Service by private postal provider rebuts deemed service date

BFH V B 163/14Bfh / Divisão 525 de mar. de 2015Remanded

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The BFH upheld a non-admission complaint against a Finance Court judgment that had dismissed the taxpayer's action as time-barred. The court held that where the tax administration uses a private postal service provider, a taxpayer can rebut the presumption of service under § 122(2) no. 1 AO by proving that the letter was not processed and forwarded until the next working day. Because a deemed same-day receipt was impossible, the objection decision was treated as served one day later, making the action timely. The judgment was set aside and the case remitted to the Finance Court, which was also assigned costs.

Sumário Omnilex

§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO; rebuttal of deemed service when notice is sent via private postal service provider; a taxpayer may disprove the presumption of same-day postal delivery by showing, through suitable evidence, that the item was not sorted and forwarded until the next working day. In such a case, a same-day receipt is objectively impossible and the presumption is displaced. The Federal Fiscal Court must consider the evidence ex officio even in non-admission complaint proceedings and is not bound by the factual findings of the lower court when examining whether the action was filed in time (consid. 4 f.).

Texto completo

BFH — V B 163/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-03-25

Aktenzeichen: V B 163/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 122 Abs 2 Nr 1 AO

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 14. November 2014, Az: 11 K 484/13 U, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Bekanntgabe unter Einschaltung eines Postserviceunternehmens

Leitsatz

  1. NV: Bedient sich die Finanzverwaltung zur Bekanntgabe von Verwaltungsentscheidungen eines privaten Postserviceunternehmens und weist der Steuerpflichtige nach, dass die für die Übermittlung mit einfacher Briefpost bestimmte Sendung trotz des in den Akten des FA als Tag der "Aufgabe zur Post" vermerkten Zeitpunkts durch das private Postserviceunternehmen erst am ersten Werktag der Folgewoche von dem privaten Postserviceunternehmen sortiert und der Weiterleitung an den Adressaten zugeführt worden ist, gilt die Zugangsvermutung des § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO als widerlegt, da ein (vermuteter) Zugang am gleichen Tag schlechthin nicht möglich ist .

  2. NV: Eine zum Nachweis erstellte Bescheinigung des Postserviceunternehmens muss der BFH auch im Verfahren über die Nichtzulassungsbeschwerde bei der Prüfung der Sachurteilsvoraussetzung der fristgerechten Klageerhebung ohne Bindung an die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz beachten .

Tenor

Auf die Beschwerde des Klägers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf vom 14. November 2014 11 K 484/13 U aufgehoben.

Die Sache wird an das Finanzgericht Düsseldorf zurückverwiesen.

Diesem wird die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens übertragen.

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers und Beschwerdeführers (Kläger) ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Finanzgericht (FG). Das angefochtene Urteil beruht auf einem Verfahrensmangel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO).

2 1. Weist das FG eine Klage zu Unrecht durch Prozessurteil als unzulässig ab, statt zur Sache zu entscheiden, liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ein Verfahrensfehler i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO vor (BFH-Beschlüsse vom 1. März 2013 IX B 144/12, BFH/NV 2013, 952, und vom 15. Juli 2013 IX B 28/13, BFH/NV 2013, 1537). Ein derartiger Mangel ist insbesondere gegeben, wenn das Gericht deshalb nicht zur Sache entscheidet, weil es zu Unrecht davon ausgeht, dass die Klagefrist versäumt ist (BFH-Urteil vom 24. September 1985 IX R 47/83, BFHE 145, 299, BStBl II 1986, 268; BFH-Beschlüsse vom 26. Mai 2010 VIII B 228/09, BFH/NV 2010, 2080 und in BFH/NV 2013, 1537).

3 2. Im Streitfall hat das FG die Klage zu Unrecht wegen Versäumung der Klagefrist als unzulässig abgewiesen.

4 Mit der Behauptung, die Klagefrist sei bei Klageerhebung nicht abgelaufen gewesen und das FG habe in diesem Zusammenhang § 122 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) unrichtig angewandt, da die Einspruchsentscheidung nicht, wie vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt --FA--) behauptet, als am 14. Januar 2013 zugegangen gilt, da sie erst am 15. Januar 2013 tatsächlich zugegangen ist, hat der Kläger einen Verfahrensfehler geltend gemacht und auch hinreichend dargelegt. Er liegt auch vor: Bedient sich --wie im Streitfall-- die Finanzverwaltung zur Bekanntgabe von Verwaltungsentscheidungen eines privaten Postserviceunternehmens und weist der Steuerpflichtige --wie im Streitfall durch die Bestätigung der Firma P-- nach, dass die für die Übermittlung mit einfacher Briefpost bestimmte Sendung trotz des in den Akten des FA als Tag der "Aufgabe zur Post" vermerkten Zeitpunkts (hier: Freitag, den 11. Januar 2013) durch das private Postserviceunternehmen erst am ersten Werktag der Folgewoche (d.h. hier: am Montag, den 14. Januar 2013) von dem privaten Postserviceunternehmen sortiert und der Weiterleitung an den Adressaten zugeführt worden ist, gilt die Zugangsvermutung des § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO als widerlegt, da ein (vermuteter) Zugang am gleichen Tag --dem 14. Januar 2013-- schlechthin nicht möglich ist. Die Bescheinigung der Firma P musste der BFH berücksichtigen, auch wenn sie erst nach Verkündung der angefochtenen Entscheidung vorgelegt wurde. Die Sachentscheidungsvoraussetzung der fristgerechten Klageerhebung ist vom BFH von Amts wegen und ohne Bindung an die tatsächlichen Feststellungen des FG zu prüfen (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 21. Januar 1999 IV R 40/98, BFHE 188, 523, BStBl II 1999, 563).

5 Daher ist im Streitfall von einer Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung erst am 15. Januar 2013 auszugehen, so dass die Klageerhebung am 15. Februar 2013 noch fristgerecht war.

6 3. Der Senat hält es für sachgerecht, gemäß § 116 Abs. 6 FGO die Vorentscheidung wegen des Verfahrensfehlers aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zurückzuverweisen. Diesem wird auch die Kostenentscheidung nach § 143 Abs. 2 FGO übertragen.

Palavras-chave

service of processlimitation periodpostal providerrebuttal of presumptioninadmissibilitytax procedure

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the complaint was admissible because the action had been filed within the limitation period after service of the objection decision.

Decisão extraída

The deemed-service presumption was rebutted by proof that the mailing was not sorted and forwarded until the first working day of the following week; service therefore occurred one day later and the action was timely.

Fundamentação extraída

When the tax administration uses a private postal service provider, a taxpayer may rebut the presumption under § 122(2) no. 1 AO by showing that the item, despite the date of posting in the file, was processed only on the next working day. A same-day deemed receipt was therefore impossible, and the BFH had to consider the postal provider's certificate even though it was submitted later.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.