Interim constitutional relief denied for lack of own rights violation

BVerfG 1 BvQ 23/15Bverfg / 1. Senat 3. Kammer14 de jul. de 2015Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Constitutional Court rejected the application for an interim order. It held that any constitutional complaint in the main proceedings would be obviously unsuccessful because the applicant's grievance did not show a violation of his own rights. The complaint was based solely on the allegation that, in civil interim-injunction proceedings, the opposing party had not been heard. The Court considered this insufficient, relying on §§ 936 and 922(3) ZPO. It also held that the subsidiarity principle under § 90(2) BVerfGG required the applicant to pursue the main proceedings, which remained the proper forum.

Sumário Omnilex

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; einstweilige Anordnung nur bei hinreichender Erfolgsaussicht der Hauptsache und bei Abwehr schwerer Nachteile; § 90 Abs. 2 BVerfGG; Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde verlangt Ausschöpfung aller sachnächsten prozessualen Möglichkeiten. Gegen Entscheidungen im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes ist grundsätzlich auf das Hauptsacheverfahren zu verweisen; Ausnahmen bestehen nur bei Rüge der Versagung des Eilrechtsschutzes selbst, bei fehlender Abhilfemöglichkeit im Hauptsacheverfahren oder Unzumutbarkeit des Rechtswegs. Die unterbliebene Anhörung der Gegenseite im zivilprozessualen einstweiligen Verfügungsverfahren begründet für den Antragsteller regelmäßig keine eigene Grundrechtsverletzung, wenn sich die Vorgehensweise aus §§ 936, 922 Abs. 3 ZPO ergibt.

Texto completo

BVerfG — 1 BvQ 23/15, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2015-07-14

Aktenzeichen: 1 BvQ 23/15

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2015:qk20150714.1bvq002315

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: § 32 Abs 1 BVerfGG, § 90 Abs 2 BVerfGG, § 922 Abs 3 ZPO, § 936 ZPO

Vorinstanz: vorgehend AG Schöneberg, 4. Mai 2015, Az: 7 C 68/15, Beschlussvorgehend AG Schöneberg, 27. Mai 2015, Az: 7 C 68/15, Beschlussvorgehend LG Berlin, 19. Juni 2015, Az: 52 T 31/15, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: keine Verletzung eigener Rechte des Antragstellers bei unterlassener Anhörung der Gegenseite im zivilprozessualen eV-Verfahren (§§ 936, 922 Abs 3 ZPO) - Subsidiarität einer noch zu erhebenden Verfassungsbeschwerde bei offenem fachgerichtlichem Hauptsacherechtsweg

Gründe

1 Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung gemäß § 32 BVerfGG liegen nicht vor, weil die in der Hauptsache zu erhebende Verfassungsbeschwerde offensichtlich aussichtslos wäre (vgl. BVerfGE 71, 350 <351 f.>; 82, 310 <313>; stRspr).

2 Eine einzulegende Verfassungsbeschwerde würde dem Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde nicht gerecht (§ 90 Abs. 2 BVerfGG). Sie genügt nicht schon dann den Anforderungen von § 90 Abs. 2 BVerfGG, wenn der Rechtsweg formell erschöpft ist. Es müssen vielmehr alle nach Lage der Sache zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergriffen werden, um die jeweils geltend gemachte Grundrechtsverletzung in dem unmittelbar mit ihr zusammenhängenden sachnächsten Verfahren zu verhindern oder zu beseitigen (vgl. BVerfGE 68, 384 <388 f.>; 77, 381 <401>; 81, 97 <102>; 107, 395 <414>; stRspr). Beschwerdeführende, die sich gegen Entscheidungen im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes wenden, können daher grundsätzlich auf das Hauptsacheverfahren verwiesen werden. Ausnahmsweise gilt dies nur dann nicht, wenn gerade die Versagung des einstweiligen Rechtsschutzes gerügt wird (vgl. BVerfGE 59, 63 <84>), das Hauptsacheverfahren keine ausreichende Möglichkeit bietet, einer Rechtsverletzung abzuhelfen (vgl. BVerfGE 79, 275 <279>; 104, 65 <71>) oder die Beschreitung des Rechtswegs in der Hauptsache unzumutbar ist (vgl. BVerfGE 86, 46 <49>). Der Antragsteller rügt zwar, das Amtsgericht habe ihm im Verfahren der einstweiligen Verfügung effektiven Rechtsschutz versagt. Diese Rüge stützt sich jedoch ausschließlich darauf, die Gegenseite sei im einstweiligen Verfügungsverfahren nicht angehört worden. Dies kann den Antragsteller nicht in eigenen grundrechtlichen Rechtspositionen beeinträchtigen und ergibt sich aus den - vom Antragsteller nicht angegriffenen und verfassungsrechtlich nicht zu beanstandenden - Vorschriften des § 936 ZPO in Verbindung mit § 922 Abs. 3 ZPO.

3 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Palavras-chave

interim reliefsubsidiarityconstitutional complaintright to be heardcivil procedureown rights

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Questão jurídica principal

Whether an interim constitutional order under § 32 BVerfGG should be issued

Decisão extraída

No; the application was refused because the prospective constitutional complaint in the main matter would be obviously unsuccessful.

Fundamentação extraída

The Court found no basis for interim relief where the main complaint lacked prospects of success.

Questão jurídica principal

Whether the applicant could rely on a violation caused by the lower court's failure to hear the opposing party in the injunction proceedings

Decisão extraída

No; the omission of a hearing of the opponent did not impair the applicant's own fundamental rights.

Fundamentação extraída

Under §§ 936 and 922(3) ZPO, the complained-of procedural feature did not amount to an infringement of the applicant's own constitutional rights.

Questão jurídica principal

Whether a constitutional complaint would satisfy subsidiarity under § 90(2) BVerfGG despite the available main proceedings

Decisão extraída

No; the applicant had to pursue the main proceedings first, because all available procedural means must be used in the most relevant forum.

Fundamentação extraída

The Court reiterated that parties challenging interim-relief decisions are generally referred to the main proceedings unless exceptional reasons apply; none were shown here.

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