Complaint dismissed: no new issue on child benefit notice and proof of service

BFH III B 200/10Bfh / Divisão 315 de abr. de 2011Dismissed

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The BFH dismissed a complaint against non-admission of revision in a child-benefit matter as inadmissible. It held that the plaintiff had not properly substantiated the asserted fundamental importance of two questions: the temporal finality of a non-appealed child-benefit refusal or cancellation, and proof of service of an ordinary-mail notice. The court referred to settled BFH case law on both issues and found no indication for a renewed need for clarification. The plaintiff’s objections concerned only the FG’s factual and evidentiary assessment, which does not justify admission of revision.

Sumário Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 1, § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO; substantiation of fundamental importance and review of established case law. A complaint asserting fundamental importance must formulate a precise, concrete legal question and show with reasoned engagement with BFH case law and literature why the question remains unresolved or again doubtful. Where the decisive issue has already been clarified by highest-court jurisprudence, mere disagreement with the lower court’s application or with its factual and evidentiary assessment is insufficient. The proof of receipt of a notice sent by ordinary mail may be based on indicia and established by free judicial evaluation under § 96 Abs. 1 FGO. A non-appealed child-benefit refusal, zero assessment, or cancellation becomes final in temporal terms until the end of the month of notification; alteration is then governed by § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 and Nr. 2 AO.

Texto completo

BFH — III B 200/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-04-15

Aktenzeichen: III B 200/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 172 Abs 1 S 1 Nr 1 AO, § 172 Abs 1 S 1 Nr 2 AO, § 96 FGO, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 14. Oktober 2010, Az: 6 K 466/09, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Zeitliche Reichweite eines Kindergeld ablehnenden oder aufhebenden Bescheids - Beweis des Zugangs eines Bescheids im Wege freier Beweiswürdigung

Leitsatz

  1. NV: Die Bestandskraft eines nicht angefochtenen Bescheids, durch den die Gewährung von Kindergeld abgelehnt oder auf 0 € festgesetzt oder durch den eine Kindergeldfestsetzung aufgehoben wird, erstreckt sich in zeitlicher Hinsicht bis zum Ende des Monats seiner Bekanntgabe .

  2. NV: Ein Steuerbescheid kann, soweit er nicht vorläufig oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen ist, nur unter den in § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 der Abgabenordnung genannten Gründen aufgehoben oder geändert werden. Das gilt auch dann, wenn die (bestandskräftige) Ablehnung oder Aufhebung der Kindergeldfestsetzung erfolgte, weil anspruchserhebliche Tatschen nicht mitgeteilt oder nachgewiesen wurden .

  3. NV: Der Beweis des Zugangs eines mit einfachem Brief versandten Bescheids kann auf Indizien gestützt und im Wege der freien Beweiswürdigung nach § 96 Abs. 1 FGO geführt werden .

Gründe

1 Die Beschwerde ist unzulässig und daher durch Beschluss zu verwerfen (§ 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Sie entspricht nicht den Darlegungsanforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO.

2 Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) verlangt substantiierte Ausführungen zur Klärungsbedürftigkeit einer hinreichend bestimmten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich klärbar ist und deren Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist. Hierzu muss sich der Beschwerdeführer mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) und den Äußerungen im Schrifttum auseinandersetzen. Insbesondere sind Ausführungen erforderlich, aus denen sich ergibt, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gründen die Beantwortung der Rechtsfrage zweifelhaft und umstritten ist. Liegt zu der vom Beschwerdeführer herausgestellten Rechtsfrage bereits höchstrichterliche Rechtsprechung vor, so gehört zu der Darlegung der Klärungsbedürftigkeit eine fundierte Stellungnahme dazu, weshalb diese Rechtsprechung noch nicht zu einer hinreichenden Klärung geführt habe oder aufgrund welcher neuen Entwicklung sie nunmehr erneut in Frage gestellt werden müsse (z.B. BFH-Beschluss vom 15. Oktober 2008 II B 74/08, BFH/NV 2009, 125). Diesen Anforderungen entspricht die Beschwerdebegründung nicht.

3 a) Grundsätzliche Bedeutung misst der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) der Frage bei, "ob bei der Ablehnung eines Antrags aus rein formellen Gründen auch eine materielle Bestandskraft eintritt oder ob der betroffene Bürger jederzeit einen neuen Antrag stellen kann, der dann auch einer materiellen Anspruchsprüfung zugänglich ist". In der Rechtsprechung des BFH ist jedoch bereits geklärt, dass sich die Bestandskraft eines nicht angefochtenen Bescheids, durch den die Gewährung von Kindergeld abgelehnt oder auf 0 € (DM) festgesetzt oder durch den eine Kindergeldfestsetzung aufgehoben wird, in zeitlicher Hinsicht bis zum Ende des Monats seiner Bekanntgabe erstreckt, und dass ein Steuerbescheid, soweit er nicht vorläufig oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen ist, nur unter den in § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 der Abgabenordnung genannten Gründen aufgehoben oder geändert werden kann (z.B. BFH-Urteil vom 23. November 2001 VI R 125/00, BFHE 197, 387, BStBl II 2002, 296). Das gilt auch dann, wenn die (bestandskräftige) Ablehnung oder Aufhebung der Kindergeldfestsetzung erfolgte, weil anspruchserhebliche Tatsachen nicht mitgeteilt oder nachgewiesen wurden (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 29. April 2009 III B 113/08, BFH/NV 2009, 1239). Der Kläger hat nicht dargelegt, weshalb diese Rechtsprechung, die das Finanzgericht (FG) seiner Entscheidung auch zugrunde gelegt hat, noch nicht zu einer hinreichenden Klärung geführt hat oder aufgrund welcher neuen Entwicklung sie nunmehr erneut in Frage gestellt werden müsste.

4 b) Gleiches gilt für die vom Kläger für grundsätzlich bedeutsam gehaltene Frage, "inwieweit die Bekanntgabe eines Behördenbescheids bei Übermittlung des Schreibens mittels einfacher Post ohne Zustellungsnachweis ausreicht, um aus dem Schreiben Rechtsfolgen herzuleiten". Denn in der Rechtsprechung ist bereits geklärt, dass der Beweis des Zugangs eines mit einfachem Brief versandten Bescheids auf Indizien gestützt und im Wege der freien Beweiswürdigung nach § 96 Abs. 1 FGO geführt werden kann (z.B. BFH-Urteile vom 3. März 1993 II R 11/90, BFH/NV 1994, 141; vom 14. März 1989 VII R 75/85, BFHE 156, 66, BStBl II 1989, 534; BFH-Beschlüsse vom 26. Oktober 1998 X B 117/98, BFH/NV 1999, 450; vom 4. November 2008 I B 106/08, Zeitschrift für Steuern & Recht 2009, R 40). Der Kläger hat auch insoweit nicht vorgetragen, weshalb eine erneute Klärung dieser Frage erforderlich sein sollte. Im Ergebnis wendet er sich gegen die vom FG vorgenommene Sachverhalts- und Beweiswürdigung und hält diese für unzutreffend. Dies kann jedoch regelmäßig nicht zur Zulassung der Revision führen. Denn die Sachverhalts- und Beweiswürdigung sind revisionsrechtlich dem materiellen Recht zuzuordnen (vgl. BFH-Beschlüsse vom 22. April 2008 VIII B 96/07, BFH/NV 2008, 1472; vom 16. April 2008 III B 100/07, BFH/NV 2008, 1358).

Palavras-chave

child benefitfinalitynotice of serviceordinary mailfree evaluation of evidencefundamental importancerevision admission

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the complaint sufficiently substantiated the ground of fundamental importance under § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO

Decisão extraída

No. The complaint did not adequately explain why the questions raised were still in need of clarification despite existing BFH case law.

Fundamentação extraída

A substantiated showing of fundamental importance requires a specific, debatable legal question and engagement with existing case law and scholarship. The complaint failed to meet these requirements.

Questão jurídica principal

Whether existing BFH case law on the temporal effect of unappealed child-benefit refusals or cancellations should be revisited

Decisão extraída

No. The court relied on settled case law that such finality extends until the end of the month of notification and that amendment is only possible under § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 or Nr. 2 AO.

Fundamentação extraída

The plaintiff did not show any new development or unresolved conflict that would justify renewed clarification.

Questão jurídica principal

Whether service of a notice sent by ordinary mail may be proved by circumstantial evidence and free judicial evaluation under § 96 Abs. 1 FGO

Decisão extraída

Yes, that is already settled in BFH case law; the plaintiff did not demonstrate any need for further clarification.

Fundamentação extraída

Proof of receipt may be based on indicia and assessed freely by the court. The plaintiff's attack was directed only at the factual and evidentiary assessment, which does not normally justify admission of revision.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.