Input VAT, good faith, and untimely action on hardship request

BFH V B 134/09Bfh / Divisão 512 de out. de 2010Dismissed

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Resumo Omnilex

The BFH dismissed the complainant's non-admission complaint in a VAT case. It held that § 15 UStG does not protect good faith in the assessment procedure and that missing material requirements for input VAT deduction cannot be cured there by trust protection. Because the invoice issuer and supplier were not identical, deduction failed in any event. The court also rejected the alleged procedural defect: the fiscal court had sufficiently dealt with the trust-protection argument by referring to BFH case law. A missing decision on a separate hardship request would have to be challenged by an objection for inactivity and, if necessary, an action for failure to act, since assessment and hardship relief are separate administrative acts.

Sumário Omnilex

§ 15 UStG; good faith and input VAT deduction; § 163 AO, § 347 AO, § 46 FGO; the statutory input VAT deduction regime does not incorporate a general protection of good faith in the assessment procedure. Where the material requirements for deduction are lacking, trust protection may be pursued only in hardship proceedings as a separate administrative act, to be challenged by objection against inactivity and, if necessary, by an action for failure to act. A procedural defect for failure to give reasons is not established where the lower court addressed the central trust-protection argument by reference to existing case law and the reasoning remains comprehensible (consid. 4-8).

Texto completo

BFH — V B 134/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-12

Aktenzeichen: V B 134/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 15 UStG 1993, § 163 AO, § 347 AO, § 46 FGO

Vorinstanz: vorgehend Sächsisches Finanzgericht, 12. Oktober 2009, Az: 1 K 30/08, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Vorsteuerabzug aus Billigkeitsgründen - Untätigkeitsklage bei fehlender Entscheidung über Billigkeitsantrag

Leitsatz

  1. NV: § 15 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) sieht eine Berücksichtigung des Guten Glaubens an das Vorliegen der Voraussetzungen des Vorsteuerabzuges nicht vor.

  2. NV: Beruft sich der Stpfl. darauf, der Vorsteuerabzug sei trotz Fehlens der Voraussetzungen im Billigkeitswege zu gewähren, ist die Entscheidung über die Billigkeitsmaßnahme, bei der es sich um einen selbstständigen Verwaltungsakt handelt, mit der Entscheidung über den Vorsteuerabzug zu verbinden.

  3. NV: Hat das FA über einen ausdrücklich oder konkludent gestellten Billigkeitsantrag nicht entschieden, kann der Stpfl. Untätigkeitseinspruch (§ 347 Abs. 1 AO) und ggf. Untätigkeitsklage (§ 46 FGO) erheben.

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet. Die geltend gemachten Zulassungsgründe liegen nicht vor.

2 1. Die vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) für grundsätzlich bedeutsam erachtete Frage, ob die Vorlage eines deutschen Kraftfahrzeugbriefes bei der Abwicklung eines Kaufvertrages über Kfz die Annahme rechtfertigt, dass die Unternehmereigenschaft des Veräußernden bereits ausreichend durch behördliche Maßnahmen geprüft worden ist und ob aus diesem Aspekt ein derartiger Vertrauenstatbestand erwächst, dass ein Vorsteuerabzug zumindest aus Billigkeitsgründen gewährt werden kann, kann in dem angestrebten Revisionsverfahren nicht geklärt werden. Nach den den Senat bindenden (§ 118 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) Feststellungen des Finanzgerichts (FG) waren Rechnungsaussteller und Leistender nicht identisch. Damit wäre der Vorsteuerabzug selbst dann zu versagen, wenn die Überlassung des Kfz-Briefes ein schutzwürdiges Vertrauen in die Unternehmereigenschaft des Verkäufers rechtfertigen würde.

3 Im Übrigen entspricht es ständiger Rechtsprechung, dass § 15 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) im --hier vorliegenden-- Festsetzungsverfahren keinen Schutz des guten Glaubens an die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs vorsieht (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 8. Oktober 2008 V R 63/07, BFH/NV 2009, 1473; vom 30. April 2009 V R 15/07, BFHE 225, 254, BStBl II 2009, 744; vom 8. Juli 2009 XI R 51/07, BFH/NV 2010, 256).

4 2. Als Verfahrensfehler des FG rügt der Kläger sinngemäß das Fehlen von Entscheidungsgründen, weil das FG "zu zentral vorgebrachten Vertrauensschutzaspekten nicht abschließend Stellung" genommen habe. Das Fehlen der erforderlichen Begründung ist ein Verfahrensmangel, der gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO zur Zulassung der Revision führen kann (BFH-Beschlüsse vom 17. Juni 2010 X B 218/09, BFH/NV 2010, 1633; vom 19. Oktober 2001 V B 48/01, BFH/NV 2002, 369). Ein solcher Mangel liegt zwar vor, wenn das FG ein selbständiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel mit Stillschweigen übergangen hat oder wenn die gegebene Begründung so substanzlos ist, dass es die maßgeblichen Feststellungen und Erwägungen des FG nicht erkennen lässt (BFH-Beschluss in BFH/NV 2010, 1633; BFH-Urteil vom 2. Oktober 2001 IX R 25/99, BFH/NV 2002, 363). Beides ist nicht der Fall.

5 Das FG hat zum Einwand des Klägers, der Gedanke des Vertrauensschutzes gebiete im Streitfall die Gewährung des Vorsteuerabzugs --zumindest im Billigkeitsweg-- unter II.3. des FG-Urteils Stellung genommen und auf die Rechtsprechung des BFH (Urteil in BFHE 225, 254, BStBl II 2009, 744) verwiesen.

6 Danach sieht § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG einen Schutz des guten Glaubens an die Erfüllung des Vorsteuerabzuges nicht vor und es kommt --wenn die materiellen Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug wegen unzutreffender Rechnungsangaben nicht vorliegen-- unter Berücksichtigung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes nur ein Vorsteuerabzug im Billigkeitsverfahren (§§ 163, 227 der Abgabenordnung --AO--) in Betracht.

7 Macht der Steuerpflichtige im Festsetzungsverfahren geltend, ihm sei der Vorsteuerabzug trotz Nichtvorliegens der materiell-rechtlichen Voraussetzungen zu gewähren, ist die Entscheidung über die Billigkeitsmaßnahme zwar nach § 163 Satz 3 AO regelmäßig mit der Steuerfestsetzung zu verbinden. Gleichwohl sind Steuerfestsetzung und Billigkeitsentscheidung zwei Verwaltungsakte. Hat der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) über einen bereits im Festsetzungsverfahren ausdrücklich oder konkludent --wegen der Berufung auf Vertrauensschutz-- gestellten Antrag auf eine Billigkeitsentscheidung nicht entschieden, hat der Steuerpflichtige verfahrensrechtlich die Möglichkeit des Untätigkeitseinspruchs (§ 347 Abs. 1 Satz 2 AO) und ggf. der Untätigkeitsklage (§ 46 FGO).

8 Im Streitfall war Gegenstand des Klageverfahrens jedoch allein die Rechtmäßigkeit des Steuerbescheides. Dass das FG in Bezug auf den beanspruchten Vertrauensschutz lediglich auf die Rechtsprechung des BFH verwiesen und über die Billigkeitsmaßnahme nicht entschieden hat, begründet daher keinen Verfahrensmangel.

Palavras-chave

input VAT deductiongood faithhardship relieftax assessmentfailure to actprocedural defect

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Questão jurídica principal

Whether good faith can justify input VAT deduction under § 15 UStG when the formal requirements are missing.

Decisão extraída

No. Section 15 UStG does not provide protection of good faith in the assessment procedure; if the material requirements are absent, deduction is only conceivable through hardship relief.

Fundamentação extraída

The court relied on settled case law that good faith is not part of the statutory input VAT deduction test. Because the invoice issuer and supplier were not identical, deduction had to be denied regardless of any possible trust in the seller's entrepreneurial status.

Questão jurídica principal

Whether the fiscal court committed a procedural error by not addressing the asserted trust-protection arguments in detail.

Decisão extraída

No. The fiscal court had dealt with the argument by referring to BFH case law; the complaint alleged no cognizable failure to give reasons.

Fundamentação extraída

A failure to state reasons exists only if a distinct argument is ignored or the reasoning is so deficient that the court's factual and legal basis cannot be identified. That was not the case here.

Questão jurídica principal

Whether the absence of a decision on a requested hardship measure could support the complaint.

Decisão extraída

No. Tax assessment and hardship decision are separate administrative acts; if the tax office does not decide on an expressly or impliedly requested hardship measure, the taxpayer must use an objection against inactivity and, if necessary, an action for failure to act.

Fundamentação extraída

Although § 163 AO normally links the hardship decision to the assessment, the dispute before the court concerned only the tax assessment. The lack of a separate hardship decision therefore did not constitute a procedural defect in the judgment under review.

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