Waiver of oral hearing consumed by later case-management order

BFH XI B 7/13Bfh / Division 115 de fev. de 2014Annulled

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The taxpayer challenged the denial of input tax deduction. Although it had initially consented to a decision without oral hearing, the FG later issued an order requiring production of the original invoice and giving legal instructions, then decided the case without a hearing. The BFH held that this preparatory order consumed the waiver, so the FG could no longer rely on it. The taxpayer was therefore denied the right to be heard. The BFH set aside the judgment and remitted the case to the FG for a new hearing and decision, leaving the costs to be decided by the FG.

Sumário Omnilex

§ 90 Abs. 2 FGO, Art. 103 Abs. 1 GG; waiver of oral hearing is consumed by a later decision preparing the merits. A waiver declared under § 90 Abs. 2 FGO is not indefinitely binding; its effect is limited until the next procedural act of the court that materially advances the case toward a merits decision, in particular an evidentiary or instructional order under § 79 FGO. Such an order changes the procedural posture in a way that justifies reconsideration of the parties' consent. If the court nevertheless decides without oral hearing, the right to be heard is violated and the judgment may be set aside and remitted under § 116 Abs. 6 FGO (consid. 1-3).

Texto completo

BFH — XI B 7/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-02-05

Aktenzeichen: XI B 7/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 90 Abs 2 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 116 Abs 6 FGO, § 119 Nr 4 FGO, § 79 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG München, 5. Dezember 2012, Az: 3 K 3129/09, Urteil

Spruchkörper: 11. Senat

Titelzeile

Verzicht auf mündliche Verhandlung - Verbrauch der Verzichtserklärung

Leitsatz

  1. NV: Ein erklärter Verzicht auf mündliche Verhandlung wird durch eine die Sachentscheidung vorbereitende Entscheidung des Gerichts verbraucht .

  2. NV: Ein Auflagenbeschluss, mit dem einem Beteiligten die Vorlage einer Urkunde aufgegeben wird und rechtliche Hinweise erteilt werden, stellt eine solche, die Prozesslage wesentlich ändernde Sachentscheidung dar .

Tatbestand

1 I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt --FA--) stimmte der Umsatzsteuererklärung der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin), einer AG, für den Besteuerungszeitraum 2001 (Streitjahr) nicht zu. Mit Umsatzsteuerbescheid für das Streitjahr vom 3. September 2008 versagte das FA den Abzug eines Vorsteuerbetrages von … DM (… €), weil die Klägerin nicht die Empfängerin der abgerechneten Leistung sei. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.

2 Auf entsprechende --mit der Eingangsbestätigung der Klage beim Finanzgericht (FG) verbundene-- Frage erklärte die Klägerin mit Schriftsatz vom 9. November 2009 ihr Einverständnis mit einer Entscheidung ohne mündliche Verhandlung (§ 90 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).

3 Am 27. August 2012 erließ der Berichterstatter "gemäß § 79 Finanzgerichtsordnung (FGO) folgende Aufklärungsanordnung :

4 Der Klägerin wird aufgegeben, die Rechnung vom 25. Januar 2001 der ... über den Bruttobetrag von … DM im Original vorzulegen.

5 Darüber hinaus ergeht der Hinweis, dass der Vorsteuerabzug aus der vorgenannten Rechnung auch deshalb zu versagen sein könnte, weil der Leistungsgegenstand in der Rechnung nicht ausreichend beschrieben wird; eine Bezugnahme auf weitere Unterlagen fehlt."

6 Mit Schriftsatz vom 10. Oktober 2012 führte die Klägerin u.a. zur Beschreibung des Leistungsgegenstands in der betreffenden Rechnung aus und bat um die Anberaumung eines Termins zur mündlichen Verhandlung, da im Hinblick auf die bestehende Komplexität eine mündliche Verhandlung nun doch geboten sei.

7 Das FG wies die Klage ohne mündliche Verhandlung mit Urteil vom 5. Dezember 2012 ab.

8 Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Klägerin wegen Nichtzulassung der Revision (§ 116 Abs. 1 FGO).

Entscheidungsgründe

9 II. Die zulässige Beschwerde ist begründet; sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung des Rechtsstreits an das FG gemäß § 116 Abs. 6 FGO.

10 1. Der von der Klägerin geltend gemachte Verfahrensfehler i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann, liegt vor. Das FG hat der Klägerin rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes --GG--, § 96 Abs. 2 FGO) versagt, indem es nach Ergehen der Aufklärungsanordnung (vgl. § 79 FGO) den Rechtsstreit ohne mündliche Verhandlung entschieden hat, obwohl es nicht mehr von einem wirksamen Verzicht der Klägerin auf mündliche Verhandlung (§ 90 Abs. 2 FGO) ausgehen durfte.

11 a) Der erklärte Verzicht hat sich durch den nachfolgenden Auflagenbeschluss des FG (§ 79 FGO) verbraucht (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 5. März 1986 I R 28/81, BFH/NV 1987, 651, und vom 31. August 2010 VIII R 36/08, BFHE 231, 1, BStBl II 2011, 126; BFH-Beschluss vom 10. März 2011 VI B 147/10, BFHE 232, 322, BStBl II 2011, 556; Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. März 2006 7 B 90/05, juris; Schallmoser in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 90 FGO Rz 58).

12 b) Diese einschränkende Auslegung der Verzichtserklärung und die Beschränkung ihrer Wirkung bis zur nächsten eine Sachentscheidung vorbereitenden Entscheidung des FG --wie hier dem Auflagenbeschluss, mit dem der Klägerin die Vorlage einer Urkunde im Original aufgegeben und den Beteiligten rechtliche Hinweise erteilt worden waren-- ist aufgrund der besonderen Interessenlage der Beteiligten geboten (vgl. BFH-Urteile vom 9. August 1996 VI R 37/96, BFHE 181, 115, BStBl II 1997, 77, und in BFHE 231, 1, BStBl II 2011, 126). Denn der Verzicht hat für die Beteiligten weitreichende Folgen, weil er als Prozesshandlung nach der Rechtsprechung des BFH nicht frei widerrufbar ist, sondern nur dann, wenn sich die Prozesslage nach Abgabe der Einverständniserklärung wesentlich geändert hat (z.B. BFH-Beschlüsse vom 22. Oktober 2003 I B 39/03, BFH/NV 2004, 350, und vom 17. Oktober 2011 IX B 108/11, BFH/NV 2012, 245, m.w.N.).

13 c) Da die Verzichtserklärung nach den vorstehenden Maßgaben wirkungslos geworden ist, war die Klägerin nicht nach den Vorschriften des Gesetzes vertreten (§ 119 Nr. 4 FGO; vgl. BFH-Beschlüsse vom 12. Januar 2007 II B 41/06, BFH/NV 2007, 755, und vom 8. Februar 2008 XI B 190/07, juris, m.w.N.).

14 2. Hiernach braucht der Senat nicht mehr auf den von der Klägerin ferner geltend gemachten Verfahrensfehler einzugehen, sie sei ihrem gesetzlichen Richter entzogen worden (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG, § 119 Nr. 1 FGO).

15 3. Der Senat hält es für sachgerecht, gemäß § 116 Abs. 6 FGO die Vorentscheidung wegen des Verfahrensfehlers aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zurückzuverweisen.

16 4. Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab (§ 116 Abs. 5 Satz 2 FGO).

17 5. Die Übertragung der Kostentscheidung auf das FG beruht auf § 143 Abs. 2 FGO.

Palavras-chave

oral hearingwaiverright to be heardprocedural defectremandcase management ordertax procedureinput tax deduction

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the taxpayer's waiver of oral hearing remained effective after the court's evidentiary order and legal instructions.

Decisão extraída

No. The earlier waiver was consumed by the later case-preparatory order, so the court could no longer decide without an oral hearing.

Fundamentação extraída

A waiver of oral hearing is effective only until the next court decision preparing the merits. An order requiring original document production and giving legal guidance materially changes the procedural position and exhausts the waiver.

Questão jurídica principal

Whether the first-instance judgment had to be set aside and the case remitted.

Decisão extraída

Yes. Because the hearing defect could have affected the decision, the judgment was annulled and the matter remanded to the FG.

Fundamentação extraída

The violation of the right to be heard and the invalidity of the waiver constituted a procedural defect warranting reversal under the procedural remittal provision.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.