No procedural error where oral hearing request was untimely

BFH IX B 157/09Bfh / Division 929 de jan. de 2010Dismissed

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Resumo Omnilex

The BFH dismissed the complaint. It held that the tax court had not committed a procedural error by deciding without oral hearing under § 94a FGO, because the plaintiffs' request or waiver statement had reached the court only after the judgment had already been issued and served. The BFH also rejected the alleged violation of the right to be heard, since the plaintiffs failed to specify what additional facts or arguments they would have presented and why these could have changed the outcome.

Sumário Omnilex

§ 94a FGO, § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; decision without oral hearing is a procedural defect only if a timely request for oral hearing, or an equivalent declaration not to waive it, has reached the court before the judgment is rendered. The tax court may then decide under § 94a FGO within its discretionary margin, provided it sets out the decisive reasons. A complaint based on Art. 103 Abs. 1 GG and § 96 Abs. 2 FGO requires concrete, substantiated submission of the omitted arguments and a plausible showing that such submission could have altered the decision on the court's substantive legal view (consid. 2-3).

Texto completo

BFH — IX B 157/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-29

Aktenzeichen: IX B 157/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 94a FGO, § 96 Abs 2 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, Art 103 Abs 1 GG, § 116 Abs 3 S 3 FGO

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 13. Juli 2009, Az: 15 K 178/09, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

(Verfahren nach billigem Ermessen gemäß § 94a FGO - Verzicht auf mündliche Verhandlung - Entscheidung ohne mündliche Verhandlung als Verfahrensmangel - Gehörsverstoß)

Leitsatz

  1. NV: Ein Verfahrensmangel i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO liegt vor, wenn das FG ohne mündliche Verhandlung nach § 94a FGO entscheidet, obwohl rechtzeitig mündliche Verhandlung beantragt worden ist. Einem Antrag auf mündliche Verhandlung kommt die Erklärung einer Partei gleich, nicht auf mündliche Verhandlung zu verzichten oder Sachanträge in der mündlichen Verhandlung stellen oder konkretisieren zu wollen .

  2. NV: Die Rüge des Gehörsverstoßes setzt u.a. voraus, dass die Kläger im Einzelnen substantiiert darlegen, was sie bei ausreichender Gewährung des rechtlichen Gehörs noch vorgetragen hätten und dass dieser Vortrag --auf der Grundlage der materiell-rechtlichen Auffassung des FG-- zu einer anderen Entscheidung hätte führen können .

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die von den Klägern und Beschwerdeführern (Kläger) gerügten Verfahrensfehler liegen nicht vor.

2 Die behauptete Verletzung des § 94a der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist nicht schlüssig gerügt. Zwar liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ein Verfahrensmangel i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO vor, wenn das Finanzgericht (FG) ohne mündliche Verhandlung nach § 94a FGO entscheidet, obwohl eine solche beantragt worden ist. Einem Antrag auf mündliche Verhandlung kommt die Erklärung eines Beteiligten gleich, nicht auf mündliche Verhandlung verzichten zu wollen (vgl. BFH-Urteil vom 11. August 1987 IX R 135/83, BFHE 151, 297, BStBl II 1988, 141; BFH-Beschluss vom 26. März 1996 XI B 132/95, BFH/NV 1996, 696). Indes haben die Kläger nicht schlüssig dargelegt, dass sie im Klageverfahren rechtzeitig einen solchen konkludenten Antrag gestellt haben. Ein Schreiben der Kläger vom 14. Juli 2009, in dem diese erklärten, nicht auf mündliche Verhandlung verzichten zu wollen, ist --einschließlich eines weiteren, als Anlage in Kopie beigefügten Schreibens vom 24. Juni 2009, welches eine vergleichbare Erklärung enthält-- nach Aktenlage erst am 20. Juli 2009 bei dem FG eingegangen. Demgegenüber ist das ohne mündliche Verhandlung nach § 94a FGO ergangene Urteil des FG vom 13. Juli 2009 den Klägern ausweislich der sich in den Akten befindlichen Postzustellungsurkunde schon am 15. Juli 2009 zugestellt worden. Vor diesem Hintergrund konnte das FG mangels eines vor Erlass des angefochtenen Urteils vorliegenden Antrags auf mündliche Verhandlung nach § 94a FGO entscheiden; das FG hat den ihm insoweit zustehenden Ermessenspielraum nicht überschritten und die tragenden Ermessenserwägungen im Urteil niedergelegt.

3 Auch eine von den Klägern behauptete --darüber hinausgehende-- Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 96 Abs. 2 FGO) liegt nicht vor. Die Kläger haben insoweit schon nicht dargetan, was sie bei ausreichender Gewährung des rechtlichen Gehörs noch (zusätzlich) vorgetragen hätten und dass dieser Vortrag --auf der Grundlage der materiell-rechtlichen Auffassung des FG-- zu einer anderen Entscheidung hätte führen können (vgl. BFH-Beschluss vom 30. Mai 2007 VI B 119/06, BFH/NV 2007, 1697, m.w.N.).

Palavras-chave

oral hearingprocedural defectright to be heardtax court proceduretimeliness

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Questão jurídica principal

Whether the tax court committed a procedural defect by deciding without oral hearing under § 94a FGO despite an alleged timely request for oral hearing.

Decisão extraída

No procedural defect was shown, because the plaintiffs did not substantiate that a request for oral hearing had reached the court before the judgment was issued.

Fundamentação extraída

A procedural defect exists if the court decides under § 94a FGO despite a timely request for oral hearing. Here, the asserted declarations were received only after the tax court judgment had already been served, so the court could decide without oral hearing within its discretion.

Questão jurídica principal

Whether the plaintiffs sufficiently alleged a violation of the right to be heard under Art. 103 Abs. 1 GG and § 96 Abs. 2 FGO.

Decisão extraída

No. The complaint failed because the plaintiffs did not specify what additional submissions they would have made or how this could have led to a different result.

Fundamentação extraída

A hearing violation requires concrete substantiation of the omitted submissions and their potential relevance under the tax court's substantive view; this was missing.

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