Tax-free intra-Community supply in chain transaction

BFH V B 53/11Bfh / Divisão 53 de nov. de 2011Dismissed

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Resumo Omnilex

The BFH rejected the complaint against the Hessisches Finanzgericht’s judgment. It held that no divergence existed within the meaning of § 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO because the lower court had not adopted a different abstract legal standard from BFH or CJEU case law, but had only assessed the facts differently. In chain transactions, transport is allocated to the first supply if the first purchaser had already sold on the goods but had not disclosed this to the first supplier before transport; the presence or absence of such disclosure is a factual question. Since the FG’s finding that the taxpayer lacked knowledge of the onward sale was not successfully challenged, revision was not admissible.

Sumário Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO; Divergenz lies only where the lower court, on a comparable factual basis, adopts a different abstract legal view on a decisive issue from the BFH or the CJEU. Misapplication of settled principles, errors in weighing evidence, or other factual/subsumption mistakes do not establish divergence. In chain transactions, where the first purchaser is also a reseller, allocation of transport follows the purchaser’s disclosed or undisclosed intention to resell; if the first supplier had no knowledge before transport of the onward sale, the transport is attributed to the first supply and may render it tax-free.

Texto completo

BFH — V B 53/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-11-03

Aktenzeichen: V B 53/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 3 Abs 6 S 6 UStG 1999, § 115 Abs 2 Nr 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Finanzgericht, 14. April 2011, Az: 6 K 1390/08, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung im Reihengeschäft

Leitsatz

NV: Hat der Unternehmer die Ware an einen im Ausland ansässigen Unternehmer verkauft und vor der Beförderung der Ware ins Ausland keine Kenntnis davon, dass der Ersterwerber den Gegenstand der Lieferung bereits einem anderen weiterverkauft hat, ist die Lieferung dem ersten Unternehmer zuzurechnen und damit steuerfrei. Die Frage, ob der Ersterwerber diese Kenntnis besaß oder nicht ist eine Frage der Würdigung der Umstände des Einzelfalles und begründet bei Fehlern keine Zulassung der Revision wegen Divergenz.

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet, weil das Finanzgericht (FG) weder von der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) noch von der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) abgewichen ist (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).

2 1. Eine die Rechtseinheit gefährdende Abweichung liegt nur vor, wenn das FG bei gleichem oder vergleichbarem Sachverhalt in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage eine andere Rechtsauffassung vertritt als u.a. der BFH oder der EuGH (vgl. BFH-Beschlüsse vom 12. Oktober 2006 VI B 154/05, BFH/NV 2007, 51; vom 19. April 2010 IV B 38/09, BFH/NV 2010, 1489). Divergenz setzt somit eine Nichtübereinstimmung im Grundsätzlichen voraus (BFH-Beschluss vom 14. Oktober 2009 IX B 105/09, BFH/NV 2010, 443). Fehler bei der Würdigung von Tatsachen, die fehlerhafte Umsetzung von Rechtsprechungsgrundsätzen auf die Umstände des Einzelfalles oder bloße Subsumtionsfehler des FG können jedoch nicht zur Zulassung der Revision führen (z.B. BFH-Beschlüsse vom 8. März 2004 VII B 334/03, BFH/NV 2004, 974; vom 16. Dezember 2005 IX B 38/05, BFH/NV 2006, 772; vom 2. September 2005 I B 56-59/05, BFH/NV 2006, 96).

3 2. Wird der Gegenstand der Lieferung durch einen Abnehmer befördert oder versendet, der zugleich Lieferer ist, ist gemäß § 3 Abs. 6 Satz 6 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) die Beförderung oder Versendung der Lieferung an ihn zuzuordnen, es sei denn, er weist nach, dass er den Gegenstand als Lieferer befördert oder versendet hat. Nach der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 11. August 2011 V R 3/10, Der Betrieb --DB-- 2011, 2354) im Anschluss an die Rechtsprechung des EuGH (Urteil vom 16. Dezember 2010 C-430/09, Euro Tyre Holding, BFH/NV 2011, 379 Rdnrn. 34 f.) kommt es hierbei auf die Absichtsbekundung des Abnehmers an, den Gegenstand unter Verwendung einer nicht vom Mitgliedstaat der Lieferung stammenden USt-ID-Nummer in den Bestimmungsmitgliedstaat zu befördern. Einer Zuordnung zur ersten Lieferung steht dann nicht entgegen, dass die Beförderung des Gegenstandes nicht in die Geschäftsräume des Unternehmens des Ersterwerbers erfolgt, sondern der Gegenstand direkt zu einem weiteren Abkäufer ausgeliefert wird. Anders ist es jedoch, wenn der Ersterwerber dem ersten Lieferer bereits vor der Beförderung oder Versendung mitteilt, dass er den Gegenstand weiterverkauft hat. Wie der BFH im Urteil in DB 2011, 2354, unter II.2. bereits entschieden hat, hat es somit im Endergebnis der Ersterwerber im Falle des Weiterverkaufs durch Mitteilung oder Verschweigen des Weiterverkaufs in der Hand, die Beförderung oder Versendung der Lieferung an sich als Ersterwerber oder seiner eigenen Weiterlieferung zuzuordnen. Ob der Ersterwerber dem ersten Lieferer vor der Beförderung oder Versendung den Weiterverkauf mitgeteilt hat, ist aufgrund einer "umfassenden Würdigung der Umstände des Einzelfalles" festzustellen (vgl. EuGH-Urteil Euro Tyre Holding in BFH/NV 2011, 379, Leitsatz 1).

4 Nach den mit Verfahrensrügen nicht angefochtenen Feststellungen des FG (§ 118 Abs. 2 FGO) hatte der Kläger vom Weiterverkauf keine Kenntnis. Die Entscheidung beruht daher nicht auf einer Abweichung von der Rechtsprechung des BFH im Grundsätzlichen, sondern allenfalls auf einer nicht zwingenden Würdigung der Umstände des Einzelfalles, was keine zur Zulassung der Revision führende Divergenz begründet.

Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether the FG deviated from BFH and CJEU case law so that revision should be allowed under § 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO.

Decisão extraída

No qualifying divergence existed; the complaint was based only on the FG’s assessment of the case-specific facts.

Fundamentação extraída

Divergence requires an abstract disagreement on a decisive legal principle. Errors in fact-finding, applying settled principles, or subsumption do not justify leave to appeal.

Questão jurídica principal

How the transport in a chain transaction is allocated when the first purchaser resells before transport and whether the first supply remains tax-free.

Decisão extraída

If the supplier sold to a foreign entrepreneur and had no knowledge before transport that the first purchaser had already resold the goods, the supply is attributed to the first transaction and is tax-free.

Fundamentação extraída

Under § 3 Abs. 6 Satz 6 UStG and the case law following Euro Tyre Holding, allocation depends on the purchaser’s declaration or disclosure of the onward sale before transport; whether such disclosure occurred is a question of fact.

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