BGE 134 III 115, 2C_717/2015, 4A_110/2020, 9C_431/2019, 9C_432/2019
VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI S 19 137 3. Kammer als Versicherungsgericht Einzelrichterin Pedretti und Hemmi als Aktuarin URTEIL vom 18. März 2020 in der versicherungsrechtlichen Streitsache A., vertreten durch Rechtsanwalt Bernard J.M. Kirschbaum, Beschwerdeführerin gegen B. AG, Beschwerdegegnerin betreffend Prämien nach KVG
4 - Betreibung für ausstehende Prämien der Monate April 2018 bis Juni 2018 in der Höhe Fr. 1'159.80 nebst 5 % Zins seit 16. September 2018 sowie für Mahnspesen von Fr. 180.-- und Zins von Fr. 22.20 einleitete (vgl. Bg-act. 19 und 20), -dass die Beschwerdegegnerin beim Betreibungsamt der Region X._____ gegen die Beschwerdeführerin am 15. Dezember 2018 die Be- treibung für ausstehende Prämien der Monate Juli 2018 und August 2018 in der Höhe von Fr. 773.20 nebst 5 % Zins seit 16. Dezember 2018 sowie für Mahnspesen von Fr. 130.-- und Zins von Fr. 16.40 ein- leitete (vgl. Bg-act. 26 und 27), -dass angesichts der schlüssigen Aktenlage nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 64a Abs. 2 KVG die Be- träge für die ausstehenden Prämien der Monate November 2017 bis August 2018 auf dem Betreibungsweg geltend gemacht hat, -dass die Beschwerdeführerin gegen die entsprechenden Zahlungsbe- fehle Nrn. 2181457 (24. April 2018), 2182438 (16. Juli 2018), 2183191 (18. September 2018) sowie 2184290 (17. Dezember 2018) am 21. Juni 2018, 1. August 2018, 27. September 2018 sowie 7. Januar 2019 Rechtsvorschlag erhob (vgl. Bg-act. 5, 12, 20 und 27), -dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 28. August 2018 aufforderte, den Betrag von Fr. 1'474.90 (Prämien der Monate November 2017 bis Januar 2018 von Fr. 1'157.30, Mahn- spesen von Fr. 180.--, Verzugszins von Fr. 43.50, Betreibungskosten von Fr. 94.10) zu begleichen und den Rechtsvorschlag in der Betrei- bung Nr. 2181457 im Umfang von Fr. 1'380.80 aufhob (vgl. Bg-act. 6), -dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 12. September 2018 aufforderte, den Betrag von Fr. 979.05 (Prä- mien der Monate Februar 2018 bis März 2018 von Fr. 773.20, Mahn- spesen von Fr. 130.--, Verzugszins von Fr. 22.55, Betreibungskosten von Fr. 53.30) zu begleichen und den Rechtsvorschlag in der Betrei-
5 - bung Nr. 2182438 im Umfang von Fr. 925.75 beseitigte (vgl. Bg-act. 13), -dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2. November 2018 aufforderte, den Betrag von Fr. 1'443.-- (Prä- mien der Monate April 2018 bis Juni 2018 von Fr. 1'159.80, Mahnspe- sen von Fr. 180.--, Verzugszins von Fr. 29.90, Betreibungskosten von Fr. 73.30) zu begleichen und den Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2183191 im Umfang von Fr. 1'369.70 aufhob (vgl. Bg-act. 21), -dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 8. Februar 2019 aufforderte, den Betrag von Fr. 978.80 (Prämien der Monate Juli 2018 bis August 2018 von Fr. 773.20, Mahnspesen von Fr. 130.--, Verzugszins von Fr. 22.30, Betreibungskosten von Fr. 53.30) zu begleichen und den Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2184290 im Umfang von Fr. 925.50 beseitigte (vgl. Bg-act. 28), -dass öffentlich-rechtliche Forderungen, für die – wie vorliegend – kein Rechtsöffnungstitel vorliegt, im Verwaltungsverfahren geltend zu ma- chen sind (Art. 79 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1], wobei die Verwaltungsbehörde zum Erlass einer materiellen Verfügung mit gleichzeitiger Beseitigung des Rechts- vorschlags zuständig ist (BGE 134 III 115 E.3; Urteil des Verwaltungs- gerichts des Kantons Zürich VK.2014.00008 vom 30. März 2015 E.3.2; AMONN/WALTHER, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkurs- rechts, 9. Aufl., Bern 2013, S. 140), -dass Voraussetzung für die Beseitigung eines erhobenen Rechtsvor- schlags durch die Verwaltungsbehörde ist, dass die materielle Verfü- gung über den in Betreibung gesetzten Anspruch erst nach erhobenem Rechtsvorschlag und zusammen mit dessen Beseitigung erlassen wird (STAEHELIN, in: STAEHELIN/BAUER/STAEHELIN [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. Aufl., 2010, Art. 79 Rz. 16),
6 - -dass das dargelegte Vorgehen der Beschwerdegegnerin diesen erläu- terten Vorgaben entspricht und somit nicht zu beanstanden ist, -dass die Beschwerdeführerin gegen die Verfügungen vom 28. August 2018, 12. September 2018, 2. November 2018 sowie 8. Februar 2019 am 24. September 2018, 7. November 2018 (Poststempel 8. November
7 - sollte der Kostenvorschuss nicht fristgemäss geleistet werden (Art. 74 Abs. 3 VRG), -dass die Beschwerdeführerin das angerufene Gericht mit Schreiben vom 10. Dezember 2019 (Poststempel 16. Dezember 2019) darüber in- formierte, dass sie gestützt auf Art. 103 i.V.m. Art. 319 lit. b Ziff. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) gegen die Kos- tenvorschussverfügung vom 29. November 2019 Beschwerde erhoben habe, -dass die Beschwerdeführerin ebenfalls am 10. Dezember 2019 ein Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsver- beiständung für das Beschwerdeverfahren S 19 137 einreichte, -dass das Verwaltungsgericht nach Art. 43 Abs. 3 VRG in einzelrichter- licher Kompetenz entscheidet, wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist (lit. a) oder ein Rechtsmittel offensichtlich unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet ist (lit. b), -dass sich der vorliegende Streitwert auf Fr. 4'383.80 (Prämien der Mo- nate November 2017 bis August 2018 von Fr. 3'489.80, Mahnspesen von Fr. 620.--, Betreibungskosten von Fr. 274.--) beläuft und für die streitige Angelegenheit keine Fünferbesetzung (vgl. Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist, -dass die vorliegende Beschwerde im Übrigen – wie nachfolgend darge- legt wird – offensichtlich unbegründet ist, weshalb die Beurteilung der streitigen Angelegenheit in den Kompetenzbereich der Einzelrichterin fällt, -dass sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren dieselben materiellen Fragen stellen wie bereits im Rahmen der Urteile des Verwaltungsge- richts des Kantons Graubünden S 18 112 und S 18 113 vom 15. Mai 2019, welche mit der Ausfällung der entsprechenden Urteile des Bun- desgerichts 9C_431/2019 und 9C_432/2019 am 17. Oktober 2019
8 - rechtskräftig wurden (vgl. Art. 61 des Bundesgesetzes über das Bun- desgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110]), -dass nach Art. 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 105a KVV auf fälligen Beitragsforderungen und Beitragsrückerstattungsan- sprüchen Verzugs- und Vergütungszinsen von 5 % zu leisten sind, wo- bei ein Verzugszins nicht erst nach der Mahnung gemäss Art. 64a Abs. 1 KVG, sondern bereits ab dem vom Versicherer gesetzten Zahlungs- termin und somit ab dem Zeitpunkt der Fälligkeit geschuldet ist (EUGS- TER, Die obligatorische Krankenversicherung, in: MEYER [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicher- heit, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 1326), -dass die Beschwerdegegnerin in den angefochtenen Einspracheent- scheiden vom 28./29. Oktober 2019 auf dem jeweiligen Prämien- ausstand einen Verzugszins von 5 % ab Fälligkeitstermin geltend machte (vgl. Bg-act. 1, 2, 3, 8, 9, 10, 15, 16, 17, 18, 23, 24, 25 und 30), -dass der Zinssatz von 5 % somit gesetzeskonform und auch der Beginn der Verzinsung nicht zu beanstanden ist, -dass der Versicherer bei schuldhaft verursachten Zahlungsverzögerun- gen für die Mahnung eine angemessene Bearbeitungsgebühr erheben kann, sofern er in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht (Art. 105b Abs. 2 KVV), -dass mit anderen Worten die Höhe der im Zahlungsverzug einer obli- gatorisch versicherten Person zu erhebenden Kosten im Ermessen der Krankenversicherung steht, soweit sie sich an das Äquivalenzprinzip hält (EUGSTER, a.a.O., Rz. 1348 f.), -dass das Äquivalenzprinzip verlangt, dass eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum fraglichen Ausstand stehen darf und sich in vernünftigen Grenzen halten muss (Urteil des Bundesge- richts 2C_717/2015 vom 13. Dezember 2015 E.7.1),
9 - -dass gemäss Art. 14.2 der allgemeinen Versicherungsbedingungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung der Beschwerdegegnerin vom Januar 2017 bzw. 2018 Auslagen für Mahnungen und Betreibun- gen zulasten der versicherten Person gehen (vgl. Bg-act. 41 und 42), -dass angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_874/2015 vom 4. Februar 2016 E.4.2.1 und 4.2.3) bei den in den angefochtenen Einspracheentscheiden vom 28./29. Oktober 2019 geltend gemachten Mahnspesen von Fr. 180.-- (bei Prämienausständen von Fr. 1'157.30), Fr. 130.-- (bei Prämien- ausständen von Fr. 773.20), Fr. 180.-- (bei Prämienausständen von Fr. 1'159.80) sowie Fr. 130.-- (bei Prämienausständen von Fr. 399.50) nicht von einem Missverhältnis der Spesen insgesamt zu den Ausstän- den gesprochen werden kann (vgl. Bg-act. 8, 15, 23 und 30), weshalb die besagten Mahnspesen der Beschwerdeführerin zu Recht auferlegt wurden, -dass die Betreibungskosten gemäss Art. 68 SchKG von Gesetzes we- gen geschuldet sind, weshalb dafür weder die Rechtsöffnung zu erteilen noch ein Rechtsvorschlag aufzuheben ist (EUGSTER, in: STAUFFER/CAR- DINAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2018, Art. 64a Rz. 11), -dass die Beschwerdeführerin vorliegend Schuldnerin in den Betrei- bungsverfahren ist, weshalb die Kosten für die Ausstellung der Zah- lungsbefehle Nrn. 2181457, 2182438, 2183191 und 2184290 sowie die weiteren Betreibungskosten von insgesamt Fr. 274.-- von ihr zu über- nehmen sind (vgl. Bg-act. 5, 12, 20 und 27), -dass sich nach dem Ausgeführten die angefochtenen Einspracheent- scheide vom 28./29. Oktober 2019 als rechtens erweisen, was zu ihrer Bestätigung und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde vom 21. November 2019 führt, -dass das Kantonsgericht von Graubünden mit Entscheid vom 22. Ja- nuar 2020 auf die von der Beschwerdeführerin gegen die Kostenvor-
10 - schussverfügung vom 29. November 2019 erhobene Beschwerde vom
11 - der ihr zumutbaren vernunftgemässen Überlegung ohne Weiteres hätte erkennen können, dass ihr Verhalten aussichtslos ist (KIESER, ATSG- Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 61 ATSG Rz. 68), -dass im vorliegenden Fall von einer mutwilligen bzw. leichtsinnigen Pro- zessführung auszugehen ist, da die materielle Situation im vorliegenden Beschwerdeverfahren – wie bereits erwähnt – gleich zu beurteilen ist wie in den rechtskräftigen Urteilen des Verwaltungsgerichts des Kan- tons Graubünden S 18 112 und S 18 113 vom 15. Mai 2019 und die Beschwerdeführerin somit nach der Zustellung der besagten Bundes- gerichtsurteile (9C_431/2019 und 9C_432/2019 vom 17. Oktober 2019) auf die Einreichung ihrer Beschwerde vom 21. November 2019 hätte verzichten können, was sie aber nicht tat, -dass es sich daher rechtfertigt, im vorliegenden Fall die Staatsgebühr auf Fr. 500.-- festzulegen und sie zusammen mit den Kanzleiauslagen der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 72 ff. VRG), -dass vor diesem Hintergrund das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeistän- dung vom 10. Dezember 2019 infolge des offensichtlich mutwilligen bzw. von vornherein aussichtslosen Rechtsstreits abzuweisen ist (vgl. Art. 76 Abs. 1 VRG), -dass sich die Durchführung eines Schriftenwechsels erübrigt, da die Be- schwerde vom 21. November 2019 – wie bereits dargelegt – offensicht- lich unbegründet ist (Art. 54 Abs. 2 VRG), wird erkannt: 1.Die Verfahren S 19 137 und S 20 16 werden vereinigt. 2.Die Beschwerde im Verfahren S 19 137 wird abgewiesen.
12 - 3.1.A._____ wird verpflichtet, der B._____ AG den Betrag von Fr. 1'337.30 nebst 5 % Zins seit 31. Oktober 2017 auf Fr. 385.35, seit 30. November 2017 auf Fr. 385.35 und seit 31. Dezember 2017 auf Fr. 386.60 zu bezah- len. In diesem Umfang wird der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2181457 des Betreibungsamts der Region X._____ aufgehoben und der B._____ AG die definitive Rechtsöffnung erteilt. 3.2.Ferner hat A._____ der B._____ AG den Betrag von Fr. 903.20 nebst 5 % Zins seit 31. Januar 2018 auf Fr. 386.60 und seit 28. Februar 2018 auf Fr. 386.60 zu leisten. In diesem Umfang wird der Rechtsvorschlag in der Be- treibung Nr. 2182438 des Betreibungsamts der Region X._____ aufgeho- ben und der B._____ AG die definitive Rechtsöffnung erteilt. 3.3.Des Weiteren hat A._____ der B._____ AG den Betrag von Fr. 1'339.80 nebst 5 % Zins seit 31. März 2018 auf Fr. 386.60, seit 30. April 2018 auf Fr. 386.60 und seit 31. Mai 2018 auf Fr. 386.60 zu bezahlen. In diesem Umfang wird der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2183191 des Betreibungs- amts der Region X._____ aufgehoben und der B._____ AG die definitive Rechtsöffnung erteilt. 3.4.Schliesslich wird A._____ verpflichtet, der B._____ AG den Betrag von Fr. 529.50 nebst 5 % Zins seit 30. Juni 2018 auf Fr. 386.60 und seit 31. Juli 2018 auf Fr. 12.90 zu bezahlen. In diesem Umfang wird der Rechtsvor- schlag in der Betreibung Nr. 2184290 des Betreibungsamts der Region X._____ aufgehoben und der B._____ AG die definitive Rechtsöffnung er- teilt. 4.Die Betreibungskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 274.-- werden A._____ auferlegt.
13 - 5.Die Prozessbeschwerde im Verfahren S 20 16 wird als gegenstandslos ge- worden abgeschrieben. 6.Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechts- verbeiständung wird abgewiesen. 7.Die Gerichtskosten, bestehend
aus einer Staatsgebühr vonFr.500.--
und den Kanzleiauslagen vonFr.314.-- zusammenFr.814.-- gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen. 8.[Rechtsmittelbelehrung] 9.[Mitteilungen]