Non-acceptance complaint dismissed: case joinder and protocol objections

BFH IX B 137/10Bfh / Division 921 de mar. de 2011Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Fiscal Court rejected the taxpayer's non-acceptance complaint against the Lower Saxony Fiscal Court judgment. It held that the joinder of proceedings was not arbitrary, that objections to missing protocol entries required prior correction or supplementation requests, and that no violation of the right to be heard or the duty to investigate was shown. Complaints directed only at alleged substantive-law errors could not justify admission of the revision.

Sumário Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; procedural joinder and hearing record defects; admissibility of non-acceptance complaints. A prozessleitende order such as joinder or separation constitutes a procedural defect only if it is arbitrary, i.e. made without objective reason, and thereby impairs the parties in exercising their procedural rights. A party alleging omitted protocol entries must first seek correction or supplementation of the record. The right to be heard is not violated merely because the court does not follow a party's legal view; failure of ex officio investigation requires a concrete showing of omitted evidentiary measures. Pure substantive-law objections do not justify admission of revision.

Texto completo

BFH — IX B 137/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-03-21

Aktenzeichen: IX B 137/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 76 Abs 1 FGO, § 76 Abs 2 FGO, § 96 Abs 2 FGO, § 113 Abs 2 S 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO, § 128 Abs 2 FGO, § 160 Abs 4 ZPO, § 164 Abs 1 ZPO, § 165 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 26. Juli 2010, Az: 9 K 116/10, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde: Verfahrensverbindung als prozessleitende Verfügung - Zur Nicht-Protokollierung bestimmter Anträge und Vorgänge - Gegenstand der Prüfung bei Nichtzulassungsbeschwerde

Leitsatz

  1. NV: Eine prozessleitende Anordnung (wie die Verfahrensverbindung oder -trennung) begründet ebenso wie ihre Unterlassung nur dann einen Verfahrensmangel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO, wenn sie willkürlich --also ohne sachlichen Grund-- vorgenommen wurde und den jeweiligen Beteiligten dadurch in der Wahrnehmung seiner prozessualen Rechte behindert .

  2. NV: Wer rügt, das FA habe bestimmte Anträge und Vorgänge nicht protokolliert, muss zuvor von der Möglichkeit der Protokollberichtigung Gebrauch gemacht oder einen Antrag auf Protokollergänzung gestellt haben .

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Ihre Begründung entspricht zum Teil nicht den Darlegungsanforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO); im Übrigen liegen die geltend gemachten Zulassungsgründe nicht vor.

2 1. Der als Verfahrensmangel (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) gerügte Verstoß des Finanzgerichts (FG) gegen seine Fürsorgepflicht (§ 76 Abs. 2 FGO) wegen der vom FG vorgenommenen Verfahrensverbindung zur gemeinsamen Verhandlung ist nicht gegeben. Die als solche nicht anfechtbare Verfahrensverbindung (vgl. § 128 Abs. 2 FGO) begründet nur dann einen Verfahrensmangel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO, wenn sie willkürlich --also ohne sachlichen Grund-- vorgenommen wurde und den jeweiligen Beteiligten dadurch in der Wahrnehmung seiner prozessualen Rechte behindert (vgl. Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 18. Mai 2010 IX B 33/10, BFH/NV 2010, 1647, und vom 18. März 2002 I B 48/01, BFH/NV 2002, 1163, m.w.N.). Beides ist nicht hinreichend dargetan und trifft im Streitfall auch nicht zu. Denn angesichts einer größtenteils übereinstimmenden tatsächlichen und rechtlichen Problematik in den beiden Streitjahren 1997 und 2000 bestehen gegen eine solche Verbindung schon aus verfahrensökonomischen Gründen keine Bedenken (vgl. Brandis in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 73 FGO Rz 8; Thürmer in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 73 FGO Rz 27). Ein solcher Beschluss bedarf keiner Begründung (vgl. § 113 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 128 Abs. 2 FGO). Im Übrigen hat das FG den Beschluss zur gemeinsamen Verhandlung ins Protokoll aufgenommen und damit gleichzeitig den (möglichen) Antrag des Klägers und Beschwerdeführers (Kläger) auf Verfahrenstrennung zur Kenntnis genommen und abgelehnt.

3 Soweit der Kläger darüber hinaus rügt, das FG habe bestimmte Anträge und Vorgänge nicht protokolliert, hätte er zuvor von der Möglichkeit der Protokollberichtigung (vgl. § 94 FGO i.V.m. § 164 Abs. 1 der Zivilprozessordnung --ZPO--) Gebrauch machen oder einen Antrag auf Protokollergänzung nach § 160 Abs. 4 ZPO stellen müssen (vgl. BFH-Beschlüsse vom 18. Januar 2008 VII S 56/07 (PKH), BFH/NV 2008, 809; vom 24. Februar 2003 III B 117/02, BFH/NV 2003, 810, unter 3.b, m.w.N.). Dazu ist dem Sitzungsprotokoll (zu dessen Beweiskraft: § 94 FGO i.V.m. § 165 ZPO) indes nichts zu entnehmen.

4 2. a) Der gerügte Verfahrensmangel (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) der Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 96 Abs. 2 FGO) liegt nicht vor. Zur Gewährung rechtlichen Gehörs obliegt es dem Gericht u.a., den Beteiligten Gelegenheit zur Äußerung zu geben und ihre Ausführungen und Anträge wie auch den Akteninhalt zur Kenntnis zu nehmen und bei seiner Entscheidung in Erwägung zu ziehen. Indes verlangt das Recht auf Gehör vom Gericht nicht, der von einem Beteiligten vertretenen Rechtsansicht zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Juni 2008 2 BvR 2062/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056). Ausweislich des Sitzungsprotokolls wurden die einzelnen Streitpunkte "mit den Beteiligten verhandelt"; der Kläger hatte in der über zweieinhalb Stunden dauernden mündlichen Verhandlung hinreichend Gelegenheit, sich zu den Streitpunkten zu äußern. Im Übrigen betrifft die Nichtberücksichtigung von Zahlungen des Klägers auf die Einkommensteuerlast (1997) nicht die Festsetzung der Einkommensteuer, sondern deren Erhebung (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 18. Juli 2002 V R 56/01, BFHE 199, 71, BStBl II 2002, 705), die nicht Gegenstand des Klageverfahrens war.

5 b) Soweit der Kläger eine Verletzung der Sachaufklärungspflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) als (verzichtbaren) Verfahrensmangel (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) in Gestalt des Unterlassens einer möglichen Amtsermittlung rügt, ist dieser Verstoß nicht gegeben. Zudem lässt der Kläger bei seinen Ausführungen den maßgebenden materiell-rechtlichen Standpunkt des FG unberücksichtigt (vgl. BFH-Beschlüsse vom 25. Februar 2005 III B 13/04, BFH/NV 2005, 1065; vom 14. Oktober 2009 IX B 105/09, BFH/NV 2010, 443). Ausweislich des Sitzungsprotokolls (vgl. § 94 FGO i.V.m. § 165 ZPO) wurden die einzelnen Streitpunkte "mit den Beteiligten verhandelt", ohne dass ein Beweisantrag gestellt wurde oder der Kläger auf einen solchen oder anderweitige Aufklärungsmaßnahmen, insbesondere hinsichtlich der Gebäudeherstellungskosten, hingewirkt hätte. Dazu hätte Anlass bestanden, weil der erforderliche Veranlassungszusammenhang für einen weitergehenden Werbungskostenabzug nicht belegt wurde. Falsche Angaben des Finanzamts sind im Übrigen keine Verfahrensmängel i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO.

6 3. Soweit der Kläger darüber hinaus eine (vermeintlich) fehlerhafte Rechtsanwendung durch das FG, also materiell-rechtliche Fehler rügt, kann damit die Zulassung der Revision nicht erreicht werden (vgl. BFH-Beschlüsse vom 23. September 2009 IX B 84/09, BFH/NV 2010, 395; vom 1. April 2008 IX B 156/07, BFH/NV 2008, 1323). Zudem sind die in den nach Ablauf der Begründungsfrist und damit verspätet eingereichten Schriftsätzen enthaltenen Ausführungen, soweit sie nicht nur erläuternder, ergänzender oder vervollständigender Natur sind, unbeachtlich (vgl. BFH-Beschlüsse vom 5. Juni 2008 IX B 249/07, BFH/NV 2008, 1512; vom 25. September 2006 VI B 69/05, BFH/NV 2007, 83, unter 3., m.w.N.).

Palavras-chave

non-acceptance complaintjoinder of proceedingsprotocol correctionright to be heardduty to investigateprocedural defect

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Questão jurídica principal

Whether the trial court's joinder of proceedings constituted a procedural defect under § 115(2) no. 3 FGO

Decisão extraída

The joinder was not a procedural defect because it was not arbitrary and did not impede the parties' procedural rights.

Fundamentação extraída

A case joinder or separation only amounts to a procedural defect if it is made without objective reason and thereby hinders procedural rights. Here the issues in the two tax years largely overlapped, so joinder was justified for reasons of procedural economy.

Questão jurídica principal

Whether alleged failures to record motions and occurrences in the hearing minutes justified the complaint

Decisão extraída

No; the complainant first had to seek correction or supplementation of the minutes.

Fundamentação extraída

A challenge to omitted protocol entries requires prior use of the remedies for correction or supplementation of the record; nothing in the file showed that this had been done.

Questão jurídica principal

Whether the lower court violated the right to be heard

Decisão extraída

No violation of the right to be heard occurred.

Fundamentação extraída

The parties had a lengthy oral hearing and the issues were discussed with them. The right to be heard does not require the court to adopt the party's legal view.

Questão jurídica principal

Whether the court failed to investigate ex officio

Decisão extraída

No. The complaint did not show a cognizable breach of the duty to investigate.

Fundamentação extraída

No evidentiary request or request for further clarification had been made, although this would have been necessary on the court's material legal approach.

Questão jurídica principal

Whether alleged substantive-law errors by the lower court could justify admission of the revision

Decisão extraída

No; mere errors in substantive law cannot found admission of a revision complaint.

Fundamentação extraída

The complaint on this point attacked only the lower court's legal assessment, which is not a ground for admitting revision.

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