BVwG L505 1439120-1

L505 1439120-1Federal Administrative CourtJul 3, 2014

Regest

Ermittlungspflicht, Kassation, Konversion, mangelnde<br/>Sachverhaltsfeststellung, Religion, Verfolgungsgefahr

Full text

BVwG L505 1439120-1

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 03.07.2014
  • ECLI: ECLI:AT:BVWG:2014:L505.1439120.1.00

Spruch

BESCHLUSS

Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Dr. Ilse FAHRNER über die Beschwerde der XXXX, geb. XXXX, StA. Iran, gegen den Bescheid des Bundesasylamtes vom XXXX, beschlossen:

A)

In Erledigung der Beschwerde wird der bekämpfte Bescheid behoben und die Angelegenheit gemäß § 28 Abs. 3 VwGVG zur Erlassung eines neuen Bescheides an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl zurückverwiesen.

B)

Die Revision ist gemäß Art 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.

Begründung

BEGRÜNDUNG:

I. Verfahrensgang und Sachverhalt

I.1. Die Beschwerdeführerin (nachfolgend BF), ein iranische Staatsangehörige, reiste in das österreichische Bundesgebiet ein und stellte am 24.01.2013 einen Antrag auf internationalen Schutz.

Bei der am 25.01.2013 folgenden Erstbefragung gab die BF an, sie sei gemeinsam mit ihrer Familie, nämlich Ehegatten und Tochter, aus dem Iran ausgereist, sie seien aus dem Islam ausgetreten und würden an das Christentum glauben. Sie hätten christliche Versammlungen besucht, als sie und ihr Ehemann zuletzt an einer christlichen Sitzung teilgenommen hätten, sei sie von ihren Eltern angerufen worden, ihre bei diesen zurückgelassene Tochter abzuholen, während ihrer Abwesenheit sei die von ihnen besuchte Versammlung behördlicherseits aufgelöst und Teilnehmer festgenommen worden. Danach hätten sie sich entschlossen das Land zu verlassen.

I.2. Am 27.03.2012 wurde die BF vor dem Bundesasylamt Außenstelle Linz niederschriftlich befragt und gab zur Frage nach ihrem Religionsbekenntnis an, sie sei Christin und gehöre zur XXXX Glaubensrichtung. Sie glaube seit 1388 (2009/2010) an das Christentum. Eine Freundin hätte sie mit dem Christentum vertraut gemacht, sie hätten an Hauskirchen teilgenommen, die Hauskirche sei verraten worden und von Beamten gestürmt und auch einige Leute festgenommen worden. Als sie erfahren hätten dass die Hauskirche durchsucht worden sei, seien sie von XXXX nach XXXX gefahren und hätten, nachdem Beamte bei ihrer Wohnung gewesen seien und auch nach ihrem Ehemann gefragt hätten, sich entschlossen den Iran zu verlassen. Sie hätte im Iran zunächst Probleme auch mit ihrem Ehemann gehabt, über ihre Freundin hätte sie sich näher mit dem Christentum befasst und Broschüren gelesen und hätte ihre Beschäftigung mit dem Christentum auch letztlich ihren Ehegatten zum Christentum gebracht und hätten sie gemeinsam mehrere Hauskirchen besucht.

Die BF nannte hie bei Namen ihrer Freundin und Adresse der Hauskirche in XXXX und beantwortete in der Folge die an sie gestellten Wissensfragen zum Christentum.

I.3. Am 04.04.2013 wurde vom Bundesasylamt zu verschiedenen laufenden Verfahren der Zeuge B. M. befragt darunter auch zum Verfahren der BF und ihrer Familie. Der Zeuge gab hie bei an, dass er zu den beiden eigentlich nichts aussagen könne, da er sie nicht näher kenne. Sie seien auch nicht in einem Taufvorbereitungskurs.

I.4. Am 13.08.2013 langte beim Bundesasylamt eine Bestätigung der XXXX, XXXX Gemeinde datiert mit XXXX ein, wonach der bereits einvernommene Zeuge B. M. bestätigt, dass die BF sowie deren Ehegatte Gottesdienste und die Glaubensunterweisung für die Glaubenstaufe besuchen und die Taufe für die Herbstmonate vorgesehen sei.

I.5. Am 24.10.2013 wurde der Zeuge B. M. ein weiteres Mal einvernommen, wobei er angab, dass die BF und deren Ehegatte im September getauft worden seien, die Beiden öfter am Samstag vorbei kämen, am Sonntag eher selten, da sie die Kirche in XXXX bei XXXX besuchten. Die BF bezeichnet er als eine Person die Sehnsucht nach dem Wachstum im christlichen Glauben hätte, sie sei traurig, dass sie nicht öfter zum Gottesdienst kommen könne, deswegen habe sie auch geweint.

I.6. Vom Ehegatten der BF wurde beim Bundesasylamt am 28.10.2013 eine Bestätigung des XXXX XXXX vom "XXXX XXXX" übergeben, in welcher bestätigt wird, dass die Familie gemeinsam mit der Tochter seit September 2013 regelmäßig den Gottesdienst der XXXX Gemeinde "XXXX" in XXXX im XXXX besuchen. Ferner wurden die Taufurkunden vorgelegt

Der Antrag der BF wurde mit Bescheid des Bundesasylamtes vom XXXX, gem. § 3 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG abgewiesen. Gem. § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z13 AsylG wurde der Status des subsidiär Schutzberechtigten nicht zuerkannt und der BF gem. § 10 Abs. 1 Z 2 AsylG aus dem österreichischen Bundesgebiet in den Iran ausgewiesen.

Das Bundesasylamt führte unter anderem aus, dass nicht festgestellt werden könne, dass die BF im Iran einer wie immer gearteten aktuellen oder zum Fluchtzeitpunkt bestehenden Verfolgung ausgesetzt gewesen sei die Asylrelevanz erreicht habe und auch nicht festgestellt werden könne dass die BF aus innerer Überzeugung zum Christentum konvertiert sei. Anhand der von der BF und ihrem Ehemann getätigten Ausführungen sei für die Behörde nicht erkennbar worin die Furcht vor Verfolgung begründet sei, es gebe in den zeitlichen Angaben der Ausreise bzw. der Stürmung der Hauskirche und der Nachschau der iranischen Beamten vier Monate vor der Ausreise, zeitliche Ungereimtheiten, aus den Visaakten der österreichischen Botschaft sei ersichtlich, dass die Familie eine touristische Reise nach Österreich angetreten habe, der Antrag auf internationalen Schutz sei erst zehn Tage nach der Einreise nach Österreich eingebracht worden, dies sei ebenfalls für die Behörde nicht nachvollziehbar. Das abgefragte Wissen um christliche Inhalte und Feste sei gering und unzureichend und sei auch nach Einvernahme des Zeugen M. B. und der vorgelegten Taufurkunde davon auszugehen, dass eine Scheinkonversion vorliege und hätte dies auch durch die Aussagen des Zeugen M. B. nicht widerlegt werden können.

I.7. Gegen diesen Bescheid wurde mit Schriftsatz vom 03.12.2013 Beschwerde innerhalb offener Frist vollumfänglich erhoben und mit handschriftlichen Ausführungen sowie einer Bestätigung der XXXX im XXXX ergänzt.

I.8. Mit Eingabe vom 11.12.2013 wurde zur Untermauerung des Vorbringens in der Beschwerde ein Schreiben der XXXX XXXX vorgelegt in welchem der BF und ihrem Ehegatten Wissen über das Christentum und Glauben an Jesus Christus bezeugt wird.

I.9. Mit 12.06.2014 wurden weitere Beweismittel vorgelegt, insbesondere auf die Tätigkeiten der BF am internationalen Frauentag 2014 in der Arbeiterkammer XXXX verwiesen sowie der Tätigkeit des Ehemannes der BF als Kindertrainer im XXXX.

II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:

II.1. Verfahrensgang und Sachverhalt ergeben sich aus dem vorliegenden Verwaltungsakt.

II.2. Rechtlich ergibt sich Folgendes:

II.2.1. Zuständigkeit, Entscheidung durch den Einzelrichter

Gemäß § 7 Abs. 1 Z 1 des Bundesgesetzes, mit dem die allgemeinen Bestimmungen über das Verfahren vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl zur Gewährung von internationalem Schutz, Erteilung von Aufenthaltstiteln aus berücksichtigungswürdigen Gründen, Abschiebung, Duldung und zur Erlassung von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen sowie zur Ausstellung von österreichischen Dokumenten für Fremde geregelt werden (BFA-Verfahrensgesetz - BFA-VG), BGBl I 87/2012 idgF entscheidet das Bundesverwaltungsgericht über Beschwerden gegen Bescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl.

Gemäß § 6 des Bundesgesetzes über die Organisation des Bundesverwaltungsgerichtes (Bundesverwaltungsgerichtsgesetz - BVwGG), BGBl I 10/2013 entscheidet das Bundesverwaltungsgericht durch Einzelrichter, sofern nicht in Bundes- oder Landesgesetzen die Entscheidung durch Senate vorgesehen ist.

Gegenständlich liegt somit Einzelrichterzuständigkeit vor.

II.2.2. Anzuwendendes Verfahrensrecht

Das Verfahren der Verwaltungsgerichte mit Ausnahme des Bundesfinanzgerichtes ist durch das Bundesgesetz über das Verfahren der Verwaltungsgerichte (Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz - VwGVG), BGBl. I 33/2013 idF BGBl I 122/2013, geregelt (§ 1 leg.cit.). Gemäß § 58 Abs 2 VwGVG bleiben entgegenstehende Bestimmungen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes bereits kundgemacht wurden, in Kraft.

Gemäß § 17 VwGVG sind, soweit in diesem Bundesgesetz nicht anderes bestimmt ist, auf das Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 B-VG die Bestimmungen des AVG mit Ausnahme der §§ 1 bis 5 sowie des IV. Teiles, die Bestimmungen der Bundesabgabenordnung - BAO, BGBl. Nr. 194/1961, des Agrarverfahrensgesetzes - AgrVG, BGBl. Nr. 173/1950, und des Dienstrechtsverfahrensgesetzes 1984 - DVG, BGBl. Nr. 29/1984, und im Übrigen jene verfahrensrechtlichen Bestimmungen in Bundes- oder Landesgesetzen sinngemäß anzuwenden, die die Behörde in dem dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verfahren angewendet hat oder anzuwenden gehabt hätte.

Zu A)

II.3. Zurückverweisung gem. § 28 Abs. 3 2. Satz VwGVG

II.3.1. § 28 VwGVG lautet:

(1) Sofern die Beschwerde nicht zurückzuweisen oder das Verfahren einzustellen ist, hat das Verwaltungsgericht die Rechtssache durch Erkenntnis zu erledigen.

(2) Über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG hat das Verwaltungsgericht dann in der Sache selbst zu entscheiden, wenn

1. der maßgebliche Sachverhalt feststeht oder

2. die Feststellung des maßgeblichen Sachverhalts durch das Verwaltungsgericht selbst im Interesse der Raschheit gelegen oder mit einer erheblichen Kostenersparnis verbunden ist.

(3) Liegen die Voraussetzungen des Abs. 2 nicht vor, hat das Verwaltungsgericht im Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG in der Sache selbst zu entscheiden, wenn die Behörde dem nicht bei der Vorlage der Beschwerde unter Bedachtnahme auf die wesentliche Vereinfachung oder Beschleunigung des Verfahrens widerspricht. Hat die Behörde notwendige Ermittlungen des Sachverhalts unterlassen, so kann das Verwaltungsgericht den angefochtenen Bescheid mit Beschluss aufheben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an die Behörde zurückverweisen. Die Behörde ist hierbei an die rechtliche Beurteilung gebunden, von welcher das Verwaltungsgericht bei seinem Beschluss ausgegangen ist.

Das Modell der Aufhebung des Bescheids und Zurückverweisung der Angelegenheit an die Behörde folgt konzeptionell jenem des § 66 Abs. 2 AVG, setzt im Unterschied dazu aber nicht auch die Notwendigkeit der Durchführung oder Wiederholung einer mündlichen Verhandlung voraus. Voraussetzung für eine Aufhebung und Zurückverweisung ist allgemein (nur) das Fehlen behördlicher Ermittlungsschritte. Sonstige Mängel, abseits jener der Sachverhaltsfeststellung, legitimieren nicht zur Behebung auf Grundlage von § 28 Abs. 2 2. Satz VwGVG (vgl. VwGH 19.11.2009, 2008/07/0167: "Tatsachenbereich") (Fister/Fuchs/Sachs, Verwaltungsgerichtsverfahren (2013) § 28 Anm. 11).

II.3.2. Bisherige Judikatur zu § 66 Abs. 2 AVG

II.3.2.1. Bis zum 31.12.2013 war es dem Asylgerichtshof und davor dem Unabhängigen Bundesasylsenat gemäß § 66 Abs. 2 AVG möglich, den angefochtenen Bescheid zu beheben und die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung und Erlassung eines neuen Bescheides an das Bundesasylamt zurückzuverweisen, wenn der vorliegende Sachverhalt so mangelhaft war, dass die Durchführung oder Wiederholung einer mündlichen Verhandlung unvermeidlich erschien. Abs. 3 leg. cit. legte fest, dass der Asylgerichtshof die mündliche Verhandlung und unmittelbarer Beweisaufnahme auch selbst durchführen konnte, wenn hiermit eine Ersparnis an Zeit und Kosten verbunden war.

II.3.2.2. Diesbezüglich hat der Verwaltungsgerichtshof mit Erkenntnissen vom 21.11.2002, 2002/20/0315 und 2000/20/0084, grundsätzliche Ausführungen zur Anwendbarkeit des § 66 Abs. 2 AVG im Asylverfahren im Allgemeinen und durch den Unabhängigen Bundesasylsenat im Besonderen getätigt. Dabei hat er im letztgenannten Erkenntnis insbesondere ausgeführt, dass bei der Abwägung der für und gegen eine Entscheidung gemäß § 66 Abs. 2 AVG sprechenden Gesichtspunkte auch berücksichtigt werden muss, dass das Asylverfahren nicht nur möglichst kurz sein soll. Der Gesetzgeber hat zur Sicherung der Qualität des Asylverfahrens einen Instanzenzug vorgesehen, der zum Unabhängigen Bundesasylsenat und somit zu einer gerichtsähnlichen, unparteilichen und unabhängigen Instanz als besonderem Garanten eines fairen Asylverfahrens führt. Es kommt dem Unabhängigen Bundesasylsenat in dieser Funktion schon nach der Verfassung die Rolle einer "obersten Berufungsbehörde" (Art. 129c Abs. 1 B-VG) zu. Diese wird aber ausgehöhlt und die Einräumung eines Instanzenzuges zur bloßen Formsache degradiert, wenn sich das Asylverfahren einem eininstanzlichen Verfahren vor der Berufungsbehörde nähert, weil es das Bundesasylamt ablehnt, auf das Vorbringen sachgerecht einzugehen und brauchbare Ermittlungsergebnisse in Bezug auf die Verhältnisse im Herkunftsstaat in das Verfahren einzuführen.

II.3.2.3. Im bereits zitierten Erkenntnis vom 21.11.2002, 2000/20/0084, sowie im Erkenntnis vom 22.12.2002, 2000/20/0236, weist der Verwaltungsgerichtshof darauf hin, dass - auch bei Bedachtnahme auf die mögliche Verlängerung des Gesamtverfahrens - eine ernsthaft Prüfung des Antrages nicht erst bei der "obersten Berufungsbehörde" beginnen und zugleich bei derselben Behörde enden solle. Ein Vorgehen gemäß § 66 Abs. 2 AVG ermöglicht es daher, dem Abbau einer echten Zweiinstanzlichkeit des Verfahrens und der Aushöhlung der Funktion des unabhängigen Bundesasylsenates als Kontrollinstanz entgegenzuwirken.

II.3.2.4. Es gibt aus Sicht der erkennenden Richterin keinen Grund zu der Annahme, dass diese Judikatur nicht auf § 28 Abs. 3 VwGVG anwendbar wäre. Zunächst bildet Abs. 2 leg. cit. die Voraussetzungen von § 66 Abs. 2 und Abs. 3 AVG ab und schränkt diese sogar dahingehend ein, dass die Unvermeidlichkeit einer Verhandlung als notwendige Voraussetzung für die Anwendbarkeit weggefallen ist.

Es ist daher weiter von der, auf dem Erkenntnis vom 21.11.2002, 2002/20/0315 basierenden, ständigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes auszugehen, wonach eine ernsthafte rechtskonforme Prüfung eines Antrages nicht erst in der zweiten Instanz zu erfolgen hat.

II.3.3. Zur Anwendung des § 28 Abs. 3 VwGVG im gegenständlichen Fall:

Im gegenständlich angefochtenen Bescheid führte das Bundesasylamt aus, dass dem Vorbringen insgesamt die Glaubwürdigkeit abzusprechen war und daher die Glaubhaftmachung eines Asylgrundes ausgeschlossen werden könne.

Diese Begründung des Bundesasylamtes erweist sich jedoch mangels Durchführung eines ordnungsgemäßen Ermittlungsverfahrens als nicht zur Abweisung des Antrages des BF tragfähig und wurde nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichtes der entscheidungswesentliche Sachverhalt für die abschließende Beurteilung des Fluchtvorbringens des BF vom Bundesasylamt nicht ausreichend ermittelt.

II.3.3.1.Nach der ständigen Judikatur des VwGH kommt es nicht darauf an, ob bei Verfolgungsbehauptungen wegen Glaubenskonversion ein Asylwerber aus Sicht einer christlichen Glaubensgemeinschaft zu dieser zu zählen ist, sondern ob die religiöse Einstellung von Antragstellern, deren Eruierung naturgemäß auf gewisse Schwierigkeiten stoßen mag, zumal es sich um innere Vorgänge handelt, die regelmäßig schwer zu objektivieren sind, gegeben ist

Gerade deswegen erscheint es unerlässlich, alle sich bietenden Beweise zu erheben, was jedoch vom Bundesasylamt nur in unzureichender Weise durchgeführt wurde und wird daher das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl die entsprechenden Ermittlungen im fortgesetzten Verfahren nachzuholen haben.

So wurde vom Bundesasylamt nicht das gesamte Vorbringen der BF in die Beurteilung miteinbezogen. Wenn jedoch Parteivorbringen bzw. Teile davon unberücksichtigt bleiben, führt dies wiederum dazu, dass die Beweiswürdigung unschlüssig ist.

Das Bundesasylamt hat den Zeugen XXXX zweimal zur christlichen Grundhaltung bzw. zur Einschätzung der religiösen Überzeugung der BF und deren Ehegatten befragt und auch eine Bestätigung der XXXX vom XXXX als Beweismittel in Händen gehabt. Das Beweisergebnis zu dieser Bestätigung und insbesondere die zweite Einvernahme des XXXX XXXX wurde jedoch der BF weder zur Kenntnis gebracht, noch wurde eine ergänzende Einvernahme der BF vorgenommen, wonach schon aufgrund der Aussagen des einvernommenen Zeugen begründeter Anlass bestanden hat. Zudem lag dem Bundesasylamt auch eine weitere Bestätigung des XXXX der XXXX Gemeinde XXXX vor, die ebenfalls eine ergänzende Einvernahme sowohl der BF als auch des die Bestätigung ausstellenden Pastors notwendig erscheinen lassen.

Im Rahmen der ihm obliegenden Ermittlungspflicht wäre das Bundesasylamt jedenfalls dazu angehalten gewesen sich mit der neuerlichen Bestätigung über die Teilnahme der BF am religiösen Leben in Österreich detailliert auseinanderzusetzen und diesem Zusammenhang insbesondere den diese Bestätigung ausstellenden Pastor, zum durchgeführten Glaubenswechsel der BF, der zwischenzeitig erfolgten Taufen sowie zum Engagement für das Christentum generell zu befragen sowie im Anschluss daran die BF einer neuerlichen Befragung zum nunmehrigen religiösen Leben zu unterziehen.

Im Anschluss an diese vom Bundesasylamt verabsäumten Ermittlungstätigkeiten wird das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl das Ermittlungsergebnis einer schlüssigen Beweiswürdigung zu unterziehen haben.

Sollte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (erneut) zu dem Ergebnis gelangen, dass die Konversion der BF nicht glaubhaft ist, wird es dies nachvollziehbar zu begründen und sich in Zusammenhang mit der Rückkehrsituation damit auseinanderzusetzen haben, ob die BF

II.3.3.2. Der Verwaltungsgerichtshof verlangt in seiner Rechtsprechung eine ganzheitliche Würdigung des individuellen Vorbringens eines Asylwerbers unter dem Gesichtspunkt der Konsistenz der Angaben, der persönlichen Glaubwürdigkeit des Asylwerbers und der objektiven Wahrscheinlichkeit seines Vorbringens, wobei letzteres eine Auseinandersetzung mit aktuellen und auf objektiv nachvollziehbaren Quellen beruhenden Länderfeststellungen verlangt (vgl. VwGH 26.11.2003, Zl. 2003/20/0389).

Wie oben dargestellt, kann es nicht Sache des Bundesverwaltungsgerichtes sein, die im gegenständlichen Fall dazu erforderlichen - jedoch im Verfahren vor dem Bundesasylamt (nunmehr: Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) wesentlich mangelhaft gebliebenen - Ermittlungen nachzuholen, um dadurch erst zu den erforderlichen Entscheidungsgrundlagen zu gelangen und würde es darüber hinaus, sofern das Bundesverwaltungsgericht diese Vorgangsweise wählen würde, (mindestens) einer mündlichen Verhandlung nur zur Erörterung der Ermittlungsergebnisse bedürfen.

Ausgehend von diesen Überlegungen war im vorliegenden Fall eine kassatorische Entscheidung zu treffen. Besondere Gesichtspunkte, die aus der Sicht des Beschwerdeführers gegen eine Kassation des angefochtenen Bescheides sprechen würden, sind im vorliegenden Fall nicht erkennbar.

II.3.3.5. Die Rechtssache war daher spruchgemäß an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung zurückzuverweisen. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl wird im fortzusetzenden Verfahren die dargestellten Mängel zu verbessern haben.

II.4. Gemäß § 24 Abs 2 Z 1 VwGVG konnte eine mündliche Verhandlung unterbleiben, weil bereits auf Grund der Aktenlage feststand, dass der Beschwerde stattzugeben bzw. der angefochtene Bescheid zu beheben war.

Zu B)

II.5. Zum Ausspruch über die Unzulässigkeit der Revision

Gemäß § 25a Abs. 1 VwGG hat das Verwaltungsgericht im Spruch seines Erkenntnisses oder Beschlusses auszusprechen, ob die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist. Der Ausspruch ist kurz zu begründen.

Die Revision ist gemäß Art 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig, weil die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt. Weder weicht die gegenständliche Entscheidung von der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, noch fehlt es an einer Rechtsprechung; weiters ist die vorliegende Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes auch nicht als uneinheitlich zu beurteilen. Auch liegen keine sonstigen Hinweise auf eine grundsätzliche Bedeutung der zu lösenden Rechtsfrage vor.

Die Behebung und Zurückverweisung eines angefochtenen Bescheides gemäß § 28 Abs. 3 2. Satz VwGVG wegen Ermittlungsmängel folgt - wie bereits oben unter II.3.1. und II.3.2. ausgeführt - konzeptionell im Wesentlichen der Bestimmung des § 66 Abs. Abs. 2 AVG (bzw. des § 41 Abs. 3 AsylG 2005 idF BGBl. I Nr. 87/2012). Die zu diesen Bestimmungen ergangene Judikatur ist ausführlich und auf den hier in Betracht kommenden § 28 Abs. 3 2. Satz VwGVG infolge seiner konzeptionellen Ausgestaltung anwendbar (vergl. z.B. 17.10.2006, Zl 2005/20/0459 und grundsätzlich zur Anwendbarkeit des § 66 Abs. 2 AVG in Asylverfahren VwGH 21.11.2002, Zln. 2002/20/0315, 2000/20/0084 und insbesondere VwGH vom 21.06.2010, Zl. 2008/19/0379, wo der VwGH ausdrücklich einen Vergleich zwischen den beiden Normen § 66 Abs. 2 AVG und § 41 Abs. 3 ASylG 2005 - Fassung vor dem 01.01.2014 - zieht).

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