OGH 11Os120/09w

11Os120/09wSupreme CourtSep 8, 2009

Full text

OGH 11Os120/09w

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 08.09.2009

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 8. September 2009 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Zehetner als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Kirchbacher, Dr. Schwab, Mag. Lendl und Dr. Bachner-Foregger als weitere Richter, in Gegenwart der Rechtspraktikantin Dr. Walcher als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Philipp S***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens der betrügerischen Krida nach § 156 Abs 1, Abs 2 StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten Johann R***** gegen das Urteil des Landesgerichts Wiener Neustadt als Schöffengericht vom 28. Oktober 2008, GZ 39 Hv 57/08s-123, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Die Berufung wegen des Ausspruchs über die Schuld wird zurückgewiesen.

In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird der den Angeklagten Johann R***** betreffende Schuld-, Straf- und Kostenersatzausspruch aufgehoben, eine neue Hauptverhandlung angeordnet und die Sache an das Erstgericht verwiesen.

Mit seiner Berufung wegen des Ausspruchs über die Strafe wird der Angeklagte R***** auf diese Entscheidung verwiesen.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen, auch rechtskräftige Schuld- und Freisprüche anderer Angeklagter sowie einen Freispruch dieses Angeklagten enthaltenden Urteil wurde Johann R***** des Vergehens der Veruntreuung nach § 133 Abs 1, Abs 2 erster Fall StGB (IV./) schuldig erkannt.

Danach hat er im März 2007 in Kalkgruben ein Gut, das ihm anvertraut worden ist, nämlich ihm von Verantwortlichen des Malereibetriebs M. T***** als Werklohn zur Weiterleitung an die H***** GmbH übergebene 30.000 Euro Bargeld, sich mit dem Vorsatz zugeeignet, sich dadurch unrechtmäßig zu bereichern, indem er es für private Zwecke verwendete, wobei er ein Gut veruntreute, dessen Wert 3.000 Euro übersteigt.

Dagegen richtet sich die auf § 281 Abs 1 Z 5 und 9 lit a StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten R*****. Zutreffend macht der Beschwerdeführer im Rahmen der Mängelrüge (nominell auch Z 9 lit a, inhaltlich nur Z 5 zweiter Fall) Unvollständigkeit der Entscheidungsgründe dahingehend geltend, dass es das Erstgericht unterlassen habe, sich mit dem Inhalt der in der Hauptverhandlung verlesenen (ON 109 S 183) Kopie einer Urkunde über einen angeblich am 20. Oktober 2006 zwischen Stefan N*****, der R.I.***** GmbH und der durch Philipp S***** vertretenen H***** GmbH einerseits und Johann R***** andererseits abgeschlossenen Vertrag (ON 48 S 249), auf den sich der Angeklagte R***** stützte (ON 109 S 137), auseinanderzusetzen.

Im Rahmen der Beweiswürdigung ging das Erstgericht davon aus, dass Johann R***** zugestanden hatte, aufgrund einer Forderung der H***** GmbH vom Malereibetrieb M. T***** 30.000 Euro kassiert und für die Begleichung eigener, im Zuge des Baues seines Privathauses entstandener Schulden verwendet zu haben. Der einen auf unrechtmäßige Bereicherung gerichteten Vorsatz bestreitenden Verantwortung dieses Angeklagten - der ua auf seine Investitionen in die H***** GmbH hinwies (ON 109 S 131 ff) - folgte es hingegen nicht. Vielmehr hielten die Tatrichter der sich auf die Zustimmung von Philipp S***** (Geschäftsführer der H***** GmbH), Robert W***** ([Mit-]Gesellschafter besagten Unternehmens) und Stefan N***** (designierter Gesellschafter der H***** GmbH) berufenden Aussage des Angeklagten (ON 109 S 129) die gegenteiligen Angaben der Angeklagten S***** und W***** vor Gericht entgegen. Die Feststellungen zur subjektiven Tatseite gründeten sie nicht zuletzt auf den Umstand, dass nicht die H***** GmbH, sondern Stefan N***** dem Angeklagten R***** Geld zu zahlen gehabt hätte (US 19, 20).

In diesem Zusammenhang kann der in Kopie vorliegenden Vertragsurkunde, die auch die Unterschrift des zum Zeitpunkt ihrer Errichtung aktuellen Geschäftsführers der H***** GmbH Philipp S***** trägt, Erheblichkeit nicht abgesprochen werden. Sie enthält nämlich - neben anderen Abreden - den Passus (Punkt 2. des Vertrags), dass Johann R***** die ihm zustehende „restliche Ablöse von 50.000 Euro von der H***** GmbH durch Gegenverrechnung ua über Rechnungen von Subfirmen" lukrieren kann (ON 48 S 249), und steht solcherart im Widerspruch zu der von Philipp S***** in Abrede gestellten seinerseitigen Zustimmung zur Einbehaltung des inkassierten Betrags von 30.000 Euro durch den Angeklagten R*****.

Dass (auch) Johann R***** eine durch Zahlung einer „Ablöse" - (ua) für ihn - lukrative Übernahme der H***** GmbH durch Stefan N***** angestrebt hatte, ihm dessen mangelnde Liquidität aber bekannt war, macht die Erörterung dieses Beweisergebnisses nicht entbehrlich. Das angefochtene Urteil war demnach - wie bereits die Generalprokuratur zutreffend ausführte - im Schuldspruch IV./ sowie in dem Johann R***** betreffenden Straf- und Kostenausspruch aufzuheben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Erstgericht zurückzuverweisen.

Die Berufung wegen des Ausspruchs über die Strafe war auf die Kassation des Strafausspruchs zu verweisen, jene wegen des Ausspruchs über die Schuld (vgl Rechtsmittelanmeldung ON 125) jedoch als gegen kollegialgerichtliche Urteile nicht vorgesehen zurückzuweisen.

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