VAT on gambling revenues: no referral duty for tax courts

BFH V B 1/13Bfh / Divisão 526 de fev. de 2014Dismissed

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The Federal Fiscal Court dismissed the complainant’s non-admission complaint in a VAT dispute concerning gambling revenues. It held that the disputed questions were already answered by the CJEU in Metropol, so there was no fundamental or uniformity-based reason to admit the appeal. The court further rejected the argument that the fiscal court had violated the right to the statutory judge by not referring the case to Luxembourg, emphasizing that fiscal courts are not obliged to refer as non-final courts. An amending 2011 VAT assessment did not justify remittal because it did not worsen the complainant’s position and the dispute remained unchanged.

Sumário Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 1 and 2 FGO; Art. 267 TFEU; Art. 103 GG; amended tax assessment and Section 127 FGO: leave to appeal is denied where the legal issue has already been clarified by the Court of Justice and no further need for clarification exists. Fiscal courts, as non-last-instance courts, are not obliged to refer questions to the CJEU; the omission of a referral does not of itself constitute a denial of the statutory judge. A later amending assessment leads to remittal only if it worsens the appellant's position or that worsening is contested; otherwise the prior judgment need not be set aside.

Texto completo

BFH — V B 1/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-02-26

Aktenzeichen: V B 1/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 4 Nr 9b UStG 2005, Art 1 EGRL 112/2006, Art 135 Abs 1 Buchst i EGRL 112/2006, Art 267 AEUV, Art 103 GG, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 127 FGO, UStG VZ 2009, UStG VZ 2010, UStG VZ 2011, UStG VZ 2012

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 21. November 2012, Az: 5 K 217/12, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Umsatzbesteuerung von Glücksspielumsätzen - Vorlage an den EuGH durch FG

Leitsatz

  1. NV: Es ist geklärt, dass Mehrwertsteuer und eine innerstaatliche Sonderabgabe auf Glücksspiele kumulativ erhoben werden dürfen, sofern die Sonderabgabe nicht den Charakter einer Umsatzsteuer hat und dass Art. 1 Abs. 2 MwStSystRL einer innerstaatlichen Regelung nicht entgegensteht, nach der die geschuldete Mehrwertsteuer betragsgenau auf eine nicht harmonisierte Abgabe angerechnet wird.

  2. NV: Die Finanzgerichte sind nicht zu Vorlagen an den EuGH verpflichtet.

Gründe

1 Die Beschwerde der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) hat keinen Erfolg.

2 1. Die Revision ist nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) zuzulassen.

3 Die Klägerin hält es für klärungsbedürftig, ob Mehrwertsteuer und nationale Sonderabgaben auf Glücksspiele nur alternativ, nicht aber kumulativ erhoben werden dürfen. Gleiches gelte für die Frage, ob landesrechtliche Bestimmungen mit dem Unionsrecht vereinbar sind, die für staatliche Spielbanken eine Anrechnung, Stundung oder einen Erlass von Sonderabgaben vorsehen, die mit der Umsatzsteuer korrespondieren und die so zu einem faktischen Wettbewerbsvorteil im Verhältnis zu privaten Geldspielautomatenaufstellern führen.

4 Die von der Klägerin aufgeworfenen Fragen sind bereits durch die Rechtsprechung geklärt. So hat der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) mit Urteil vom 24. Oktober 2013 C-440/12 Metropol (Umsatzsteuer-Rundschau --UR-- 2013, 866) entschieden, dass Art. 401 der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) i.V.m. Art. 135 Abs. 1 Buchst. i dieser Richtlinie dahin auszulegen ist, "dass die Mehrwertsteuer und eine innerstaatliche Sonderabgabe auf Glücksspiele kumulativ erhoben werden dürfen, sofern die Sonderabgabe nicht den Charakter einer Umsatzsteuer hat" und dass Art. 1 Abs. 2 MwStSystRL dahin auszulegen ist, "dass er einer innerstaatlichen Regelung, wonach die geschuldete Mehrwertsteuer betragsgenau auf eine nicht harmonisierte Abgabe angerechnet wird, nicht entgegensteht". Damit besteht kein weitergehender Klärungsbedarf in Bezug auf die aufgeworfenen Fragen.

5 2. Die Revision ist auch nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO) zuzulassen, da durch das EuGH-Urteil Metropol in UR 2013, 866, das die nationalen Gerichte bei der Rechtsauslegung und –anwendung zu beachten haben, eine hinreichende Klärung eingetreten ist. Dies gilt auch in Bezug auf frühere Urteile des EuGH.

6 Die in diesem Zusammenhang von der Klägerin auch erhobene Rüge, das Finanzgericht (FG) habe ihr durch das Unterlassen einer Vorlage an den EuGH den gesetzlichen Richter entzogen und damit gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes (GG) verstoßen, greift nicht durch. Denn nach Art. 267 des Vertrages über die Arbeitsweise der Union sind die Finanzgerichte --als nicht letztinstanzliche Gerichte-- nicht zur Vorlage an den EuGH verpflichtet (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 19. Juli 1994 VII R 107/93, BFHE 175, 192, BStBl II 1994, 875, unter II.2. der Gründe; BFH-Beschluss vom 27. November 2003 VII R 49/03, BFH/NV 2004, 521, unter II.2.). Das gilt auch, wenn Rechtsmittel --ggf. durch das höhere Gericht-- zuzulassen sind (vgl. BFH-Beschluss vom 9. November 2007 IV B 169/06, BFH/NV 2008, 390, unter 4.).

7 3. Es liegt auch kein Verfahrensfehler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) vor. Die Klägerin macht insoweit geltend, dass ihr Anspruch auf faires Verfahren und damit Art. 103 GG verletzt sei. Im Kern wendet sich die Klägerin aber gegen die materiell-rechtliche Beurteilung durch das FG, die zwischenzeitlich durch den EuGH bestätigt wurde. Dass die Klägerin eine nachvollziehbare Ableitung der finanzgerichtlichen Überzeugung vermisst und beanstandet, dass das FG davon ausgegangen ist, dass die Voraussetzungen für eine Aussetzung nach § 74 FGO evident nicht vorgelegen hätten, reicht nicht aus.

8 4. Auch der Erlass des Änderungsbescheides führt nicht zur Begründetheit der Beschwerde.

9 Ergeht während des Verfahrens über eine zulässige, aber unbegründete Nichtzulassungsbeschwerde ein Änderungsbescheid, ist die Vorentscheidung entsprechend § 127 FGO aufzuheben und die Sache an das FG zurückzuverweisen. Die Vorentscheidung ist aber nicht entsprechend § 127 FGO aufzuheben, wenn der Änderungsbescheid keine gegenüber den bisherigen Belastungen verbösernde Entscheidung enthält oder diese Entscheidung nicht streitig ist (z.B. BFH-Beschlüsse vom 31. März 2006 V B 13/04, BFH/NV 2006, 1492; vom 8. Februar 2007 IV B 138/05, BFH/NV 2007, 1326, und vom 29. Oktober 2010 V B 123/09, BFH/NV 2011, 663).

10 Diese Voraussetzungen liegen hier vor. Der Umsatzsteuerjahresbescheid 2011 vom 4. Juli 2013 hat die --auch-- angefochtenen Umsatzsteuervorauszahlungsbescheide Januar bis Mai 2011, Juli 2011 und September bis Dezember 2011 ersetzt und ist nach § 68 FGO zum Verfahrensgegenstand geworden (BFH-Beschlüsse vom 15. Oktober 2008 X B 60/07, BFH/NV 2009, 205; vom 29. Oktober 2004 XI B 213/02, BFH/NV 2005, 566). Klägerin und der Beklagte und Beschwerdegegner haben zudem erklärt, dass sich durch den Erlass des Umsatzsteuerjahresbescheides der Streitgegenstand nicht geändert habe.

Palavras-chave

VATgamblingEU lawpreliminary referencenon-admission complaintfundamental significanceuniformity of case lawprocedural erroramending assessment

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Questão jurídica principal

Whether leave to appeal must be granted because the case has fundamental significance regarding cumulative VAT and national gambling levies.

Decisão extraída

No. The legal questions were already clarified by the Court of Justice in Metropol.

Fundamentação extraída

The Court relied on the CJEU judgment C-440/12, which held that VAT and an internal gambling levy may be charged cumulatively if the levy is not a turnover tax, and that Article 1(2) of the VAT Directive does not preclude exact offsetting of VAT against a non-harmonized levy.

Questão jurídica principal

Whether leave to appeal is required to secure uniform case law in light of EU law and a duty to refer to the CJEU.

Decisão extraída

No. The CJEU's Metropol judgment provided sufficient clarification, and fiscal courts are not obliged to refer cases to the CJEU as non-final courts.

Fundamentação extraída

Article 267 TFEU does not impose a referral duty on non-last-instance fiscal courts; the alleged denial of the statutory judge therefore failed.

Questão jurídica principal

Whether a procedural violation occurred because the fiscal court did not refer the matter to the CJEU and allegedly violated the right to be heard or to a fair trial.

Decisão extraída

No procedural error was established.

Fundamentação extraída

The complaint merely attacked the substantive assessment; the court’s view that a stay under Section 74 FGO was evidently unnecessary was sufficient.

Questão jurídica principal

Whether the amended 2011 VAT assessment required setting aside the lower-court judgment and remitting the case under Section 127 FGO.

Decisão extraída

No. The amending assessment replaced the earlier advance assessments, but it did not worsen the appellant's position and the parties stated that the dispute remained unchanged.

Fundamentação extraída

A remittal under Section 127 FGO is only required if the amending decision contains a worse burden or if that worsening is disputed.

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