0.142.37Multilateral International Treaty13.01.1947
0.142.37
BS 11 786
Übersetzung
Abgeschlossen in London am 15. Oktober 1946
In Kraft getreten für die Schweiz am 13. Januar 1947
(Stand am 1. Juli 1971)
Die vertragschliessenden Regierungen haben,
nach Prüfung der in der Vollversammlung des Intergouvernementalen Komitees vom 17. August 1944 gefassten Resolution über die Schaffung eines Identitäts- und Reiseausweises für Flüchtlinge unter dem Schutz des Intergouvernementalen Komitees für Flüchtlinge,
unter Berücksichtigung der früheren internationalen Massnahmen über Reisepapiere für einige Gruppen von Flüchtlingen,
von der Notwendigkeit überzeugt, für die Flüchtlinge, auf die sich die oben erwähnte Resolution bezieht, ähnliche Massnahmen zu ergreifen, insbesondere um ihnen Reisen zu erleichtern,
in Erwägung, dass die Vorbereitung der Ausreise für Flüchtlinge, die nicht dauernd im Asyllande bleiben können, von besonderer Wichtigkeit ist,
folgendes vereinbart:
Als Übergangsmassnahme kann der in Artikel 1 erwähnte Ausweis, nach Ermessen der zuständigen Regierung, auch Flüchtlingen abgegeben werden, die zwar den übrigen Bestimmungen dieses Abkommens entsprechen, aber sich im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens nicht rechtmässig auf ihrem Gebiet aufhalten, sofern sie sich in einer von der zuständigen Regierung zu bestimmenden Frist, die nicht unter drei Monate betragen soll, den Behörden melden.
Kinder können gemäss den Vorschriften des Ausgabestaates im Reiseausweis eines erwachsenen Flüchtlings aufgeführt werden.
Die Gebühren für die Abgabe des Reiseausweises sollen den niedrigsten Ansatz, der für heimatliche Pässe gilt, nicht übersteigen.
Unter Vorbehalt von Sonder- oder Ausnahmefällen soll der Ausweis für möglichst viele Staaten gültig sein.
Die Gültigkeitsdauer des Ausweises soll nach Wahl der ausstellenden Behörde ein oder zwei Jahre betragen.
Alle vertragschliessenden Regierungen werden die gemäss diesem Abkommen abgegebenen Ausweise anerkennen.
Die Behörden des Gebietes, in das der Flüchtling reisen will, werden in seinem Reiseausweis ein Visum eintragen, wenn sie bereit sind, ihn aufzunehmen.
Die Behörden der Gebiete, in denen dieses Abkommen gilt, verpflichten sich, Flüchtlingen, die das Einreisevisum des Bestimmungslandes erhalten haben, Transitvisa zu erteilen.
Die Gebühren für die Erteilung von Aus-, Ein- oder Durchreisevisa sollen den für Visa in ausländischen Pässen vorgesehenen niedrigsten Ansatz nicht übersteigen.
Wenn ein Flüchtling sich rechtmässig in einem andern Gebiete niederlässt, in dem dieses Abkommen gilt, ist die Abgabe eines neuen Ausweises Sache der zuständigen Behörden dieses Gebietes, und der Flüchtling kann sie darum ersuchen.
Die Behörde, die einen neuen Ausweis abgibt, hat den frühern einzuziehen.
Weder durch die Abgabe des Ausweises noch durch die Einträge wird das Statut, insbesondere die Staatszugehörigkeit, des Inhabers bestätigt oder geändert.
Die Abgabe des Reiseausweises gibt dem Inhaber keinen Anspruch auf diplomatischen oder konsularischen Schutz des Staates, der den Ausweis abgegeben hat, und überträgt dessen Vertretern keine Schutzbefugnisse.
Vor dem Inkrafttreten dieses Abkommens an Personen, die unter die Artikel 1 und 2 fallen, abgegebene Reiseausweise bleiben bis zum Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer gültig.
Falls die Aufgaben des Intergouvernementalen Komitees für die Flüchtlinge einer andern internationalen Organisation übertragen würden, werden alle Bestimmungen dieses Abkommens, die sich auf das Intergouvernementale Komitee für die Flüchtlinge beziehen, auf diese Organisation anwendbar sein.2
Für das vorstehende Abkommen sind der englische und der französische Text massgebend; es trägt das Datum des heutigen Tages und bleibt in London für den Beitritt von Mitgliedstaaten des Intergouvernementalen Komitees für die Flüchtlinge wie auch von Nichtmitgliedstaaten offen.
Die Regierung des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland wird beauftragt, jeden Beitritt, unter Angabe des Datums, den Mitgliedstaaten des Intergouvernementalen Komitees für die Flüchtlinge und den Nichtmitgliedstaaten, die dieses Abkommen unterzeichnet haben, mitzuteilen.
Zu Urkund dessen haben die Unterzeichneten im Namen ihrer Regierungen ihre Unterschriften unter das vorstehende Abkommen gesetzt.So geschehen in London, am fünfzehnten Oktober des Jahres tausendneunhundertsechsundvierzig, in englischer und französischer Sprache, in einem einzigen Exemplar, das in den Archiven der Regierung des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland aufbewahrt werden wird und von dem beglaubigte Abschriften allen in Artikel 22 erwähnten Regierungen zugestellt werden.(Es folgen die Unterschriften)
| Vertragsstatten | Ratifikation Beitritt (B) Bestätigung (Best) | Inkrafttreten | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Belgien | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Brasilien | 6. Mai | 1952 B | 4. August | 1952 | |
| Chile | * | 13. Januar | 1947 | ||
| China (Taiwan) | 23. Februar | 1948 | 23. Mai | 1948 | |
| Dänemark | 30. November | 1950 | 28. Februar | 1951 | |
| Bundesrepublik Deutschland** | 21. März | 1951 | 19. Juni | 1951 | |
| Dominikanische Republik | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Frankreich | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Griechenland | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Grossbritannien*** | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Indien | 8. November | 1946 | 6. Februar | 1947 | |
| Italien | 1. Oktober | 1947 | 30. Dezember | 1947 | |
| Liberia | 16. August | 1950 | 14. November | 1950 | |
| Luxemburg | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Niederlande | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Norwegen | 6. Juli | 1949 | 4. Oktober | 1949 | |
| Pakistan | 13. Januar | 1949 Best | 15. August | 1947 | |
| Schweden | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Schweiz | * | 13. Januar | 1947 | ||
| Südafrika | 8. März | 1948 | 6. Juni | 1948 | |
| Venezuela | * | 13. Januar | 1947 | ||
| * Unterzeichnet ohne Ratifikationsvorbehalt (Art. 23 Abs. 1). | |||||
| ** Das Abkommen gilt auch für das Land Berlin. | |||||
| *** Erweiterung der territorialen Geltung siehe hiernach. | |||||
| GrossbritannienAm 28. Februar 1948 wurde der Geltungsbereich des Abkommens auf folgende Territorien erweitert: |
| Bahama | Gambia | Seschellen |
|---|---|---|
| Bermuda | Kenia | Tanganjika |
| Britisch-Guyana | Nyassaland | Trinidad |
| Britisch-Honduras | Sarawak | Uganda |
| Folgende Staaten und Territorien sind dem Abkommen nicht beigetreten, haben aber erklärt, die Abgabe von Reiseausweisen anzuerkennen: |
| Australien | Honduras | Neuseeland |
|---|---|---|
| Barbados | Irland | Nigeria |
| Ceylon | Kanada | Portugal |
| Falkland-Inseln | Libanon | Sankt Helena |
| Fidschi | Leeward-Inseln | Sansibar |
| Gibraltar | Liechtenstein | Sierra Leone |
| Guatemala | Malaiische Föderation | Singapur |
| Haiti | Malta | West-Pazifik |
In der AS nicht veröffentlicht. ↩
Für die Schweiz werden heute die genannten Aufgaben wahrgenommen von der Zwischenstaatlichen Kommission für Migrationsbewegungen in Europa (Art. 1 des BB vom 17. März 1954 betreffend die weitere Beteiligung der Schweiz am Zwischenstaatlichen Komitee für Europäische Auswanderung –BBl 1954 I 538) sowie vom Hochkommissariat der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge (Art. 35 des Abk. vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge –SR 0.142.30 ). ↩
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