Federal Constitutional Court rejects election review complaint and bias motions

BVerfG 2 BvC 69/14Bverfg / Divisão 218 de fev. de 2016Dismissed

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Resumo Omnilex

The complainant attacked the composition of the Second Senate and sought the recusal of Judges Landau, Huber, and Müller, alleging bias based on former official activities for CDU governments and alleged party-political interests. The Court held that it had to examine its own composition ex officio where necessary, and that the participation of the seven affected senators was not excluded. It further held that Arts. 3(3) and 36(1) GG do not apply alongside Art. 94 GG and §§ 3 ff. BVerfGG. The bias motions were manifestly inadmissible, and the election review complaint was rejected without further reasons under § 24 sentence 2 BVerfGG.

Sumário Omnilex

Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG; Art. 94 GG; §§ 3 ff., § 19 Abs. 1, § 24 S. 2 BVerfGG; Besetzungsrüge und Ablehnungsgesuch im Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Das Gericht prüft seine ordnungsgemäße Besetzung von Amts wegen, soweit Anlass besteht; sind jedoch so viele Mitglieder betroffen, dass die Frage der Besetzung derjenigen der ordnungsgemäßen Einrichtung des Spruchkörpers gleichkommt, entscheiden die betroffenen Mitglieder mit. Art. 3 Abs. 3 GG und Art. 36 Abs. 1 GG finden neben der speziellen Regelung über die Senatsbesetzung keine Anwendung. Ein Ablehnungsgesuch ist offensichtlich unzulässig, wenn es unbegründet bleibt oder sich auf ungeeignete Gründe stützt; frühere amtliche Tätigkeit oder bloße Parteizugehörigkeit genügen für die Besorgnis der Befangenheit nicht.

Texto completo

BVerfG — 2 BvC 69/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-18

Aktenzeichen: 2 BvC 69/14

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:cs20160218.2bvc006914

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 3 Abs 3 GG, Art 36 Abs 1 GG, Art 94 GG, Art 101 Abs 1 S 2 GG, §§ 3ff BVerfGG, § 3 BVerfGG, § 19 Abs 1 BVerfGG, § 24 S 2 BVerfGG, § 48 BVerfGG

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Zur Mitwirkung mehrerer von der Besetzungsrüge betroffenen Richter an der Entscheidung über die Besetzungsrüge - Senatsbesetzung bemisst sich weder an Art 3 Abs 3 GG noch an Art 36 GG - hier: Verwerfung einer Wahlprüfungsbeschwerde - Verwerfung mehrerer Richterablehnungsgesuche als unzulässig - erfolglose Besetzungsrüge

Tenor

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts ist ordnungsgemäß besetzt.

Die Ablehnungsgesuche gegen die Richter Landau, Huber und Müller werden als unzulässig verworfen.

Die Wahlprüfungsbeschwerde wird verworfen.

Gründe

1 Der Wahlprüfungsbeschwerde bleibt aus den im Schreiben des Berichterstatters vom 7. Januar 2016 genannten Gründen der Erfolg versagt.

2 Die Besetzungsrüge des Beschwerdeführers betreffend den Präsidenten und die Richterinnen und Richter Landau, Huber, Hermanns, Müller, Kessal-Wulf und Maidowski begründet keine Zweifel an der ordnungsgemäßen Besetzung des Zweiten Senats.

3 Der Senat hat seine ordnungsgemäße Besetzung zur Wahrung des Anspruchs aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG von Amts wegen zu prüfen, soweit Anlass hierzu besteht (BVerfGE 131, 230 <233> m.w.N.). Die sieben betroffenen Senatsmitglieder sind von der Teilnahme an der Prüfung nicht ausgeschlossen. Zwar erfolgt die Feststellung der richtigen Besetzung eines erkennenden Gerichts regelmäßig ohne Beteiligung des Richters, dessen Berechtigung zur Mitwirkung zweifelhaft erscheint. Indes sind hier mit sieben Senatsmitgliedern derart viele Richter betroffen, dass die Beurteilung der vorschriftsmäßigen Senatsbesetzung der Frage nach der ordnungsgemäßen Einrichtung eines Spruchkörpers gleichzusetzen ist, über die dieser selbst befindet (BVerfGE 131, 230 <233> m.w.N.).

4 Die Besetzungsrüge des Beschwerdeführers, der hinsichtlich der betreffenden Richter Verstöße gegen Art. 3 Abs. 3 und Art. 36 Abs. 1 GG geltend macht, trägt nicht, da entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers weder Art. 36 GG noch Art. 3 Abs. 3 GG neben den Regelungen in Art. 94 GG in Verbindung mit §§ 3 ff. BVerfGG Anwendung finden.

5 Die Ablehnungsgesuche gegen die Richter Landau, Huber und Müller sind offensichtlich unzulässig. Offensichtlich unzulässig ist ein Ablehnungsgesuch vor allem dann, wenn es nicht begründet wird oder sich auf eine gänzlich ungeeignete Begründung stützt (vgl. BVerfGE 11, 1 <5>; 11, 343 <348>; 46, 200; 72, 51 <59>). Bei offensichtlicher Unzulässigkeit bedarf es keiner dienstlichen Stellungnahme des abgelehnten Richters; dieser ist auch von der Entscheidung über das offensichtlich unzulässige Ablehnungsgesuch nicht ausgeschlossen (vgl. BVerfGE 11, 1 <3>; BVerfGK 8, 59 <60>). Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Besorgnis der Befangenheit mit den ehemaligen amtlichen Aktivitäten der Richter für "CDU-Regierungen" begründet. Insbesondere Richter Müller habe "offensichtlich ein parteipolitisches Interesse, an dem Wahlsieg der CDU festzuhalten". Diese Begründung ist gänzlich ungeeignet, eine Besorgnis der Befangenheit zu begründen. Aus der bloßen vorhergehenden amtlichen Tätigkeit eines Richters kann eine Besorgnis der Befangenheit nicht abgeleitet werden (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 11. August 2009 - 2 BvR 343/09 -, juris, Rn. 8 und 12). Auch die - aktiv wahrgenommene oder ruhende - Mitgliedschaft in einer Partei kann für sich genommen eine Besorgnis der Befangenheit nicht rechtfertigen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 11. August 2009 - 2 BvR 343/09 -, juris, Rn. 15 m.w.N.).

6 Gemäß § 24 Satz 2 BVerfGG wird von einer weiteren Begründung abgesehen.

Palavras-chave

composition of courtbias motionelection review complaintconstitutional courtmanifest inadmissibilityself-reviewparty membershipformer official activity

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Questão jurídica principal

Whether the Second Senate was properly composed despite the composition challenge.

Decisão extraída

The Second Senate was properly composed; the composition challenge raised no doubts requiring recusal of the seven affected members.

Fundamentação extraída

The Court must review its own proper composition ex officio where necessary to safeguard Art. 101(1) sentence 2 GG. Because seven senators were affected, the issue was treated like the Court’s own orderly constitution, which it may decide itself. Arts. 3(3) GG and 36(1) GG do not apply alongside Art. 94 GG and §§ 3 ff. BVerfGG.

Questão jurídica principal

Whether the bias motions against Judges Landau, Huber, and Müller were admissible.

Decisão extraída

The motions were manifestly inadmissible.

Fundamentação extraída

A bias motion is manifestly inadmissible in particular if it is unreasoned or based on entirely unsuitable grounds. Prior official activity for CDU governments, or mere party membership, cannot by itself justify an apprehension of bias.

Questão jurídica principal

Whether the election review complaint was well-founded.

Decisão extraída

The complaint failed for the reasons stated in the rapporteur’s letter of 7 January 2016.

Fundamentação extraída

The Court referred to the reasons already given by the rapporteur and provided no further reasoning under § 24 sentence 2 BVerfGG.

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