffend Feststellung von Gemeindegut, abgelehnt.

3. Amtswegiges Verfahren zur Abänderung des Regulierungsplanes:

Die belangte Behörde hat auf der Basis des § 69 Abs 1 lit c TFLG 1996 von Amts wegen ein Verfahren zur Abänderung des Regulierungsplanes der Agrargemeinschaft X eingeleitet und den nunmehr in Beschwerde gezogenen Bescheid vom 17.12.2012, Zl AGM-*/-2012, erlassen, der wie folgt lautet:

„I.

1. Die Grundstücke des Liegenschaftsgebietes der Agrargemeinschaft X Nr 225/1, 1391/1, 1391/2, 1391/3, 1391/4, 1391/5, 1391/6, 1391/7, 1392/1, 1392/2, 1393, 1395, 1396, 1397 und 1398 in EZ *** GB X, 363, 935/1, 948/1, 948/2, 948/6, 948/7, 948/8, 948/11, 948/12, 948/15, 1399/1, 1399/2, 1402, 1403/1, 1403/2, 1404, 1405/2, 1405/3, 1891/1, 1891/2 und 1891/5 in EZ *** GB X, 1408 in EZ *** GB X, 1788, 1789, 1792 und 1794 in EZ *** GB X, 6866/1, 6866/3, 6882/1, 6882/2, 6882/5, 6907, 6908, 6909, 6910/1, 6910/2, 7721/1, 7721/2, 7721/3, 7722, 7723/1, 7723/2, 7724/1, 7724/2, 7724/3, 7724/4, 7729 und .1237 in EZ *** GB L, 2563/1, 2563/2 und 2563/14 ein EZ *** GB S, 716/8, 716/9, 716/10, 716/11, 716/12, 716/13, 725/2, 726/1, 727/2, 728/1, 729, 746, 747, 749/1, 749/2, 750/1, .174 und .209 in EZ ** GB K, 887, 889, 894, 899, 933, 935, 938, 939 und .210 in EZ ** GB K sind Gemeindegut im Sinne des § 33 Abs 2 lit c Z. 2 TFLG 1996, LGBl Nr 74/1996 idF LGBl Nr 7/2010 sind.

2. Die Grundstücke Nr 340/2 in EZ *** GB X, 7049, 7050 und .2001 in EZ *** GB L und .76 in EZ *** GB X zählen nicht zum Gemeindegut.

II.

Der Regulierungsplan der Agrargemeinschaft X wird gemäß § 69 lit c TFLG 1996 durch folgenden Anhang abgeändert:

Anhang zum Regulierungsplan vom 25.11.1974, Zl IIIb1-/***/R/98 idF des Bescheides vom 10.09.1975, Zl IIIb1-/R/ idgF:

1. Punkt II. der Haupturkunde (Nutzungen und Ertrag) hat zu lauten:

II.Nutzungen und Ertrag:

Als Nutzungen kommen in Betracht:

a.die Holznutzung,

b.die Weidenutzung,

c.die Substanznutzung im Sinne des § 33 Abs 5 TFLG 1996 an den Grundstücken des Gemeindegutes. Die Substanznutzungen stehen der Gemeinde X zu. Sie hat in diesem Ausmaß auch die Lasten des Regulierungsgebietes zu tragen.

2. Im Punkt III. der Haupturkunde (Parteien und Anteilsrechte) hat der erste Satz zu lauten wie folgt:

Am Regulierungsgebiet anteilsberechtigt sind:

a)die Gemeinde X als substanzberechtigte Gemeinde im Sinne des § 33 Abs 5 TFLG 1996,

b)die Eigentümer nachgenannter Stammsitzliegenschaften der KG X mit folgenden Anteilsrechten:

[ … ]

III.

Gemäß § 69 Abs 1 lit c iVm § 36 TFLG 1996 wird für die Agrargemeinschaft X die als Anlage zu diesem Bescheid ergehende Verwaltungssatzung, welche einen integrierenden Bestandteil des Bescheides bildet, in Kraft gesetzt. Mit Rechtskraft dieses Bescheides tritt die bisherige Verwaltungssatzung vom 25.11.1974, Zl IIIb1 ***R/98, außer Kraft.“

(Anmerkung: Der Klammerausdruck [ ... ] steht für nachfolgende unveränderte Textpassagen im Regulierungsplan.)

Gegen den Bescheid des Amtes der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz vom 17.12.2012, Zl AGM-*/-2012, hat F A, Adresse, PLZ X, „Einspruch“ und haben die Agrargemeinschaft X und namentlich bezeichnete Mitglieder der Agrargemeinschaft X, alle vertreten durch Univ.Doz. Dr. B O, Rechtsanwalt in 6020 Innsbruck, Berufung erhoben. Der Rechtsvertreter hat sich auch betreffend F A auf eine ihm erteilte Vollmacht berufen. F A hat dies in seinem an das Landesverwaltungsgericht Tirol gerichteten Schreiben vom 24.02.2014 bestätigt.

4. Verfahren vor dem Landesverwaltungsgericht Tirol:

Mit Schriftsatz vom 24.02.2014 hat F A dem Landesverwaltungsgericht Tirol mitgeteilt, dass er die für die Agrargemeinschaft X von Rechtsanwalt Univ. Doz. Dr. B O verfasste Berufung „ebenfalls unterschrieben“ hat. Die Ausführungen der Berufung würden die wesentlichen Aussagen seines Einspruches beinhalten.

Mit Schriftsatz vom 05.03.2014 haben die Beschwerdeführer ihr Berufungsvorbringen ergänzt und Beweisanträge gestellt.

Am 06.03.2014 hat das Landesverwaltungsgericht Tirol eine öffentliche mündliche Verhandlung durchgeführt, in der die rechtsfreundlich vertretenen Beschwerdeführer ihr bisheriges Vorbringen im Wesentlichen wiederholt haben.

Im Zuge der Verhandlung wurden anhand aktueller Grundbuchsauszüge die Eigentümer der Stammsitzliegenschaften ermittelt und allfällige Eigentümerwechsel (Rechtsnachfolge) festgehalten.

II.Beschwerdevorbringen:

Die Beschwerdeführer machen Mangelhaftigkeit des Verfahrens und unrichtige rechtliche Beurteilung geltend. Sie beantragen, Spruchpunkt I. des angefochtenen Bescheides abzuändern und festzustellen, dass das gesamte Regulierungsgebiet der Agrargemeinschaft X kein atypisches Gemeindegut gemäß § 33 Abs 2 lit c Z 1 TFLG 1996 sei, und die Spruchpunkte II. und III. des angefochtenen Bescheides ersatzlos zu beheben.

Der Feststellungsbescheid vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/-2010, idF des Erkenntnisses des Landesagrarsenates vom 07.07.2010, Zl LAS-**/-10, entfalte keine Rechtswirkung gegenüber den Mitgliedern der Agrargemeinschaft. Die Agrarbehörde habe deshalb neuerlich zu prüfen, ob die Grundstücke des Regulierungsgebietes ehemaliges Eigentum der Ortsgemeinde gewesen seien.

Im Zusammenhang mit diesem Vorbringen setzen sich die Beschwerdeführer mit dem Begriff des Gemeindegutes auseinander. Laut ihren Ausführungen hätte der Begriff „Gemeindegut“ („Fraktionsgut“) im Tiroler Flurverfassungsgesetz 1935 Eigentum einer Agrargemeinschaft bedeutet. In diesem Sinne hätte sich auch die Tiroler Landesregierung im Gesetzesprüfungsverfahren VfGHSlg 9336/1982 geäußert. Die Agrarbehörde habe somit den Inhalt des Begriffes „Gemeindegut“ verkannt.

Außerdem stellen die Beschwerdeführer umfangreich dar, dass ihrer Ansicht nach die Gemeinde X nie Eigentümerin der zum Regulierungsgebiet gehörenden Liegenschaften gewesen sei. Dies ergebe sich bei richtiger Würdigung des Servituten-Ablösungsvergleiches vom 14.12.1847.

Atypisches Gemeindegut setze voraus, dass ursprünglich „typisches Gemeindegut“, sohin Gemeindegut im Sinne der Gemeindeordnung, vorgelegen habe. Dies sei bei den verfahrensgegenständlichen Liegenschaften nicht der Fall gewesen.

Demgegenüber unterstelle die Agrarbehörde denkunmöglich und offenkundig gesetzwidrig „atypisches Gemeindegut“. Die Agrarbehörde berufe sich dabei lediglich auf die Tatsache, dass das Regulierungsgebiet im Zuge des historischen Regulierungsverfahrens falsch als agrargemeinschaftliches Grundstück gemäß § 36 Abs 2 lit d TFLG 1996 („Gemeindegut“) qualifiziert worden sei. Die durchgeführte Abänderung des Regulierungsplanes stelle eine entschädigungslose Enteignung der Substanzanteile jedes einzelnen Beschwerdeführers dar. Die Beschwerdeführer würden um ihren Anteil an der Substanz der Agrargemeinschaft gebracht werden.

Die Beschwerdeführer bringen zudem vor, das Regulierungsgebiet der Agrargemeinschaft X sei einer Hauptteilung unterzogen worden. Dazu verweisen die Beschwerdeführer auf das Parteienübereinkommen 1962, das Parteienübereinkommen 1974 und den Gemeinderatsbeschluss vom 22.02.1974. Dementsprechend sei das Regulierungsgebiet der Agrargemeinschaft X einer Hauptteilung unterzogen worden. Grundlage dafür seien die erwähnten Parteienübereinkommen gewesen.

Abschließend stellen die Beschwerdeführer mehrere Beweisanträge. Insbesondere wird ein historischer und rechtswissenschaftlicher Sachbefund zum historischen Sprachgebrauch der Agrarbehörde angeboten.

Die Beschwerdeführer haben ihr Beschwerdevorbringen im Schriftsatz vom 05.03.2014 ergänzt und nochmals Beweisanträge gestellt.

III.Rechtslage:

Die entscheidungswesentliche Bestimmung des § 69 Tiroler Flurverfassungslandesgesetz 1996 (TFLG 1996), LGBl Nr 74/1976 idF LGBl Nr 130/2013, einschließlich der Überschrift lautet wie folgt:

(1) Die Abänderung von Regulierungsplänen, auch zur Vereinigung von zwei oder mehreren Agrargemeinschaften, steht nur der Agrarbehörde zu. Sie kann erfolgen:

(2) Bestehen gegen einen Beschluss des Organes der Agrargemeinschaft nach Abs 1 lit a keine Bedenken, so ist er zu genehmigen und die Planänderung in einem Anhang durchzuführen.

(3) Die Abweisung eines Antrages nach Abs 1 lit a oder b erfolgt durch Bescheid, gegen den im Fall des Abs 1 lit a die Agrargemeinschaft und im Fall des Abs 1 lit b die Gemeinde Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht erheben kann. Gegen einen von Amts wegen oder aufgrund eines Antrages nach Abs 1 lit b erlassenen Abänderungsbescheid können die Agrargemeinschaft und deren einzelne Mitglieder und im Fall des Abs 1 lit b auch die Gemeinde Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht erheben.

(4) Der Plananhang ist den Behörden, denen der Regulierungsplan übermittelt wurde, zu übersenden.“

IV.Erwägungen:

1. Zuständigkeit des Landesverwaltungsgerichtes Tirol:

Gemäß Art 151 Abs 51 Z 8 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), BGBl Nr 1/1930 idF BGBl I Nr 51/2012, iVm Punkt A Z 3 der Anlage zum B-VG wurden mit 01.01.2014 die Landesagrarsenate aufgelöst. Das Landesverwaltungsgericht Tirol ist zuständig zur Abwicklung des Verfahrens über die als Beschwerden zu qualifizierenden Berufungen der Agrargemeinschaft X und der in der Einleitung des Spruches genannten Mitglieder der Agrargemeinschaft gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 17.12.2012, Zl AGM-*/-2012.

2. Vertretungsbefugnis des Obmanns:

Im Zeitpunkt der Erhebung der Berufung durch die Agrargemeinschaft X war die mit Bescheid vom 25.11.1974, Zl IIIb1-***R/98, bewilligte Verwaltungssatzung in Geltung. Gemäß § 13 Abs 2 dieser Verwaltungssatzung vertritt der Obmann die Agrargemeinschaft nach außen. Im Zeitpunkt der Erhebung des Rechtsmittels war daher von einer uneingeschränkten Vertretungsbefugnis des Obmannes auszugehen und nicht näher zu prüfen, ob betreffend die Erhebung der Beschwerde ein Beschluss des Ausschusses ergangen ist (vgl VwGH 28.04.2011, Zl 2009/07/01).

3. Zur Zulässigkeit der Bescheidbeschwerden gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG:

3. 1Spruchpunkt I. des in Beschwerde gezogenen Bescheides:

Diesbezüglich ist auf die Ausführungen in Kapitel 6.1 der rechtlichen Erwägungen dieses Erkenntnisses zu verweisen.

3. 2Spruchpunkte II. und III. des in Beschwerde gezogenen Bescheides:

Die Spruchpunkte II. und III. des angefochtenen Bescheides wurden von Amts wegen erlassen und stützten sich damit auf § 69 Abs 1 lit c TFLG 1996 idF LGBl Nr 7/2010.

Gemäß § 69 Abs 3 letzter Satz TFLG 1996 idF LGBl Nr 7/2010 konnten die Agrargemeinschaft und deren einzelne Mitglieder gegen einen von Amts wegen erlassenen Abänderungsbescheid Berufung erheben. Als Mitglieder der Agrargemeinschaft X waren die nunmehrigen Beschwerdeführer somit betreffend die Spruchpunkte II. und III. des bekämpfte Bescheides berufungslegitimiert. § 69 Abs 3 letzter Satz TFLG 1996 idF LGBl Nr 130/2013 sieht inzwischen ein Beschwerderecht an das Landesverwaltungsgericht Tirol vor.

4. Zur Rechtzeitigkeit der Bescheidbeschwerden gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG:

Gemäß § 63 Abs 5 Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 - AVG, BGBl Nr 51/1991 idF LGBl Nr 100/2011, war die Berufung von der Partei binnen zwei Wochen bei der Behörde einzubringen, die den Bescheid in erster Instanz erlassen hat.

Der angefochtene Bescheid wurde den nunmehrigen Beschwerdeführern nicht vor dem 21.12.2012 zugestellt. Die von den Beschwerdeführern am 04.01.2013 bei der Agrarbehörde eingebrachten Berufungen waren daher rechtzeitig.

5. Zum Prüfungsumfang:

Gemäß § 27 Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG), BGBl I Nr 33/2013, in der Fassung BGBl I Nr 122/2013, hat das Verwaltungsgericht den angefochtenen Bescheid auf Grund der Beschwerde (§ 9 Abs 1 Z 3 und 4 VwGVG) zu überprüfen.

Gemäß § 9 Abs 1 Z 3 und 4 VwGVG hat die Beschwerde die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt und das Begehren zu enthalten.

Aufgrund der Ausführungen in den vorliegenden Bescheidbeschwerden gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG gilt der gesamte Bescheid des Amtes der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz vom 17.12.2012, Zl AgrB-R***/**-2012, als Gegenstand der beim Landesverwaltungsgericht Tirol anhängigen Beschwerdeverfahren.

Zu Spruchpunkt I. des in Beschwerde gezogenen Bescheides gilt es festzuhalten, dass trotz der von der belangten Behörde vorgenommenen Untergliederung Spruchpunkt I. als untrennbare Einheit zu qualifizieren ist. Eine inhaltliche Eingrenzung der Beschwerde auf einen Unterpunkt des Spruchpunktes I. lässt sich nicht schlüssig begründen.

6. Zur Sache:

6. 1Ausgangssituation – Bindungswirkung des Feststellungsbescheides:

Die belangte Behörde hat sich in einem Feststellungsverfahren auf der Grundlage des § 73 lit d TFLG 1996 und damit auf einer geeigneten Rechtsgrundlage (vgl VwGH 30.06.2011, Zl 2010/07/0091) mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Agrargemeinschaft X als Gemeindegutsagrargemeinschaft im Sinne des § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 zu qualifizieren ist.

Mit Bescheid vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/-2010, bestätigt mit Bescheid des Landesagrarsenates vom 07.07.2011, Zl LAS-**/-10, hat die Agrarbehörde in bindender Art und Weise festgestellt, dass bestimmte agrargemeinschaftliche Grundstücke der Agrargemeinschaft X Gemeindegut iSd § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 sind. Vom Inhalt dieses Feststellungsbescheides haben die Agrarbehörden und andere Verwaltungsbehörden auszugehen (so ausdrücklich VwGH 09.05.2011, Zl AW 2011/07/0017). Ebenso ist an diese Feststellung das Landesverwaltungsgericht Tirol gebunden und nicht berechtigt, neuerlich die Frage zu prüfen, ob die Agrargemeinschaft X eine solche nach § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 ist. Mit dieser rechtskräftigen Qualifikation als Gemeindegutsagrargemeinschaft werden daher die entsprechenden Verpflichtungen für solche Agrargemeinschaften, festgelegt im TFLG 1996, unmittelbar aufgrund des Gesetzes schlagend.

Ergänzend weist das Landesverwaltungsgericht hin, dass die Qualifikation des Regulierungsgebietes als Gemeindegut durch die Agrarbehörde und den Landesagrarsenat im Einklang mit der Judikatur der Höchstgerichte des öffentlichen Rechts erfolgte.

Infolge dieser Feststellung gilt § 33 Abs 5 TFLG 1996. Der Substanzwert an den als Gemeindegut zu qualifizierenden agrargemeinschaftlichen Grundstücken des Regulierungsgebietes und sohin jener Wert, der nach Abzug der Belastung durch die land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsrechte verbleibt, steht der Gemeinde X zu.

Bei der Agrargemeinschaft X ist damit von folgenden Prämissen auszugehen:

Die Agrargemeinschaft X besteht im Sinne des § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 betreffend die Liegenschaften Gst Nr 225/1, 1391/1, 1391/2, 1391/3, 1391/4, 1391/5, 1391/6, 1391/7, 1392/1, 1392/2, 1393, 1395, 1396, 1397 und 1398 in EZ *** GB ***** X, 363, 935/1, 948/1, 948/2, 948/6, 948/7, 948/8, 948/11, 948/12, 948/15, 1399/1, 1399/2, 1402, 1403/1, 1403/2, 1404, 1405/2, 1405/3, 1891/1, 1891/2 und 1891/5 in EZ *** GB ***** X, 1408 in EZ *** GB ***** X, 1788, 1789, 1792 und 1794 in EZ *** GB ***** X, 6866/1, 6866/3, 6882/1, 6882/2, 6882/5, 6907, 6908, 6909, 6910/1, 6910/2, 7721/1, 7721/2, 7721/3, 7722, 7723/1, 7723/2, 7724/1, 7724/2, 7724/3, 7724/4, 7729 und .1237 in EZ *** GB ***** L, 2563/1, 2563/2 und 2563/14 in EZ *** GB ***** S, 716/8, 716/9, 716/10, 716/11, 716/12, 716/13, 725/2, 726/1, 727/2, 728/1, 729, 746, 747, 749/1, 749/2, 750/1, .174 und .209 in EZ ** GB ***** K, 887, 889, 894, 899, 933, 935, 938, 939 und .210 in EZ ** GB ***** K, auf Gemeindegut. Damit ist sie eine Gemeindegutsagrargemeinschaft. Dieser Umstand wurde nach Rechtskraft des Bescheides der belangten Behörde vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010, im Eigentumsblatt (B-Blatt) der EZ ***, ***, ***, *** und ***, alle GB ***** X, im Eigentumsblatt (B-Blatt)der EZ ***, GB ***** L, und im Eigentumsblatt (B-Blatt) der EZ *** , GB ***** S, durch Beschluss des Bezirksgerichtes Y vom 06.09.2011, Zl ****/11, und im Eigentumsblatt (B-Blatt) der EZ ** und **, beide GB ***** K, durch Beschluss des Bezirksgerichtes R vom 22.09.2011, Zl ****/11, ersichtlich gemacht .

Die angeführten Grundstücke der EZ ***, ***, ***, *** und ***, GB ***** X, der EZ ***, GB ***** L, der EZ ***, GB ***** S, und der EZ ** und **, GB ***** K, stehen im Eigentum der Agrargemeinschaft X. Der Substanzwert gemäß § 33 Abs 5 TFLG 1996 steht der Gemeinde X zu.

Die Agrargemeinschaft X besteht aus der Gesamtheit der jeweiligen Eigentümer der Stammsitzliegenschaften mit den im Regulierungsplan vom 25.11.1974, Zl IIIb1***/R/98, idF des Bescheides vom 10.09.1975, Zl IIIb1-R/ idgF, definierten Anteilsrechten und der substanzberechtigten Gemeinde X.

6. 2Wiederholung der rechtskräftigen Feststellung:

Die belangte Behörde hat mit Spruchpunkt I. des in Beschwerde gezogenen Bescheides Spruchpunkt I. des bereits rechtskräftigen Feststellungsbescheides vom 15.09.2010, Zl AgrBR***/***-2010, „wiederholt“. Mit der neuerlichen Entscheidung setzte sich die belangte Behörde daher über die Rechtskraft des zitierten Feststellungsbescheides hinweg. Die belangte Behörde hat daher, bezogen auf Spruchpunkt I. des in Beschwerde gezogenen Bescheides, eine ihr nach dem Gesetz nicht zustehende Kompetenz in Anspruch genommen und damit diesbezüglich ihre Entscheidung mit Rechtswidrigkeit wegen Unzuständigkeit behaftet (vgl VwGH 12.12.2013, Zl 2012/06/0208). Spruchpunkt I. des angefochtenen Bescheides war daher wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit - diesen Rechtsmangel hat das Landesverwaltungsgericht gemäß § 27 VwGVG aufzugreifen – aufzuheben.

Dementsprechend lautet Spruchpunkt 1.1 des gegenständlichen Erkenntnisses.

6. 3Abänderung der Haupturkunde des Regulierungsplanes:

Allgemeine Ausführungen:

Die belangte Behörde hat mit Spruchpunkt II. des in Beschwerde gezogenen Bescheides den Regulierungsplan vom 25.11.1974, Zl IIIb1-***/R/98, idF des Bescheides vom 10.09.1975, Zl IIIb1-R/ idgF, durch einen Anhang geändert, und zwar durch Neuformulierung des Punktes II. der Haupturkunde („Nutzungen und Ertrag“) sowie durch Abänderung des ersten Satzes des Punktes III. der Haupturkunde („Parteien- und Anteilsrechte“).

Grundsätzlich ist hierzu festzuhalten, dass eine Abänderung von Regulierungsplänen der Agrarbehörde zusteht und bei Gemeindegutsagrargemeinschaften gemäß § 69 Abs 1 lit b TFLG 1996 auf Antrag der Gemeinde erfolgen kann. Der Verfassungsgerichtshof geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass eine Änderung nur dann, aber auch immer dann stattzufinden hat, wenn sich die erfolgte Regulierung für die Ausübung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsrechte unzweckmäßig erweist oder die für die Nutzungsverhältnisse maßgeblich gewesenen Umstände geändert haben (vgl VfGH 11.06.2008, B 464/07). Entsprechend dem vorzitierten Verfassungsgerichtshoferkenntnis kommt eine solche Änderung der Umstände bei verfassungskonformer Auslegung der nunmehrigen Rechtslage in Betracht. Infolge des bisher unberücksichtigt gebliebenen Substanzrechts der Gemeinde X hat die belangte Behörde den Regulierungsplan zu Recht abgeändert.

Konkret wurde Punkt II. („Nutzungen und Ertrag“) der Haupturkunde des Regulierungsplanes dahingehend modifiziert, dass als Nutzungen die Holznutzung, die Weidenutzung und die Substanznutzung an den Grundstücken des Gemeindegutes festgelegt wurden. Mit der neu formulierten lit c hat die belangte Behörde den Substanzwertanspruch der Gemeinde X entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen und der höchstgerichtlichen Judikatur im Regulierungsplan der Agrargemeinschaft X zur Geltung gebracht. Als Entsprechung zum Substanzwertanspruch der Gemeinde wurde zudem im Punkt II. der Haupturkunde die Reglung aufgenommen, wonach die Gemeinde X die Lasten aus der Substanznutzung des Regulierungsgebietes zu tragen hat.

Außerdem wurde der erste Satz des Punktes III. der Haupturkunde („Parteien- und Anteilsrechte“) neu formuliert.

Zusammengefasst hat die belangte Behörde folgende Nutzungen am Regulierungsgebiet festgelegt:

die Holznutzung

die Weidenutzung

die Substanznutzung im Sinne des § 33 Abs 5 TFLG 1996 an den Grundstücken des Gemeindegutes im Sinne des Bescheides der belangten Behörde vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010. Die Substanznutzungen stehen der Gemeinde X zu.

Die Holznutzung und die Weidenutzung ergeben sich bereits aus dem Regulierungsplan vom 25.11.1974, Zl IIIb1-***/R/98 (vgl Punkt II. der Haupturkunde mit der Überschrift „Nutzungen und Ertrag“). Die Ergänzung dieser Nutzungen durch die Substanznutzung der Gemeinde X war aufgrund des § 33 Abs 5 TFLG 1996 erforderlich. Dementsprechend war auch der erste Satz des Punktes III. der Haupturkunde („Parteien- und Anteilsrechte“) neu zu formulieren.

Soweit die Beschwerdeführer die Abänderung des Regulierungsplanes damit bekämpfen, es liege bei der Agrargemeinschaft X kein atypisches Gemeindegut vor, ist auf die Ausführungen des Kapitels 6.1 der rechtlichen Erwägungen dieses Erkenntnisses zu verweisen. Mit diesem Vorbringen zeigen die Beschwerdeführer keine Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides auf. Entsprechend dem rechtskräftigen Feststellungsbescheid vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010, ist die Agrargemeinschaft X eine Gemeindegutsagrargemeinschaft.

Die Beschwerdeführer behaupten außerdem, durch die Abänderung des Regulierungsplanes werde der Agrargemeinschaft X die Substanz und damit Eigentum entzogen. Darüber hinaus seien den Beschwerde führenden Mitgliedern der Agrargemeinschaft mit dem ursprünglichem Regulierungsbescheid rechtskräftig Anteilsrechte zuerkannt worden, die die Substanz mitumfasst hätten.

Die Wegnahme der Substanz sei als entschädigungslose und verfassungswidrige Enteignung zu qualifizieren.

Entsprechend der Judikatur des VfGH wurde durch die (verfassungswidrige) Übertragung des Gemeindegutes in das Eigentum der Agrargemeinschaft das Substanzrecht der Gemeinde – ursprünglich in Form des Eigentums – in ein agrargemeinschaftliches Anteilsrecht umgewandelt (VfGH 02.10.2013, Zl B 550/2012 ua). Die Gemeinde ist somit an der Agrargemeinschaft anteilsberechtigt, ihr Anteil ist der Substanzwert abzüglich der Belastung durch land- und forstwirtschaftliche Nutzungsrechte im Umfang des Haus- und Gutsbedarfs (VfGH 02.10.2013, Zl B 550/2012). Als agrargemeinschaftliches Anteilsrecht kann der Substanzwertanspruch weder ersessen werden, noch kann er verjähren (VwGH 24.07.2008, Zl 2007/07/0100; 21.10.2004, Zl 2003/07/0107).

Diesen Vorgaben entspricht die durch die Agrarbehörde vorgenommene Neuformulierung des Punktes II. der Haupturkunde. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführer hat die Agrargemeinschaft X zu keinem Zeitpunkt über den Substanzwert an den als Gemeindegut zu qualifizierenden agrargemeinschaftlichen Grundstücken verfügt. Über diesen verfügte und verfügt die Gemeinde X in Form eines Anteilsrechtes an der Agrargemeinschaft. Die Nutzungsrechte der Beschwerde führenden Mitglieder der Agrargemeinschaft X bestehen ausschließlich im Bezug von Naturalleistungen. Deren Anteilsrechte erstrecken (und erstreckten) sich folglich nicht auf den Substanzwert der agrargemeinschaftlichen Grundstücke (vgl VfGH 02.10.2013, Zl B 550/2012 ua).

Die von den Beschwerdeführern behauptete entschädigungslose Enteignung von Eigentumsrechten liegt nicht vor.

Streichung der Jagd als Nutzung:

Die Jagd ist Ausfluss des Eigentumsrechts (VfSlg 17.12.1948, 9336/1982). Das agrargemeinschaftliche Anteilsrecht stellt die Grundlage für die Nutzungen eines agrargemeinschaftlichen Eigentums dar. Diese Anteilsrechte sind aber nicht mit den aus diesem Eigentum erfließenden Befugnissen, zu denen das Jagdrecht gehört, gleichzusetzten. Bei der Jagd handelt es sich nicht um ein aus einem agrargemeinschaftlichen Anteilsrecht resultierendes land- und forstwirtschaftliches Nutzungsrecht, sondern ist die Jagd Ausfluss des Grundeigentums (so ausdrücklich OAS 19.03.2012, Zahl OAS.1.1.1/***-OAS/12 mit Hinweis auf VwGH 23.09.2004, Zahl 2004/07/0090). Die Einnahmen aus der Jagd durch Jagdverpachtung sind daher dem Substanzwert zuzuordnen.

Die Streichung der Nutzungsart „Jagd“ aus der Auflistung der Nutzungen bewirkt keinen rechtskräftigen Eingriff in die Rechte der Agrargemeinschaft X und die Anteilsrechte der Beschwerde führenden Mitglieder der Agrargemeinschaft X.

Zusammenfassung:

Insgesamt waren die von der belangten Behörde vorgenommenen Änderungen des Regulierungsplanes zur Umsetzung der Vorgaben der Novelle LGBl Nr 7/2010 zum TFLG 1996 erforderlich. Die belangte Behörde war gemäß § 69 Abs 1 lit c TFLG 1996 verpflichtet und berechtigt, den bestehenden Regulierungsplan der Agrargemeinschaft X abzuändern und den Substanzwertanspruch der Gemeinde X den gesetzlichen Vorgaben entsprechend zu berücksichtigen.

Spruchpunkt II. des angefochtenen Bescheides war dahingehend abzuändern, dass jene agrargemeinschaftlichen Grundstücke, an welchen die Gemeinde X substanzberechtigt ist, konkret und entsprechend Spruchpunkt I. des rechtskräftigen Bescheides der belangten Behörde vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010, in Punkt II. lit c („Nutzungen und Ertrag“) der Haupturkunde des Regulierungsplanes angeführt werden.

6. 4Neuerlassung der Verwaltungssatzung als Teil des Regulierungsplanes:

Mit Spruchpunkt III. des in Beschwerde gezogenen Bescheides hat die belangte Behörde eine neue Verwaltungssatzung in Kraft gesetzt und die Verwaltungssatzung vom 25.11.1974, Zl IIIb1 734 R/98, außer Kraft gesetzt.

Die belangte Behörde war bei der Erlassung der Verwaltungssatzung an die Bestimmungen des TFLG 1996 idF der Novelle LGBl Nr 7/2010 gebunden. Mit der genannten Novelle waren umfangreiche Rechte der substanzberechtigten Gemeinde vorgesehen worden, die sicherstellen, dass bei Gemeindegutsagrargemeinschaften die Substanzberechtigung der Gemeinde im Gefüge des agrargemeinschaftsinternen Handelns ausreichend berücksichtigt wird. So finden sich im TFLG 1996 folgende Regelungen:

verpflichtende Beiziehung eines Gemeindevertreters zu Ausschuss und Vollversammlung (§ 35 Abs 7) und Einberufung dieser Organe auf Verlangen der Gemeinde binnen eines Monats (§ 35 Abs 8);

Erfordernis der Zustimmung der Gemeinde zu allen Organbeschlüssen betreffend Substanzwert (§ 35 Abs 7) sowie Zustimmung als Voraussetzung für die agrarbehördliche Genehmigung einer Veräußerung oder Belastung von Gemeindegut (§ 40 Abs 2 lit c);

Führung von zwei getrennten Rechnungskreisen, jederzeitiges Einsichtnahmerecht der Gemeinde in Aufzeichnungen und Belege, jederzeitiges Entnahmerecht der Substanzerträge (§ 36 Abs 2);

Regelung, wonach für infrastrukturelle Vorhaben benötigtes Gemeindegut der Gemeinde gegen Entschädigung in das bücherliche Eigentum zu übertragen ist (§ 40 Abs 2 lit c) sowie

Recht der substanzberechtigten Gemeinde zur Auftragserteilung an die Agrargemeinschaft und Anrufungsrecht der Agrarbehörde bei Nichtbefolgung (§ 35 Abs 7) bzw bei Streitigkeiten betreffend den Substanzwert (§ 37 Abs 7 und 8).

Ein Vergleich der ursprünglichen Verwaltungssatzung mit der neu in Kraft gesetzten Verwaltungssatzung ergibt hinsichtlich der erfolgten Abänderungen Folgendes:

§ 1 der Verwaltungssatzung entspricht den §§ 34 Abs 1 iVm 36 Abs 1 lit a TFLG 1996. Im Sinne des § 36 Abs 1 lit a TFLG 1996 definiert § 2 der Verwaltungssatzung den Zweck der Agrargemeinschaft. In Ergänzung der ursprünglichen Verwaltungssatzung wurde die Wortfolge „dem öffentlichen Interesse zu dienen“ eingefügt. Dadurch entsteht den Beschwerdeführern kein Nachteil.

Entsprechend § 36 Abs 1 lit b TFLG 1996 regelt § 3 der Verwaltungssatzung die Rechte und Pflichten der Mitglieder. § 3 Abs 3 erster Satz der Verwaltungssatzung bezieht sich auf § 35 Abs 2, 3 und 6 TFLG 1996. § 3 Abs 4 der Verwaltungssatzung nimmt auf § 35 Abs 2 und 8 TFLG 1996 Bezug.

§ 4 der Verwaltungssatzung enthält die Rechte und Pflichten der substanzberechtigten Gemeinde X und trägt dafür Sorge, dass die Vorgaben der §§ 33 Abs 5, 35 Abs 7 und 40 Abs 3 TFLG 1996 erfüllt werden.

§ 5 der Verwaltungssatzung nennt in Anlehnung an § 35 Abs 1 TFLG 1996 die Organe der Agrargemeinschaft.

§ 6 der Verwaltungssatzung regelt die Wahl der Organe. Neu aufgenommen wurde im Wesentlichen nur das aktive Wahlalter im Sinne des Wahlrechtsänderungsgesetzes 2007, BGBl I Nr 28/2007.

Die §§ 7 bis 10 der Verwaltungssatzung enthalten Regelungen zur Vollversammlung. Die Regelungen betreffend den Substanzwert der Gemeinde (vgl §§ 7 Abs 2 und 4 sowie 9 Abs 2 der Verwaltungssatzung) entsprechen § 35 Abs 2, 7 und 8 TFLG 1996. § 10 lit c der Verwaltungssatzung, wonach der Wirkungskreis der Vollversammlung insbesondere die Verteilung von Ertragsüberschüssen aus Rechnungskreis I (§ 16) umfasst, ist auf atypisches, in Form einer Agrargemeinschaft organisiertes Gemeindegut im Sinne des § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 nicht anzuwenden (VfGH 02.10.2013, Zlen B 550/2012 ua).

Die §§ 11 bis 13 der Verwaltungssatzung betreffen Regelungen zum Ausschuss. Die Regelungen entsprechen den Vorgaben des TLFG 1996, insbesondere § 35 Abs 3, Abs 4, Abs 5 und Abs 7 TFLG 1959. Die substanzwertberechtigte Gemeinde wird ausreichend berücksichtigt.

Die §§ 14 und 15 Verwaltungssatzung enthalten Regelungen zum Obmann. Sie entsprechen den Vorgaben des § 35 Abs 8, 9 und 10 TFLG 1996.

Die Bestimmungen der §§ 16 („Haushaltswirtschaft“), 17 („Geldverkehr“), 18 („Beiträge, Umlagen und Schichten“) sowie 20 („Rechnungsprüfung“) entsprechen den Vorgaben des § 36 Abs 1 lit g TFLG 1996. Entsprechend § 36 Abs 2 TFLG 1996 wird die Agrargemeinschaft verpflichtet, zwei voreinander getrennte Rechnungskreise für die Einnahmen und Ausgaben aus der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit der Agrargemeinschaft (Rechnungskreis I) und die Einnahmen und Ausgaben aus dem Substanzwert der agrargemeinschaftlichen Grundstücke (Rechnungskreis II) zu führen.

Zielsetzung der neuen Verwaltungssatzung ist, der Gemeinde X als substanzberechtigtes Mitglied der Agrargemeinschaft X eine Teilnahme an der Willensbildung der Agrargemeinschaft entsprechend den Bestimmungen der Novelle LGBl Nr 7/2010 zum TFLG 1996 zu gewährleisten. Die nunmehrige Verwaltungssatzung trägt dem TFLG 1996 Rechnung. Lediglich § 36 Abs 1 lit f TFLG 1996, wonach die Verwaltungssatzung der Agrargemeinschaft Bestimmungen über die Verwendung allfälliger Ertragsüberschüsse enthalten muss, ist unter Berücksichtigung des zitierten Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes verfassungskonform dahingehend zu interpretieren, dass diese Bestimmung auf agrargemeinschaftliche Grundstücke gemäß § 33 Abs 2 lit c Z 2 TFLG 1996 nicht anzuwenden ist. Da sich das Regulierungsgebiet der Agrargemeinschaft X auch auf nicht als Gemeindegut zu qualifizierende, agrargemeinschaftliche Grundstücke erstreckt, werden die §§ 10 lit c und 19 der Verwaltungssatzung belassen. Diese Bestimmungen sind aber auf die als Gemeindegut festgestellten agrargemeinschaftlichen Grundstücke gemäß Spruchpunkt I. des Bescheides des Amtes der Tiroler Landesregierung als Agrarbehörde I. Instanz vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010, nicht anzuwenden.

6. 5Ergebnis:

Die belangte Behörde war an ihren rechtskräftigen Feststellungsbescheid vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/***-2010, gebunden. Indem sie diese rechtskräftige Feststellung in Spruchpunkt I. des in Beschwerde gezogenen Bescheides wiederholte, nahm sie eine Kompetenz in Anspruch, die ihr nicht zustand. Dieser Spruchpunkt war daher wegen Unzuständigkeit der belangten Behörde zu beheben (Spruchpunkt 1.1 des gegenständlichen Erkenntnisses). Dennoch hatte das Landesverwaltungsgericht Tirol aufgrund des zitierten, rechtskräftigen Feststellungsbescheides davon auszugehen, dass die Agrargemeinschaft X eine Gemeindegutsagrargemeinschaft ist. Jene Ausführungen der Beschwerdeführer, die diese Qualifikation der Agrargemeinschaft X bestreiten, waren daher nicht weiter zu berücksichtigen. Die in diesem Zusammenhang gestellten Beweisanträge waren zurückzuweisen.

In Anlehnung an das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 11.06.2008, Zl B 464/07, erfolgte die Abänderung des Regulierungsplanes zu Recht. Die mit dem bekämpften Bescheid vorgenommenen Änderungen der Haupturkunde und die Neuerlassung der Verwaltungssatzung entsprechen den Vorgaben des TFLG 1996. Zur Konkretisierung waren jene Grundstücke, an welchen die Gemeinde X infolge Spruchpunkt I./1. des Bescheides der belangten Behörde vom 15.09.2010, Zl AgrB-R***/**-2010, substanzberechtigt ist, in den geänderten Regulierungsplan aufzunehmen (Spruchpunkt 1.2. des gegenständlichen Erkenntnisses).

Unter Berücksichtigung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes vom 02.10.2013, Zlen B 550/2012 ua, sind die §§ 10 lit c und 19 der Verwaltungssatzung auf die als Gemeindegut festgestellten agrargemeinschaftlichen Grundstücke nicht anzuwenden. Unter Berücksichtigung jener agrargemeinschaftlichen Grundstücke, die nicht als Gemeindegut gelten, werden diese Verwaltungssatzungsbestimmungen aber belassen.

V.Unzulässigkeit der ordentlichen Revision:

Gemäß § 25a Abs 1 VwGG hat das Verwaltungsgericht im Spruch seines Erkenntnisses oder Beschlusses auszusprechen, ob die Revision gemäß Art 133 Abs 4 B-VG zulässig ist. Der Ausspruch ist kurz zu begründen.

Gemäß Art 133 Abs 4 B-VG ist die Revision gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere wenn das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage von der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

Das Landesverwaltungsgericht Tirol war bei der entscheidenden Rechtsfrage, ob die Agrargemeinschaft X eine Gemeindegutsagrargemeinschaft ist, an einen rechtskräftigen Feststellungsbescheid gebunden. Im Übrigen wurde bei der Entscheidung die Judikatur des Verfassungs- und des Verwaltungsgerichtshofes berücksichtigt (vgl insbesondere VfGH 11.06.2008, Zl B 464/07; 10.12.2010, Zl B 639 ua, 02.10.2013, Zl B 550/2012 ua; VwGH 30.06.2011, Zl 2010/07/0091).

Landesverwaltungsgericht Tirol

Dr. Wolfgang Hirn

(Richter)

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