projects
12Os100/21d•OGH 12Os100/21d
Der Oberste Gerichtshof hat am 16. September 2021 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Solé als Vorsitzenden, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Oshidari, die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. MichelKwapinski und Dr. Brenner und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Haslwanter LL.M. in Gegenwart des Schriftführers Mag. Lampret in der Strafsache gegen ***** R***** G***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens der Zwangsheirat nach §§ 15, 106a Abs 1 StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Jugendschöffengericht vom 19. April 2021, GZ 151 Hv 8/21k56, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.
Zur Entscheidung über die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Gründe:
[1] Soweit für das Verfahren über die Nichtigkeitsbeschwerde von Bedeutung, wurden ***** R***** G***** und ***** Ra***** G***** mit dem angefochtenen Urteil jeweils des Vergehens der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (II./) und des Vergehens der gefährlichen Drohung nach § 107 Abs 1 und 2 zehnter Fall StGB (III./) sowie Ras***** G***** des Vergehens der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (II./) schuldig erkannt.
[2] Danach haben am 6. Jänner 2021 in W***** den ***** K*****
II./ ***** R***** G*****, ***** Ra***** G***** und Ras***** G***** zum Einsteigen in ihr Auto und zum Mitfahren in die Wohnung des Erst- und Drittgenannten genötigt, indem sie zu dritt vor seinem Wohnhaus erschienen und ihn in den Pkw zerrten;
III./ ***** R***** G***** und ***** Ra***** G***** in einverständlichem Zusammenwirken gefährlich mit der Vernichtung der gesellschaftlichen Stellung bedroht, um ihn in Furcht und Unruhe zu versetzen, indem ***** R***** G***** ihn aufs Bett drückte, seinen Gürtel öffnete und an der Hose des ***** K***** zerrte, wobei er rief, er werde ihn so ficken, dass er ihm nicht mehr in die Augen schauen könne und er ihm die Ehre nehmen werde, so wie er ihm und seiner Tochter die Ehre genommen hätte, und dann seine beiden Söhne ihn ficken werden und ***** Ra***** G***** über Aufforderung seines Vaters ***** R***** G***** ein Gleitmittel brachte.
[3] Die dagegen aus Z 5 und 10 des § 281 Abs 1 StPO ergriffene Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft versagt.
[4] Die Mängelrüge (Z 5 vierter Fall) wendet in Bezug auf den Schuldspruch III./ offenbar unzureichende Begründung der Feststellungen zur subjektiven Tatseite ein. Indem sie aber übergeht, dass das Erstgericht diese Konstatierungen nicht nur auf den von den Angeklagten gewonnenen persönlichen Eindruck stützte, sondern auch auf die Erhebungen der Wiener Jugendgerichtshilfe (vgl US 11), orientiert sie sich prozessordnungswidrig nicht an der Gesamtheit der Entscheidungsgründe (vgl RISJustiz RS0119370).
[5] Der Vorwurf, die Urteilsannahmen zum Bedeutungsinhalt der dem Schuldspruch III./ zugrunde gelegten Äußerungen fänden „im gesamten Beweisverfahren keinerlei Deckung“, spricht keinen Nichtigkeitsgrund deutlich und bestimmt an.
[6] Der weiteren Rechtsmittelargumentation ist voranzustellen, dass die Staatsanwaltschaft bei der auf sämtliche Angeklagten bezogenen Anmeldung der Nichtigkeitsbeschwerde die Anfechtungsrichtung nicht bekannt gab (ON 60). Bei der Ausführung der Nichtigkeitsbeschwerde erklärt sie bloß einen Anfechtungswillen zum Nachteil der Angeklagten ***** R***** G***** und ***** Ra***** G***** (ON 65 S 2, 6).
[7] Damit kann die Beschwerde (nominell Z 5, der Sache nach Z 9 lit a), soweit sie (inhaltlich) zum Vorteil der „beiden anderen Angeklagten“ (offenbar gemeint ***** Ra***** G***** und Ras***** A***** G*****) das Fehlen von Feststellungen zur inneren Tatseite in Bezug auf die Schuldsprüche II./ und III./ behauptet, nicht zum Erfolg führen (Ratz, WKStPO § 284 Rz 2). Die vermissten Konstatierungen finden sich im Übrigen auf US 7 und 8.
[8] Der Einwand der Subsumtionsrüge (Z 10), das zum Schuldspruch III./ festgestellte Verhalten sei §§ 15, 201 Abs 1 StGB subsumierbar, geht prozessordnungswidrig (vgl RISJustiz RS0099810) an den Feststellungen vorbei, wonach ***** R***** G***** und ***** Ra***** G***** Vergewaltigungen bloß ankündigten, um das Opfer in Furcht und Unruhe zu versetzen (US 8).
[9] Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher – in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur – bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung über die Berufung folgt (§ 285i StPO).
Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.